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„Rugby geht zur Schule“. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Projekt des Niedersächsischen Rugbyverbands (NRV)

Beobachtungen, Meinungen, Verbreitung, Gewaltprävention, Nachhaltigkeit

von Björn Hochmann (Autor) Jennifer Schridde (Autor)

Projektarbeit 2007 66 Seiten

Sport - Sportarten: Theorie und Praxis

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Das Projekt des NRV: „Rugby geht zur Schule“
2.1 Vorstellung des Projekts
2.2 Pädagogische Begründung aus Sicht des NRV

3. Beobachtungen an der 6 c der IGS Linden
3.1 Vorstellung der 6 c der IGS Linden
3.2 Beobachtungszeitraum und Auswertung der Stunden
3.3 Stundenplanung, Stundenverläufe und Stundenreflexionen
3.3.1 Verlauf der 1. Stunde
3.3.1.1 Reflexion der 1. Stunde
3.3.2 Verlauf der 2. Stunde
3.3.1.2 Reflexion der 2. Stunde
3.3.3 Verlauf der 3. Stunde
3.3.1.3 Reflexion der 3. Stunde
3.3.4 Verlauf der 4. Stunde
3.3.1.4 Reflexion der 4. Stunde
3.3.5 Zusammenfassung der 5. Stunde
3.3.6 Zusammenfassung der 6.-8. Stunde
3.3.7 Beobachtungen der 6c bei der Schulmeisterschaft
3.4 Zwischenergebnis I.

4. Fragebögen.
4.1 Vorstellung der Fragebögen
4.1.1 Schüler
4.1.2 Lehrer I
4.1.3 Lehrer II
4.2 Auswertung der Fragebögen
4.2.1 Schüler
4.2.2 Lehrer I
4.2.3 Lehrer II
4.3 Zwischenergebnis II

5. Rugby als Beispiel für Gewaltprävention
5.1 Zum Begriff der Aggression und der Normverletzung im Sport
5.2 Der Katharsiseffekt
5.3 Empathie als Hemmfaktor für Gewalt
5.4 Rugby und die Korrespondenz zum kindlichen Kämpfen
5.5 Grenzen und Gefahren
5.6 Zwischenergebnis III

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Rugby!? Allein der Klang dieses Wortes lässt bei einigen Menschen Assoziationen zu barbarischen Rauferein und einem wilden Spiel ohne wirkliche Regeln aufkommen. Wenn man dann noch öffentlich die Idee äußert, Rugby mit Schülerinnen und Schülern in der Schule spielen zu wollen, wird man von vielen vollends für verrückt erklärt. Aber genau diesen Weg geht der Niedersächsische Rugbyverband (NRV) seit einigen Jahren. Mit seinem Projekt „Rugby geht zur Schule“ versucht der NRV, Rugby vermehrt in den Fokus des Schulsports zu rücken. Unter anderem wird mit dem Schlagwort der „Gewaltprävention“ versucht, Rugby für die Schulen attraktiv zu machen. Wie bitte? Rugby und Gewaltprävention? Wir werden uns u. a. mit dieser Problemstellung beschäftigen. Zudem werden wir das Projekt des NRV in seinen wichtigsten Punkten kritisch reflektieren. Konkret soll dies folgendermaßen aussehen: Wir werden zunächst unter Punkt 2 das Projekt „Rugby geht zur Schule“ mit seinen wichtigsten Facetten vorstellen. Anschließend werden wir (Punkt 3) mit Hilfe von Beobachtungen, die wir anhand einer 6. Klasse, die am Rugby-Projekt teilgenommen hat und die wir 8 Wochen lang begleitet haben, ein erstes Zwischenergebnis zum Projekt vorlegen. Um die so gewonnenen Eindrücke näher zu untersuchen, sie zu bestätigen oder auch zu widerlegen, haben wir mehrere Fragebögen entwickelt und an verschiedene Schulen verteilt. Dabei wird auch das pädagogische Konzept des NRV eine Rolle spielen, das es, soweit es uns möglich war, zu überprüfen gilt. Diese Untersuchung werden wir unter Punkt 4 vorstellen. Hier kommen Schüler(innen) und Lehrer(innen) zu Wort, also direkt beteiligte Personen, die sich zum Thema Rugby äußern. Insbesondere wird hier die Verbreitung von Rugby in den Schulen rings um Hannover untersucht, die Einstellung von Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern zum „Kiwi-Sport“ und auch das Argument der Gewaltprävention des NRV wird genauer beleuchtet. Daraufhin wird ein zweites Zwischenergebnis aufzustellen sein. Die gesammelten Ergebnisse zur Gewaltprävention werden dann, weil es eines der Hauptuntersuchungspunkte dieser Arbeit bildet, noch einmal mit Hilfe wissenschaftlicher Literatur unter Punkt 5 reflektiert, die dann das dritte Zwischenergebnis bilden. In Punkt 6 laufen zum Fazit der Arbeit alle Fäden zusammen: Hier werden die Zwischenergebnisse zusammengeführt, Querverbindungen geschaffen, abschließende Empfehlungen gegeben und ein Gesamtergebnis formuliert.

2 Das Projekt des NRV: „Rugby geht zur Schule“

2.1 Vorstellung des Projekts

Zu Beginn des Jahres 2004 wurde die Idee zu dem Projekt „Rugby geht zur Schule“ geboren. Unter der Federführung des NRV wurde ein Kooperationsmodell Schule und Verein ins Leben gerufen, das in den Schulen gezielt dazu führen soll, Rugby populärer zu machen. Von der Idee über die Feinkonzeption des Modells bis hin zur Finanzierung und Personalsuche benötigte dies so sorgfältig angedachte Projekt jedoch noch acht Monate, bis es schließlich zur Realisierung kam. Das Projekt startete dann im September 2004, pünktlich zum Beginn des neuen Schuljahres.[1]

Der Schwerpunkt der Arbeit wurde zunächst auf das Zentrum Hannover gelegt. Man machte sich zum Ziel, insgesamt 16 Kooperationen zwischen Schule und Verein mit mindestens ebenso vielen Arbeitsgemeinschaften zustande zu bringen. Hierbei sollte ein Verein jeweils zwei Schulen betreuen. Im Voraus dieser Betreuung durch die Vereine muss Rugby allerdings erst einmal in den Schulen populär gemacht werden. Hierfür wurde ein hauptberuflicher Lehrbeauftragter eingestellt, der mit einem weiteren Schullehrbeauftragten in die Schulen geht und Rugby in Form von 6-8wöchigen Unterrichtseinheiten im regulären Sportunterricht einführt. Die Sportlehrkraft der jeweiligen Klasse ist in solchen Stunden auch vor Ort und hat somit die Möglichkeit, sich ausführlich mit der Sportart vertraut zu machen und sich gleich mit der Methodik zur Vermittlung von Rugby auseinander zu setzen. Die Schullehrbeauftragten stehen den Lehrkräften bei Fragen in der Sportstunde sofort zur Verfügung. Darüber hinaus wurden Unterrichtsentwürfe über die kompletten Einheiten für unterschiedliche Altersstufen erstellt, die den Sportlehrkräften auch im Anschluss dabei helfen sollen, Rugby eigenständig weiterzuführen. Dazu werden regelmäßig ergänzend externe Lehrerfortbildungen durch den NRV angeboten.

Nachdem eine Schule mit Rugby bekannt gemacht wurde, soll eine AG gegründet werden, die dann von den Kooperationsvereinen betreut werden soll. Der Verein stellt einen Übungsleiter, und alle Schülerinnen und Schüler, bei denen Rugby im Unterricht thematisiert wurde, dürfen teilnehmen. Dadurch soll einerseits die Nachhaltigkeit gewährleistet werden und andererseits soll durch den engen Kontakt zu den Vereinen die Möglichkeit geben, kleine Freundschaftsspiele zwischen Schul- und Vereinsteams durchzuführen.

Zahlen und Fakten: Seit dem Beginn des Projekts nahmen 3735 Schülerinnen und Schüler und 101 Lehrerinnen und Lehrer am Rugby-Projekt teil. Die Zahl der teilnehmenden Schulen stieg jährlich stetig an und beläuft sich am Ende des Jahres 2006 auf 21 (s. Tabelle 1). Die meisten Schulen nahmen mehrmals an dem Projekt teil.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Resonanz von Schulleitern, Lehrern und Schülern wird vom NRV als uneingeschränkt positiv beschrieben. Selbst an Schulen, an denen das Projekt nicht mehr im Unterricht durchgeführt wird, laufen AGs als Nachmittagsangebote, die entweder weiterhin von den Schullehrbeauftragten oder von Übungsleitern aus den kooperierenden Vereinen betreut werden.

Die Hintergründe dieses Projektes sind zahlreich. Zum einen hat der NRV festgestellt, dass die Nachwuchsarbeit in Niedersachsen in der Breite und in der Spitze nicht ausreichend sei. Rugby gehöre zu den Sportarten, die bei Kindern und Jugendlichen unterrepräsentiert sei (vgl. 4.2), was nicht zuletzt auch daran liege, dass viele Kinder diese Sportart überhaupt nicht kennen. Zum anderen soll durch den Umfang dieses Projektes und durch die Unterstützung der Medien, Rugby auch in der Öffentlichkeit bekannter gemacht werden.

Weiterhin versprechen sich die Vereine von den Kooperationen und durch die Betreuung der AGs natürlich einen Mitgliederzuwachs. Hierbei liegen die Vorteile deutlich darin, dass die Kinder sich nicht selbstständig um einen Verein kümmern müssen, sondern dass ein Übungsleiter direkt vor Ort ist, der den Kindern den Kontakt zu dem Verein erheblich erleichtert. Durch diese Maßnahme können auch Talente frühzeitig erkannt und angemessen gefördert werden. Ein Wunsch der Vereine ist es, dass die Einführung von Rugby in der Schule möglichst früh, also im Grundschulalter geschieht, weil die Chance, die Kinder in diesem Alter an eine Sportart zu binden, noch am größten sei.

2.2 Pädagogische Begründung aus Sicht des NRV

Welche Vorteile hat Rugby denn nun aus Sicht des NRV? Ein so sorgfältig geplantes und subventioniertes[2] Projekt einer Sportart, die sich als Schulsport etablieren soll, kommt nun mal nicht um kritische Nachfragen herum, gerade dann nicht, wenn es um Schule und den pädagogischen Nutzen geht. Doch auch über diese Frage hat sich der NRV Gedanken gemacht, denn leider gibt es oft Vorurteile oder falsche Vorstellungen, was den Rugbysport betrifft. Negative Konnotationen wie „Gewalt“, „Brutalität“ und „Aggression“ sind nicht selten die ersten Äußerungen von Menschen, denen Rugby noch weitestgehend unbekannt ist. Oft wird Rugby auch mit American Football verwechselt. Diese Vorurteile machen es den Schullehrbeauftragten, aber auch rugbybegeisterten Sportlehrkräften nicht immer leicht, die Schuldirektoren von dieser Sportart zu überzeugen.

Auf der verbandseigenen Homepage des Projekts wird folgendes pädagogische Konzept vorgestellt, dass wir kurz zusammenfassen.[3]

Rugby ist ein einfach zu erlernendes Spiel für Kinder und Jugendliche. Anders als beim Basketball gibt es keine Schritt- und Dribbelregeln, die Grundtechniken belaufen sich lediglich auf das Laufen, Passen und Fangen. Ein weiterer Vorteil, der das Erlernen von Rugby für Kinder leichter macht, ist, dass der Ball mit der Hand und mit dem Fuß gespielt werden darf. Da es bei Rugby keine Tore gibt, sondern ein Malfeld, das sich über die gesamte Breite des Spielfeldes erstreckt, haben die Kinder an vielen Stellen am Ende des Feldes die Möglichkeit, einen Versuch zu legen.

Rugby kann außerdem von jedem gespielt werden, da es die Vielseitigkeit des Spiels zulässt, Kinder mit unterschiedlicher Statur nicht nur „einzugliedern“, sondern sie auch aktiv zum Vorteil der eigenen Mannschaft einzusetzen. Somit kann jeder eine Position finden, die sich an seinen Stärken oder Schwächen orientiert. Obwohl Rugby ein extrem körperbetontes Spiel ist, können auch Mädchen und Frauen Rugby spielen und haben dabei ebenso viel Spaß wie die Jungen. Durch eine große Variantenvielfalt können Mädchen und Jungen sogar gemeinsam spielen, selbst wenn für Jungen und Mädchen in ein und demselben Spiel unterschiedliche Regeln eingeführt werden. Rugby ist somit auch altersunabhängig koedukativ.

Rugby ist ebenso ein Teamsport wie Fußball oder Handball, denn die gesamte Mannschaft ordnet sich einem gemeinsamen Ziel unter. Eine gute Kommunikation innerhalb der Mannschaft ist unerlässlich und fördert die soziale Kompetenz der Schülerinnen und Schüler. Darüber hinaus erzeugt Rugby als Teamsport ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl.

Ein großer Unterschied zu anderen Teamsportarten besteht darin, dass Rugby gewaltpräventiv ist. Ein kontrollierter Körperkontakt durch ein variables, auf die Zielgruppe anwendbares Regelwerk hilft dabei, überschüssige Energien und Kräfte in sinnvolle sportliche Betätigung zu kanalisieren. Um einen Gegner zu stoppen, muss er umklammert werden. Diese natürliche Klammerbewegung birgt nur wenig Verletzungsrisiko in sich. Wenn Rugby im Unterricht eingeführt wird, sollten die Regeln Schritt für Schritt mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet und festgehalten werden. Das somit durchsichtige Regelwerk trägt wesentlich zur Friedenserziehung bei.

Überhaupt ist es ein großer Vorteil, dass Rugbyregeln variabel und veränderbar sind. Somit können sie individuellen Umständen und Bedingungen angepasst werden, wie zum Beispiel Koedukation, Gruppen- oder Spielfeldgröße oder den Lernfortschritt der Schülerinnen und Schüler. Durch ein gemeinsames Entwickeln der Regeln werden die Regeln verständlicher und geraten nicht leichtfertig in Vergessenheit. Auch ein Verhaltenskodex kann in die Regelentwicklung mit einbezogen werden, welcher das Fairplay-Bewusstsein der Kinder unterstreicht.

Des Weiteren fördert Rugby vielfältige motorische sowie kognitive Fähigkeiten. Dies ist im Besonderen der Fall, da Rugby eine ganzheitliche Beanspruchung des Bewegungsapparates bedingt. Im fortgeschrittenen Lernstadium kommt es auch darauf an, innerhalb der Mannschaften Strategien zu entwickeln und auszutesten. Nicht zu letzt bedarf es hierbei auch wieder einer ausgeprägten Kommunikation innerhalb der Teams.

Abschließend ist noch anzuführen, dass Rugby die Entwicklung zu einer eigenständigen Persönlichkeit fördert, denn Rugby erzieht durch ein hohes Maß an Fairness antiegoistisch und antirassistisch und ist somit mehr als eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Nicht selten führt der Rugbysport die Schülerinnen und Schüler an ihre Grenzen, zeigt diese auf und lehrt sie sie einzuhalten. Dadurch können die Kinder ihre Identität optimal bilden. Am Wichtigsten ist jedoch, dass gelernt wird, die vorhandenen und zusammen aufgestellten Regeln zu akzeptieren, denn nur dadurch können auch Erfolgserlebnisse erzielt werden.

3 Beobachtungen an der 6c der IGS Linden

3.1 Vorstellung der 6c

Die Klasse 6c der Integrativen Gesamtschulen Linden besteht aus 12 Mädchen und 8 Jungen, was laut ihrem Sportlehrer Michael Malitz den Sportunterricht für den Lehrer „einfacher“ mache, da die Mädchen hier im Sportunterricht durch die Überzahl das Tempo angeben könnten und die Jungen sich daran anpassen müssten. In anderen Klassen, wo die Jungen in der Überzahl sind, sei es für die Sportlehrkräfte oft schwerer, die Mädchen in den Sportunterricht mit einzubeziehen. Der Mädchenüberschuss erklärt sich aus der Tatsache, dass die 6c eine Musikklasse ist. Neben den in allen Klassen obligatorischen Musikstunden hat eine Musiklasse noch 1-3 weitere Musikstunden pro Woche.

3.2 Beobachtungszeitraum und Auswertung der Stunden:

Wir haben die 6c der IGS Linden über einen Zeitraum von 8 Wochen begleitet. Hinzu kommt, dass wir die 6 c am 10. Juli 2007 bei der Rugbyschulmeisterschaft betreut haben, so dass ein kompletter Vormittag unter Wettkampfbedingungen als Beobachtungszeitraum dazu gerechnet werden kann.

Die ersten vier bis fünf Unterrichtseinheiten werden wir sehr detailliert vorstellen, mit Stundenplanungen[4], Stundenabläufen und Reflexionen, um einen genauen Eindruck der Klasse und der exakten Stundenabläufe zu geben. Anschließend folgen nur noch kurze Bewertungen der jeweiligen Stunde, um die Arbeit nicht all zu sehr zu strecken.

3.3 Stundenplanungen, Stundenverläufe und Stundenreflexionen

3.3.1 Verlauf der 1. Stunde, 15. Mai 2007, 08:20 – 09:50

Die erste Stunde mit der 6c war eigentlich so geplant, dass wir nur als Zuschauer und Protokollanten anwesend sein sollten, aber es kam dann doch anders...

Zu Anfang der Stunde standen einige (Vor-) Urteile über das Rugbyspiel im Raum. Auf die Frage von Tim Holzapfel (Lehrbeauftragter des NRV), was die Schülerinnen und Schüler (Schülerinnen und Schüler) über Rugby wüssten, wurde Kommentare von „brutal“ bis „das ist doch das Gleiche wie Football“ geäußert. Nachdem einige Äußerungen von Tim kommentiert und ins rechte Licht gerückt wurden, wurden vier Mannschaften gebildet und da wir zwei Hallendrittel zur Verfügung hatten, wurde auf zwei Feldern Turmball gespielt[5].

Da wir auf zwei Feldern mit vier Mannschaften gespielt haben, hat Tim Feld 1 übernommen und wir waren auf Feld 2 für Regeln, das Zählen und Erklärungen zuständig. Zuerst wurde mit einem Basketball gespielt, dann mit einem Petziball und zum Schluss mit dem Rugbyei.

Auf Feld 2 wurde mit Körperkontakt gespielt und der Ball durfte während des Dribbelns vom Gegner geraubt werden. Auf Feld 1 war beides nicht erlaubt. In der gelben Mannschaft, in der zwei äußerst sportliche Jungen spielten, gab es das Problem, dass diese beiden immer eines der Mädchen (4er Mannschaften) als Turm degradierten und die beiden lieber zusammen im Feld spielten. Nachdem wir dies beobachtet hatten, haben wir dann festgelegt, dass die beiden auch jeder für eine gewissen Zeit auf den Kasten mussten (bisher legten die Teams selbst fest, wer wie lange auf dem Kasten zu stehen hat), was ihnen gänzlich missfiel. Bei einer Aktion kam es vor, dass einer der beiden einen Schiedsrichterpfiff von uns nicht akzeptieren wollte und den Ball wütend zu Boden schleuderte, was die andere Mannschaft aber geschickt nutzte und sofort einen Gegenangriff startete und auch einen Punkt erzielte. Das war Strafe genug!

Zum Ende der Doppelstunde wurden das Spiel und die Eigenschaften der unterschiedlichen Spielgeräte gemeinsam im Mittelkreis reflektiert: Am Besten fanden die meisten Schülerinnen und Schüler, Turmball mit dem Basketball zu spielen, „weil man damit am Besten dribbeln kann“, der Petziball kam eher schlecht weg, weil „das Fangen und Werfen damit sehr schwer ist“ und „man mehr laufen muss“. Zum Rugbyei gab es geteilte Meinungen: Einerseits fanden es viele Schülerinnen und Schüler „lustig mal mit einem anderen Ball zu spielen“ andererseits „verspringt der Ball oft“ und „man kann damit nicht dribbeln“.

Für die nächste Stunde wurde von Tim die Aufgabe gestellt, zu überlegen, wie man den Turm auflösen bzw. mitspielen lassen kann, der Grundgedanke des Spiels aber noch erhalten bleibt.

3.3.1.1 Reflexion der 1. Stunde

Uns sind einige Aspekte in dieser Stunde aufgefallen, die es zu reflektieren lohnt: Die schon angesprochene, nicht von allen gewollte Trinkpause in der Mitte der Stunde, zeigt den hohen Motivationsgrad der Schülerinnen und Schüler. Wir glauben auch, dass man diese Klasse eher bremsen als motivieren muss.

Nach der Stunde hat sich herausgestellt, dass wir die Anweisung von Tim nicht mitbekommen haben, dass das gesamte Spiel ohne Körperkontakt und ohne Stibitzen des Balles während des Dribbelns gespielt werden sollte. Auf unserem Feld haben sich deshalb einige verbissene Zweikämpfe (die dem Rugbyspiel schon sehr nahe kommen) entwickelt, die wir als Vorbereitung für das Rugbyspiel begrüßt haben, wobei es anders gedacht war. Aus unserer Sicht sind beide Varianten als Einstieg möglich, wobei der Körperkontakt natürlich nicht übertrieben werden darf. Hier ist dann der Schiedsrichter gefordert.

Die zwei übermotivierten und sehr ehrgeizigen Jungen aus der gelben Mannschaft gilt es in den nächsten Stunden im Auge zu behalten, einige leichte jähzornige Anflüge waren bereits zu beobachten. Unsere Maßnahme, beide als Turm einzusetzen, hat die Aufregung aus dem Spiel genommen und beide etwas abkühlen lassen. Es wird interessant zu beobachten sein, wie sich beide verhalten werden, wenn das Tackeln eingeführt wird. Die nächste Stunde werden wir selbst planen und durchführen.

3.3.2 Verlauf der 2. Stunde, 21. Mai 2007, 08:20 – 09:50 Uhr

Die 2. Sportstunde mit der 6c ist, was die zeitliche und organisatorische Struktur betrifft, größtenteils so gelaufen, wie sie von uns geplant wurde[6]. Das Berichten über die letzte Stunde stellte die Schülerinnen und Schüler vor keine große Aufgabe. Einige Probleme gab es hingegen mit der Hausaufgabe, wie der Turm mit ins Spiel einbezögen werden könne. Hierzu kamen folgende Vorschläge:

- Der Turmwächter könne mitspielen, sich im Feld frei bewegen und sobald er den Ball habe, auf den Kasten springen
- Der Turm solle aufgelöst werden und man müsse den Ball einfach nur gegen den Kasten werfen
- Der Kasten solle umgedreht werden und der Ball sollte in den Kasten geworfen werden
- Der Ball solle hinter dem Kasten oder einer Linie abgelegt werden

Erste Spielphase: Auf beiden Feldern wurde unabhängig voneinander bereits vor dem ersten Spielzug bzw. nach einem kurzen Augenblick die Regel eingeführt, dass man den Ballträger stoppen kann, indem man sich mit ausgebreiteten Armen vor den Ballträger stellt und ihn somit zum Abspielen zwingen kann, da die Schülerinnen und Schüler es „doof“ fanden, dass man einfach mit dem Ball durchlaufen könne, ohne gebremst zu werden. In beiden Gruppen dauerte das Spiel etwas länger als die von uns vorgesehenen zehn Minuten, weil das Spiel oft durch Regelüberschreitungen unterbrochen werden musste. 2 Schüler (Jimmy, Ali[7] – unsere beiden Problemfälle, die bereits in der ersten Stunde auffällig waren!) hatten große Probleme, sich an das körperlose Spiel zu halten. Sie reagierten sehr zornig und waren aber gleichzeitig den Tränen nahe. Jimmy spielte die letzten Minuten aus Ärger über sich und andere gar nicht mehr mit. Dadurch musste das Spiel öfter unterbrochen werden, was natürlich den Spielfluss beeinträchtigte.

In der anschließenden Reflexion mit den Schülerinnen und Schüler wurde folgende Kritik geäußert:

- Das Spiel habe mehr Spaß gemacht als das letzte Spiel in der letzten Stunde
- Der Schiedsrichter habe gut gepfiffen
- Es wurde (bezogen auf Feld 1) gut abgespielt und freigelaufen
- Das Spiel habe weniger Spaß gemacht als das Spiel in der letzten Stunde
- Einige hätten sich nicht an die Regeln gehalten
- Die körperlose Blockregel wurde kritisiert, man wolle mit „festhalten und umreißen“

spielen

In der anschließenden Phase zur Einführung der (Rück-) Passregel kamen einige kühne Vorschläge, die wir nur grob zusammenfassen. Ein Vorschlag war, dass der Ball mit einer Hand am besten nach vorne geworfen werden sollte oder dass der Ball immer nur nach rechts geworfen werden dürfe. Erst nachdem wir gefragt hatten, wer denn das Länderspiel Deutschland-Niederlande gesehen habe und wie dort gepasst wurde, kamen die Schülerinnen und Schüler darauf, dass der Ball beim Rugby nur nach hinten gepasst werden darf.

Die Übungen zur Rückpassregel liefen etwas schleppend und sie dauerten auch etwas länger als geplant, so dass für das letzte Spiel statt der eingeplanten 20 Minuten nur noch 15 Minuten zur Verfügung standen.

Das Abschlussspiel war von einigen Schwierigkeiten geprägt, was vor allem die neu eingeführte Rückpassregel betraf, und davon, dass sich einige immer noch nicht mit dem Gedanken eines körperkontaklosen Spiels anfreunden konnten. Ali war dermaßen erbost darüber, dass er einfach die Sporthalle verlassen wollte, von seinem Sportlehrer aber gebremst wurde. Auch Jimmy spielte nach 5 Minuten aus ähnlichen Gründen einfach nicht mehr mit.

In der Abschlussphase, in der Tim das Wort wieder übernahm, wurde noch einmal zusammen mit den Schülerinnen und Schüler erörtert, was die Mitspieler eines Ballträgers tun können, um an den Ball zu kommen. Ganz schnell kamen die Schülerinnen und Schüler zu dem Entschluss, dass man sich hinter den Ballträger stellen müsse, damit man anspielbar sei. Es dauerte jedoch etwas länger, bis jemand Gedanken äußerte, dass man sich auch akustisch bemerkbar machen könne. Auch in dieser letzten Phase wurden sowohl von Jungen als auch von Mädchen immer noch Stimmen laut, dass sie lieber mit Körperkontakt spielen wollten.

3.3.2.1 Reflexion der 2. Stunde

Nachdem der richtige Lösungsvorschlag zur Hausaufgabe, den Ball hinter einer Linie abzulegen, geäußert wurde, wäre es besser gewesen, wenn wir diesen Vorschlag modifiziert hätten, indem der Ball auf Weichbodenmatten abgelegt werden soll. Dies hätte die Motivation (man kann sich mit Ball auf die Matten schmeißen) erhöht!

Die Regelüberschreitungen und die damit verbundenen Unterbrechungen im ersten Spiel sind unserer Meinung auf zwei Ursachen zurückzuführen: 1. Das Rugbyei ist immer noch ein ungewohnter Spielgegenstand für die Kinder und besonders zurückhaltende Schülerinnen und Schüler trauen sich nicht wirklich, am Spiel teilzunehmen. 2. Einige Schülerinnen und Schüler (vor allem Ali und Jimmy) haben vom Rugbyspiel ein ganz besonderes Bild im Kopf: Wenn sie das Wort Rugby hören, assoziieren sie damit irgendein wildes Spiel, in dem Festhalten, Umrennen, Blocken, Beinstellen etc. erlaubt bzw. erwünscht sind. Ein Rugbyei und ein körperloses Spiel passen für sie nicht zusammen. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch die negative Kritik der Schülerinnen und Schüler an diesem ersten Spiel zu sehen. Nur kam es natürlich für uns nicht in Frage, ohne Vorübungen und Vorkenntnisse mit Tief- oder Hochhalten (Körperkontakt) zu spielen. Die weitere Kritik der Schülerinnen und Schüler an diesem Spiel ist auch zu verstehen, da das Spiel aus der letzen Stunde (mit gewohnten Bällen, Prellen etc.) natürlich einfacher ist. Trotz alle dem würden wir den Anfang der Stunde mit diesem ersten Spiel wieder so durchführen, weil wir glauben, dass dieser Weg aus den genannten Gründen der richtige ist. Das Vermittlungskonzept des NRV geht einen ähnlichen Weg.[8]

Anderes denken wir mittlerweile über die Übungen und den Stundenteil zur Einführung der Rückpassregel: Die Übungen in den Kreisen sind für die Schülerinnen und Schüler zu langweilig, weil wenig Bewegung in diesen Übungen steckt. Der anschließende Schritt von den Übungen in den Kreisen zum Rückpass war zu groß. Hier hätte wir eine andere Übung[9] vorschalten müssen bzw. hätten wir unsere Übung streichen sollen, weil auch diese Form zu langweilig und demotivierend wirkt.

Zum Abschlussspiel: Die Rückpassregel machte den Schülerinnen und Schüler mehr Schwierigkeiten, als wir erwartet hatten, so dass der Spielfluss und die Freude am Spiel zu wünschen übrig ließ. Vielleicht wäre das Spiel mit einer anderen Übung zum Rückpass (s. o.) etwas besser gelaufen. Weil das Spiel schon genug unterbrochen wurde und sich die Frustration der Schülerinnen und Schüler über den ungewohnten Ball und vor allem über das ungewohnte nach hinten Passen bemerkbar machte, verzichten wir auf die zusätzliche (geplante) Einführung der Abseitsregel, da dies das Spiel wahrscheinlich komplett zum Erliegen gebracht hätte. Worauf allerdings noch einzugehen ist, ist, dass Ali und Jimmy einfach nicht mehr am Spiel teilnahmen. Natürlich haben wir versucht, die beiden wieder zum Spielen zu bekommen, aber wir mussten ja auch noch weiterhin die beiden Spielfelder im Auge behalten, so dass wir froh waren, dass sich Michael Malitz um diesen Fall kümmerte. Nach der Stunde sagte uns Michael Malitz, dass dies kein ungewöhnliches Verhalten der beiden sei, so etwas käme hin und wieder vor und man könne die beiden dann wirklich nur im Auge behalten und sie erstmal wieder „herunterkommen“ lassen.

Tim Holzapfel äußerte sich noch dahingehend, dass die 2. Stunde mit einer Klasse in der Rugbyvermittlung durchaus die schwerste sei, da die Frustration durch die Rückpassregel immer extrem hoch sei. Die nächste Stunde wird wieder eine Co-Produktion von Tim und uns.

3.3.3 Verlauf der 3. Stunde, 29. Mai 2007, 08:20 – 09:50 Uhr

Wir leiteten die Stunde mit dem Aufwärmspiel „Räuber und Drache“ an.[10] Nach diesem Aufwärmspiel wurden die Schülerinnen und Schüler von Tim zu einer „Gassenübung“ (siehe 2. Stunde) angeleitet. Es wurden drei Durchgänge durchgeführt, wobei die Außenspieler immer weiter nach hinten gingen und in der Mitte von einem auf drei Spieler erhöht wurde. Der erste Durchgang klappte nicht, weil einige Schülerinnen und Schüler nicht mehr wussten, wie beim Rugby gepasst werden sollte und einige (besonders Jimmy) einfach nur Blödsinn machten, weder richtig passten noch liefen. Daraufhin rief Tim die Klasse noch einmal zusammen und es wurde wieder einmal erarbeitet, wie der korrekte Pass aussehen soll (siehe vorherige Stunden). Die anschließenden Durchgänge funktionierten, wobei einige Schülerinnen und Schüler immer wieder äußerten, dass diese Übung sehr langweilig und Rugby überhaupt „doof“ sei.

Es sollten nun 4 Mannschaften gewählt und über die ganze Halle gespielt werden, so dass immer zwei Mannschaften Pause hatten. Am Ende des jeweiligen Mahlfeldes lagen 4 Weichbödenmatten, auf die der Ball abgelegt werden sollte.

Im ersten Spiel gab es einige Vorbälle und Abseitssituation, so dass Tim das Spiel nach fünf Minuten unterbrach, die ganze Klasse zusammenrief und mit Hütchen die Abseitsregel erklärte. Zu dieser Regel kamen natürlich zahlreiche Verständnisfragen und auch wieder ein bisschen Missstimmung, weil das Spiel „zu schwer sei“ (dies wurde insbesondere von einigen Mädchen geäußert).

Es verblieb jetzt nur noch Zeit für ein Spiel von wenigen Minuten. Mannschaft 3 spielte nun gegen Mannschaft 4, wobei Mannschaft 4 zwei Spieler zu wenig hatte, so dass sie mit Spielern von Mannschaft 1 aufgefüllt wurde, was wiederum Zorn bei Jimmy und Ali auslöste, da sie es ungerecht fanden, dass zwei Mitschüler zweimal spielen durften und sie nicht. In diesem letzten Spiel kam es auch noch dazu, dass sich zwei Mädchen auf einmal an den Rand setzen und nicht mehr mitspielen wollten, weil sie den Ball nicht zugespielt bekamen. Tim reagierte nach dem Spiel darauf, indem er den beiden sagte, sie sollten sich früher melden, wenn so etwas vorkommt und sich nicht einfach an den Rand setzen. Die Stunde wurde in der Mitte der Halle, im Stehen, geschlossen, mit der Ankündigung, dass das nächste Mal mehr gespielt würde, weil dies von den Schülerinnen und Schüler stark bemängelt wurde, und dass das nächste Mal der Körperkontakt eingeführt werden solle, was einigen Schülerinnen und Schülern das Lächeln zurück auf ihr Gesicht zauberte.

3.3.3.1 Reflexion der 3. Stunde

Zu dem Enthusiasmus des Aufwärmspiels ist zu sagen, dass wir denken, dass Kinder in diesem Alter generell über Kleine Spiele begeistert werden können, weil solche Spiele es zulassen, sich auszutoben, also generell dem Bewegungsdrang der Kinder entsprechen und durch die einfachen Regeln jeder teilnehmen kann. Was hier noch dazukommt ist, dass einige – so glauben wir – von Rugby (oder das, was bisher von uns als Rugby verkauft wurde) nicht recht beigeistert sind, so dass dieses Kleine Spiel eine Flucht vom eigentlichen Thema der Stunde bot.

In diesem Zusammenhang sind wahrscheinlich auch die Äußerungen in der Gassenübung zu sehen, diese Übung sei „langweilig“. Natürlich geht es im Schulunterricht nicht immer danach, was Spaß macht. Wo kämen wir hin, wenn sich Schulfächer wie Mathematik oder Deutsch nach solchen Parametern richteten. Aber bietet nicht gerade das Unterrichtsfach Sport eine Palette von Möglichkeiten, sich den Schülerinnen und Schüler und ihren Wünschen auf eine gewisse Weise zu nähern, was vielleicht in anderen Fächern gar nicht der Fall sein kann? Ist es nicht vollkommen gleichgültig, ob Kinder ihren Bewegungsapparat stärken, indem sie Kleine Spiele spielen, die ihnen Spaß machen und ihre Kondition genauso fördern wie ein Zirkeltraining, das aber weniger Freude bereitet? Aus unserer Sicht geht es doch an dieser Stelle nur um die Gesundheitsförderung und das Erleben von Bewegungen. Also kann man doch in gewisser Weise auf Wünsche und Triebe eingehen. Ohne an dieser Stelle eine exzessive Erörterung zu geben, was der Sinn des Sportunterrichts sein soll, kann doch aber trotzdem ohne große Umschweife gesagt werden, dass ein Ziel des Sportunterrichts ist, die Schülerinnen und Schüler auf Dauer dazu zu bringen, regelmäßig Sport zu treiben und den Spaß an Bewegung zu vermitteln. Am Aufwärmspiel hatten alle Kinder sehr viel Spaß, an der durchgeführten Übung nur wenige. Da stellt sich doch die Frage, ob solche Übungen sinnvoll sind, ob man sich nicht Alternativen überlegen sollte?[11] Auch die Äußerung einiger Schülerinnen und Schüler, dass Rugby generell „doof“ und „schwierig“ sei, lässt sich vielleicht auf diesen Aspekt des „Spaß Habens“ zurückführen. Wie bereits erwähnt, sollen an dieser Stelle keine Stellungnahmen aus der Literatur herangezogen werden, aber eine Äußerung, wollen wir doch kurz nennen: Nach KUHLMANN ist ein grundlegender pädagogischer Auftrag des Schulsports; den Schülerinnen und Schüler „vielfältige und nachhaltige Könnenserlebnisse zu vermitteln“[12]. Bisher wurden den Schülerinnen und Schüler nur wenige Könnenserlebnisse vermittelt. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist die Frustration zu verstehen.

Der kleine Zwischenfall im Abschlussspiel mit den beiden Mädchen, die nicht mehr mitspielen wollten, ist darauf zurückzuführen, dass diese beiden noch nicht verstanden haben, dass man sich beim Rugby, um angespielt zu werden, hinter dem Ballträger befinden muss. Ein Ziel der nächsten Stunden muss es also sein, auch den letzten begreiflich zu machen, wie man sich beim Rugby bewegen muss, um am Spiel teilnehmen zu können. So etwas funktioniert unserer Meinung nach nicht über einzelne losgelöste Übungen, sondern vor allem über Spielpraxis. Wir glauben auch, dass die meisten hoffnungsvoll auf die nächste Stunde blicken, weil endlich der ersehnte Körperkontakt eingeführt werden soll. Auch zum Abschluss dieser Reflexion soll noch einmal der Verweis erfolgen, dass niemand zum Mitspielen gezwungen werden kann, wir können nur dazu einladen.[13] Die nächsten Stunden werden wir wieder alleine gestalten bzw. fällt in der nächsten Woche die Einheit aus, weil sowohl die Schule als auch die Universität Pfingstferien hat.

3.3.4 Verlauf der 4. Stunde, 12. Juni 2007, 08:20 – 09:50 Uhr

Mit sehr kleinen punktuellen Abweichungen ist die 4. Unterrichtsstunde exakt so verlaufen, wie sie von uns geplant wurde. In der Begrüßung stellten wir klar, dass diesmal keine Diskussionen geführt werden, dass Anweisungen ohne Wenn und Aber ausgeführt werden sollen, weil sonst die Spielzeit verkürzt werden muss.

Das Aufwärmspiel gestaltete sich so, dass die „Eisbären“ etwas Problem hatten, die „Robben“ umzudrehen, so dass wir nach fünf Durchgängen zahlreichen „Robben“ als Gewinner hatten. Einer Schülerin wurde in diesem Aufwärmspiel eine Kordel Ihrer Hose abgerissen,

[...]


[1] Vgl. http://www.nrj-rugby.de/mediapool/12/122847/data/NRV_Schulrugby_Praesentation.pdf. (Letzter Zugriff:23.08.2007.)

[2] Das Projekt wird von der Niedersächsischen Lottostiftung anteilig mit 25.000 Euro gefördert. Der Förderanteil beträgt 32,02% der Gesamtkosten. Vgl. Landessportbund Niedersachsen:

http://www.lsbniederssen.de/verwaltung/dokukategorien/dokumanagement/psdoc/file/83/sum08_200746b83c05c3284.pdf(Letzter Zugriff: 23.08.2007.)

[3] Vgl. http://schulrugby.sc.funpic.de. (Letzter Zugriff: 23.08.2007.)

[4] Die Stundenplanungen sind im Anhang einzusehen.

[5] Bei diesem Spiel steht ein Spieler jeder Mannschaft (der Turm) am Ende der gegnerischen Hälfte auf einem Kasten. Ziel des Spiels ist, dass die jeweilige Mannschaft den Ball zu ihrem „Turm“ passt und so einen Punkt erzielt. Mit dem Ball darf drei Schritte gelaufen werden, dann muss gepasst oder gedribbelt werden.

[6] Zur Planung der Stunde siehe Anhang.

[7] Die Namen wurden aus Datenschutzgründen geändert.

[8] Vgl. http://schulrugby.sc.funpic.de/

[9] An dieser Stelle wäre folgende Übung besser gewesen: 10 Schülerinnen und Schüler stellen sich in einem Abstand von 7-8 m gegeneinander auf (also 5 auf jeder Seite). Durch diesem 7-8 m breiten „Tunnel“ laufen die restlichen Schülerinnen und Schüler hindurch und werfen den Ball immer seitlich rückwärts zu den außen stehenden Mitschülern von denen sie auch gleichzeitig immer wieder einen neuen Ball zugepasst bekommen.

[10] Bei diesem Spiel schläft ein Drache fünf Meter vor seinem Schatz (Bälle o. ä.). Die Räuber schleichen sich an und versuchen den Schatz zu klauen und in eine sichere Zone zu bringen. Der Drache entscheidet selbst, wann er aufwacht. Wer gefangen wird, wird selbst zum Drachen. Dieses Aufwärmspiel fand so viel Anklang, dass die Schülerinnen und Schüler am liebsten weitergespielt hätten…

[11] Natürlich lässt es sich manchmal nicht vermeiden, gewisse Technik- oder gar Taktikübungen isoliert vom eigentlichen Spiel einüben zu lassen. Aber das Spiel an sich ist doch immer das Ziel und einige technische Voraussetzungen lassen sich sicher auch als Spielform gestalten. Vgl. u. a. das Konzept von Mitchell Giffin : Teaching games for understanding (TGFU) oder Knut Dietrich, Gerhard Dürrwächter u. Hans-Jürgen Schaller: Spielgemäßes Konzept oder Jürgen Loibl: Genetisches Lernen.

[12] Kuhlmann, Detlef: Mitspielen können – Mitmachen, mitwirken, mitgestalten. In: Sportpädago gik 24 (2000): 3. S. 2-8. S.2

[13] Vgl. ebd. S. 8.

Details

Seiten
66
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640263936
ISBN (Buch)
9783640264087
Dateigröße
726 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v121729
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,0
Schlagworte
Sport und Gewalt Gewaltprävention Rugby und Gewalt

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Titel: „Rugby geht zur Schule“. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Projekt des Niedersächsischen Rugbyverbands (NRV)