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Gewalt und gewaltpräventive Maßnahmen im schulischen Bereich

Seminararbeit 2009 25 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Formen und Definitionen von Gewalt
2.1 Klärung und Abgrenzung des Begriffes
2.2 Erscheinungsformen
2.2.1 Personale oder direkte Gewalt:
2.2.2 Strukturelle oder indirekte Gewalt:

3. Ursachen für gewalttätiges Handeln
3.1 Historische Vorbilder
3.2 Anlage, Umwelt, Selbst
3.3 Gewalt in der Schule – Gesellschaftliche, familiäre und schulische Veränderungen

4. Möglichkeiten der Gewaltprävention im schulischen Bereich
4.1 Primärpräventive Maßnahmen
4.1.1 Gestaltung der Schule
4.1.2 Orientierung der Lerninhalte an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler
4.1.3 Vermeiden von Leistungsdruck und Schulversagen
4.1.4 Die Gemeinschaft fördern und die Beziehungen zwischen Lehrern/ Lehrerinnen und Schülern/ Schülerinnen verbessern
4.1.5 Soziale Kompetenz
4.1.6 Grenzen setzen und gemeinsam Regeln aufstellen
4.1.7 Zusammenarbeit mit den Eltern und anderen außerschulischen Partnern
4.1.8 LehrerInnen-Fortbildung
4.1.9 Der Projektunterricht
4.1.10 Gewaltpräventive Spiele
4.2 Sekundärpräventive Maßnahmen
4.2.1 Gezielte Beobachtung
4.2.2 Erwünschte Verhaltensweisen aufbauen
4.2.3 Unerwünschte Verhaltensweisen abbauen
4.3 Peer-Mediation
4.4 Prävention gegen sexuelle Gewalt – „Mein Körper gehört mir“

5. Mobbing
5.1 Was bedeutet Mobbing?
5.2 Mögliche Ursachen
5.3 Interventionen

6. Schlusswort

Literatur

1. Einleitung

Gewalt ist heute leider häufig ein fixer Bestandteil des Alltags und häufig tabuisiert. In der Familie, in der Schule oder am Arbeitsplatz trifft man auf Gewalt. In den wenigsten Fällen wird offen darüber gesprochen, in den Familien und bei den Verwandten wird darüber geschwiegen.

Gewalt kann unterschiedliche Formen annehmen und wird deshalb häufig nicht sofort als solche erkannt oder als Nichtigkeit abgetan. In erster Linie denkt man bei Gewalt an körperliche Gewalt, etwa an Prügeleien, Schläge oder Misshandlungen. Die wenigsten denken daran, dass aber auch Beschimpfungen, Demütigungen, Spott, Mobbing, rassistische Äußerungen ebenso verletzen können wie körperliche Gewalt. Verbale Gewalt kann zu Unsicherheit, Verlust der Selbstkompetenz, psychischen Beeinträchtigungen und in Extremfällen auch zum Selbstmord führen.

Wenn ein Kind von der Schule nach Hause kommt und berichtet, dass es von anderen Schülern/ Schülerinnen verspottet wird, nehmen die Eltern das häufig nicht ernst und sagen höchstens, dass das Kind einfach nicht hinhören soll. Dieses Kind wird seinen Eltern nicht mehr so schnell von persönlichen Problemen erzählen, bis es zu gefährlichen Auswirkungen kommt.

LehrerInnen sind häufig überfordert, wenn es an ihrer Schule um das Thema Gewalt geht. Sie wissen häufig nicht, wie sie reagieren sollen, wenn es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen in ihren Klassen oder am Schulhof kommt. Es reicht nicht die SchülerInnen zu ermahnen und mit Strafen zu drohen. Hier muss schon viel früher angesetzt werden, um solche Auseinandersetzungen überhaupt erst zu verhindern.

Genau diesen Punkt habe ich nun zum Thema meiner Seminararbeit gemacht und mir folgende Fragen gestellt:

- Was bedeutet Gewalt eigentlich?
- In welcher Form kann sie in Erscheinung treten?
- Wo findet man Ursachen für gewalttätiges Handeln?
- Wie kann man in der Schule präventiv tätig werden?

Das Thema Peer-Gruppe spielt im Leben eines Heranwachsenden eine enorm wichtige Rolle. Deswegen berichte ich in einem Kapitel kurz über die Peer-Mediation, die meiner Meinung nach eine gelungene Methode ist Konflikte zu bewältigen.

Da auch die sexuelle Gewalt nach wie vor in unserer Gesellschaft präsent ist, habe ich mich umgeschaut, was in Schulen zu diesem Thema gemacht wird und bin auf ein interessantes Projekt gestoßen – „Mein Körper gehört mir“. Es scheint sehr wichtig, dass auch die Schule in diese Richtung arbeitet und deswegen werde ich später näher auf das Projekt eingehen.

Im letzten Kapitel habe ich mich noch kurz mit dem Thema Mobbing auseinandergesetzt, weil ich denke, dass es unzählige SchülerInnen gibt, die darunter leiden und nur in wenigen Fällen Hilfe von außen zu erwarten haben.

Ich möchte noch hinzufügen, dass das Thema Gewalt sicherlich nie ganz ausgeschöpft werden kann und man es schwer auf ein paar Seiten zusammenfassen kann. Ich habe versucht einen kleinen Überblick über die oben genannten Themen zu geben, möchte aber darauf hinweisen, dass damit sicher nicht alles gesagt ist.

2. Formen und Definitionen von Gewalt

In der Literatur findet man keine einheitlichen und klaren Definitionen von Gewalt. Infolge versuche ich einen kurzen Überblick über die Bedeutung des Begriffs und seine Erscheinungsformen zu geben.

2.1 Klärung und Abgrenzung des Begriffes

Eine juristische Definition von Gewalt bezeichnet diese als körperlich wirkenden Zwang der den Willen eines anderen erheblich einschränkt. Da zu genaue Definitionen in der präventiven Arbeit eher hinderlich sein können, ist es wichtig sich bei der Beschreibung des Fehlverhaltens auf anerkannte Normen zu beziehen. Hierbei kann man sich am Strafgesetzbuch orientieren. Aber auch hier lässt sich keine eindeutige Definition finden (vgl. Burgauner 2007, S.647).

Gewalt darf allerdings nicht mit Aggression gleichgesetzt werden. Aggression muss sich nicht immer als destruktiv erweisen. Aggression kann helfen Grenzen zu setzen und diese auch in Frage stellen. Aggression bedeutet auch Energie und Lebendigkeit. Aggression kann Interventionen gegen Gewalt setzen (vgl. Burgauner 2007, S.648).

Mit Aggression wird in erster Linie feindseliges Verhalten bezeichnet, dass zum Ziel hat eine andere Person zu schädigen oder zu verletzten, mit Worten oder Taten. Doch die Grenzen zwischen aggressivem und nicht-aggressivem Verhalten verschwimmen. Es gibt verschiedene Formen der Aggression. Sie kann selbstbehauptend sein, also die Tatkraft und die Willensstärke steuern. Angstmotiviert verursacht sie Kontrollverlust. Zielgerichtet fordert sie nach Macht, nach Kontrolle über eine Person. Egoistisch versucht sie anderen die eigenen Interessen aufzuzwingen (vgl. Lampert 2006, S. 6).

Gewalt kann aber als eine spezielle Form der Aggression bezeichnet werden. Es geht hierbei um eine körperliche oder psychische Machtausübung (vgl. Lampert 2006, S. 33).

2.2 Erscheinungsformen

Zu Gewalthandlungen zählen neben körperlichen Übergriffen auch sexuelle Gewalt, frauenfeindliche Gewalt, fremdenfeindliche und rassistische Gewalt. Allen diesen Erscheinungsformen ist gemein, dass sie sich in psychischer, physischer oder verbaler Art äußern können (vgl. Lampert 2006, S.33-34).

In der Literatur findet man häufig die Unterscheidung zwischen personaler und struktureller Gewalt.

2.2.1 Personale oder direkte Gewalt:

Als personale oder direkte Gewalt wird eine Form von Gewalt bezeichnet, bei der Personen Gewalt ausüben. In diesem Fall kann ein unmittelbar Verantwortlicher/ eine unmittelbar Verantwortliche gefunden werden (vgl. Burgauner 2007, S. 646).

Bevor man hier Interventionen setzen kann, muss man sich bewusst machen, wie der/ die Verantwortliche seiner/ ihrer Tat gegenüber steht. Viele wissen von vornherein, warum sie Gewalt ausgeübt haben, andere erkennen dies erst nach der Tat. In vielen Fällen sucht man die Verantwortung jedoch nicht bei sich selbst, sondern schreibt sie anderen Personen oder situativen Gegebenheiten zu. Fast immer wird das Opfer als Sündenbock dargestellt. Die Opfer neigen leider auch sehr häufig dazu den Grund für die Gewalthandlung bei sich zu suchen (vgl. Burgauner 2007, S.655).

2.2.2 Strukturelle oder indirekte Gewalt:

Strukturelle Gewalt oder indirekte Gewalt bezeichnet eine Gewaltform ohne AkteurIn. Hier geht es darum, dass jemand infolge z.B. ungleicher Machtverhältnisse in seiner Entfaltung eingeschränkt wird. Ein Beispiel hierfür wäre die Geschlechterzugehörigkeit. Diese Form von Gewalt findet sich auch häufig im schulischen Alltag – u.a. durch folgende Phänomene:

- Sozial schwache und Kinder mit Migrationshintergrund werden weniger gefördert als andere
- Zu hohe SchülerInnenzahlen in zu keinen Klassenzimmern und zu hoher Leistungsdruck

Genau hier sollte auch bei der schulischen Gewaltprävention angesetzt werden, da so personale Gewalt bereits im Vorfeld verhindert werden kann (vgl. Burgauner 2007, S. 645-646).

3. Ursachen für gewalttätiges Handeln

Gewalt bedeutet gleichsam Zerstörung und Leid, andererseits sind vor allem Jugendliche häufig fasziniert von ihr. Gewalt kann legitim, aber auch nicht legitim sein. Sie zerstört die Menschheit und erhält sie zugleich. Gewalt wird häufig auch als kreative Kraft bezeichnet und sie führt zu einem positiv bewerteten gesellschaftlichen Wandel. Gewalt muss deshalb immer in ihrem kulturellen und historischen Zusammenhang gesehen werden (vgl. Melzer/Schubarth/Ehninger 2004, S. 17-18).

3.1 Historische Vorbilder

Gewalt ist zwar ein aktuelles Thema, doch keine vollkommen neuartige Erscheinung. In der Geschichte der Menschheit finden sich sehr viele Beispiele für gewalttätiges Handeln, wie z.B. bereits in der Bibel der Brudermord von Kain und Abel. Zahlreiche Kriege, Verbrechen, Mord, Folter, Judenverfolgungen, Christenverfolgungen und gewalttätige Auseinander-setzungen prägen die Menschen bis heute. Nach und nach wurden kriminelle und gewalttätig Handlungen unter Strafe gesetzt und somit ein zivilisierterer Umgang unter den Menschen möglich. Doch nach wie vor ist dieses Fundament äußerst brüchig. Prügeleien waren schon früher Alltagsgegenstand der zumeist männlichen Heranwachsenden und wurden als Zeichen von Männlichkeit gesehen. Gewalt in der Schule war ebenso allgegenwärtig. Die SchülerInnen wurden für Missetaten gezüchtigt und das nicht zu selten. Durch die Medien wurde unsere Wahrnehmung für Gewalt zunehmend sensibilisiert und uns stärker ins Bewusstsein gerückt (vgl. Melzer/Schubarth/Ehninger 2004, S. 19-21).

3.2 Anlage, Umwelt, Selbst

Grundsätzlich steuern Anlage, Umwelt und das Selbst das Handeln des/ der Einzelnen. Die Eigenschaften und die Persönlichkeit einer Person sind also vorgeprägt und sozial beeinflussbar. Studien belegen, dass dissoziales Verhalten im Erwachsenenalter häufig auf Störungen wie Hyperaktivität oder Konzentrationsschwäche im Kindesalter zurückzuführen sind, welche genetisch vererbt werden können. Natürlich haben Gene keinen direkten Einfluss auf unser soziales Verhalten, sie erhöhen nur die Wahrscheinlichkeit für z.B. kriminelles oder gewalttätiges Verhalten (vgl. Melzer/Schubarth/Ehninger 2004, S. 18).

Die folgende Studie von Bohman zeigt das Zusammenwirken von Anlage und Umwelt.

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Details

Seiten
25
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640295388
ISBN (Buch)
9783640301362
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v121602
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt – Erziehungswissenschaften
Note
1.0
Schlagworte
Gewalt Maßnahmen Bereich Schule Soziale Arbeit

Autor

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Titel: Gewalt und gewaltpräventive Maßnahmen im schulischen Bereich