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Frühförderung für Kinder aus sozial benachteiligten Familien

Seminararbeit 2009 18 Seiten

Pädagogik - Familienerziehung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Armut im 21. Jahrhundert
2.1 Was bedeutet „arm sein“?
2.2 Die Möglichkeiten der Sozialen Arbeit

3. Kindliche Entwicklung und soziale Benachteiligung

4. Frühförderung in der Sozialen Arbeit
4.1 Definition
4.2 Zielgruppen und Indikatoren
4.3 Spannungsfelder in der Frühförderung
4.4 Aufgaben der Frühförderung
4.1.1 Präventive Maßnahmen und Früherkennung
4.1.2 Diagnose
4.1.3 Therapie und Förderung
4.1.4 Unterstützung der Bezugspersonen
4.1.5 Kooperation der Hilfsnetzwerke
4.2 Konzepte der Frühförderung
4.2.1 Stationäre Frühförderung
4.2.2 Teilstationäre Frühförderung
4.2.3 Ambulante Frühförderung
4.2.4 Mobile Frühförderung
4.3 Grundsätze der Frühförderung
4.3.1 Interdisziplinarität
4.3.2 Familienorientierung
4.3.3 Ganzheitlichkeit

5. Schlusswort

6. Literatur

1. Einleitung

Motivation für Wahl meines Themas „Frühförderung für Kinder aus sozial benachteiligten Familien“ war das Gespräch mit einer Studienkollegin, die im Moment ein Praktikum in diesem Bereich absolviert und mir von der teils spannenden und erfahrungsintensiven, aber auch oft schockierenden und erschreckenden Arbeit mit sozial benachteiligten Familien erzählte.

Durch ihren Bericht über die mangelhafte Betreuung und Fürsorge, die desolaten Zustände im Wohnraum und die allgemeine Unterversorgung die manchen Kindern zuteil wird, wurde ich angeregt mich näher mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

So wollte ich mich darüber informieren, was Armut und soziale Benachteiligung überhaupt bedeuten und in welchen Fällen Frühförderung in den Familien angemessen und indiziert ist. Vorab stellte ich mir Fragen, wie

Wo liegen die Aufgaben und welches sind die Zielgruppen der Frühförderung?

Wie kann sie effektiv in den Lebensalltag des Kindes integriert werden?

Mit welchen Problemen und Störungen kann man im Verlauf der Arbeit rechnen?

Welche Formen der Frühförderung gibt es?

Wie wird in der Frühförderung überhaupt gearbeitet?

Nach Sichtung des Materials kam ich zu dem Schluss, dass der Bereich der Frühförderung etliche Institutionen, Methoden und Konzepte umfasst.

Beeindruckt von der Fülle an Möglichkeiten und Angeboten entschied ich mich, in meiner Arbeit nur auf einige, meiner Meinung nach aber wichtige, Teilaspekte einzugehen, um zumindest einen halbwegs umfassenden Überblick zu geben.

2. Armut im 21. Jahrhundert

Seit den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts sind die sozialen Ungleichheiten in der Gesellschaft immer stärker hervorgetreten und uns durch die Medien deutlich stärker ins Bewusstsein gerückt worden.

Armut wurde in der Geschichte immer als eine Folge politischer Ungleichheit gesehen, als ein Zeichen gesellschaftlicher Unterdrückung und Ausbeutung. In der Vergangenheit war Armut ein Merkmal von Klassen, Schichten und Gruppen. Heute kennzeichnet Armut die individuelle Lage von Personen. In der heutigen, von Modernisierung geprägten, Welt nimmt die Anzahl der armen Menschen immer mehr zu. Gleichzeitig nimmt aber auch der Reichtum Einzelner in der Gesellschaft zu (vgl. Chassé 2000, S. 12-13).

2.1 Was bedeutet „arm sein“?

Die Armut in hochentwickelten Ländern des Westens ist keine absolute Armut, welche die Erhaltung des Lebens bedroht, wie man sie in Ländern der Dritten Welt kennt. Dort, in Asien oder auch Afrika, sterben noch heute viele Menschen an Unterernährung. In unseren Breiten wird Armut deswegen als relative Armut oder auch als relative Einkommensarmut bezeichnet. Die Armutsschwelle wird meistens mit 50% des durchschnittlichen Haushaltseinkommens festgesetzt. Jemand der als arm bezeichnet werden kann, ist in folgenden Bereichen des alltäglichen Lebens unterversorgt:

- Ernährung
- Arbeit
- Bildung
- Wohnen
- Gesundheit usw.

Armut hängt auch mit sozialer Ausgrenzung zusammen. Häufig kommt es zum Verlust des Arbeitsplatzes, zum Ausschluss aus Konsum- und Freizeitbereich, sowie zu fehlenden finanziellen Ressourcen für Urlaub und Reisen. Weitere Benachteiligungen finden sich in sozialen Beziehungen sowie in der Persönlichkeitsentwicklung von Erwachsenen, wie auch von Kindern (vgl. Chassé 2000, S.13-15).

Die Zahl der von Armut betroffenen Menschen wird anhand der Sozialhilfeempfänger, der geschätzten Dunkelziffer, sowie von der bereits beschriebenen Anzahl der von relativer Armut gekennzeichneten Menschen berechnet (vgl. Chassé 2000, S. 17).

2.2 Die Möglichkeiten der Sozialen Arbeit

Die Soziale Arbeit versucht immer lebensweltorientiert zu agieren. Im Bereich der Prävention spielen folgende Arbeitsansätze eine tragende Rolle:

- Familien- und Erziehungsberatung
- Ernährungs- und Konsumberatung
- Frühförderung
- Schuldnerberatung
- Initiativen gegen Wohnungsverlust
- Verbesserung der sozialen Infrastruktur

Um soziale Vererbung von Armut zu verhindern, werden spezielle Programme wie Vorschularbeit, Frühförderung, Hortarbeit oder auch Unterstützung bei der Arbeitssuche angeboten (vgl. Chassé 2000, S. 23).

3. Kindliche Entwicklung und soziale Benachteiligung

Für Kinder zieht Armut eine Reihe von Einschränkungen nach sich. Sie werden in ihren Erfahrungs-, Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten behindert. Es wird ihnen die Chance versagt ihre individuellen Kompetenzen ausreichend zu entwickeln. Kinder in Armutslagen müssen auf vieles, wie Taschengeld, Geschenke, Lernmöglichkeiten usw. verzichten lernen. Sie werden in ihren sozialen Beziehungen eingeschränkt, können keinen Urlaub machen und sind auch meist in ihrer Privatsphäre gestört, da sie mit ihrer Familie in einer viel zu kleinen Wohnung, ohne individuellen Entfaltungsraum, leben müssen. Häufig kommt es im Schulalter zu negativen Selbsteinschätzungen, Ängstlichkeit, Depression, aber auch Aggressivität. In eine Gruppe von Gleichaltrigen können sie sich häufig nur schwer einfügen. Die gesamte Sozialentwicklung wird negativ beeinflusst (vgl. Chassé 2000, S. 22-23).

Armut bei Kindern kann sich in dreifacher Weise negativ und entwicklungshemmend bemerkbar machen:

(1) Strukturell: Die Familie hat ein niedriges Einkommen und dementsprechend geringe materielle Ressourcen. Sie sind häufig verschuldet, die Ernährung ist mangelhaft und das Wohnumfeld ist eingeschränkt.
(2) Bildungsspezifisch: Den Kindern wird durch den beengten Wohnraum die Möglichkeit effektiven Lernens genommen und auch die Eltern unterstützen ihre Kinder in der Weiterbildung selten.
(3) Entwicklungspsychologisch: Viele von Armut betroffene Eltern greifen nicht selten zu Alkohol, Zigaretten oder sogar illegalen Drogen. Die Umgangsformen sind meist roh und aggressiv oder auch gleichgültig und teilnahmslos. Dadurch kann das Kind stark in seiner psychologischen Entwicklung beeinträchtigt werden

Das Ausmaß in welchem mögliche Entwicklungsrisiken beschrieben werden können, ist von verschiedenen Kriterien abhängig. Zum einen muss man zwischen Einkommensarmut und komplexer Unterversorgung unterscheiden. Fehlt die ausreichende Versorgung in Bereichen wie Arbeit, Wohnen, Bildung und Gesundheit über einen längeren Zeitraum, kann sich das Risiko einer Entwicklungsstörung deutlich erhöhen (vgl. Weiß 2000, S. 51-52).

Entscheidend in diesem Zusammenhang ist auch die Frage, wie die von Armut betroffenen Familien mit ihrer Situation umgehen. Führt die Unterversorgung in oben genannten Bereichen über längere Zeit zu Überforderung, Resignation, einem sinkendem Selbstwertgefühl, sozialen Rückzugstendenzen und Beziehungsproblemen oder kann die Familie entsprechende Bewältigungsmechanismen und ein gewisses Alltagsmanagement entwickeln?

So beeinflussen Familienklima, sowie Sozialisations- und Erziehungsbedingungen die Entwicklungsgefährdungen beträchtlich.

Zu solchen Bewältigungsmaßnahmen zählen auch Anpassungsformen, wie das Einschränken von Ausgaben und zusätzliche Einnahmequellen. Infolgedessen zeigen die Eltern auch weniger Interesse daran, die Kinder länger zur Schule zu schicken als nötig, sondern wünschen sich einen baldigen Berufseintritt ihrer Sprösslinge. Eine Caritas Armutsuntersuchung ergab, das in den meisten Fällen beim Urlaub, bei der Wohnungseinrichtung, bei Nahrungsmitteln, sowie bei der Kleidung gespart wird. Kinder können auf solche Anpassungsformen mit Verhaltensauffälligkeiten reagieren (vgl. Weiß 2000, S.57-58).

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Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640295395
ISBN (Buch)
9783640301379
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v121604
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt – Erziehungswissenschaften
Note
1.0
Schlagworte
Frühförderung Kinder Familien Soziale Arbeit Gesundheit

Autor

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Titel: Frühförderung für Kinder aus sozial benachteiligten Familien