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Die sozialen Effekte von Nachhilfe

Hausarbeit 2008 18 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Qualitative Sozialforschung
2.1 Darlegung der Forschungsfrage
2.2 Begriffsdefinition
2.3 Hypothesenbildung

3. Darlegung der Methode: Das narrative Interview
3.1 Begründung der Methodenwahl
3.2 Durchführung des Interviews
3.3 Transkription

4. Erfahrungen mit der Erhebung
4.1 Feldzugang
4.2 Die Erhebung

5. Inhaltliche Auswertung und Interpretation
5.1 Formale Textanalyse Mitarbeit (Zeilen 140 – 158)
5.2 Strukturelle Beschreibung
5.3 Analytische Abstraktion
5.4 Wissensanalyse

6. Fazit

7. Ausblick

Literaturverzeichnis

ANHANG

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Studiengang Bildungswissenschaft der Fernuniversität Hagen wird im Modul 2a das Thema „Methoden der empirischen Bildungsfor­schung“ behandelt. Entsprechend ist im Rahmen einer Hausarbeit ein selbst gewähltes Forschungsprojekt unter Auswahl einer der Methoden der empi­rischen Sozialforschung durchzuführen und auszu­werten.

Bedingt durch meine berufliche Tätigkeit im Nachhilfesektor fokussierte sich mein Forschungsinteresse auf diese Thematik. Das An­fang dieses Jahres im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erschienene wissenschaftliche Gutachten „Was wissen wir über Nach­hilfe? – Sachstand und Auswertung der Forschungsliteratur zu Ange­bot, Nachfrage und Wirkungen“ vertiefte mein Interesse noch, wird im Rahmen dieses Gutachtens, dessen Schwerpunkt auf der Darlegung, Zusammenfassung und Bewertung empirischer Forschungsarbeiten der Jahre 1990 – 2007 liegt, doch immer wieder auf Lücken und Un­über­sichtlichkeit in der Nachhilfeforschung hingewiesen.

2. Qualitative Sozialforschung

Laut Flick (2007, S. 27) ist das Ziel der qualitativen Sozialforschung, „Neues zu entdecken und empirisch begründete Theorien zu ent­wickeln“. Es geht hier also nicht um die Überprüfung wissenschaftlicher Theorien, sondern um die Entdeckung von theoretischen Aussagen. Nach Brüsemeister (2008, S. 28) bezeichnen diese beiden Begriffe den zentralen Unterschied zwischen qualitativer und quantitativer Sozialfor­schung, „aus dem sich alle weiteren Unterschiede zwischen den Me­thoden ergeben“. Untersuchungsfeld der qualitativen Sozialforschung ist gemäß Flick (2007, S. 27) „das Handeln und Interagieren der Sub­jekte im Alltag“, weshalb ForscherInnen sich mit dem Prinzip der Offen­heit ins Feld begeben, um der „Differenziertheit des Alltags“ gerecht zu werden. Darüber hinaus sind von den ForscherInnen das Prinzip der Gegenstandsangemessenheit bei der Methodenwahl, das Prinzip der Generalisierbarkeit der Ergebnisse sowie die Formulierung von Güte­kriterien zu berücksichtigen.

2.1 Darlegung der Forschungsfrage

Seit vielen Jahren begleite ich als Nachhilfelehrerin SchülerInnen durch ihren Schulalltag. Dabei sind Leistungsverbesserungen ein äußeres Kennzeichen des Effekts von Nachhilfeunterricht, das ich persönlich beobachte. Allerdings wurde ich durch die Aussage einer Schülerin, dass sie zum ersten Mal seit langer Zeit ohne Angst in den Unterricht ginge, darauf aufmerksam, dass Nachhilfe auch noch andere Effekte haben könnte.

Nun geht es bei dieser Arbeit nicht darum, eine von persönlichen In­teressen geleitete Forschungsfrage zu untersuchen, vielmehr sind nur „Fragen, die eine Wissenslücke im Theoriegebäude benennen und die Schließung dieser Wissenslücke anleiten, ... Forschungsfragen“ (Gläser & Laudel, 2006, S.64). Folglich zog ich das o.g. wissenschaftliche Gut­achten zurate, musste aber feststellen, dass die Effekte von Nachhilfe­unterricht in der bisherigen Forschung überwiegend an der Notenent­wicklung festgemacht wurden. So wurde entsprechend unter dem Ab­schnitt „pädagogische Wirkungen von Nachhilfe“ das Fehlen von Stu­dien konstatiert und gefordert, dass es weitere Forschungsarbeiten ge­ben müsse, um bestehende Lücken zu schließen (Dohmen, Dieter, Er­bes, Annegret, Fuchs Kathrin, Günzel Juliane (2008), S. 132, S. 149). All dies veranlasste mich zur folgenden Forschungsfrage: „Welche so­zialen Effekte hat Nachhilfe?“ Dies möchte ich mithilfe eines narrativen Interviews erforschen.

2.2 Begriffsdefinition

Untersuchungsgegenstand dieser Hausarbeit ist das Thema Nachhilfe, für das es unterschiedliche Definitionen gibt, von denen nachfolgende hier Anwendung findet: Nachhilfe bezeichnet den „außerhalb des regu­lären Schulunterrichts und zusätzlich zu ihm stattfindenden, mehr oder weniger regelmäßigen und häufig vorübergehenden privaten Einzel- (oder Gruppen-) unterricht durch Lehrer, Studenten, Schüler und Laien zum Zwecke einer dem Schulunterricht nachfolgenden Erfolgssicherung in bestimmten Unterrichtsfächern“ (Krüger 1977, S. 545).

2.3 Hypothesenbildung

Laut Brüsemeister (2008) spielen Anfangshypothesen eine wichtige Rolle als erste Zugänge, um neue theoretische Konzepte aus Daten entwickeln zu können. Sie dienen nicht als Messlatte, sondern sensibili­sieren ForscherInnen für Bestimmtes. Darüber hinaus stellt er es als natürlich dar, dass ForscherInnen nicht bei jeder neuen Untersuchung ihre Erfahrungen aufgeben. So vermutete ich aufgrund der oben bereits erwähnten Bemerkung einer Nachhilfeschülerin, dass ein Zusammen­hang zwischen Nach­hilfeunterricht und Schulangst bestehen könnte. Allerdings merkte ich dann bei der Formulierung dieser Hypothese, dass ich hier überwie­gend von positiven Effekten ausging. Dies wider­spricht dem Prinzip der Offenheit. Es wurde mir sehr deutlich, dass es bei der qualitativen Sozi­alforschung gerade nicht darum geht, Ver­mutungen zu überprüfen, sondern Neues zu entdecken. Aus diesem Grund beschloss ich dann auch, einen mir unbekannten Nachhilfe­schüler zu interviewen. Dazu generierte ich nach dem Prinzip der Of­fenheit folgende Vorab-Hypothesen:

- Nachhilfeunterricht beeinflusst die Schul-/Prüfungsangst
- Nachhilfeunterricht wirkt sich auf das Selbstbewusstsein aus
- Nachhilfeunterricht verändert Lernmotivation und Lernstrategien

Diese werden im Verlauf der Untersuchung der Gegenstandsangemes­senheit entsprechend gegebenenfalls angepasst oder ergänzt.

3. Darlegung der Methode: Das narrative Interview

Das narrative Interview ist eine Forschungsmethode der qualitativen Sozialforschung, die im wesentlichen von dem Soziologen Fritz Schütze entwickelt wurde und darauf basiert, dass der Interviewer mithilfe einer offen gehaltenen Eingangsfrage dem Erzähler einen Stimulus gibt, so dass dieser in einer Stegreiferzählung seinen biografischen Lebensweg darlegt. Der Erzähler wird dann nicht mehr unterbrochen, bis er seine Erzählung selbst beendet. Dies geschieht üblicherweise mit einer ein­deutigen Formulierung. Dann wird in einem immanenten Nachfrageteil um weitere Detaillierung einzelner Erzählungen gebeten oder es wer­den abgebrochene Erzähllinien der Stegreiferzählung aufgegriffen. Im letzten Teil des Interviews hat der Interviewer die Möglichkeit, vorbe­reitete, exmanente Fragen zu stellen.

3.1 Begründung der Methodenwahl

Fritz Schütze (1983) beschreibt, wie mithilfe des narrativen Interviews soziale Entwicklungsprozesse bei Individuen erfasst werden können, indem Datentexte erzeugt werden, „welche die Ereignisverstrickungen und die lebensgeschichtliche Erfahrungsaufschichtung des Biographie­trägers so lückenlos reproduzieren, wie das im Rahmen systematischer sozialwissenschaftlicher Forschung überhaupt nur möglich ist. ... Das Ergebnis ist ein Erzähltext, der den sozialen Prozess der Entwicklung und Wandlung einer biographischen Identität kontinuierlich ... darstellt und expliziert.“

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Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640257683
ISBN (Buch)
9783640263660
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v121258
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Modul 2a Bildungswissenschaften Soziologie qualitative Forschung narratives Interview Nachhilfe Fernuni Hagen

Autor

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