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Die geriatrischen „I´s“ - Syndrome der Geriatrie -

Hausarbeit 2006 28 Seiten

Pflegewissenschaft, Ernährung, Sport, Gesundheit

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

EINFÜHRUNG

1 DIE GERIATRISCHEN „I´S“

2 INTELLEKTUELLER ABBAU
2.1 Symptome von Demenzerkrankungen
2.2 Formen der senilen Demenz – primäre und sekundäre Demenz
2.3 Therapie und Prävention

3 IMMOBILITÄT
3.1 Pathogenese
3.2 Therapie

4 INSTABILITÄT
4.1 Pathogenese
4.2 Therapie und Sturzprävention

5 INKONTINENZ
5.1 Harninkontinenz
5.2 Stuhlinkontinenz

6 INSOMNIA
6.1 Schlafstadien und altersbedingte Veränderungen des Schlafes
6.2 Ursachen und Therapie

7 IMPAIRED EYES AND EARS
7.1 Impaired eyes
7.2 Impaired ears

8 IRRITABLES KOLON

9 IATROGENE ERKRANKUNG

10 ISOLATION

11 IMPECUNITY – ARMUT

ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

EINFÜHRUNG

Ältere Menschen sind häufiger von Erkrankungen betroffen als jüngere. Dies führt nicht selten zu einer Gleichsetzung von Alter und Krankheit. Wenn sich im Alter Gesundheitseinbußen einstellen, sind diese meist in den Bereichen körperlicher Funktionen wie dem Hören, Sehen oder der Bewegung zu finden. Es ist eine Zunahme chronischer Erkrankungen festzustellen, Multimorbidität kann sich einstellen, Gedächtnisleistungen können nachlassen und die Gefahr an einer Demenz zu erkranken steigt.

Der alternde Mensch ist in der Geriatrie aus den oben genannten Gründen besonders zu betrachten. Die Entwicklung und das Altern eines Organismus sind dabei eng miteinander verknüpft. Der geriatrische Patient unterscheidet sich wesentlich von Patienten jüngerer Altersgruppen. Er zeichnet sich durch veränderte Beschwerdebilder, Multimorbidität und dem vermehrten Vorkommen von Syndromen aus. Die vier großen Syndrome der Geriartrie werden in der Literatur als die „geriatrischen „I´s“ bezeichnet. Benannt werden diese mit den Syndromen des intellektuellen Abbaus, Immobilität, Instabilität und der Inkontinenz. Neben diesen vier „Riesen“ der Geriatrie werden in der Literatur weitere geriatrische Syndrome benannt, die in enger Verbindung mit den oben genannten stehen und sich gegenseitig beeinflussen oder bedingen können. Zu nennen sind dabei die Isolation, Insomnia, iatrogene Erkrankungen, das irritable Kolon, impaired eyes and ears sowie Impecunity.

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird ein Überblick über die vier „Riesen“ der Geriatrie, intellektueller Abbau, Immobilität, Instabilität und Inkontinenz, gegeben. Die geriatrische Bedeutung des jeweiligen Syndroms, dessen Erkrankungsrisiko, das Krankheitsbild, sowie Therapiemöglichkeiten sollen einen Einblick in die bedeutensten geriatrischen „I´s“ geben. Die weiteren geriatrischen „I´s“ sollen darauf folgend kurz in ihrem Auftreten und Charakteristik dargestellt und ihre Verknüpfung und Beeinflussung untereinander skizziert werden.

Ziel der Darstellung der geriatrischen Syndrome ist es, zu verdeutlichen, dass im Alter selten eine Erkrankung alleine auftritt, sondern die „I´s“ durch einzelne Erkrankungen begründet sein können. Eine Häufung von Erkrankungen als Risikofaktoren sowie persönliche Dispositionen und Ressourcen bzw. Defizite beeinflussen das Auftreten der „I´s“. So sind mehrere Erkrankungen ein Zeichen für Multimorbidität, Syndrome treten verstärkt auf. Ein Syndrom kann das nächste folgen lassen bzw. bedingen.

1 DIE GERIATRISCHEN „I´ S “

Die Einengung der physiologischen Leistungs- und Reaktionsbreite erklärt die erhöhte Anfälligkeit des alternden Organismus gegenüber potentiell schädigenden Umwelteinflüssen. Hierdurch werden Erkrankungen nicht nur leichter und schneller akquiriert, sondern sie nehmen auch in bezug [sic] auf Krankheitsbild und Rekonvaleszenz einen langwierigeren und meist andersartigen Verlauf als bei Jüngeren. Altern und Krankheit nähern sich einander an und können sich gegenseitig beschleunigen. Die sich hieraus ergebenden Besonderheiten und Charakteristika unterscheiden den geriatrischen Patienten deutlich von jüngeren Patientengruppen.“ (Füsgen, Naurath 1989, S.22).

Geriatrie ist die Altersheilkunde bzw. die Lehre von den Erkrankungen des alten Menschen. Sie wird als fächerübergreifendes Gebiet der Medizin betrachtet (vgl. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2002, S. 588). Die Geriatrie ist nach der Definition der WHO[1] ein „Zweig der Medizin, der sich mit der Gesundheit im Alter und den klinischen, präventiven, rehabilitativen und sozialen Aspekten von Krankheiten beim älteren Menschen beschäftigt.“ (Hafner, Meier 1996, S.2).

Wesentliche Aspekte und Annahmen der Geriatrie sind das geriatrische Assessment, Angehörigenberatung, die Irreversibilität von Alterungs- und Krankheitsprozessen, Multimorbidität, Rehabilitation, Demenz sowie Sterbebegleitung (vgl. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2002, S. 588).

Die WHO unterscheidet fünf Dimensionen von Gesundheit: die körperliche, psychische, soziale, ökonomische und funktionelle Gesundheit. Beim Auftreten einer Geriatrieerkrankung ist davon auszugehen, dass eine parallele und aktive Erkrankung in wenigstens drei der fünf Gesundheitsdimensionen vorliegt (vgl. Hafner, Meier 1996, S.3f.).

Als klassische Geriatriesyndrome[2] werden die vier „Riesen“ bzw. die vier geriatrischen

„I´s“ bezeichnet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Übersicht nach Hafner, Meier 1996, S.31 und Füsgen, Naurath 1989, S.25f.).

Die geriatrischen Leitsymptome erfordern durch ihre jeweilige Verzahnung und gegenseitige Beeinflussung eine breitere Behandlung und Betreuung über den allgemeinen medizinischen Behandlungsrahmen hinaus[3]. Die geriatrische Bedeutung und Beachtung dieses Grundsatzes entscheidet in der Praxis nicht selten über die Möglichkeit der häuslichen Versorgung bzw. einen erforderlichen Heimeinzug der Betroffenen[4] (vgl. Füsgen, Naurath 1989, S.25f.).

2 INTELLEKTUELLER ABBAU

Der intellektuelle Abbau im Rahmen der geriatrischen „I´s“ ist der Demenz zuzuordnen. Nach dem ICD-10 [5] wird Demenz folgendermaßen definiert: „ Syndrom als Folge einer meist chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns mit Störung vieler höherer kortikaler Funktionen einschließlich des Gedächtnis, Denken, Orientierung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen. Die kognitiven Beeinträchtigungen werden gewöhnlich von Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation begleitet (…).“ (ICD-10 2002, Kap.V).

Eine dementielle Erkrankung führt zu Beeinträchtigungen in den persönlichen Aktivitäten des täglichen Lebens und damit zu Einschränkungen in der Alltagskompetenz (vgl. Füsgen 2004, S.32).

Die Demenzerkrankungen bzw. der intellektuellen Abbau hat eine wichtige geriatrische Bedeutung. „ Je älter wir werden, desto mehr Demenzkranke wird es geben.“ (vgl. Hafner, Meier 1996, S.31). Demenzen sind altersabhängige Erkrankungen. Vom intellektuellen Abbau ist nicht nur der einzelne Patient/Patientin[6] an sich, sondern das gesamte psychosoziale Umfeld, insbesondere seine Angehörigen betroffen. Demenz ist eine der Hauptursachen für Langzeitinstitutionalisierung (stationäre Pflege) auf Grund wachsender Betreuungsschwierigkeiten. Damit verursacht die Demenz im Gesundheitssystem hohe Kosten (vgl. Hafner, Meier 1996, S.35). Die Prävalenz steigt ab einem Alter von 60 Jahren im Abstand von jeweils 5,1 Jahren um das Doppelte, tritt demnach absolut gesehen sehr häufig auf.

Abbildung 1 : Wahrscheinlichkeit einer Demenzerkrankung nach Alter

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1 Symptome von Demenzerkrankungen

Primäre und sekundäre Symptome sind bei der Demenz zu unterscheiden. Primäre Symptome sind obligatorische Defizite, die nicht entscheidend therapierbar sind. Hingegen sind sekundäre Symptome nicht obligat und therapeutisch beeinflussbare reaktive Zusatzsymptome (vgl. Füsgen 2004, S.37).

Der intellektuelle Abbau in Rahmen einer Demenz zeichnet sich durch Defizite in den verschiedensten Bereichen aus:

- Kognitive Defizite – gekennzeichnet durch Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Antriebsarmut, Interesselosigkeit, Abneigung gegen Neues und Überforderungsgefühle.
- Verlust der Selbstständigkeit – gekennzeichnet durch Desorientiertheit, Affektlabilität, Wesensveränderungen, Störungen des Sozialverhaltens (Agnosie), Erkennungsstörungen, Sprachstörungen (Aphasie), Störung sinnvoller Bewegungsabläufe (Apraxie) sowie räumliche und zeitliche Desorientierung (vgl. Füsgen 2004, S.35f.).
- Entstehende Frustrationserlebnisse bei den Betroffenen können Depressionen, Wahn oder aggressives Verhalten auslösen (vgl. Hafner, Meier 1996, S.36).

]Die dementielle Erkrankung ist ein Leiden, welches sich im Krankheitsverlauf verschlechtert. Die Defizite nehmen zu und die Ressourcen der Betroffenen schwinden mehr und mehr. Die drei Schweregrade der Demenz sind gekennzeichnet durch unterschiedliche Grade der Verluste von Kompetenzen:

- Leichte Demenz – Arbeit und soziale Aktivitäten sind deutlich eingeschränkt, die Fähigkeit des selbstständigen Lebens mit Selbstpflegeaktivitäten und Urteilsvermögen ist noch erhalten.
- Mittlere Demenz – ein selbstständiges Leben ist mit Schwierigkeiten möglich, ein gewisses Maß an Aufsicht ist nötig.
- Schwere Demenz – Aktivitäten des täglichen Lebens sind beeinträchtigt, ständige Betreuung und Pflege wird erforderlich, Selbstpflegekompetenzen und motorische Fähigkeiten gehen verloren (vgl. Füsgen 2004, S.37).

2.2 Formen der senilen Demenz – primäre und sekundäre Demenz

Bei der primären Demenz ist das Gehirn direkt als Organ von Krankheit betroffen. Sie umfasst die degenrative und die vaskuläre Demenz.

Die degenerative Demenz[7] ist „morphologisch durch eine Athropie bestimmter Anteile der Gehirnrinde und durch Ablagerungen pathologischen Eiweißes, dem sog. Amyloid, gekennzeichnet (…).“ (Füsgen 2004, S.33).

Die vaskuläre Demenz[8] wird ausgelöst durch Veränderungen in den kleinen subkortalen Gefäßen. Ein Risikofaktor an dieser Form der Demenz zu erkranken ist die Hypertonie. Mit steigendem Alter tritt vermehrt eine Mischform der vaskulären und degenrativen Demenz auf (vgl. Füsgen 2004, S.33).

Sekundäre Demenzen[9] sind Hirnleistungsstörungen die beispielsweise durch endokrine Störungen, Stoffwechselerkrankungen, Alkoholismus oder Vitamindefizite hervorgerufen werden. Die Behandlung der Grunderkrankung kann die entstandenen kognitiven Defizite beseitigen, macht diese Demenzform also reversibel (vgl. Füsgen 2004, S.33).

[...]


[1] World Health Organization.

[2] Das Zusammentreffen verschiedener Symptome wird als Syndrom bezeichnet, wobei Symptome die Krankheitszeichen eines bestimmtes Krankheitsbildes meinen (vgl. Hafner, Meier 1996, S.31).

[3] An der verbreiteten Praxis der Behandlung älterer Patienten wird Kritik geübt bezogen auf die „(…) Diskrepanz zwischen der auf die aktuelle Situation bezogene symptom- und organzentrierte „Normalversorgung“ und dem geriatrisch erforderlichen individuenbezogenen und ganzheitlichen Ansatz. Die bisherige gesetzlich geregelte Grundversorgung steht dem Bedürfnisprinzip und der Vernetzung von medizinischen und sozialen Problemen sowie von ambulanten und stationären Versorgungsstrukturen entgegen.“ (Kompetenznetz für das Alter 2005, S.3f.)

[4] Für die frühzeitige Erfassung von Risikofaktoren und Erkrankungen sowie Rehabilitationsmöglichkeiten ist das geriatrische Assessment die zentrale Grundlage (vgl. Kruse u.A. 2005, S.15).

[5] International Classification of Diseases.

[6] Im Folgenden wird durchgehend die männliche Form genutzt, gemeint sind beide Geschlechter.

[7] Jede zweite Demenz ist degenerativer Natur, wie die Demenz Typ Alzheimer (DAT) (vgl. Füsgen 2004, S.33).

[8] 40% der Demenzen sind vaskulär wie beispielsweise die Multi-Infarkt-Demenz (MID) (vgl. Hafner, Meier 1996, S.162).

[9] Etwa 10% der Betroffenen leiden unter einer sekundären Demenz (vgl. Füsgen 2004, S.33).

Details

Seiten
28
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640251728
ISBN (Buch)
9783640251841
Dateigröße
890 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v121153
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta – Institut für interdisziplinäre Gerontologie
Note
2,7
Schlagworte
Syndrome Geriatrie Geriatrische Krankheitsbilder

Autor

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