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Das Universum zweiten Grades

Subuniversen in fiktionalen Textwelten

Seminararbeit 2008 17 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

1 ERZÄHLEBENEN NACH GÉRARD GENETTE

2 METADIEGETISCHE ERZÄHLUNGEN

3 TEXTEBENEN NACH RYAN

4 F-UNIVERSES

5 TERMINOLOGIE

6 ÄHNLICHKEITEN RYAN – GENETTE

7 UNTERSCHIEDE RYAN – GENETTE

8 ZUSAMMENFÜHRUNG DER THEORIEN

9 VIER ARTEN VON UNIVERSEN ERSTEN GRADES

10 ERINNERUNGEN

11 FAZIT

TABELLENVERZEICHNIS

LITERATURVERZEICHNIS

Einleitung

Jedes fiktionale Buch ist eine Geheimtür zu einem fremden, neuen Universum. Marie-Laure Ryan beschäftigt sich in ihrer wissenschaftlichen Arbeit Possible Worlds, Artificial Intelligence and Narrative Theory mit der Frage, was in uns Lesern vorgeht, wenn wir ein solches neues und fremdes Universum ‘betreten’. Außerdem stellt sie fest, dass es innerhalb dieser Universen noch andere kleine Universen geben kann, also Welten innerhalb der Welt. Diese Universen innerhalb des Universums werden von den fiktiven Figuren geschaffen. Denn, wie wir in unserer realen Welt, erfinden und träumen sich auch fiktive Figuren mit Hilfe von etwas Phantasie in eine andere neue Welt, die jedoch nur fiktiv sein kann…

Auch Gérard Genette untersucht in seinem Werk Die Erzählung das Phänomen von Welten innerhalb einer Welt. Allerdings liegt bei ihm das Hauptaugenmerk auf Texten in Texten, also Erzählungen innerhalb Erzählungen. Diese ‘Welten in Welten’ entstehen immer dann, wenn eine fiktive Figur beginnt, etwas zu erzählen, eine Geschichte oder eine Begebenheit. Sobald eine Figur zum Erzähler wird, erschafft sie sich, ihren fiktiven Zuhörern und uns Lesern eine neue Welt…

Sowohl Genette als auch Ryan beschäftigen sich also mit der Problematik von Ebenen innerhalb der Haupthandlung eines narrativen Textes. Dabei gehen beide von verschiedenen Bedingungen zur Entstehung solcher Universen auf und ordnen ihnen jeweils sehr verschiedene Eigenschaften zu.

Ziel dieser Arbeit ist nun aber nicht, Ryan und Genette in einen Ringkampf zu schicken, bei dem derjenige als Sieger hervorgeht, dessen Argumente am Ende noch stehen. Denn das Ergebnis dieser Arbeit soll nicht das Verwerfen einer der beiden Theorien sein, denn dies ist – wie im Laufe der Untersuchung ersichtlich werden wird – überhaupt nicht notwendig.

Viel mehr sollen in dieser Arbeit beide Theorien zusammengeführt, und somit der Begriff dieser ‘Welten in Welten’ erweitert werden. Außerdem wird es in diesem Zusammenhang notwendig sein, die Eigenschaften solcher Welten näher zu bestimmen und gewisse Kriterien festzulegen, anhand derer man verschiedene Ausprägungen kategorisieren kann.

Teil I – Überblick über die Theorien und Begriffsklä- rung

1 Erzählebenen nach Gérard Genette

Gérard Genette bestimmt in seinem wissenschaftlichen Werk Die Erzählung verschiedene Ebenen innerhalb eines narrativen Textes. Hierbei liegt der Fokus auf der Erzählinstanz. Genette unterscheidet die extradiegetische und die intradiegetische Ebene. Erstere bezeichnet dabei die Ebene der Erzählinstanz, also die Stufe, auf der der Erzähler die Handlung erzählt. Die Intradiegese bezeichnet die Ebene, auf der die Figuren handeln. Der Akt des Erzählens findet also auf der extradiegetischen Ebene statt, das Handeln der Figuren innerhalb dieser, von der Erzählung konstituierten Welt, ist die intradiegetische Ebene, bzw. die Diegese selbst. Nun unterscheidet Genette noch eine weitere Stufe der Erzählsituation, nämlich die metadiegetische Erzählung.

2 Metadiegetische Erzählungen

Die metadiegetische Erzählung befindet sich innerhalb des „Universum[s] der ersten Erzählung“1, also der Intradiegese und ist die Erzählung in der Erzählung. Diese Art der Erzählung ist also in die Handlung eingebettet und wird von einer Figur der Intradiegese erzählt. Demnach ist also der Erzähler der Intradiegese extradiegetische und der Erzähler der metadiegetischen Erzählung intradiegetische.

Das Hauptkriterium zur Unterscheidung dieser Ebenen ist also die Erzählsituation, bzw. der Erzähler. Denn der extradiegetische Erzähler kann nie auch der Erzähler der Metadiegese sein, sonst wäre es keine metadiegetische Erzählung mehr. Daraus folgt, dass der Erzähler der Metadiegese ein ‘Bewohner’ des Universums der ersten Erzählung sein muss. Bei einem Text der eine Metadiegese beinhaltet, sind demnach immer zwei verschiedene Erzähler bzw. Erzählinstanzen gegeben.

Die zwei wichtigsten Aspekte zur Definition einer Metadiegese nach Genette sind also folgende: Erstens muss die metadiegetische Erzählung überhaupt erzählt, also innerhalb der Diegese versprachlicht werden, zweitens ist die Figur, die diese Erzählung erzählt, nicht mit dem Erzähler der Rahmenhandlung identisch. Denn der Erzähler der Metadiegese wird selbst von dem extradiegetischen Erzähler erzählt.

3 Textebenen nach Ryan

Auch Marie-Laure Ryan geht von verschiedenen Ebenen aus. Laut ihrem Modell von Weltkonstitution befinden wir, die Leser, uns in der Actual World (AW)2, also in unserer tatsächlichen Welt. Nun beginnen wir, ein fiktionales Buch zu lesen. Innerhalb dieses Buchs wird eine neue, fiktive Welt konstituiert, nach Ryan die Textual Actual World (TAW)3. Diese neue Welt ist dem Leser natürlich unbekannt, (in welchem Maße sie unbekannt ist, hängt von Faktoren wie Genre, Autor, Lesererwartung, Paratext etc. ab). Dass wir uns dennoch ziemlich schnell in ihr zurechtfinden können, liegt nach Ryan an dem Principle of minimal Departure4. Dies bezeichnet den Vorgang im Leser, die Unwissenheit hinsichtlich der Beschaffenheit der neuen, fiktionalen Text-Welt, durch das Wissen über die tatsächliche Welt, zu kompensieren. Der Leser findet sich also in einer neuen, fiktiven Welt dadurch zurecht, in dem er die, durch Fremdheit entstandenen (Wissens-)Lücken in der TAW, durch sein Wissen über die AW auffüllt. Beispielsweise nehmen wir automatisch an, dass in TAWs ebenso das Gesetz der Schwerkraft gilt, wie in unserer, tatsächlichen Welt.

Es sei denn, dies wird innerhalb des Textes explizit negiert.

4 F-universes

Neben der Differenzierung von AW und TAW unterscheidet Ryan außerdem eine weitere Ebene, nämlich die der Fantasy-Universes5 (f-universes). Ryan definiert funiverses allgemein als „mind’s creations6, also als ‘Schöpfungen des Geistes’.

Dies bedeutet alle Formen von Träumen, Halluzinationen, Fantasien und fiktionalen Geschichten. Wichtig bei dieser Definition ist, dass alle f-universes als fantastisch und auch innerhalb der TAW als Fiktion gelten. Bei der Bezeichnung mind’s creation ist außerdem zu betonen, dass das Wort mind immer auf eine intratextuelle Figur bezogen ist. Die ‘Schöpfung des Geistes’ ist nach Ryan also nie die des realen Autors, sondern immer nur die einer Figur der TAW.

[...]


1 Genette, Die Erzählung, S. 163, Fußnote Nr. 40

2 Ryan, M-L Possible Worlds, Artificial Intelligence and Narrative Theory (1991), Glossary

3 Ryan, (Glossary)

4 Ryan, S. 52

5 Ryan, S. 119

6 Ryan, S.119

Details

Seiten
17
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640250325
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v120651
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Universum Grades Texten“

Autor

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