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Inwiefern können mit Hilfe des Spiels soziale, fachliche und therapeutische Ziele erreicht werden?

Seminararbeit 2001 16 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Spiel und Normen ö Ist Spiel und Spielvorgang als ein „Spiegel“ von Weltbegebenheit zu sehen?

3 Lernen und Spielen ö In welcher Form kann Spielen im Unterricht nutzbar gemacht werden?

4 Therapie durch Spielen ö Wie dient die Spieltheorie als Mittel zur Kommunikations- und Identitätsförderung?

5 Das „gewisse“ Kinderbuch mit sozialem Effekt

6 Schlusswort

Quellennachweis und Literaturangabe

1 – Einleitung

Fragt man ein Kind, ob es gerne spielt, so ist die häufigste Antwort:

Ja, weil es Spaß macht!

Wie darf diese Aussage verstanden werden? Das Kind, welches in der gewöhnlichen Lebenssituation nicht handeln kann wie es der Erwachsene vollzieht, schafft sich durch das Spiel eine fiktive Wirklichkeit, welche die Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse ermöglicht. Dem gegenüber steht eine Wirklichkeitskategorie, die nie aufhört zu sein – der reale Alltag.

Im Spiel ist ein Bereich gefunden, der sich von der „ernsthaften“, festgelegten und festlegenden Wirklichkeit und ihrem hohen Wirklichkeits- und Verbindlichkeitscharakter abhebt. Spielen ist eine andere Wirklichkeit mit anderen Funktionen und Wirkungen, d. h. es ist unverbindlicher, freier sowie offener.

Das Kind realisiert sein Bedürfnis auf verschiedene Art und Weise, d. h. es kann Lehrer, Elternteil, Arzt, ... werden, während es in seinem Leben und im realen Alltag zu keiner Zeit eine dieser Personen werden könnte. Weil das Kind sich den Verhaltensprinzipien der genannten Personen unterstellt, erlernt es die Normen der Gesellschaft, wobei es sich diesen unterordnet. Es versetzt sich in eine Rolle.

Mit „Rollenspiel“ ist das Spielen der Kinder im frühkindlichen bzw.

vorschulischen Alter gemeint, bei dem die Kinder Personen darstellen,

die sie in ihrem Alltag selber nicht sind.1

Durch die Fähigkeit des Perspektivenwechsels bereitet das Spiel das Kind auf das Gesellschaftsleben vor, da das Kind nur das tut, was ihm Spaß und Freude bereitet. Eng damit verbunden ist der bedeutsame Anteil der Phantasie, durch welchen es zur Umwandlung und Neuschaffung der Wirklichkeit kommt. Diese Art schöpferischen Spiels trägt eine selbstständige Erkenntnisleistung in sich, da Wirklichkeit neu bewertet, erkannt und gestaltet wird.

In Anbetracht meiner späteren Lehrertätigkeit möchte ich anhand der Hausarbeit aufzeigen, dass in jedem Spiel ein Stück Sozialisation stattfindet, als auch dass der schulische Lernprozess durch Spielen aufgelockert werden kann, wobei durch Spiele Lernstoff vermittelt wird. Bei der pädagogischen Betrachtungsweise sollte nicht die Therapie durch Spielen vergessen werden, da einige Schularten auch verhaltens- bzw. entwicklungsgestörte Kinder in ihren Reihen sitzen haben. Abgerundet werden soll die Betrachtung durch den Blick in eines der bekanntesten Kinderbücher.

2 – Spiel und Normen: Ist Spiel und Spielvorgang als ein „Spiegel“

von Weltbegebenheit zu sehen?

Betrachtet man die Weltbegebenheit so muss der temporäre Aspekt berücksichtigt werden, d.h. dass sich die Lebendigkeit und Spannung des Spiels auf die unmittelbare Gegenwart beziehen. Das Spiel selbst findet in der Gegenwart statt, wobei jedoch die Kräfte, die sich im Spiel entfalten aus der Vergangenheit stammen.

Das, was wir gerade beobachten können, wenn ein Kind spielt, lässt sich als eine Folge miteinander verbundener Szenen beschreiben, die das Kind beeindruckten bzw. prägten. Im Jetzt reagiert es auf das subjektiv Erfahrene sowie Gesehene und setzt sich im Spielprozess damit auseinander.

Dabei hilft die ihm von der Natur verliehene, praktisch unerschöpfliche Fähigkeit, Wahrgenommenes unter Berücksichtigung der bereits gespeicherten Erfahrungen neu zu kombinieren und zu reflektieren. Diese Fähigkeit ermöglicht es ihm, sich mit den vorhandenen Ordnungen, Strukturen und Mustern seiner ihn umgebenden Welt spielerisch-experimentierend auseinander zu setzen. Popper hält diesen Sachverhalt in einem „Drei-Welten-Modell“2 fest, welches das soeben Resümierte zu erläutern hilft.

Der Mensch – als Welt 2 dargestellt – nimmt in Poppers Modell die Schlüsselposition ein. Er ist es, der im Rahmen aller Erfahrungen und alles Existierenden für entscheidende Veränderungen und Entwicklungen sorgt. Er ist der Spieler.

Das unter Welt 3 angeführte objektive Wissen zeigt ihm bestimmte Spielbereiche, Spielideen als auch Spielräume auf. Hierbei werden dem Spielenden zugleich auch Spielregeln, die in Form von gesellschaftlich anerkannten Normen und Werten vorliegen vorgegeben, die einzuhalten sind. Welt 1 umfasst das Spiel bedingende Faktoren wie Spielmittel, Spielpartner und Spielräume. Durch die Unerschöpflichkeit seiner Ideen weiß der Mensch diese Rahmenbedingungen stets zu nutzen, sodass das Wechselspiel von Zufall und Gesetz nie endet.

In welchen Spielen äußert sich die bisher umschriebene Selbstsymbolisierung sowie das Interesse an einer forschenden bzw. experimentierenden Auseinandersetzung mit der Umwelt?

Hierbei möchte ich die von mir selbst bereits gespielten Gesellschaftsspiele Monopoly, Risiko, Scotland Yard sowie Das Nilpferd in der Achterbahn als Beispieldemonstration verwenden, um der gestellten Frage eine adäquate Antwort zu liefern.

In den weiteren Ausführungen gilt es aufzuzeigen, inwieweit in den benannten Spielen gesellschaftliche Produktions-, Interaktions-, Verkehrs- und Bewusstseinsformen in den Spielregeln, Spielformen, Spielmitteln, Spielinhalten, aber auch Verhaltensweisen zum Ausdruck kommen.

Kurz gesagt, lassen Spiele Normen und Werte einer Gesellschaft wiedererkennen, welche im Spiel den „Spiegel“ von Weltbegebenheit bilden, infolge des wechselseitigen Wirkungszusammenhanges von Individuellem und Interaktivem.

Das wohl bekannteste aller Spiele ist Monopoly ! Was ist jedoch das Reizvolle an diesem Spiel? Hierauf gibt bereits die Beschreibung auf der Rückseite der Verpackung eine erste Antwort:

Weil sich jeder, wenn auch nur für begrenzte Zeit, der Illusion

hingeben möchte, Besitzer der vornehmen Schlossallee zu sein.

Hinzu kommt die Spannung, wer wohl der Erste sein wird,

dem eine hohe Rechnung präsentiert wird.3

In Monopoly ist die ausdrücklichste Form des menschlichen Verhältnisses zur Welt gegeben, da hierin der Umgang mit Kapital als zentrales Element seinen Platz findet. Gleichzeitig ist dieses Spiel auch ein Strategiespiel. Straßenkauf, Bebauung, Ereigniskarten und Würfel treiben das Spiel voran, (indem sie so den Zufall ins Spiel bringen). Bei diesem Gesellschaftsspiel genießen es die Spieler, die in ihrem Leben verlorenengegangenen oder von vornherein ausgeschlossenen Möglichkeiten im Spiel (wieder-)zuholen. Sie „schlüpfen“ in eine Daseinsrolle, die sie sich erträumen bzw. erlangen andere Bedürfnisse wie Macht, Einfluss oder den Wunsch nach Zusammensein. In Monopoly ist ein Spiel realisiert worden, welches auf der Höhe der Zeit ist, da es in sich gesellschaftliche Verhältnisse enthält.

Ein anderes Spiel auf Zeithöhe ist Risiko. Es passt sich den zeitgegenwärtigen Friedens- und Unabhängigkeitsbewegungen an, da hierin durch Strategie besetzte Länder zu ihrer Unabhängigkeit gelangen. Dieses Spiel wird durch Zusammenwirkung zweier Mittel erreicht. Einerseits mittels einer glücklichen Hand bei Verhandlungen (durch Würfeln) und andererseits durch eine auf militärisches Gleichgewicht gerichtete Strategie (durch richtige Aufstellung vorhandener Armeen). Wenn der Erfolg eintritt, führt beides dazu, dass sich die Besatzungszonen auflösen.

Risiko und Monopoly sind sich im Hinblick auf Lern- und Übungseffekt im emotional-affektiven, kognitiven und motorischen Bereich sehr ähnlich. Bereits wenn man sich die Spielregeln durchliest, treten folgende Aspekte hervor.

[...]


1 Huppertz, Norbert in: Kreuzer, Karl Josef: Handbuch der Spielpädagogik – Bd. 2,

Düsseldorf: Schwann 1983 (1. Auflage), S. 119

2 Eccles, John C. in : Eigen, Manfred / Winkler, Ruthild : Das Spiel – Naturgesetze

steuern den Zufall, München: Piper 1985, S. 285

3 zitiert nach: Monopoly, erschienen bei Parker Brothers, Parker Toys Inc. Beverly,

MA, 01915 USA, 1985

Details

Seiten
16
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638180504
ISBN (Buch)
9783656739784
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v12055
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Erziehungswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Spielen Rollenspiele Spiel und Normen Lernen und Spielen Therapie durch Spiel

Autor

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