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Das Kantische Erhabene bei Adalbert Stifter

Hausarbeit 2005 17 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Kantische Wahrnehmung des Menschen

Das Kantische Schöne

Das Kantische Erhabene

Stifters „Erhabenes“

Das Gefühl des Erhabenen in Stifters Literatur

Unfassbare Bilder des Schreckens bei Ernst Jünger

Der Blick in die Tiefe

Kunst oder Tatsachenbericht?

Quellenverzeichnis

Einleitung

Meine Arbeit hat zum Ziel, den Begriff des „Erhabenen“ nach Kant zu klären und ihn dann in den Erzählungen von Adalbert Stifter zu suchen bzw. festzustellen, inwiefern man den von Kant beschriebenen „Gefühlsprozess“ bei Sitfter wiederfindet.

Zur Hilfe genommen habe ich Textauszüge von Karl Heinz Bohrer, der sich mit Ernst- Jünger- Texten beschäftigt. Anders als Stifter sind es bei Jünger Kriegssituationen- bei dem von mir gewählten Beispiel der Einschlag einer Granate- die die gekannte Realität übersteigen und ein Gefühl verursachen, das- vielleicht- Ähnlichkeiten mit dem Gefühl des Erhabenen nach Kant hat.

Die Kantische Wahrnehmung des Menschen

Kant hielt eine „Neue Wissenschaft von den letzten Dingen“ (Metaphysik) für notwendig, weil er der dogmatischen Selbstsicherheit der herkömmlichen Metaphysik mit ihrer gefährlichen Nähe zur Religion einerseits und dem alles bezweifelnden Skeptizismus Humes andererseits etwas entgegenhalten wollte.

Um sich dieser Wissenschaft zu nähern, untersuchte Kant die menschliche Erkenntnisart von Gegenständen, bzw. Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung überhaupt. Er stellte zunächst fest, dass die Bedingungen im wahrnehmenden Subjekt liegen. Der Mensch nimmt seine Umwelt durch Sinnlichkeit und Verstand wahr: Durch die Sinnlichkeit oder auch Sinne werden uns die Gegenstände gegeben, durch den Verstand werden sie gedacht. Raum und Zeit, die bei Kant als eine Art „menscheigene“ Basiskategorie der Sinne bestimmt werden, sind keine Eigenschaften der Gegenstände, sondern liegen im Menschen als „Sinnlichkeit“ begründet. In uns ist der Raum als reine Form der äußeren Anschauung und die Zeit als reine Form der inneren Anschauung. Das heißt, dass es keine Gegenstände gibt, sondern ein Etwas, aus dem wir durch Zugabe von Raum und Zeit „Gegenstände“ machen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kant sagt: „dass wir dieselben Gegenstände auch als Dinge an sich selbst, wenngleich nicht erkennen, doch wenigstens denken können. Denn sonst würde der ungereimte Satz daraus folgen, dass Erscheinung ohne etwas wäre, was da erscheint.“ Objekte existieren also in zweierlei Hinsicht: als „Ding an sich“ und als Erscheinung. Als „Ding an sich“ selbst kann man den Gegenstand minus Raum und Zeit bezeichnen. „Erkennen“ und wahrnehmen können wir dieses „Ding an sich“ also nicht. Kant sagt: Erkenntnis bezieht sich immer auf Gegenstände der Sinne, auf Objekte möglicher Erfahrung in Raum und Zeit. [1] Außerhalb dessen, also vom „Ding an sich“ oder beispielsweise von Glaubensinhalten wie z.B. Gott, die metaphysischer Natur sind, können wir nichts wissen. Die Vernunft komplettiert die Erkenntnis eines Gegenstandes insofern, als sie eine Idee der Einheitlichkeit gibt, die sich auf die Aufhebung des Ursache- Wirkungs- Prinzips bezieht. Gemeint ist damit, dass jeder Gegenstand in einem Kontext von Anfang und Ende steht, also Teil eines Universums ist, das am Ende jeder empirischen Ursachenforschung auf eine letzte Frage keine Antwort gibt. Die Vernunft antwortet auf diese Frage mit einer „Idee“, die eines Schöpfers beispielsweise, die dann Antwort auf „letzte Fragen“ ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Untersuchung der Wahrnehmung der „Umwelt“ zieht die Frage nach einem Sinn oder einer Zweckmäßigkeit nach sich. Dabei handelt es sich wiederum um eine „letzte Frage“. Es ist unmöglich gesetzmäßige (wirklich objektive) Antworten auf diese Frage nach Sinn und Zweckmäßigkeit zu finden. Aber wir nehmen die Natur subjektiv! als sinnhaft wahr, denn wir erfahren die Gefühle des Schönen und Erhabenen. [2]

Das Kantische Schöne

Das subjektive Gefühl des Schönen interessiert Kant, weil es möglich ist ihm eine eingeschränkte Objektivität abzugewinnen. Das liegt an dem im Gefühl des Schönen implizierten Drang nach Zustimmung durch andere. Die Mehrheit bestimmt also, was „objektiv schön“ ist.

Kants Untersuchungen basieren auf den bereits erläuterten Wahrnehmungsformen des Menschen. Daraus ergeben sich dann die Bedingungen eines schönen Gegenstandes.

Eine Voraussetzung für das Schöne ist, dass das wahrnehmende Subjekt den Gegenstand ohne Eigeninteresse am Gegenstand betrachtet. Das, was angenehm ist, ist somit nicht „schön“. Eigeninteresse würde die „harmonische“ Wahrnehmung des Gegenstandes stören:

„Ein ideales Verhältnis ist dann gegeben, wenn die Einbildungskraft (deren Funktion nach Kant darin liegt die sinnliche Mannigfaltigkeit zur Einheit der Vorstellung zusammenzufassen) selbsttätig (also nicht von Begriffen des Verstandes eingeschränkt) sein könne und zugleich in einem Gegenstand zufällig diejenige Form vorfinde, die sie selbst ihm geben würde, damit er mit der allgemeinen Gesetzmäßigkeit des Verstandes zusammenstimme.“ [3] Das Schöne ist bei Kant im Grunde unabhängig vom eigentlichen Gegenstand, weil das Vorstellungsvermögen des Menschen und entsprechend das (für den einzelnen) Schöne variiert.

[...]


[1] vgl Christoph Helferich „Geschichte der Philosophie- Von den Anfängen bis zur Gegenwart und Östliches Denken“ München 1998, S.252

[2] vgl Christoph Helferich a.a.O. S.261

[3] Herausgeber Michael Hauskeller „Was das Schöne sein- Klassische Texte von Platon bis Adorno“ München 1994, Kap.: Immanuel Kant: „ Analytik des Schönen“ S. 217

Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640240791
ISBN (Buch)
9783640244799
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v120134
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1.3
Schlagworte
Kantische Erhabene Adalbert Stifter

Autor

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Titel: Das Kantische Erhabene bei Adalbert Stifter