Lade Inhalt...

Qualitative und quantitative Methoden

Grabenkampf oder sinnvolle Kombination?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 16 Seiten

Geschlechterstudien / Gender Studies

Leseprobe

Inhaltserzeichnis

1 Einleitung

2 Qualitative und Quantitative Methoden
2.1 Die quantitative Forschungslogik
2.2 Die qualitative Forschungslogik
2.3 Wechselseitige Beziehungen
2.3.1 Verhältnis quantitativer zu qualitativer Forschung
2.3.2 Verhältnis qualitativer zu quantitativer Forschung
2.3.3 Exkurs: Die feministische Perspektive

3 Triangulation
3.1 Formen der Anwendung
3.2 Ziele und Chancen der Triangulation

4 Fazit

5 Literatur

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit sollen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten qualitativer sowie quantitativer Forschungsansätze beleuchtet und Möglichkeiten der gegenseitigen Ergänzung diskutiert werden.

Zunächst möchte ich die wichtigsten Merkmale der quantitativen sowie der qualitativen Forschung kurz zusammenfassen. In einem zweiten Schritt sollen die unterschiedlichen Argumentationsweisen einander gegenüber gestellt und die Vorund Nachteile beider Richtungen betrachtet werden. Die Betrachtung der wechselseitigen Beziehungen wird ergänzt durch eine etwas genauere Betrachtung der qualitativen Forschungslogik aus feministischer Sicht.

Das dann folgende Kapitel behandelt das Konzept der Triangulation in seinen verschiedenen Anwendungsformen, z. B. in Form einer Kombination von qualitativer und quantitativer Forschung. In einem abschließenden Fazit werde ich zu den gesammelten Erkenntnissen Stellung nehmen.

2 Qualitative und Quantitative Methoden

Wenn es um die Einordnung von Methoden in qualitative und quantitative Verfahren geht, entstehen meist sofort bestimmte Assoziationen: Quantitative Forschung - da geht es um Zahlen und Statistiken, es werden Umfragen gemacht und Fragebögen ausgewertet. Qualitative Forschung - da geht es um das Individuum, man macht Interviews, fragt nach den tiefer liegenden Gründen und will verstehen, wie der Einzelne die Welt wahrnimmt. Eine solche Unterscheidung ist jedoch viel zu oberflächlich angesetzt, denn hinter beiden Forschungsansätzen verbergen sich nicht nur spezifische Methoden, sondern auch eine je eigene Weltsicht und eine darauf fußende Forschungslogik. Zudem lassen sich vor allem die zahlreichen verschiedenen Zweige und Vorgehensweisen der qualitativen Forschung kaum pauschal unter einer gemeinsamen Kategorie fassen. Dennoch möchte ich im folgenden versuchen, die wesentlichen Merkmale von quantitativer (vgl. Burzan 2005) und qualitativer (vgl. Hintermeier 1994) Forschungslogik zusammenzufassen.

2.1 Die quantitative Forschungslogik

Die quantitative Forschungslogik basiert auf einem Wirklichkeitsverständnis, das die gesellschaftliche Realität als objektiv erfassbares Phänomen betrachtet. Gemäß diesem normativen Paradigma , dem die traditionelle Sozialforschung unterliegt, werden bestimmte soziale Normierungen angenommen, die durch quantitative Forschung gemessen und dargestellt werden sollen. Ä hnlich wie bei einer naturwissenschaftlichen Vorgehensweise werden Variablen bestimmt, gemessen und miteinander in Beziehung gesetzt, um so Aussagen über gesellschaftliche Vorgänge zu machen und eventuell sogar Prognosen über zukünftige Entwicklungen formulieren zu können.

Der Forschungsablauf ist relativ linear und beginnt in der Regel mit der Formulierung einer oder mehrerer Hypothesen. Bei der Wahl des Forschungsdesigns muss die Forschungsfrage in ein geeignetes Instrument zur Datenerhebung übersetzt“ werden, beispielsweise indem ein Fragebogen ” entwickelt wird. Für die Anwendung quantitativer Erhebungsund Auswertungsmethoden existiert ein gewisses Regelgerüst, an das man sich halten kann, um Fehler zu vermeiden. Die quantitative Forschungslogik folgt dabei dem Prinzip der Standardisierung. So gibt es beispielsweise im Fragebogen vorgegebene Antwortmöglichkeiten, zwischen denen die Befragten sich entscheiden müssen. Damit wird die Vielfalt der möglichen individuellen Antworten auf einige wenige reduziert, um so die spätere Vergleichbarkeit der Daten zu gewährleisten. Auch die Auswertungsverfahren der quantitativen Forschung sind standardisiert. Mit Hilfe statistischer Methoden werden aus dem breit gestreuten Datenmaterial Durchschnittswerte und Korrelationen berechnet. Dieses Vorgehen führt zwangsläufig zum Verlust an Informationen über Einzelfälle, verspricht jedoch einen Zugewinn an Informationen über ein Kollektiv.

Ziel quantitativer Forschung ist es, die zu Beginn aufgestellte Hypothese auf ihre Richtigkeit zu prüfen und damit möglicherweise neue Ursache- Wirkungs-Zusammenhänge aufzudecken (z.B.: Der Geschmack hängt von der Klassenzugehörigkeit ab). Bei Hypothesen, die sich auf gesellschaftliche Vorgänge beziehen, können jedoch niemals alle denkbaren Fälle, Orte und Zeitpunkte untersucht werden, d.h. die Hypothese wird nicht verifiziert , sondern gilt als falsifiziert , sobald widersprechende Fälle in statistisch signifikanter Menge auftreten.

2.2 Die qualitative Forschungslogik

Im Gegensatz zum nor mativen Par adigma der quantitativen Forschung folgt die qualitative Forschungslogik einem interpr etativen Par adigma , wie es beispielsweise von der Ethnomethodologie oder dem Symbolischen Interaktionismus vertreten wird. Die soziale Wirklichkeit wird hier als konstruierte Realität betrachtet, die durch die Interpretationshandlungen der jeweiligen Akteure bestimmt ist. Das Forschungsziel besteht daher nicht im Erreichen eines objektiven Standpunktes, sondern im Nachvollzug und der möglichst dichten Beschreibung der den Akteuren eigenen subjektiven Lebenswirklichkeit sowie ihrer Beziehungen untereinander. Die Position der ForscherInnen kann dabei nur die von Subjekten unter Subjekten sein, d. h. die unumgängliche Beschränktheit der eigenen Sichtweise soll reflektiert und in den Forschungsprozeß eingebracht werden.

Der Forschungsprozeß selbst ist vor allem durch Offenheit und Flexibilität gekennzeichnet. In der Regel werden vorab keine Hypothesen formuliert, um die Erkenntnismöglichkeiten nicht von vornherein einzuschränken. Anders als beim relativ linearen Ablauf quantitativer Forschung folgt man hier eher einer zirkulären Strategie: Eventuell vorhandene theoretische Vorannahmen werden am Material überprüft und gegebenenfalls angepaßt, dann wieder mit dem Forschungsgegenstand konfrontiert und erneut überarbeitet. Es geht nicht darum, eine bereits getroffene Annahme zu bestätigen oder zu widerlegen, sondern offen zu sein für völlig neue Sichtweisen, Hypothesen und Theorien, die aus der Arbeit am Material entwickelt werden können.

Zu den qualitativen Erhebungsmethoden gehören beispielsweise verschiedene Formen des offenen Interviews oder die teilnehmende Beobachtung. Insgesamt ist die Zahl der verwendeten Forschungsmethoden weit größer und unübersichtlicher als in der quantitativen Forschung. Ein weiteres Kennzeichen des qualitativen Forschungsprozesses ist die Offenlegung der einzelnen Forschungsund Interpretationsschritte im Forschungsbericht. Damit soll anderen ForscherInnen und auch den Beforschten selbst die Möglichkeit gegeben werden, diese Schritte nachzuvollziehen und selbst zu bewerten. Inwieweit dieser Anspruch in der Praxis tatsächlich umgesetzt wird, bleibt zu fragen. Dahinter steht jedoch die löbliche Idee, Herrschaftsund Machtstrukturen transparent zu machen, die dem Forschungsprozess immanent sind: Die ForscherInnen konstruieren ja quasi die Beforschten, indem sie deren Aussagen interpretieren, Typen bilden oder bestimmte Gruppen festlegen und mit Begriffen belegen (z.B. die Migranten ). Das Bemühen um Transparenz ist damit auch ein Versuch, Gleichrangigkeit zwischen Forschern und Beforschten zu erreichen.

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640243327
ISBN (Buch)
9783640246496
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v120762
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Schlagworte
Qualitative Methoden Arbeiten Gender Kultur Triangulation Forschungsmethoden Quantitative Kombination

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Qualitative und quantitative Methoden