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Sportliche Betätigung als Selbstfürsorge in Zeiten einer Pandemie. Inwiefern ändert sich das subjektive Befinden von Asylsuchenden durch sportliche Angebote während des Lockdowns?

©2021 Hausarbeit 59 Seiten

Zusammenfassung

Für diese Arbeit entwickelte sich die Forschungsfrage, inwiefern sich das subjektive Befinden der Bewohner* innen durch sportliche Aktivitäten während des Lockdowns im Kontext der Corona Pandemie verändert. Die Aktualität der Corona Pandemie gab den Anlass, die Zentrale Unterbringungseinrichtung für Asylsuchende hinsichtlich der Folgen der Corona Pandemie zu beforschen. Das Ziel dieser Arbeit ist es, einen Einblick in die Thematik der Corona Pandemie und der sportlichen Aktivität zu geben.

Durch das Eintreten des neuartigen Corona Virus ist es auf allen globalen Ebenen weltweit zu Einschränkungen und neuen Regelungen gekommen. Besonders in der zentralen Unterbringungseinrichtung war dies ersichtlich. In der Einrichtung leben Geflüchtete, welche durch asylrechtliche und unterbringungsspezifische Regularien eingeschränkt sind. Darüber hinaus haben die Bewohner* innen nur wenige Möglichkeiten zur Gestaltung ihrer Lebensumstände in Deutschland. Bislang blieb ihnen zumindest die Option, das Gelände tagsüber zu verlassen und an einigen festen Angeboten auf dem Gelände teilzunehmen. Die fortschreitende Ausbreitung des Corona Virus hat diesen wenigen Gelegenheiten, Selbstwirksamkeit zu erfahren, noch einmal deutlich reduziert.

Die pandemische Entwicklung hatte eine Ausgehbeschränkung zur Folge und somit war die Durchführung sportlicher Aktivitäten stark beeinträchtigt. Allerdings fand die Entwicklung eines Sportprojektes statt, welches verschiedene sportliche Aktivitäten in Gruppen anbot. Unter Berücksichtigung der zulässigen Anzahl sozialer Kontakte war die Teilnahme frei für Alle, unabhängig von Alter und Geschlecht. Die Idee war dabei, die sportliche Aktivität als Möglichkeit, Selbstwirksamkeit in einer Zeit des "Erstarrens" des öffentlichen Lebens zu erfahren. Dies bezog sich auf die Situation als Person, die sich im Status "wartend" auf die Entscheidung über das Asylverfahren befindet, als auch hinsichtlich der Auswirkungen der globalen Pandemie.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Einführung Landeseinrichtung ZUE
2.2 Corona und seine Auswirkungen
2.3 Sportliche und Körperliche Aktivität

3. Forschungsprojekt
3.1 Entwicklung und Forschungsfrage
3.2 Aktueller Forschungsstand

4. Untersuchungsdesign
4.1 Darstellung der Methode
4.2 Begründung der Auswahl der Methode

5. Forschungsergebnisse
5.1 Darstellung der Forschungsergebnisse
5.2 Interpretation der Forschungsergebnisse
5.3 Einordnung in Thematik und Forschungsstand

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Durch das Eintreten des neuartigen Corona Virus ist es auf allen globalen Ebenen weltweit zu Einschränkungen und neuen Regelungen gekommen. Besonders in der zentralen Unterbringungseinrichtung war dies ersichtlich. In der Einrichtung leben Geflüchtete, welche durch asylrechtliche und unterbringungsspezifische Regularien eingeschränkt sind. Darüber hinaus haben die Bewohner* innen nur wenige Möglichkeiten zur Gestaltung ihrer Lebensumstände in Deutschland. Bislang blieb ihnen zumindest die Option, das Gelände tagsüber zu verlassen und an einigen festen Angeboten auf dem Gelände teilzunehmen. Die fortschreitende Ausbreitung des Corona Virus hat diesen wenigen Gelegenheiten, Selbstwirksamkeit zu erfahren, noch einmal deutlich reduziert. Die pandemische Entwicklung hatte eine Ausgehbeschränkung zur Folge und somit war die Durchführung sportlicher Aktivitäten stark beeinträchtigt. Allerdings fand die Entwicklung eines Sportprojektes statt, welches verschiedene sportliche Aktivitäten in Gruppen anbot. Unter Berücksichtigung der zulässigen Anzahl sozialer Kontakte war die Teilnahme frei für Alle, unabhängig von Alter und Geschlecht. Die Idee war dabei, die sportliche Aktivität als Möglichkeit, Selbstwirksamkeit in einer Zeit des „Erstarrens“ des öffentlichen Lebens zu erfahren. Dies bezog sich auf die Situation als Person, die sich im Status „wartend“ auf die Entscheidung über das Asylverfahren befindet, als auch hinsichtlich der Auswirkungen der globalen Pandemie. Dementsprechend entwickelte sich die Forschungsfrage, inwiefern sich das subjektive Befinden der Bewohner* innen durch sportliche Aktivitäten während des Lockdowns im Kontext der Corona Pandemie verändert. Die Aktualität der Corona Pandemie gab den Anlass, die Zentrale Unterbringungseinrichtung hinsichtlich der Folgen der Corona Pandemie zu beforschen. Das Ziel dieser Arbeit ist es, einen Einblick in die Thematik der Corona Pandemie und der sportlichen Aktivität zu geben. Darüber hinaus stehen die Organisation und Entwicklung der Forschung thematisch im Vordergrund. Dabei wird das Vorgehen der Forschung dargelegt, die Ergebnisse werden dargestellt und im Nachgang interpretiert. Die Gliederung wurde so gewählt, um von einem allgemeinen Standpunkt aus, immer weiter ins Detail gehen zu können. So sollen die verschiedenen Kapitel der Forschungsarbeit aufeinander aufbauen, sodass es möglich ist, die Zusammenhänge herzustellen und die Ereignisse und Phänomene miteinander zu verknüpfen.

2. Grundlagen

2.1 Einführung Landeseinrichtung ZUE

Das Praktikum wurde in der Zentralen Unterbringungseinrichtung für die Erstaufnahme von Asylbewerbern des Landes Nordrhein- Westfalen absolviert. Der Träger heißt European Homecare in Essen. Die European Homecare GmbH ist ein Unternehmen in Essen, welches sich auf soziale Dienstleistungen spezialisiert hat. European Homecare wurde im Jahr 1989 gegründet und besteht derzeit aus 80 verschiedenen Einrichtungen. Die Einrichtung besteht seit dem Jahr 1993 als Zentrale Unterbringungseinrichtung. Die Versorgung von Asylbewerbern und Flüchtlingen stellt dabei den Schwerpunkt dar. Hier wird nun das Thema „Flucht“ erklärt. Im Völkerrecht gibt es eine klare Differenzierung zwischen zwei Fluchtgründen. Flüchtlinge seien Menschen, welche durch einen „bestimmten und definierten äußeren Einfluss“ ihr Heimatland verlassen (Vgl. BMZ). Auf der anderen Seite stehe der * die Migrant* in, welche* r aktiv aus eigenen Beweggründen aus ihrem Heimatland flüchtet und sich demnach nach einem besseren Leben in Deutschland sehnt (Vgl. BMZ). Nach der Genfer Flüchtlingskonvention ist ein Flüchtling eine Person, die „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will“ (Vgl. BMZ). Demnach strebt der Flüchtling aus den genannten Fluchtgründen nach einem besseren Leben. An dieser Stelle sollte der Begriff der* des Asylsuchende* n definiert werden. Ein Asylsuchender oder eine Asylsuchende ist eine Person, welche sich in einem Asylverfahren befindet. Ein Asylverfahren ist ein Verfahren, in dem die Voraussetzungen für die Akzeptierung von internationalem Schutz und das Vorliegen einer politischen Verfolgung anhand des Grundgesetztes geprüft werden (Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge). Ist das Asylverfahren noch nicht abgeschlossen, so wird derjenige oder diejenige als Asylsuchende* r charakterisiert. Insgesamt arbeitet ein Team von 62 Personen in der Zentralen Unterbringungseinrichtung. Die Aufgaben und Ziele der Einrichtung zielen auf die Beratung und Unterbringung von Asylbewerbern ab. Auf der rechtlichen Grundlage nach AsylbLG erfolgt die Arbeit verschiedener Akteure, nämlich der Bezirksregierung, der Verwaltung, der Sozialbetreuung, der Beratung durch die Caritas, der Sozialarbeit, der Sanitätsstation, dem Kindergarten und der Deutschlehre. Durch ein Team von Sozialarbeiter* innen, Sozialbetreuer* innen, Fremdsprachenkorrespondenten* innen, Krankenschwestern und Krankenpflegern und Deutschlehrer* innen wird die Arbeit unterstützt. Die Betreuungsintensivität ist mit unterschiedlichen Angeboten facettenreich abgedeckt. Durch eine 24 Stunden Betreuung und Integration wird den Klienten ermöglicht, ihre Ressourcen und Fähigkeiten zu stärken und zu mobilisieren. In der Einrichtung müssen die Klienten* innen ein Anerkennungsverfahren des Asylverfahrensgesetz durchlaufen. Dieses wird durch das Team unterstützt und es werden Angebote zur Integration bereitgestellt.

2.2 Corona und seine Auswirkungen

Durch das Eintreten des neuartigen Corona Virus ist es auf allen Ebenen weltweit zu einer großen Unsicherheit gekommen. In einer „Chronik der bisherigen Maßnahmen“ wird vom Bundesgesundheitsministerium der Umgang mit dem Corona Virus deklariert (Vgl. Bundesgesundheitsministerium für Gesundheit, 2021). Erstmals wurde das Virus im Dezember 2019 festgestellt. Um die Ausbreitung des Corona Virus zu verlangsamen, wurden verschiedene Maßnahmen getroffen. Dazu gehören Maßnahmen, wie das Tragen einer Maske oder Kontaktverbote. Mitte März wurde zunächst ein erhöhtes Infektionsrisiko beobachtet. Im Nachgang kam es dann zu der Schließung von einzelnen Geschäften, Gottesdiensten, Vereinsversammlungen durch den Bund und die Länder. Mitte April beschlossen der Bund und die Länder weitere Maßnahmen für die Eindämmung des Corona Virus. Diese waren unter anderem das Kontaktverbot, die Abstandsregelung, die Schließung der Schulen und Kitas und weiterer Instanzen. Im Mai und in den Folgemonaten kam es zu einigen Lockerungen, aber die Vorsicht war noch stark gegeben und Empfehlungen wurden weiter ausgesprochen. Die verschiedenen Einschränkungen des alltäglichen Lebens wurden sichtbar. Der Großteil der deutschen Bevölkerung akzeptiert die Einschränkungen durch das Corona Virus, jedoch treten mit den Einschränkungen dennoch Probleme auf. So erkenne man häufiger soziale Unterschiede und auch die psychosoziale Ebene gerät mehr in den Vordergrund. Die Einschränkungen im alltäglichen Leben führten vermehrt zu Depressionen, Zwangsstörungen und auch Angststörungen (Vgl. Internetredaktion LpB BW, 2021). Die Einsamkeit und die Beschäftigung mit sich selbst als Person ist demnach eine ungewohnte Situation und führt zur Überforderung. Hinzu komme die Unsicherheit und Ungewissheit, wann ein weitgehend normales Leben wieder eintreten könnte (Vgl. Vgl. Internetredaktion LpB BW, 2021).

Auch in der Zentralen Unterbringungseinrichtung traten Einschränkungen durch die Corona Pandemie auf. Besonders auffallend waren die Folgen bezüglich des Wohlbefindens der Bewohner* innen. Nach der WHO sei das Wohlbefinden ein Zustand oder ein Prozess (Vgl. Röhrle, 2018). Das Subjektive Wohlbefinden beruhe auf dem Hedonismus. Hierbei orientiere sich der Mensch an Zufriedenheit, Freude und Glück und meidet negative Emotionen, wie den Schmerz und das Leid (Vgl. Seligmann, 2012). Dabei halte man sich an Bedürfnisse, Wertmaßstäbe und Einstellungen. Auch Bereiche der Lebenszufriedenheit, wie die Arbeitsbedingungen, die Wohnsituation, die Freude oder auch die Freizeit fallen unter dem subjektiven Wohlbefinden (Vgl. Seligmann, 2012).

In der Einrichtung stehen den Klienten* innen verschiedene Möglichkeiten zu, ihren Alltag zu gestalten. Durch die Corona Pandemie waren diese jedoch eingeschränkt. Die Kontakte durften untereinander nur mit den direkten Zimmernachbarn geführt werden. Darüber hinaus wurden die Freizeitgestaltungen gestrichen. Vor der Corona Pandemie war es den Geflüchteten möglich an Sportgruppen, an gemeinsame Fernsehabende und an dem Deutschunterricht teilzunehmen. Um das Risiko von nicht nachvollziehbaren Infektionsketten zu vermeiden, wurden die Ausgänge aus der Einrichtung auf eine Stunde beschränkt. Wer länger als eine Stunde außerhalb der Einrichtung verbrachte, musste sich für zwei Wochen in eine Quarantäne in einem externen Haus begeben. Neben den Einschränkungen, den neuen Herausforderungen, den Kontaktbeschränkungen und den Ausgangsbeschränkungen entstand auf vielen Seiten eine große Unsicherheit. Die Bewohner* innen fühlten sich müde und es kam vermehrt zu Konflikten und Auseinandersetzungen untereinander. In der Zeit der Corona Pandemie und besonders in der Zeit des erstens Lockdowns im April 2020 war die Arbeit des Teams erheblich erschwert. Danach ist es aber im Sommer zu einigen Lockerungen gekommen und es war wieder viel möglich. Besonders belastend ist dies auf Seite der Klienten* innen, denn die Zukunftsperspektive ist durch die Einschränkungen schwer vorstellbar und die Ungewissheit bleibt.

2.3 Sportliche und Körperliche Aktivität

„Sport ist ein kulturelles Tätigkeitsfeld, in dem Menschen sich freiwillig in eine Beziehung zu anderen Menschen begeben, um ihre jeweiligen Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Bewegungskunst zu vergleichen – nach selbst gesetzten oder übernommenen Regeln und auf Grundlage der gesellschaftlich akzeptierten ethischen Werte“, (Vgl. Tiedemann, S.1, 2020). Anhand dieses Ausschnitts ist Sport sehr vielfältig und wird von Menschen mit unterschiedlichen Merkmalen ausgeübt. Den Begriff Sport zu erklären, wäre an dieser Stelle zu weitgehend. Aus diesen Gründen wird dieser nur kurz angeschnitten und in den wichtigsten Punkten definiert. Sport sei nach Tiedemann einem Tätigkeitsfeld unterzuordnen (Vgl. Tiedemann, S. 4, 2020). Wenn man von dem Begriff Sport spricht so ist zwischen der körperlichen und sportlichen Aktivität zu unterscheiden. Die körperliche Aktivität bezieht sich auf jede Bewegung, welche im Alltag und in der Freizeit ausgeübt wird. Das bedeutet, dass die körperliche Aktivität nicht nur der Sport ist, sondern auch die Bewegung im Beruf, die Arbeit im Haushalt oder auch das Spazieren gehen (Vgl. Ahlert, An der Heiden, Meyrahn, Preus & Repenning, S. 6, 2020). Die sportliche Aktivität sei demnach der körperlichen Aktivität unterzuordnen (Vgl. Ahlert, An der Heiden, Meyrahn, Preus & Repenning, S. 6, 2020). Demnach ist die sportliche Aktivität eine typische Form der körperlichen Aktivität. Kennzeichnend für die sportliche Aktivität seien die Leistung, der Wettkampf und die Freude an der Bewegung (Vgl. Lampert, Mensink, Müters, S. 102, 2011).

3. Forschungsprojekt

3.1 Entwicklung und Forschungsfrage

Besonders die Corona Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen traten in der Zeit des Praktikums auf. Der Alltag in der Einrichtung wurde in seiner Dynamik stark eingeschränkt, es traten neue Regeln auf, der Abstand musste eingehalten werden und für den eigentlich normalen Alltag mussten neue Regelungen und Maßnahmen aufgestellt werden. Die Corona Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen waren omnipräsent und es traten wesentliche Probleme auf. Auf Seite der Experten* innen, als auch auf Seite der Bewohner* innen kam eine große Unsicherheit auf. Im März 2020 kam es zum ersten Lockdown und fast alle Möglichkeiten der Freizeitgestaltung fielen weg. In den Monaten von August bis zum Oktober kam es dann zu einigen Lockerungen. Viele Aktivitäten, die zuvor eingeschränkt waren, waren wieder möglich. Darüber hinaus stand die Gestaltung eines eigenen Projekts im Raum und so entwickelte sich die Forschung. Die Frage, welche Bedeutung dies für die Landeseinrichtung und welche Konsequenzen dies für die Klienten* innen hatte, wurde dabei thematisiert. Der Aufbau der Forschung fand wie folgt statt. Zum Anfang hin galt es, sich zu entscheiden, was an Möglichkeiten zur Verfügung steht und wie dies organisiert werden kann. Schließlich wurde sich Gedanken zur Planung, Organisation und Forschung gemacht. Der erste Gedanke, dass Sport positive Auswirkungen auf die subjektive Wahrnehmung haben kann, wurde ausgearbeitet. Besonders nach der Zeit des erstens Lockdowns im März 2020 erschien dieses Projekt sehr sinnvoll und erfolgsversprechend. Die Interessen der Sportarten wurden erfragt und strukturiert. Drei bis Viermal die Woche fanden die Sportgruppen statt und somit kam die Frage auf, welche Rolle der Sport während der Corona Pandemie spielt. Demnach entstand letztendlich die Frage, wie sich das subjektive Wohlbefinden der Bewohner* innen durch sportliche Aktivitäten während des Lockdowns in den Zeiten einer Pandemie verändert.

3.2 Aktueller Forschungsstand

Die Effektivität von sportlicher Aktivität steht in ständiger Forschung. Der Sport kann in vielen Hinsichten hilfreich sein. Er hat beispielsweise in der Prävention und Therapie in Bezug auf die geistige und körperliche Gesundheit positive Effekte (Vgl. Fuchs & Gerber, S. 7, 2018). Besonders in Zeiten der Corona Pandemie ist es interessant, die Rolle des Sports deutlich zu machen. Nach einer internationalen Studie der Universität Potsdam habe der Sport einen positiven Effekt auf die Gefühlslage der Menschen. Die Internationale Studie wurde weltweit organisiert und es fand eine Befragung von 15.000 Studienteilnehmer* innen innerhalb 52 Ländern statt. Darüber hinaus wird in der Studie das Sport- und Bewegungsverhalten verschiedener Personen während der Corona Krise erfragt und wie sich dies auf die eigene persönliche Lebensführung auswirkt (Vgl. Brand, 2020). Erste Ergebnisse der Studie des internationalen Forscherteams sind deklariert worden und zeigen verschiedene Sichtweisen (Vgl. Brand, 2020). Derzeit dauert die Internationale Studie der ersten Befragung noch an, welche in statistischen Analysen und Modellierungen dargestellt werden soll. Eine zweite Befragung derselben Personen sei geplant. „Sich zu bewegen, ist nicht nur gut für den Körper, sondern auch für die Seele“, (Brand, 2020). Dieser Ausschnitt beschreibt, dass die sportliche und körperliche Aktivität nicht nur wirksam für den Körper und das physische Befinden ist, sondern bewirkt auch Effekte in Bezug auf das psychische Befinden. Besonders in ungewohnten Zeiten, wie die in der Corona Krise ginge es den Menschen mit sportlicher und körperlicher Bewegung besser als den Menschen ohne aktive Bewegung (Vgl. Brand, 2020). In Regionen, in der stärkere Einschränkungen und Maßnahmen herrschen sei die sportliche Aktivität geringer. Möglicherweise liegt dies an der fehlenden Bewegungsfreiheit oder fehlenden Möglichkeiten, wie beispielsweise der Gruppensport oder auch das Trainieren in einem Fitnessstudio. Demnach änderten die Menschen ihre Gewohnheiten und entschieden sich für eine andere sportliche Aktivität. Es werden neue Möglichkeiten gesucht und nach Brand sei das Laufen, Joggen oder auch das Ausüben von Home- Workouts die Alternative für das Fitnessstudio und das Vereinstraining (Vgl. Brand, 2020). Aber auch ein Beitrag des „Fitness- Management“ macht deutlich, wie bedeutsam der Sport besonders in Zeiten einer Pandemie sei (Vgl. fM Redaktion, 2020). Nicht nur die positive Auswirkung von sportlicher und körperlicher Aktivität auf das physische Befinden, sondern auch der Einfluss der Aktivität auf die Psychische Gesundheit ist auffallend. Um einer „quarantänebedingten Depression“ präventiv entgegenzuwirken, könne eine regelmäßige Bewegung einen großen Einfluss haben (Vgl. fm Redaktion, 2020). Durch das Schließen von Sportmöglichkeiten im Verein, in Fitnessstudios oder auch in anderen Einrichtungen verschieben sich die Möglichkeiten weitgehend auf Online Portale. Home- Workouts, Zoom- Sessions oder auch Beratungen auf Internetseiten zeigen Möglichkeiten für sportlichen Aktivitäten. Demnach wird deutlich, dass der Sport auch in Zeiten einer Corona Krise möglich ist. Ferner ist er essentiell für die physische und psychische Gesundheit.

4. Untersuchungsdesign

4.1 Darstellung der Methode

Die Erhebung der Daten wird in den folgenden Schritten nach Mayring erklärt. Im Laufe der Forschung entschied man sich zu einer Befragung, bezüglich der eintretenden Einschränkungen durch die Corona Pandemie und die Folgen derer. Die erhobenen Daten thematisieren das alltägliche Leben in der Zentralen Unterbringungseinrichtung sowohl während der Corona Krise als auch während des Alltags zuvor. Es wurde nach dem subjektiven Befinden und auch nach dem Einfluss und der Effektivität von Sport gefragt. Alle Befragten leben in der Zentralen Unterbringungseinrichtung und nahmen an dem Sportprojekt teil. Dadurch ist die Möglichkeit entstanden, dass die Befragung durch die Teilnehmer des Sportprojektes erfolgt. Durch die Analyse der Entstehungssituation wird deutlich, wie die Interviews strukturiert wurden. Beide Interviews wurden in der Einrichtung durchgeführt und erfolgten direkt nach der Durchführung der Sportgruppe. In diesem Fall entschied man sich zu der Methode der leitfadengestützten Interviews. Hierbei war es wichtig, vorab einen Interviewleitfaden zu erstellen, woran sich im Interview gehalten wurde. Dieser wurde durch unterschiedliche Thematiken untermalt, wie beispielsweise das Befinden während des Sportprojektes oder der Sport als eine Rolle im Leben (Vgl. Tabelle 1). Die beiden Interviews wurden sehr offen gestaltet Dies gab den Befragten die Möglichkeit, die Antworten vielfältig auszuführen. Darüber hinaus nahm man die Interviews mit einem Tonband auf, sodass man sie im Nachgang transkribieren konnte. Die Befragungen basieren auf der Corona Krise, dem aktuellen Forschungsstand bezüglich des subjektiven Befindens und dem Einfluss von sportlicher, beziehungsweise körperlicher Aktivität. Die erhobenen Daten beinhalten verschiedene Aussagen. Zu diesen gehören Aussagen zur alltäglichen Situation in der Zentralen Unterbringungseinrichtung, zum subjektiven Befinden während der Corona Krise, zu der Bedeutung von Sport und auch zur Effektivität der einzelnen Sporteinheiten. Demzufolge ergab sich die Idee, den Einfluss der Sportprojekte während der Corona Krise zu erfragen. Am Anfang wurde die Frage nach der Effektivität von Sport gestellt. Durch die Gegenwärtigkeit der Corona Krise erschien es als sehr sinnvoll, den Aspekt der Corona Krise miteinzubringen. Schließlich legte sich das Ablaufmodell fest und man entschied sich für die zusammenfassende Inhaltsanalyse nach Mayring (Vgl. Mayring, 2015, S. 67). Anhand der Interviews ergaben sich Kategorien, welche durch Definitionen unterstützt werden. Diese sind in einem deduktiven Kategoriensystem dargestellt. Die deduktiven Kategorien erklären sich durch das Einlesen in die Literatur und die Durcharbeitung von Theorien. Durch das Erarbeiten und das erste Lesen der Literatur ergaben sich folgende Kategorien für die Erstellung des Leitfadens. Diese lauten: Sport, Corona, Motivation, Emotionen, Stress und Belastung (Vgl. Tabelle 2). Es wurde so strukturiert, dass man zunächst die allgemeine Corona Situation, einzelne Gefühle und das allgemeine Stressempfinden erfragte, woraufhin die verschiedenen Motivationen und auch die sportliche Aktivität durch weitere Befragungen ermittelt wurden. Für die differenzierte Inhaltsanalyse nach Mayring müssen die genauen Analyseeinheiten bestimmt werden (Vgl. Mayring, 2015, S. 61). Die Kodiereinheit der Analyse ist jedes einzelne Wort, die Kontexteinheit demnach alles was an Inhalt zu einer Frage gegeben ist. Die beiden geführten Interviews stehen je für eine Auswertungseinheit. Wie bereits schon erwähnt entschied man sich zu der zusammenfassenden Analyse. Die Absicht dieser Analyse ist es, das Datenmaterial auf die relevantesten Inhalte zu reduzieren. Die Reduzierung und Generalisierung führen zu einer Kurzfassung, in der die wichtigsten Textpassagen deutlich werden. Hierbei paraphrasiert, generalisiert und reduziert man das Material, wodurch ein Kategoriensystem entsteht. Mit dem Kategoriensystem werden die relevantesten Aussagen geordnet und zusammengefasst. Im ersten Schritt erfolgte die erste Erstellung des Kategoriensystems, in der die zuvor deduktiv aufgestellten Kategorien anhand des Textes herausgefiltert und codiert wurden. Dabei wurden die Ergebnisse des ersten Kodierens kürzer formuliert oder umformuliert. Aus den bestehenden (Ober-)Kategorien erweiterte man bei der induktiven Kategorienbildung diese Kategorien zu Unterkategorien. Durch die aufgestellten Codierregeln wurden die Daten auf Basis der Theorie von Mayring analysiert und in einzelne Sinneinheiten codiert. Diese wurden im Nachgang durch eine Paraphrasierung deutlich gemacht. Das bedeutet, dass die Textpassage kurz zusammengefasst wird. So wie in dem Auszug „Ja ja,completely. Du hast sehr viel Zeit, keine Aufgabe und so...“, (Interview 1, Z. 155f.). Anhand dieser Textpassage ist in dem Kategoriensystem zu erkennen, dass dies kurz und knapp als „Keine Beschäftigung“ zusammengefasst wurde und einer neuen Kategorie der „Machtlosigkeit“ zugeordnet wurde. Daraus ergab sich letztendlich ein fertiges Kategoriensystem, welches mehrmals überarbeitet wurde. Durch das Codieren der Interviews erarbeitete man jede einzelne Textstelle und ordnete diese der jeweiligen Kategorie zu. Demnach wurden die erhobenen Daten kategorienbasiert ausgewertet und es erfolgte eine Erläuterung der relevantesten Textpassagen je Kategorie. Im zweiten Schritt der Reduktion wurden die Paraphrasen miteinander verglichen und nicht relevante Textstellen wurden aussortiert. Paraphrasen wurden dabei gebündelt, wozu man neue Interpretationen gefunden hat. Die Oberkategorie „Corona Situation“ hat sich beispielsweise in der zweiten Reduktion in die Unterkategorie „Negative Auswirkungen“ und in die Unterkategorie „Positive Auswirkungen“ unterteilt (Vgl. Tabelle 4). Schließlich wurden mehrere Kategorien zu einer Kategorie zusammengefasst, wodurch der Zusammenhang der einzelnen Kategorien deutlich gemacht wurde.

4.2 Begründung der Auswahl der Methode

Die Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring bildet die Grundlage der Auswertung qualitativer Daten. Das Ziel dieser Forschung ist es, die Effektivität von Sport hervorzuheben und die Einschränkungen, sowie die Folgen der Corona Pandemie darzustellen. In der qualitativen Forschung steht die Perspektive der* des Befragten im Vordergrund. Ganz im Gegensatz zur quantitativen Forschung, denn dort ist die Außensicht des Forschers, beziehungsweise der Forscherin von Bedeutung. Hierbei ist es besonders wichtig, die qualitativen Kriterien heranzuziehen, da konkrete Aussagen über das Befinden oder auch die Gefühlslage für die spätere Interpretation wichtig sind. In der Quantitativen Forschung sind Zahlen, Fakten und Daten anhand von zuvor festgelegten Themen und Einschätzungen elementar. Vor allem die Bewohner* innen waren durch die Ausgangserlaubnis von einer Stunde stark eingeschränkt. Demnach war das Interesse groß, die Folgen dieser Einschränkungen darzustellen und zu interpretieren. Der erstellte Leitfaden diente dazu die relevantesten Themen abzufragen. Durch die Offenheit der qualitativen Inhaltsanalyse wurde den Befragten einen großen Spielraum gegeben, wodurch sich an manchen Stellen neu angeschnittene Thematiken erschlossen. Demnach steht nicht nur die Antwort auf einzelne Phänomene im Vordergrund, sondern auch die Erschließung von Zusammenhängen und neu aufkommenden Phänomenen sind relevant. Auch bei dem Erkenntnisinteresse wird deutlich, warum sich an dieser Stelle für eine qualitative Inhaltsanalyse entschieden wurde. Das Erkenntnisinteresse der qualitativen Forschung liegt darin, Lebenswelten zu erforschen und Interaktion zu klassifizieren. Dies ist in diesem Fall gegeben, denn Fragen zum alltäglichen Leben und zum subjektiven Wohlbefinden wurden gestellt.

5. Forschungsergebnisse

5.1 Darstellung der Forschungsergebnisse

Durch die geführten Interviews war es möglich, die zuvor erstellten Fragen und Kategorien anhand der Theorie von Mayring zu differenzieren. Das Ziel war dabei, die Corona Situation zu erforschen und die Wirksamkeit der Sportgruppen in den Blick zu nehmen. Der Interviewleitfaden bot eine Orientierung, um möglichst alle relevanten Bereiche zu beforschen. Durch die deduktive Kategorienanwendung wurden alle relevanten Textstellen anhand der Kategorien codiert. In diesem Fall ergaben sich die Kategorien Sport, Corona, Motivation, Emotionen, Stress und Belastung. Aus dieser ersten Reduktion entwickelten sich zehn verschiedene Oberkategorien. Diese waren die Freizeit, die Machtlosigkeit, die Corona Situation, die Selbstachtung, negative Emotionen, die psychosoziale Ebene, die gesellschaftliche Ebene, die Motivation, positive Emotionen und der Sport. An manchen Stellen überschnitten sich die Kategorien mit ähnlicher Aussage. Durch die Paraphrasierung und Generalisierung konnten relevante Aussagen zu Phänomenen dargestellt werden und in eine neue Kategorie zusammengefasst werden. Bedeutsam waren vor allem die Auswirkungen der Corona Situation und die damit einhergehenden Folgen. In der zweiten Reduktion fügte man die paraphrasierten Textstellen mit gleicher Diskussion oder ähnlicher Aussage zueinander. Schließlich stehen im endgültigen Kategoriensystem die Kategorien Freizeit, Machtlosigkeit, Corona Situation mit den beiden Unterkategorien negative Auswirkungen und positive Auswirkungen und Sport mit den Unterkategorien Wirksamkeit von Sport, der Nutzen von Sport und die negative Seite des Gruppensports. Die bei der ersten Reduktion entstandenen Kategorien, wie Selbstachtung, negative Emotionen, psychosoziale Ebene, Motivation, gesellschaftliche Ebene und positive Emotionen wurden zu der Kategorie Corona Situation geordnet. Dies erschließt sich daraus, da alle Kategorien in einem Verhältnis zueinanderstehen und Auslöser, als auch Folgen der Corona Pandemie darstellen. Bei der Kategorie des Sportes sind neue Kategorien entstanden, da durch detailliertes Sichten der Datenmaterialien diese eine Konkretisierung benötigte.

Freizeit

„B: ...Jetzt in März alle Räume in Camp sind zu wir dürfen kein Sport im Raum machen und so wir haben keine Möglichkeit für Fitness. Vor Corona wir hatten Gruppen für Volleyball, Fußball und viele mehr aber in Lockdown wir durften nichts machen.“ (Interview 1, Z. 185- 187)

„A: Ja, also...Du weißt wir haben nicht viel Arbeit und Beschäftigung hier. Vor Corona ich gehe am Morgen in Deutschkurs und lerne viel für Deutsch Niveau C1, dann wir essen in Kantine und dann am Nachmittag wir hatten oft Sport wie Volleyball, Fußball oder in Fitnessraume. Ja und dann ich normalerweise arbeite Donnerstag, Sonntag und Mittwoch in ein Café, aber jetzt mit Corona nicht.“ (Interview 2, Z. 22- 26)

An dieser Stelle wird deutlich, wie vielfältig der normale Alltag vor der Corona Pandemie gestaltet war. Die Bewohner* innen konnten Fitnessräume für den Sport benutzen. Darüber hinaus stehen den Bewohner* innen im Normalfall verschiedene Räume für die Freizeitgestaltung zur Verfügung. Vor der Corona Pandemie konnten diese täglich genutzt werden und Abwechslung trat in den Alltag ein. Auch der regelmäßige Deutschunterricht konnte während des ersten Lockdowns im März 2020 nicht mehr stattfinden. Nicht nur der Aspekt, dass das Erlernen der deutschen Sprache nun selbständig fortgeführt werden musste, auch der fehlende Tagesablauf und die fehlende Alltagsstruktur waren von Bedeutung.

Machtlosigkeit

„B: Ich glaube sieben bis acht, weil alle Menschen hatten Angst. Die Zeit ist nicht vergangen. Wir hatten keine Aufgaben und ich habe viele gedacht...overthinking...Viel Denken und viele Gedanken über negative Gedanken. Die Situation ist nicht gut für Flüchtlinge viele haben negative Gedanken aus ihr altes Land. Jetzt in Deutschland du versucht neu zu machen einen Job finden, eine Aufgabe haben, eine Zukunft, eine Studium vielleicht an der University oder viel viel. Und jetzt ich sage the life stop“ (Interview 1, Z. 144- 149)

In diesem Textausschnitt wird deutlich, wie hoch das Stressempfinden während der Corona Pandemie war. Durch das Wegfallen der eigentlichen Möglichkeiten in der Einrichtung entstand eine fehlende Alltagsstruktur. Demnach kam es zu einem Gefühl der Machtlosigkeit und Hilflosigkeit. Der monotone Alltag und die fehlenden Aufgaben sind der Auslöser für die negativen Gedanken. Die höhere globale Gewalt durch die Einschränkungen der Corona Pandemie führen dazu, dass die eigene Macht der Gestaltung des Alltags komplett wegfällt.

Corona Situation

„I: Ja und wie waren deine Gefühle und deine Motivation in der Zeit vom Lockdown im März?

B: Wie ich sage, ich habe mich depressed gefühlt. Es gab keine Räume für Sitzen oder reden oder sportlich aktiv zu sein. They keep you on a small room and you don’t go out.” (Interview 1, Z. 92- 95)

Anhand dieser Aussage wird das allgemeine Befinden während der Corona Pandemie klar verdeutlicht. Es wird sichtbar, wie stark die Folgen der Corona Krise das alltägliche Leben in der Einrichtung beeinflusst haben. Die deprimierte Gefühlslage ist ein Zustand einer negativen Stimmung, welche an dieser Stelle von der interviewten Person erläutert wird. Besonders hervorzuheben sind hier die Folgen der Corona Krise in Bezug auf die seelische Verfassung.

Negative Auswirkungen

„A: Ja genau nutzlos...In Afghanistan ich habe gearbeitet als Architekt. Ich hatte viel Arbeit und ich organisiere viel für mich. Hier ich habe keine Beschäftigung nur ohne Corona die Arbeit in Café. Aber es war schlimm, sehr schlimm...Manchmal ich saß draußen in Camp und habe nur gedacht gedacht und gedacht und dann Erinnerungen aus Afghanistan sind gekommen und ich war sehr traurig.“ (Interview 2, Z. 37- 41)

Durch den Wegfall der Arbeit kam es zur fehlenden Beschäftigung. Dies hat wiederum dazu geführt, dass es zu einem vermehrten Nachdenken kam. Gedanken an die Flucht und Erinnerungen an das Heimatland sind zurückgekommen. Demnach ist hierbei zu erkennen, wie stark die Corona Pandemie Einfluss auf das allgemeine Befinden genommen hat.

„A: (unterbricht) nein nein alles gut, es ist okay für mich. Ich bin nach Deutschland 2019 gekommen und war lange vorher in Griechenland in Camp und es war sehr schlimm. Ich war sehr depressiv, weil ich hatte kein Ziel. Dann ich habe viel Alkohol getrunken und in Deutschland in Camp hier jetzt es war sehr schwierig für mich ein normal Tag haben. Ich habe viel mit Sozialarbeiter von Team gesprochen und mit Psychologin hier in Camp und das hat geholfen mir sehr gut. Ich habe viel Sport gemacht, viel Info in Internet über Job gesucht und dann ich habe nicht viel gedacht an Alkohol, weil ich hatte Beschäftigung. Dann ich habe Job in Café bekommen und ich war sehr sehr glücklich. Jetzt in März April in Lockdown alles war zu und viele Gedanken in Kopf sind gekommen und an ein Tag ich habe wieder getrunken, es war nicht gut.“ (Interview 2, Z. 106- 115)

Die Interviewperson erläutert an dieser Stelle, wie wichtig die alltägliche Beschäftigung für ihn ist. Durch die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, wie das gemeinsame Ausüben von Sport, können negative Gedanken verarbeitet werden. Auffallend an dieser Stelle ist das Zurückfallen in ein altes Verhaltensmuster. Der Befragte ist durch die Flucht aus seinem Heimatland in eine Alkoholsucht zurückgefallen. Durch das Intervenieren mit den Sozialarbeitern und psychosoziale Beratung in der Einrichtung war es ihm möglich, aus der Alkoholsucht rauszukommen. Durch die Corona Pandemie und dem ersten Lockdown im April 2020 kam es zu einem Rückfall. Dies ist vermutlich auf die Hilflosigkeit und auch das vermehrte Empfinden von negativen Gefühlen zurückzuführen. Hierbei wird deutlich, wie einschneidend die Folgen der Corona Krise sind. Die eintretenden Einschränkungen und auch das Verlieren des Jobs führten zu einem Rückfall in die Alkoholsucht, was an dem Auszug „...und ich war wie ähm ähm wie in ein Loch ich habe nicht gut gefühlt“, (Interview 2, Z. 153- 154) deutlich wird. Vor allem ist dies auch auf die fehlende Beschäftigung zurückzuführen. Auch die Kontaktbeschränkungen in der Einrichtung und die Beschränkung des Ausgehzeit auf eine Stunde, erschienen stark einschränkend. Schließlich wird an dieser Stelle deutlich wie negativ die Corona Pandemie das subjektive Wohlbefinden beeinflusst.

Positive Auswirkungen

„B:... ich weiß nicht wie ich sagen soll, you have to take care in the situation. Weißt du? Verstehst du? Ich meine du musst dir suchen eine Aufgabe oder eine Ablenkung, weil du hast viele Gedanken viele negative Gedanken auch aus dem Iran und du musst versuchen bleiben positiv das ist immer ganz wichtig.“ (Interview 1, Z. 77- 81).

Trotz den Einschränkungen durch die Corona Pandemie schildert die interviewte Person an dieser Stelle, dass es wichtig ist ein gewisses Maß an positiver Einstellung zu behalten. Darüber hinaus müsse man sich eine Beschäftigung für sich selbst suchen, um der deprimierten Stimmung entgegenzuwirken. Möglicherweise kann die Suche nach einer Aufgabe oder die Beschäftigung Kraft und Sicherheit schenken. Besonders der Punkt der Selbstachtung wird hier angesprochen und es wird deutlich, wie wichtig dies in der Zeit der Pandemie sein kann.

„A: ...Meine Frau und mein Sohn ist in Afghanistan und ich bin alleine nach Deutschland, weil die Reise ist gefährlich. So ich habe immer eine Bild auf mein Handy und ich sehe die beide und lache, weil ich glücklich bin. Das ist meine Motivation ich kann sagen und du musst auch schwierig Zeiten leben. Danach du bist starker weißt du was ich will sagen.

I: Ja du meinst also das der Corona Lockdown für dich auch ein bisschen positiv ist?

A: Ja also positiv, weil du wirst star...ähm stärker und auch wenn Zeit ist nicht leicht am Ende ist schön.“ (Interview 2, Z. 131- 139)

Durch eine eigene Motivation und schönen Erinnerungen versuchte A. sich während der Corona Pandemie aufrechtzuerhalten. Das Finden von eigener Motivation und eigenem Intervenieren führte zu einem Gewinn an Stärke, erklärt A. Besonders in unbekannten und neuen Situationen ist es wichtig, Methoden für sich selbst zu finden, um sich selbst zu stärken.

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Details

Seiten
59
Jahr
2021
ISBN (PDF)
9783346738448
ISBN (Paperback)
9783346738455
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Erscheinungsdatum
2022 (Oktober)
Note
2,3
Schlagworte
sportliche betätigung selbstfürsorge zeiten pandemie inwiefern befinden asylsuchenden angebote lockdowns
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Titel: Sportliche Betätigung als Selbstfürsorge in Zeiten einer Pandemie. Inwiefern ändert sich das subjektive Befinden von Asylsuchenden durch sportliche Angebote während des Lockdowns?