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Partizipation in der Entwicklungszusammenarbeit

Hausarbeit 2008 26 Seiten

Soziologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. ENTWICKLUNG DER ZUSAMMENARBEIT
2.1 1. Phase: Wachstum und Modernisierung
2.2 2. Phase: Verteilung
2.3 3. Phase: Emanzipation

3. PARTIZIPATION ALS WEG UND ZIEL IN DER ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT
3.1 Voraussetzungen und Ziele partizipativer Entwicklungszusammenarbeit
3.1.1 Voraussetzungen
3.1.2 Ziele
3.2 Akteure
3.2.1 Die Zielgruppe
3.2.2 Mittler und Geber
3.3 Methoden partizipativer Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel Participatory Rural Appraisal
3.3.1 Konzept
3.3.2 Participatory Rural Appraisal im Projektzyklus
3.3.3 Toolbox
3.4 Sozio-kulturelle Schlüsselfaktoren
3.4.1 Legitimität
3.4.2 Sozio-kulturelle Heterogenität
3.4.3 Gesellschaftliche Organisation

4. PROBLEME BEI DER UMSETZUNG

5. BEISPIEL: SENEGAL

6. FAZIT

7. LITERATUR

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

It is not that we should simply seek new and better ways for managing society, the economy and the world. The point is that we should fundamentally change how we behave.

Vaclav Havel

1. Einleitung

Entwicklungszusammenarbeit (EZ), und noch mehr Entwicklungshilfe1, impliziert die Notwendigkeit von Entwicklung und somit indirekt eine Unterentwicklung.

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit den Veränderungen und Neuerungen in der deutschen EZ hinsichtlich der partizipativen Beteiligung der betroffenen Bevölkerung - speziell in der ländlichen Entwicklung. Es soll gezeigt werden, was unter Partizipation zu verstehen ist und wie diese durchgesetzt wird. Wer soll wie partizipieren und warum? Welche Interessen werden berührt? Denn Partizipation bedeutet auch immer eine Machtverschiebung. Wenn ein Akteur neu oder mit anderer Stellung in einen Prozess eingreift, löst er an irgendeiner Stelle zwangsläufig einen anderen Akteur ab oder ergänzt ihn. Hier stellt sich die Frage, ob Partizipation überhaupt wichtig für die Entwicklung ist und ob man als Außenstehender in bestehende Strukturen eingreifen darf.

Es soll mit Hilfe eines Beispiels beleuchtet werden wie deutsche EZ- Organisationen diese Probleme handhaben. Die staatlichen und suprastaatlichen Funktionäre in ihrer Rolle als Auftraggeber für EZ-Projekte verfolgen zudem auch Interessen. Hier kann mit dem in den Medien und der Wissenschaft überall herumgeisternden Schlagwort „good governance“ (vgl. bspw. Rauch 2002) verdeutlicht werden, was ein Ziel der EZ ist: Regierungen zu einer demokratischen und menschrechtskonformen Verhaltensweise zu bewegen.

Weiterhin sollen Probleme bei der Umsetzung von EZ insbesondere bei den partizipativen Methoden aufgezeigt werden.

Anhand des Beispiels bekommt der Leser zudem einen Einblick in die Praxis der Entwicklungszusammenarbeit.

2. Entwicklung der Zusammenarbeit

Seit Beginn der EZ hat diese nicht nur versucht unterentwickelte Regionen und Bereiche zu entwickeln, sondern befand sich auch selbst, in ihrer Struktur, ihrem Verständnis und ihrer Anwendung, in einer ständigen Entwicklung.

Aber was ist Entwicklung? Im Zusammenhang mit EZ bezeichnet Entwicklung die Zunahme an Fähigkeiten einer Gesellschaft, ihre Situation zu verbessern. Mehrheitlich wurde darunter das westlich entwickelte Modell von Gesellschaften angestrebt. Jedoch wurde in letzter Zeit erkannt, dass jede Gesellschaft bzw. jede Kultur ihre eigenen Maßstäbe zur Entwicklung aufstellen muss (Bliss et al. 1997: 17).

Die vergangenen 60 Jahre lassen sich in drei Phasen der EZ unterteilen:

1. Phase: 50er und 60er Jahre, wachstumsund modernisierungsorientiert
2. Phase : 70er Jahre, verteilungspoltisch orientiert
3. Phase: seit 80er Jahren emanzipatorisch orientiert (Rauch 2005)

2.1 1. Phase: Wachstum und Modernisierung

Die Entwicklungszusammenarbeit der 50er und 60er Jahre wurde von zwei unterschiedlichen Ansätzen geprägt:

Der wachstumsorientierte Ansatz setzte vor allen Dingen wirtschaftliches Wachstum mit Entwicklung gleich. Der betreffende Staat sollte alle notwendigen Maßnahmen zur Wachstumsstimulation ergreifen und fehlende Mittel sowie Know-how wurden von externer Seite bereitgestellt. Gescheitert ist dieser Ansatz an seiner Einseitigkeit. Zum einen war das wirtschaftliche Wachstum in der Regel von externen Inputs abhängig, welche meist nach Beendung des Projekts weggefielen. Zum anderen fehlten begleitende Maßnahmen, wie schulische und berufliche Weiterbildung, die es den betroffenen Personen und Organisationen ermöglicht hätten selbstständig weiterzuarbeiten (Rauch 2005: 359 ff.).

Im Gegensatz dazu versuchen die ersten Community-Development-Ansätze die Entwicklung nicht über wirtschaftliches Wachstum, sondern über eine Neuerung der dörflichen Struktur, herbeizuführen. Auch hier sollte der betroffene Staat die Hauptrolle übernehmen und bei Defiziten steht ihm die betreuende EZ- Organisation zur Seite. Dieses Konzept hatte zum Ziel sektorübergreifend demokratische Strukturen zu implementieren. Auch diese ersten Ansätze haben sich als nicht sehr erfolgreich erwiesen.2 Die bestehenden Strukturen konnten nicht aufgebrochen werden und die bisher Privilegierten wurden wieder zu Nutznießern. Dadurch brach die Unterstützung derjenigen, die eigentlich davon profitieren sollten, zusammen (Rauch 2005: 359 ff.).

2.2 2. Phase: Verteilung

Die verteilungspolitisch orientierte Phase versuchte, auch das wirtschaftliche Wachstum zu forcieren. Nicht als Zweck (und somit gleichzusetzen mit Entwicklung, wie in Phase 1) sondern als Mittel. Der Zugang zu Ressourcen sollte neu verteilt und auch den armen Teilen der Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Erstmals konnte man sich von der Vorstellung des betreffenden Staates als Hauptakteur lösen und es wurde auch gegen seine Interessen gehandelt. Denn all zu oft scheiterte die Einbeziehung der Benachteiligten am eigenen Staatsapparat (ebd.: 362). Doch allein die Umverteilung des Zugangs zu Ressourcen schafft noch keine eigene Initiative und führt nicht zwangsläufig zu nachhaltigem Wohlstand. Oftmals hat sich eine „Nehmermentalität“ gebildet und die Situation der Betroffenen hat sich nur über den Zeitraum des Projektes verbessert (ebd.: 359 ff.).

2.3 3. Phase: Emanzipation

Die Projekte der ersten und zweiten Phase waren lediglich in Ausnahmefällen erfolgreich. Mehrheitlich ist der erwartete Trickle-down Effekt3, den man sich von den Kapitaltransfers erwünschte, nicht eingetreten. Es wurde erkannt, dass man bei der Projektplanung, sowie der Durchführung und Evaluierung einen entscheidenden Faktor nicht berücksichtigt hatte: die betroffenen Menschen. Wie würden sie dieses Projekt durchführen und wollen sie es überhaupt (Bliss et al. 1997: 41f.)?

Nachdem man sich diese Fragen gestellt hatte, wurde schnell realisiert, dass der Erfolg von Projekten sich nur einstellen kann, wenn nicht über die Köpfe von Betroffenen hinweg entschieden wird. Allmählich begann sich ein partizipatorischer Gedanke durchzusetzen. Die betroffenen Personen – jetzt Zielgruppe – wurden beobachtet, befragt, informiert und miteinbezogen (Brendel 2002: 10). Anfang der 90er Jahre gewann, der von Chambers entwickelte Participatory Rural Appraisal (PRA) Ansatz, eine vorrangige Stellung in der EZ. Er beinhaltete eine Vielzahl von partizipativen Analyseund Entscheidungsinstrumenten. Partizipation findet hier vor allem auf Projektebene statt und Zielgruppen werden in den Projektzyklus an verschiedenen Stellen eingebunden. Gegen Ende der 90er fand innerhalb der Partizipationsdebatte eine weitere Richtungsänderung statt: Partizipation wurde neben der Projektebene auf die gesamtstaatliche Ebene gehoben und als demokratisches Recht der Bevölkerung betrachtet (Rauch 2002: 510 ff.).

3. Partizipation als Weg und Ziel in der Entwicklungszusammenarbeit

In den vorangegangenen Zeilen wurde das Wort Partizipation schon häufig benutzt. Aber was bedeutet Partizipation, insbesondere in der EZ? Eine Antwort darauf liefert die Definition von Bliss, Gaesing und Neumann (1997: 20):

„In der Konzeption der deutschen Entwicklungszusammenarbeit bedeutet die Partizipation der an Projekten und Programmen beteiligten oder von ihnen betroffenen Bevölkerung (vergl. Zielgruppe/n) einen erheblichen Grad der Mitentscheidung bei der Formulierung der Ziele und Festlegung der Planung, eine Mitarbeit bzw. Übernahme der entscheidenden Funktionen bei der Durchführung und eine maßgebliche Beteiligung bei der Bewertung des Erfolgs der durchgeführten Maßnahmen (…). Partizipation schließt immer Mitverantwortung für die Entscheidungen und Handlungsweisen ein. Bezogen auf die Länderarbeit in der EZ bedeutet Partizipation auch Einflussnahme der Bevölkerung auf politische (Zivilgesellschaftliche) und makroökonomische Prozesse in bestimmten Bereichen.“

Partizipation gibt nicht eine festgelegte Richtung vor, sondern beinhaltet eine Vielzahl unterschiedlicher Intensitäten, Verfahren und Ebenen der Beteiligung. Ziel jeglicher Partizipation ist die Teilnahme der Bevölkerung am Projektverlauf und die Teilhabe an den Ergebnissen (Jentsch 2002).

[...]


1 wie es zu der begrifflichen Änderung von Entwicklungshilfe zu Entwicklungszusammenarbeit (seit ca. 30 Jahren) kommt, wird in den folgenden Kapiteln, insbesondere Kapitel 2 verdeutlicht

2 Community-Development wird aber bis heute weiterentwickelt und findet weiterhin, nicht in oben kritisierter Art, Anwendung

3 engl. trickle=sickern; Effekt, der das durchsickern von Wohlstand in ärmere Schichten beschreibt

Details

Seiten
26
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640241545
ISBN (Buch)
9783640249404
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v120342
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,0
Schlagworte
Partizipation Entwicklungszusammenarbeit Studienbegleitende Hausarbeit Vordiplom

Autor

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Titel: Partizipation in der Entwicklungszusammenarbeit