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Bildung in Deutschland

Einfluss der Institutionen Familie und Schule auf den Bildungserfolg des Kindes

Hausarbeit 2007 23 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Institution Familie
2.1. Veränderungen der Familienstrukturen
2.2. Investitionsleistungen der Familie
2.3. Ressourcenausstattung der Familien
2.4. Der Weg in die Zukunft

3. Institution Schule
3.1 Das dreigliedrige Schulsystem
3.2. Die Bedeutung der vorschulischen Bildung
3.3. Relevanz der Bildungsentscheidungen der Eltern
3.4. Leistungen der Schüler

4. Reproduktion des sozialen Status

5. Fazit& Schlussbetrachtungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Bildung, insbesondere die Schulbildung, ist in einer modernen Gesellschaft wie der unseren eine unumgängliche Voraussetzung, wenn man einen qualifizierten Abschluss erhalten möchte. Gleichzeitig ist ohne eine Bildung auch kein Einstieg in die Berufswelt möglich. Der Bildungserwerb ist ein Mittel zum Zweck: Er sichert uns die Zukunft.

Vielerorts sind Debatten über die Bildungsgleichheit zu hören, doch fragt man sich: „Wo? - Wo geht er entlang, dieser Weg, der uns allen den gleichen Zugang zur Bildung ermöglichen soll?“ Und: „Ist der Weg der Chancengleichheit der richtige?“

Die Chancengleichheit ist wohl zugegebenermaßen momentan mehr Illusion als Realität, die Bildungsbeteiligung der unteren Milieus[1] ist jedoch in den letzten Jahrzehnten enorm gestiegen und auch ihre Bildungsabschlüsse sind mittlerweile qualifizierter als noch vor 50 Jahren.

Der Schulweg eines Kindes ist enorm von seinem familiären Umfeld und den Investitionen der Eltern geprägt, ein Kind kann nur gute Leistungen erbringen, wenn die Eltern hinter ihm stehen und ihm ausreichend Unterstützung geben. Die Familieninvestitionen sind trotz allem nur ein kleiner Faktor von vielen, die Einfluss auf den Bildungsweg eines Kindes haben. Mit einigen dieser Faktoren möchte ich mich im Folgenden näher beschäftigen, da die Vorraussetzungen in der Familie den größten Einfluss auf die Zukunft eines Kindes haben, wird die Institution Familie an erster Stelle angeführt.

2. Institution Familie

Die Familie ist der Anfang der Sozialisation im Leben des Kindes, hier macht es erste Erfahrungen. Die Familie ist die erste und auch die wichtigste Bildungsinstitution im Leben eines Kindes.[2] In der Familie werden erste Weichen für seine Entwicklung gelegt- das Kind lernt laufen und sprechen, erste Kompetenzen werden vermittelt und es wird auf die Gesellschaft vorbereitet. Die Eltern haben eine gewisse Vorbildfunktion, von ihnen dargestellte Handlungs- und Sprechweisen werden vom Kind nachgeahmt.

Die in der Familie, besonders zwischen den Generationen, stattfindenden Austauschprozesse dienen der sozialen und kulturellen Teilhabe sowie der Anschlussfähigkeit in Familie und Gesellschaft (vgl. Büchner 2006, S. 13). Die Familie bildet und sichert emotionale und moralische Grundlagen des Kindes(vgl. Hamann 2000, S. 15). Das Kind ist angewiesen auf die ihm in seiner Familie vermittelten Werte, denn diese Werte und Normen werden das Kind prägen, daher sollten ihm auch Strategien zur Bewältigung des Alltags vermittelt werden. „Die Entwicklung von Bewältigungsstrategien zur erfolgreichen Auseinandersetzung mit vorgefundenen Tatbeständen (vor allem Forderungscharakter) ist vonnöten.“ (Hamann2000, S. 67).

Diese im häuslichen Umfeld aufgebauten Strategien werden von den Familienmitgliedern enorm mitbestimmt, da das Kind viel durch „Abgucken“ erfährt und lernt. Die ihm vermittelten Werte sind Vorraussetzung für einen Erfolg in der Gesellschaft, das Kind muss auf Tatbestände reagieren können, vor allem neue Rollen- und Wertstrukturen müssen akzeptiert werden, zudem muss es moralisch gebildet sein, um sich in der Gesellschaft zu behaupten.

2.1. Veränderungen der Familienstrukturen

Im Laufe der letzten Jahrzehnte wandelte sich die Rolle der Frau enorm, auch entstanden neue Formen der Familienlebens, die sich bis heute durchgesetzt haben. Aufgrund des Moderni-sierungsprozesses in unserer Gesellschaft brachen traditionelle Familienmuster auf, hier wird von einer „Enttraditionalisierung“ gesprochen- neue Leitbilder der Lebensgestaltung entwickelten sich, folglich entstanden auch mehr Handlungsspielraum und Freiheit in nahezu allen Lebensbereichen (vlg. Hamann 200, S. 10). Mit dem Wandel des Rollenverständnisses geht ein bis heute andauernder Wertewandel einher, Frauen werden mehr und mehr als Mitarbeiter in Betrieben akzeptiert, moderne Männer können kochen und Kinder hüten, neue Lebensweisen entstehen und mit ihnen auch neue Familienformen.

Zunehmend sind Ein- und Zweipersonenhaushalte zu finden, gleichzeitig ist ein Anstieg der Scheidungsrate und ein damit einhergehender Rückgang der Geburtenrate zu verzeichnen.

Die Ehe verliert an Bedeutung, die Frau hat nun vermehrt eigene Mittel um das Kind im „Notfall“ allein großzuziehen, sie wird zum Selbstverdiener und der Mann in der Rolle als „Ernährer“ verliert an Bedeutung. „Der strukturelle Wandel der Gesellschaft lässt die traditionelle familieninterne Arbeitsteilung der Geschlechter nicht mehr zu.“ (Hamann 2000, S. 17).

Damit steht fest, dass sich die einzelnen Familienmitglieder selbst mit dem Strukturwandel arrangieren müssen um in der Kindererziehung erfolgreich zu bleiben.

Besonders die Alleinerzieher stehen vor einer neuen Herausforderung- die familiären Interaktionsbeziehungen wandeln sich, gleichzeitig wächst die Bedeutung der Generationenbeziehungen, besonders die Großeltern gewinnen an Bedeutung für den Erziehungsprozess, da sie oft im gleichen Haus oder Umfeld wohnen und vermehrt zur Kinderbetreuung eingesetzt werden (vgl. Hamann 2000, S. 13).

Die Folgen des Strukturwandels werden vor allem in Allein- Eltern- Familien, Stieffamilien, „gestörten Familien“ und Problemfamilien sichtbar- die Kinder wachsen in einer „krisenanfälligen Ausgangslage“ auf, das Fehlen eines Elternteils kann das Kind in seiner Entwicklung maßgeblich beeinträchtigen (vgl. Hamann 2000, S. 19).

Der Wertewandel unserer Gesellschaft erfordert auch neue Erziehungsziele, statt auf Ge- und Verbote wird zunehmend auf Diskussion und Argumentation wert gelegt, das Kind soll die Handlungen und Maßnahmen der Eltern verstehen und damit umgehen können(vgl. Hamann 2000, S. 29).

Es gibt kein „Normalbild“[3] der Familie mehr, viele Familienformen existieren nebeneinander, man kann nicht beurteilen, ob die Großfamilie besser als die Einelternfamilie ist, es kommt allein auf die Erziehungsmethoden und das Eltern- Kind- Verhältnis an.

Aufgrund der angestiegenen Lebenserwartung steigt auch die Zahl der Drei- und Viergenerationenhaushalte, viele Kinder leben mit ihren Groß- oder sogar Urgroßeltern zusammen und bekommen so einen Einblick in Ereignisse vergangener Zeiten, die Generationsbeziehungen wirken sich positiv auf die Entwicklung des Kindes aus. Die Kinder lernen von den älteren Generationen, sie entwickeln wichtige Werte und Normen innerhalb des familiären Umfeldes.

2.2. Investitionsleistungen der Familie

Wichtige, zukunftsweisende Werte und Normen werden insbesondere in der Familie vermittelt, sie sollen dem Kind helfen, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Kinder müssen einen gewissen Ehrgeiz, einen Eigenwillen zum Lernen entwickeln, um erfolgreich zu sein, sie lernen im alltäglichen Familiengeschehen durch Abgucken, Nachmachen, Ausprobieren und Einüben (vgl. Büchner 2006, S. 47). „ Erziehungssituationen müssen- schon in einer frühen Entwicklungsphase- so gestaltet werden, dass an den natürlichen Drang des Kindes zum „Selbermachenwollen“ angeknüpft und dass auch eine möglichst hohe Generalisierung der mit der Zielerreichung verbundenen positiven Affekte erzielt wird; …“ (Hamann 2000, S. 68).

Die Eltern haben eine Vorbildfunktion, das Kind macht, was es sieht, es übernimmt moralische Werte und entwickelt sie im Laufe seines Lebens weiter. Die Qualität der Familienbeziehungen ist ausschlaggebend für das Verhalten des Kindes, je nach dem, wie viel die Familie in das Kind „investiert“, dementsprechend wird es sich schließlich entwickeln- Verlangen meine Eltern einen guten Bildungsabschluss, nachdem sie mir einen Gymnasialaufenthalt ermöglicht haben? Das Investitionsverhalten der Eltern ist als Streben nach sozialer Anerkennung zu deuten (vgl. Büchner 2006, S. 258). Viele Kinder sind dem hohen Erwartungsdruck der Eltern ausgesetzt, sie versuchen, keine Fehler zu machen und den bestmöglichen Bildungsabschluss zu erwerben um ihre Eltern nicht zu enttäuschen und um den Status der Familie aufrechtzuerhalten.[4] Besonders Familien, die in der Öffentlichkeit stehen, sind darauf bedacht, dass alles „seinen Gang“ geht, dass die Kinder höflich sind und gepflegt auftreten, so auch bei Großvater Battmann[5]: „… musste Großvater Battmann als Pfarrer geradezu ein berufliches Interesse am „Funktionieren“ seiner Familie haben.“ (Büchner 2006, S. 152). Ein solches „souveränes Auftreten“ weist auf erfolgreiche Bildungsleistungen in der Familie zurück (vgl. Büchner 2006, S. 45).

Viele Eltern wollen dem Kind selbst verpasste Bildungschancen ermöglichen, hier wird sogar auf Luxus verzichtet, um dem Kind ein besseres Leben zu ermöglichen. Familie Heller[6] beispielsweise plant einen Austauschschüler aufzunehmen, um die Sprachkompetenz ihres Kindes zu fördern, auch würden sie auf den Erwerb eines Eigenheims verzichten, um finanzielle Mittel für die Bildung des Kindes zur Verfügung stellen zu können (vgl. Büchner 2006, S. 94- 95). Die Investitionsleistungen der Familie halten so lange an, wie sich das Kosten- Nutzen- Verhältnis „lohnt“ – nutzt das Kind die Leistungen der Eltern nicht genügend, werden die Investitionen gestoppt (vgl. Büchner 2006, S. 108). Erreicht es also nicht den von den Eltern erwarteten Bildungsabschluss, so wird kein Geld mehr in die Bildung des Kindes investiert.

Natürlich ist auch die Art der Familienzeit relevant für die Entwicklung des Kindes- während die einen auf der Couch sitzen und Fernseher schauen, fahren die anderen in den Urlaub und besuchen Museen. Theater- und Museumsbesuche und Auslandsaufenthalte sind natürlich förderlicher für die Entwicklung des Kindes als Computerspiele und Fernsehserien. Das kulturelle Kapital der Familie weist auf die Freizeitgestaltung hin, entscheidend ist, welche Ressourcen vorhanden sind und wie sie genutzt werden.

[...]


[1] Die Begriffe „Milieu“, „Schicht“ oder „Klasse“ (gerade in Verbindung mit sozial Benachteiligten) werden neutral verwendet und enthalten keinerlei Wertungenà grundsätzlich ist von unteren, mittleren und oberen Milieus die Rede.

[2] Vorausgesetzt, wird hier eine intakte Familie- d.h. es liegen keine Gewalttaten oder sonstiges vor.

[3] Hier ist das typisch traditionelle Familienbild gemeint: Mutter- Vater- Kind(er), das lange als Stereotyp galt.

[4] Dies gilt insbesondere für bildungsnahe Milieus wie z.B. dem Akademikermilieu.

[5] Familiengeschichte ausführlich in Büchner 2006, S. 143- 178 nachlesbar.

[6] Familiengeschichte ausführlich in Büchner 2006, S. 81- 108 nachlesbar.

Details

Seiten
23
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640243075
ISBN (Buch)
9783640246373
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v120715
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,3
Schlagworte
Bildung Deutschland Jugend Bildungselite Bildungsarmut

Autor

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