Lade Inhalt...

Die Zwangsneurose: Ursachen, Anzeichen und Behandlungsmöglichkeiten

Seminararbeit 2007 13 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was versteht man allgemein unter einer Neurose?

3. Die neurotische Zwangserkrankung
3. 1. Wo liegt die Grenze zwischen Ritual und Zwang?
3. 2. Woran erkennt man eine Zwangsstörung?
3. 2. 1. Die Zwangshandlungen
3. 2. 2. Die Zwangsgedanken
3. 3. Einige Erklärungsmodelle der Zwangserkrankung
3. 3. 1. Psychopathologisches oder triebtheoretisches Modell
3. 3. 2. Das 2 – Faktoren – Modell von Mowrer
3. 3. 3. Das kognitiv – behaiviorale Konzept von Salkovski
3. 4. Einige Fallbeispiele
3. 5. Wie kann man Zwangserkrankungen behandeln?
3. 5. 1. Die pharmakologische Behandlung
3. 5. 2. Die Verhaltenstherapie
3. 5. 3. Begleitende therapeutische Maßnahmen

4. Schlusswort

5. Literatur

1. Einleitung

Zu Beginn dieser Arbeit habe ich mir die Frage gestellt, wie es dazu kommen kann, dass ein Mensch an einer Zwangsstörung erkrankt? Was sind die Ursachen? Was zwingt ihn dazu ständig dieselben Handlungen auszuführen? Was empfindet dieser Mensch? Wie kann man ihm helfen?

Jeder von uns vollzieht die verschiedensten Rituale in seinem Alltag, doch wann wird ein Ritual zum Zwang? Auch ich fühle mich z. B. nur wohl, wenn ich morgens alles in der Reihenfolge erledige, wie ich es immer tue. Alles passiert ohne, dass ich darüber nachdenke. Rituale erleichtern unseren Alltag. Wir sparen viel Zeit, wenn wir über bestimmte Handlungsabläufe nicht mehr nachdenken müssen.

Jeder von uns hat zu bestimmten Gelegenheiten Glücksbringer oder Talismane bei sich. Viele haben an einem Freitag dem 13. ein mulmiges Gefühl, auch wenn sie dabei von anderen belächelt werden.

Schon Kinder versuchen das Schicksal mit kleinen Spielchen herauszufordern. Sie machen z. B. das Ergebnis einer Schularbeit vom Vorbeifahren eines roten Autos oder der Schrittzahl bis zur nächsten Ampel abhängig. Junge Mädchen rupfen an Gänseblümchen, um herauszufinden ob ihr Schwarm in sie verliebt ist. Aber ab wann sind solche Handlungen krankhaft?

Was treibt Zwangsneurotiker dazu ihren gesamten Tagesablauf über Rituale zu bestimmen, die sie täglich mehrere Stunden an Zeit kosten?

Viele von uns haben Phantasien, oft auch kriminelle, in denen wir uns an Menschen, die uns geärgert haben zu rächen versuchen, aber die meisten von uns wissen, dass wir diese Dinge in der wirklichen Welt nie tun würden. Die Zwangskranken leiden unter solchen Phantasien und leben ständig mit der Angst, dass sie diese verwerflichen Dinge wirklich tun könnten. Was löst aber diese Zwangsvorstellungen aus?

Da ich die Zwangsneurose oder Zwangserkrankung mit ihrem eigentümlichen, erschreckenden und großteils ungeklärten Symptomen als besonders interessant erachte, habe ich mich entschlossen in dieser Arbeit über deren Entstehungsursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten zu schreiben. Bei der Sichtungen der Literatur wurde mir aber sehr schnell klar, dass es bei der Betrachtung der Zwangserkrankung etliche verschiedene Aspekte gibt, die ich nicht alle in dieser Arbeit berücksichtigen konnte, da sie den Rahmen bei Weitem gesprengt hätten. So habe ich versucht lediglich auf die, meiner Meinung nach, wichtigsten Aspekte der neurotischen Zwangserkrankung einzugehen.

2. Was versteht man allgemein unter einer Neurose?

Es gibt verschiedene Begriffsdefinitionen von Neurosen. Ihnen allen gemein sind folgende Merkmale:

- Neurosen haben vorwiegend psychische Ursachen.
- Die Einordnung in die soziale Umwelt bleibt großteils erhalten.
- Der Verlauf ist nicht dermaßen zerstörend wie bei einer Psychose.
- Die Krankheit hängt eng mit den Entwicklungs- und Lernprozessen des Lebenslaufes zusammen.

(vgl. Hoffmann/Hochapfel 1995, S. 9)

Eine zusammenfassende Definition könnte nach Hoffmann folgendermaßen lauten:

„Neurosen sind psychogene, überwiegend umweltbedingte Erkrankungen, die eine Störung im psychischen und/oder körperlichen und/oder charakterlichen Bereich bedingen. Das psychoanalytische Verständnis sieht in den Neurosen unzureichende Verarbeitungsversuche, unbewußter, in ihrer Genese infantiler Konflikte oder Traumen. Die Lerntheorie betont die genetische Bedeutung von Konditionierungen in der Folge verfehlter, zu starker oder zu schwacher Lernvorgänge.“ (Hoffmann, 1986)

Im Jahr 1980 wurde der Begriff „Neurose“ im Diagnostical and Statistical Manual of Mental Disorders der APA (DSM III) durch den beschreibenden Begriff „neurotische Störung“ ersetzt. Und auch in der 10. Auflage der International Classification of Diseases der WHO (ICD 10) ist nur noch von neurotischen Störungen die Rede. Das hängt damit zusammen, dass diese Diagnose im Laufe der Zeit zu einer Diskriminierung geworden ist und die Ärzte wollen ihre Patienten beruhigen, in dem sie ihnen einreden wollen sie litten an „vegetativer Labilität“ oder „vegetativer Dystonie“[1] (vgl. Hoffmann/Hochapfel 1995, S. 9 – 10).

3. Die neurotische Zwangserkrankung

Die Zwangsneurose gehört nach Depressionen, Süchten und Angststörungen zur vierthäufigsten psychischen Störung. Frauen sind davon gleichermaßen häufig betroffen, wie Männer. Trotzdem wissen Spezialisten immer noch sehr wenig über diese Krankheit (vgl. Ciupka 2001, S. 13).

Die Symptomatik ist geprägt von allen Formen der Zwangserscheinungen, also Erlebnisse von sich aufdrängenden Gedanken oder einem ständigen Handlungsantrieb, die als fremdartig und unsinnig empfunden werden. Denken und Handeln kann davon so sehr beherrscht werden, dass keine berufliche Tätigkeit mehr möglich ist. Die Erkrankung tritt oft schon in der Kindheit auf, meistens in der Jugend und verschwindet nur in 15% der Fälle wieder vollständig (vgl. Peters 2004, S. 630 – 631).

Im Folgenden möchte ich mich mit dem Übergang von normalen Alltagsritualen zu Zwangshandlungen auseinander setzen. Weiters möchte ich mich mit Kriterien, Erklärungsmodellen und möglichen Behandlungsmethoden beschäftigen.

3. 1. Wo liegt die Grenze zwischen Ritual und Zwang?

Viele von uns kennen harmlose Formen von zwanghaftem Verhalten. Wir kontrollieren beim Verlassen des Hauses mehrmals, ob wir auch den Herd ausgeschalten haben. Manche waschen sich häufiger die Hände als andere. Es gibt genug Menschen, die einen ausgeprägten Putzfimmel haben oder halb wahnsinnig werden, wenn der Partner seine Schuhe nicht ordentlich hingestellt hat. Andere wiederum gehen nie ohne Glücksbringer aus dem Haus. Auch der Aberglaube spielt hier eine Rolle. So vermeiden es z. B. viele Menschen ein Hotelzimmer mit der Nummer 13 zu belegen, wobei die meisten Hotels gar kein Zimmer mit der Nummer 13 haben. Wenn jemand z. B. auf eine gewisse Anordnung der Dinge auf seinen Schreibtisch achtet, ist es eigentlich völlig normal und wird häufig als komische Marotte bezeichnet.

Solche Rituale helfen uns in unserer komplexen Gesellschaft besser zurechtzukommen und nicht mehr über jeden Handlungsschritt nachdenken zu müssen. Es erleichtert Entscheidungen und wir können den Alltag dafür nutzen, um über sinnvollere Dinge nachzudenken, als darüber, ob wir uns beim Duschen nun zuerst den Körper einseifen oder zuerst die Haare waschen sollen. Solange eine gewisse Flexibilität bei all diesen Handlungen gegeben bleibt, sind sie harmlos. Andernfalls können diese ritualisierten Verhaltensweisen ein Ausmaß annehmen, welches uns deutlich in unserem Alltag einschränkt und uns als Person voll und ganz beherrscht. Dann wird dieser Zwang zu einer Krankheit, die großes Leiden mit sich bringt. Leider wissen viele Betroffene oft jahrelang nicht, dass sie an einer ernstzunehmenden Krankheit leiden (vgl. Hoffmann/Barnow 2000, S. 53 – 54).

[...]


[1] Vegetative Dystonie ist eigentlich der Begriff für eine Störung des vegetativen Nervensystems. Die Betroffenen leiden häufig an Unruhe, Nervosität, Muskelkrämpfen, Kopfschmerzen und Angstzuständen und sind leicht reizbar (Vgl. Peters 2004, S. 151)

Details

Seiten
13
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640295418
ISBN (Buch)
9783640301393
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v121606
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt – Psychologie
Note
2.0
Schlagworte
Zwangsneurose Ursachen Anzeichen Behandlungsmöglichkeiten Allgemeine Neurosenlehre

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Zwangsneurose: Ursachen, Anzeichen und Behandlungsmöglichkeiten