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Reinhold Koser: Die Epoche der absoluten Monarchie in der neueren Geschichte

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 23 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorstellung des Autors
2.1. Biographische Angaben
2.2. Die historische Zeitlage des Autors
2.3. Das wissenschaftliche Umfeld des Autors

3. Formales
3.1. Angaben zum Text
3.2. Der Publikationskontext
3.3. Aufbau und Gliederung

4. Interpretation
4.1. Einleitung
4.2. Kapitel I
4.3. Kapitel II
4.4. Kapitel III
4.5. Die Problematisierung des Absolutismusbegriffes nach Koser
4.6. Koser und Roscher im Vergleich

5. Zusammenfassung

6. Literatur

1. Einleitung

Das Modell von Wilhelm Georg Roscher ist bis dato maßgebend für die Geschichtswissenschaft. Roscher ist von seiner Dreiteilung der Entwicklung des Absolutismus in Europa überzeugt. Er geht von einer kontinuierlichen Steigerung aus, die mit einem „konfessionellen“ Absolutismus beginnt, sich in einen „höfischen“ Absolutismus wandelt und schließlich im „aufgeklärten“ Absolutismus mündet. Mit Reinhold Koser erfährt die Absolutismusforschung des 19. Jahrhundert einen weiteren Ansatz zur Entwicklung des absolutistischen Prinzips. Koser bezweifelt, dass Roschers Modell ein durchgreifendes Prinzip beschreibt. Anhand eines Aufsatzes in der Historischen Zeitschrift zeigt Koser nunmehr seine Ansichten über die politischen Entwicklungen in Europa zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert auf. Die Vorstellung seiner Person, seiner Historischen Zeitlage und die Interpretation seiner Überlegungen sind Bestandteil dieser Arbeit. Am Ende werden die Ansätze Roschers und Kosers kontrastiert.

2. Vorstellung des Autors

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[1]

2.1. Biographische Angaben

Reinhold Koser wird am 7. Februar 1852 in Schmarsow bei Prenzlau geboren.[2] Koser studiert in Berlin, Wien und Halle Geschichte und Philologie. Zwischen 1874 und 1885 ist er Mitarbeiter an den Publikationen der Preußischen Akademie der Wissenschaften.[3] Er selbst promoviert 1874 zum Thema des „Dreißigjährigen Krieges“. 1882 wird Koser zum Geheimen Staatsarchivar Preußens ernannt. Er verlässt allerdings den Archivdienst, als er bereits 2 Jahre später zum außerordentlichen Professor an der Universität Berlin berufen wird, der Koser bereits seit 1880 als Privatdozent angehört. 1890 übernimmt Koser als Nachfolger von Alfred Wilhelm Dove eine ordentliche Professur an der Universität Bonn und verlässt vorläufig Berlin.[4] In Bonn arbeitet Koser zwischen 1890 und 1896, bevor er wieder nach Berlin zurückkehrt. Nach dem Tod des großen Historikers seiner Zeit, Heinrich von Sybels[5], wird Koser nun Direktor der Preußischen Staatsarchive.[6] 1897 ernennt man ihn zum Geheimen Oberregierungsrat und 1898 zum Historiographen des Preußischen Staates. Zwei Jahre vorher bekommt Reinhold Koser von Kaiser Wilhelm II. die ehrenvolle Aufgabe übertragen, die Leitung über das historische Programm für die vom Kaiser geplante Siegesallee zu übernehmen. Koser willigt ein und nun zuständig für die Auswahl von 32 Standbildern und 64 Nebenfiguren für den kaiserlichen Monumentalboulevard in Berlin.[7] Die 1901 vollendete Siegesallee wird von den Bürgern Berlins allerdings eher belächelt als bewundert. Sie taufen ihre neue Prachtstraße als „Puppenallee“. Koser selbst erkennt schnell, dass seine Auswahlfreiheit sehr beschränkt wird. Er hat sich an die kaiserlichen Vorgaben zu halten und kann seine eigenen Ideen nur wenig einbringen.[8] Seit 1905 ist Reinhold Koser neben seinen bestehenden Aufgaben auch Vorsitzender der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae Historica.[9] Kosers Hauptwerk beschreibt hingegen die Geschichte Friedrichs des Großen, wofür er 1912 mit dem Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste ausgezeichnet wird.[10] Weitere wichtige Publikationen sind u.a.: Der Kanzlerstreit: ein Beitrag zur Quellenkunde des Dreißigjährigen Krieges, Halle 1974; Friedrich der Große als Kronprinz. 2. Auflage, Stuttgart 1901; Geschichte der Brandenburg- preußischen Politik. Bd. 1: bis 1648, 1913 und seine Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte, Leipzig 1898ff., welche er als Herausgeber betreut.[11] Insgesamt erarbeitet sich Reinhold Koser eine bedeutende Stellung innerhalb der preußisch- historischen Wissenschaften. Er vereinigt in seiner Person die Ämter des Generaldirektors der Preußischen Staatsarchive, des Direktors des Preußischen Geheimen Staatsarchivs und des Vorsitzenden im Kuratorium des Deutschen historischen Instituts in Rom und ist für deren verschiedene Publikationsreihen und Editionen verantwortlich.[12] Neben seinen bedeutenden Errungenschaften durch eine Vielzahl an Werken, stellt Koser durch seine verschiedenen Ämter auch ein verknüpfendes Moment zwischen einzelnen Disziplinen der Geschichtswissenschaft dar.[13] Seine Bemühungen für die moderne Geschichtswissenschaft sind maßgebend und stellen eine Markierung ihrer Entwicklung dar.[14]

2.2. Die historische Zeitlage des Autors

Reinhold Koser wird in eine Epoche großer Veränderungen und gleichzeitiger Kontinuität geboren. Die Komponente der Kontinuität beschreibt vor allem sein politisches Umfeld. Zeit seines Lebens erfährt Koser eine monarchische Staatsform, die ihren Höhepunkt in der Reichgründung von 1870/1871 und der Kaiserproklamation findet. Seine Heimat kann in vielen Schlachten auf dem Weg zur Reichsgründung triumphieren wie im Deutsch- Dänischen Krieg von 1864 oder dem Krieg mit Österreich 1866. Aus allen Schlachten geht Deutschland als Sieger hervor. Deutschland wird nach und nach geeinigt zu einem Deutschen Reich. Einzelne Interessen der verschiedenen Staaten können überwunden und schrittweise auf einen gemeinsamen Ansatz vereint werden. Vor allem die Politik Otto von Bismarcks trägt zu diesem Reicheinigungsprozess bei. Seine geschickten politischen Strategien und diplomatischen Raffinessen können viele Barrieren im Reich beräumen und den Weg ebnen, die Deutschen unter einem Banner zu vereinigen. Nach der Reichgründung blüht das Deutsche Reich zu einer neuen politischen, militärischen und wirtschaftlichen Großmacht in Europa und der ganzen Welt auf. Vor allem die von Frankreich zu entrichtenden Reparationszahlungen initiieren einen regelrechten Wirtschaftsboom im Reich. Es sind die deutschen Gründerjahre, welche das Reich prägen. Die Industrialisierung im Reich wird vorangetrieben, neue infrastrukturelle Projekte werden umgesetzt, das Reich via Eisbahnbahnstrecken erschlossen und verbunden. Die Städte verändern sich und es entstehen neue Metropolen, die wiederum einen regelrechten Urbanisierungsboom schüren bzw. auslösen. Auch Wissenschaft und Forschung profitieren von diesen Entwicklungen. Viele neue Ideen entstehen und neue Erkenntnisse werden gemacht. Auf politisch- gesellschaftlicher Ebene werden fundamentale Konzepte und Modelle konzipiert. Zwischen 1859 und 1867 publiziert Karl Marx seine ökonomischen Hauptwerke „Zur Kritik der politischen Ökonomie“ und „Das Kapital“. Schließlich setzt auch in Deutschland eine imperialistische Ideologie ein. Das Reich versucht seinen neuen Anspruch einer Großmacht in der gesamten Welt zu etablieren und verschreibt sich der Kolonialisierung der noch freien Kapazitäten in der Welt. Auch die Wissenschaft entwickelt sich kontinuierlich weiter. Durch die Industrialisierung und den neuen Möglichkeiten der Kommunikation sowie des Transports erfährt die Wissenschaft eine neue internationale Dimension. Es kommt zu regen Austausch zwischen den Nationen. Aber selbst auf der Mikroebene, die Kommunikation im Land selbst, finden viele Veränderungen statt. Vor allem die Publikation neuer Erkenntnisse in wissenschaftlichen Zeitschriften schürt und fördert die Etablierung eines wissenschaftlichen Gesprächforums. Koser durchlebt also eine Zeit, die gekennzeichnet ist durch viele Neuerungen auf allen Ebenen. Veränderungen in Gesellschaft, Politik und Kultur arrangieren sich gleichsam und sind im Deutschen Reich stets begleitet durch eine starke und gefestigte Monarchie bedingt auch durch das Wirken eines Otto von Bismarck. Koser lebt gewissermaßen Zeit seines Lebens in einer abgeschlossenen „heilen“ Welt und Gesellschaft. Erst nach seinem Tod zerfällt diese Welt durch den Ersten Weltkrieg. Sein Bild von der Monarchie wird nicht zerrüttet. Koser bleibt bis zu seinem Tod überzeugter Royalist und Anhänger seiner zeitgenössischen Kultur und Gesellschaft.

2.3. Das wissenschaftliche Umfeld des Autors

Reinhold Koser ist in verschiedene wissenschaftliche Projekte involviert und beschreitet in seinem Leben mehrere wissenschaftliche Ämter. Vor allem seine Mitgliedschaft und Vorsitz der Monumenta Germaniae Historica und seine Tätigkeit am Preußischen Geheimen Staatsarchiv gestalten sein Wirken maßgeblich mit. Das wissenschaftliche Umfeld selbst ist vor allem durch seinen Mentor Johann Gustav Droysen geprägt.[15] Droysens Arbeiten zur Preußischen Geschichte sind für Koser maßgebend. Nicht zuletzt arbeitet Koser im Kontext der Monumenta Germaniae Historica unter anderem mit dem Sohn Droysens, Hans Droysen, zusammen.[16] Auch Kosers Hauptwerk zum Leben und Wirken Friedrich des Großen[17] greift auf die Arbeiten und Ansätze Droysens zurück. Aber auch die Überlegungen Heinrich von Sybels und Alfred Doves bezieht Koser in seine Arbeit ein. Natürlich beeinflussen ihn seine universitären Wirkungsstätten Bonn und Berlin und ferner seine Zeit in Wien und Halle. Ausschlag gebend ist jedoch stets sein preußischer Hintergrund.

3. Formales

3.1. Angaben zum Text

Bei den Erläuterungen Kosers zur „Epoche der absoluten Monarchie in der neueren Geschichte“ handelt es sich nicht um eine Monographie oder einen Tagungsbund sondern vielmehr um einen Einzelaufsatz. Die fachlichen Erörterungen zum Thema erfolgen oft in den eigentlich vermutenden Formen. In diesem Falle setzt sich Reinhold Koser mit seinem Thema in Form eines in kleinen, geschliffenen, in seinen Thesen oft zugespitzten, fast an eine Streitschrift heranreichenden Einzelaufsatz auseinander. Koser begibt sich als Erster großer Historiker in einen Reigen ihm noch folgender Autoren, die sich intensiv mit dem Modell Roschers zum Absolutismus beschäftigen.[18] Besprochen werden jeweils die Problematik der epochalen Abgrenzung und inhaltliche Aspekte des Absolutismus.[19] Die Thesen zum Thema entstehen aus verschiedenen Forschungssituationen heraus. Die Studie Kosers trägt zur Markierung des Forschungsweges bei. Aus seinen Überlegungen ergeben sich definitiv wichtige Anhaltspunkte für die Geschichtswissenschaft. Sein Beitrag trägt auch zur Verfeinerung einer wissenschaftlichen Analyse bei.[20] Walter Hubatsch merkt allerdings an, dass die Thesenhaften Aufsätze Kosers und anderer Autoren stets nur in summarischer Form in den großen Gesamtdarstellungen ihren Anklang finden, bezüglich der Grundsatzfragen zum Thema.[21] So legen die einzelnen Autoren wie Koser jeweils einen bestimmten Schwerpunkt fest im Rahmen der Diskussion. Ausgehend von Brandenburg – Preußen, noch in der Amtszeit des Reichskanzlers Bismarck verfasst und auf die damalige Gegenwart bezogen, stellt Koser als erster den Vergleich mit anderen gleichzeitigen Erscheinungsformen des Absolutismus an. Er ist mit diesem Text Auslöser und Wegbereiter eines zukünftig reichhaltigen Diskurses zum Sujet Absolutismus.[22]

3.2. Der Publikationskontext

Reinhold Koser publiziert seinen Ansatz zum Absolutismus 1889 in der Historischen Zeitschrift. Bei dieser Zeitschrift handelt es sich um eine zur damaligen Zeit noch recht junge wissenschaftlich- historische Institution. Die Historische Zeitschrift wird im Jahre 1859 von Heinrich von Sybel begründet. Die Zeitschrift erscheint in einem regelmäßigen Rhythmus und bespricht in einem forumsähnlichen Stil verschiedene Probleme der Geschichtswissenschaft.[23] In der Frühphase bis zum Ende des Ersten Weltkrieges ist sie ein Organ mit vorwiegend protestantisch-konfessioneller Ausrichtung im preußischen Sinne, das also den preußischen Führungsanspruch des Deutschen Reichs vertritt. Daher sind katholische Autoren selten vertreten. In der Zeit, die als Kulturkampf bezeichnet wird, kommt es nicht selten zu Angriffen auf die katholische Geschichtsauffassung besonders im Zusammenhang mit Martin Luther und dem Protestantismus vor. Umgekehrt veröffentlicht die katholische Publizistik Zeitschriften politisch-historischen Inhalts mit deutlich antipreußischer Tendenz, so die Historisch-politischen Blätter für das katholische Deutschland und das Historische Jahrbuch. Heute ist der konfessionelle Gesichtspunkt weitgehend bedeutungslos geworden.[24] Als Vorläufer der Historischen Zeitschrift als allgemeinhistorisches wissenschaftliches Organ gelten die Historisch-politische Zeitschrift Leopold von Rankes von 1833 bis 1836 sowie insbesondere die 1844–1848 von Wilhelm Adolf Schmidt herausgegebene Zeitschrift für Geschichtswissenschaft.[25] Seit ihrer Gründung 1859 schaut die Historische Zeitschrift auf eine Vielzahl wichtiger Vertreter der Geschichtswissenschaft zurück. Unter ihnen befinden sich unter anderem auch Reinhold Koser und Johann Gustav Droysen. Die Historische Zeitschrift gilt in der deutschen Geschichtswissenschaft nach wie vor als die führende Geschichtszeitschrift.

[...]


[1] Vgl. www.literaturport.de (Stand 7.11. 2008).

[2] Heute zu Rollwitz gehörend.

[3] Hubatsch, Walter (Hg.): Absolutismus, Darmstadt 1973, S. 547.

[4] Alfred Wilhelm Dove * 1844 Berlin, + 1916 Freiburg; Vgl. Oswald Dammann: Dove, Alfred Wilhelm, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 4, S. 91 f., Bd. 15, S. 429.

[5] Heinrich von Sybels * 1817 Düsseldorf, + 1895 Marburg; Sybel gilt als Begründer der modernen Geschichtswissenschaft, begründet die „Historische Zeitschrift“ und arbeitete intensiv an der Institutionalisierung des „Deutschen historischen Institutes in Rom“ mit; Vgl. dazu Dotterweich, Volker: Heinrich von Sybel: Geschichtswissenschaft in politischer Absicht (1817-1861), Göttingen: Vanderhoeck & Ruprecht , 1978.

[6] Hubatsch, Walter (Hg.): Absolutismus, Darmstadt 1973, S. 547.

[7] Uta Lehnert: Der Kaiser und die Siegesallee. Réclame Royale. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1998.

[8] Vgl. Ebd..

[9] Monumenta Germaniae Historica kurz „MGH“, sind ein Institut zur Erforschung des Mittelalters, welches sich auch als „Deutsches Institut zur Erforschung des Mittelalters“ tituliert. Begründet wird diese Institution durch den großen preußischen Reformer, dem Freiherrn vom Stein (1819). Vgl. dazu Bresslau, Harry: Geschichte der Monumenta Germaniae Historica, Hannover 1991.

[10] Hubatsch, Walter (Hg.): Absolutismus, Darmstadt 1973, S. 547.

[11] Vgl. Ebd., S 547-548.

[12] Schaller, Annekatrin: Michael Tangl (1861- 1921) und seine Schule: Forschung und Lehre in den historischen Hilfswissenschaften, Stuttgart 2002, S. 174.

[13] Vgl. Ebd., S. 174.

[14] Hubatsch, Walter (Hg.): Absolutismus, Darmstadt 1973, S. VII- XIV.

[15] Johann Gustav Droysen wird 1808 in Treptow geboren. Er wächst nach dem frühen Tode des Vaters in bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Vater hatte das Amt des Militärpfarrers inne. Droysen macht sein Abitur in Stettin und geht dann nach Berlin, um hier 1826 sein Studium der Philosophie und Philologie aufzunehmen. Hegel wird in diesem Zusammenhang sein Lehrer. 1829 passiert Droysen sein Oberlehrerexamen und zwei später promoviert er. Bis 1833 arbeitet Droysen als Lehrer am „Berlinerischen Gymnasium zum Grauen Kloster“. Ab 1833 ist er Privatdozent und habilitiert in Philologie, 1835 schließlich erfolgt seine Berufung zum außerordentlichen Professor an die Universität Berlin. Es erscheint sein Erstlingswerk zur Geschichte „Alexander des Großen“ unter der Vorarbeit zur „Geschichte des Hellenismus“. Mit der Berufung zum Professor an der Universität Kiel beginnt gleichzeitig das Wirken Droysens in der Politik. Es ist die „Schleswig- Holstein Frage, die sein politisches Engagement schürt. Droysen wird 1848 Vertreter der provisorischen Regierung Schleswig- Holsteins im Bundestag zu Frankfurt. Droysen ist Mitglied der gemäßigt- liberalen „Casino“- Partei und gilt als wichtiger Wegbereiter der parteilichen Politik, auch ohne je eine Rede gehalten zu haben. Sein Einsatz für eine Trennung Schleswig- Holsteins von Dänemark sorgt für viel Unmut in Kopenhagen. Droysen bewirbt sich daher vorausschauend um den neu geschaffenen Lehrstuhl für Geschichte an der Universität Jena und wird 1851 an die Selbige berufen. Sein Rückzug aus der Politik wird allerdings auch durch die Ablehnung der Kaiserkrone durch Wilhelm IV. von Preußen bedingt. Seine Passion für Preußen wird dabei nicht nachhaltig beeinträchtigt und bleibt ungebrochen. Seit 1855 schreibt der Historiker an seinem Monumentalwerk zur Preußischen Geschichte. Seine „Geschichte der preußischen Politik“ (1855–1886) ist die umfassendste Darstellung der preußisch-kleindeutschen Geschichtsidee. 1859 kehrt er nach Berlin zurück und lehrt bis zu seinem Tod 1884. Droysen gehört nicht direkt zur Schule Heinrich von Sybels und Heinrich von Treitschkes, den großen Historikern seiner Zeit. Er versteht die Aufgabe der Geschichtswissenschaften aber in einem verwandten Sinne. Die Forderung Leopold von Rankes nach Objektivität in der Geschichtsschreibung lehnt Droysen entschieden ab: für ihn hat die Geschichte vielmehr eine erzieherische Aufgabe für den Staat wahrzunehmen. Droysen wird selbst zu einer schillernden Figur und Protagonisten der Geschichtswissenschaft und bekleidet eine Vielzahl von Mitgliedschaften an verschiedenen Akademien. So gehörte er unter anderem zur „Königlich Sächsischen Gesellschaft für Wissenschaften zu Leipzig“ und der „Berliner Akademie der Wissenschaften“. Als Geschichtstheoretiker legt Droysen den Grundstein der „hermeneutischen Methodik“ in der modernen Geschichtswissenschaft und begründet auch die „quellenkritische Methode“, welche großen Einfluss auf die Historiographie haben sollte, mit. Vgl. dazu: Christiane Hackel (Hrsg.): Johann Gustav Droysen 1808–1884: Philologe – Historiker – Politiker [Katalog zur Ausstellung an der Humboldt-Universität zu Berlin], 1. Aufl. G+H Verlag, Berlin 2008; Wilfried Nippel: Johann Gustav Droysen. Ein Leben zwischen Wissenschaft und Politik. Verlag C. H. Beck, München 2008.

[16] Hans Droysen ist wie sein Vater Geschichtsprofessor und legt wichtige Forschungen zum Dreißigjährigen Krieg vor. Vgl. dazu: Christiane Hackel (Hrsg.): Johann Gustav Droysen 1808–1884: Philologe – Historiker – Politiker [Katalog zur Ausstellung an der Humboldt-Universität zu Berlin], 1. Aufl. G+H Verlag, Berlin 2008.

[17] Koser, Reinhold: König Friedrich der Große. 2 Bde. Stuttgart (1904, 1908).

[18] Neben Koser beschäftigen sich unter anderem auch Hintze und Hartung mit Roscher. Vgl. siehe Hubatsch, Walter (Hg.): Absolutismus, Darmstadt 1973, S. VII- XIV. Auf Inhalte wird in Kapitel 4 näher eingegangen.

[19] Vgl. Ebd., S. VII- XIV.

[20] Vgl. Ebd., S. VII- XIV.

[21] Vgl. Ebd., S. X.

[22] Vgl. Ebd., S. XIV.

[23] Neben Aufsätzen besonders zu neuzeitlichen Themen, aber auch zur Geschichte des Altertums und des Mittelalters, erscheint schon seit ihrer Gründung ein umfangreicher Rezensionsteil zu Neuerscheinungen der geschichtswissenschaftlichen Literatur, der auch die Ur- und Frühgeschichte, das Altertum, das Mittelalter, die Frühe Neuzeit und die Neuere und Neueste Geschichte berücksichtigt.

[24] Theodor Schieder: Die deutsche Geschichtswissenschaft im Spiegel der Historischen Zeitschrift. In: Historische Zeitschrift 189, 1959, S. 1–104.

[25] Vgl. Ebd., S. 1-104.

Details

Seiten
23
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640258260
ISBN (Buch)
9783640259823
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v121414
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
Reinhold Koser Absolutismus Epoche des Absolutismus absolute Monarchie Absolutismusdiskussion neuere Geschichte Wilhelm Roscher Walter Hubatsch Monumenta Germaniae Historica Historische Zeitschrift Johann Gustav Droysen Friedrich der Große

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