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Vernachlässigung im frühen Kindesalter

Vordiplomarbeit 2002 27 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Problemstellung der Vernachlässigung von Kindern

2. Was braucht ein Kind? Kindliche Lebensbedürfnisse

3. Was ist Vernachlässigung? Was ist Mißbrauch?
3.1 Vernachlässigung
3.2 Mißhandlung

4. Hintergründe für die Vernachlässigung in der Familie
4.1 Welche Kinder sind besonders gefährdet?
4.2 Welche familiären und sozialen Faktoren erhöhen das Risiko?

5. Folgen der Vernachlässigung für die kindliche Entwicklung
5.1 Anzeichen für eine Vernachlässigung

6. Prävention - Hilfen für Vernachlässigungsfamilien

Stellungnahme

Literaturverzeichnis

Einleitung

In meiner schriftlichen Hausarbeit für das Vordiplom befasse ich mich mit der Vernachlässigung von Kindern sowie mit den daraus resultierenden Folgen.

Als erstes werde ich die allgemeine Problemstellung der kindlichen Vernachlässigung erläutern. Anschließend werde ich auf die Lebensbedürfnisse eingehen sowie den Begriff der Vernachlässigung von dem des Missbrauchs abgrenzen. Darauf folgend werde ich die Hintergründe für eine Vernachlässigung in der Familie benennen und im Anschluß daran auf die Folgen der Vernachlässigung eingehen. Danach werde ich einen Einblick in die Prävention für Vernachlässigungsfamilien geben. Zum Schluß beziehe ich Stellung.

1. Problemstellung der Vernachlässigung von Kleinkindern

Das Problem der Kindesvernachlässigung ist absolut kein neues, sondern ein altbekanntes Problem. Bereits die im 19. Jahrhundert verfassten Romane von Charles Dickens über Oliver Twist beschreiben die Lebenssituationen vernachlässigter und verwahrloster Kinder. Die Aktualität dieses Themas ist bis heute nicht verlorengegangen.

Allerdings wird dieses Problem sowohl in der allgemeinen Öffentlichkeit als auch in der Fachöffentlichkeit zu wenig diskutiert. Die Kindesvernachlässigung tritt häufig aufgrund von anderen Problemen wie dem der Kindesmisshandlung und dem des sexuellen Missbrauchs zurück. Beachtung finden lediglich die Fälle, wo es zu lebensgefährlichen oder tödlichen Folgen für das Kind durch die Vernachlässigung kommt.

Dabei stellt gerade die Bekämpfung der Kindesvernachlässigung eine sehr große Herausforderung in der sozialpädagogischen Arbeit dar. Denn häufig wird eine Vernachlässigung in den ersten Lebensjahren nicht bemerkt, da regelmäßige Arztkontrollen nicht wahrgenommen werden, eine sozialpädagogische Betreuung erst mit vier bis fünf Lebensjahren geschieht und die Folgen einer Vernachlässigung erst dann erkannt werden.

So ist es seltsam, dass es bisher wenige Untersuchungen zu diesem Thema gibt. Man vernachlässigt sozusagen das Problem der Vernachlässigung. Folglich gibt es auch keine gesicherten, empirisch begründeten Aussagen zu Größenordnungen. Außerdem ist es sehr schwer, Vernachlässigung wahrzunehmen und zu erkennen, da sie unmittelbar innerhalb der Familie geschieht.

Das Thema der Kindesvernachlässigung wird „trotz der fortgeschrittenen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland“ (Schone et al. 1997, S. 15) verdrängt, obwohl es absolut nicht altmodisch sondern sehr aktuell ist. Aus vielen Jugendämtern kommen Hinweise und Klagen, dass Kinder wieder verstärkt vernachlässigt werden.

2. Was braucht ein Kind? - Kindliche Lebensbedürfnisse -

Um eine Kindesvernachlässigung erkennen zu können, muß zunächst einmal geklärt werden, welche Grund- und Lebensbedürfnisse ein Kind hat und was es braucht. Dazu muß man sich folgende Fragen stellen:

- Auf welche Art und Weise und unter welchen Bedingungen entwickelt sich ein Kind?
- Was ist nötig, damit es einem Kind gut ergeht?
- Wie erkennt man die Bedürfnisse eines Kindes?
- Wodurch wird die Entwicklung eines Kindes überhaupt ermöglicht und folglich gefördert?

Die UN-Deklaration über die Rechte der Kinder besagt folgendes:

„(1) Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs- , Sozial-, Bildungsmaßnahmen, um das Kind vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Schadenszufügung oder Misshandlung, vor Verwahrlosung oder Vernachlässigung, vor schlechter Behandlung oder Ausbeutung einschließlich des sexuellen Missbrauchs zu schützen, solange es sich in der Obhut der Eltern oder eines Elternteils, eines Vormunds oder anderen gesetzlichen Vertreters oder einer anderen Person befindet, die das Kind betreut.
(2) Diese Schutzmaßnahmen sollen je nach den Gegebenheiten wirksame Verfahren zur Aufstellung von Sozialprogrammen enthalten, die dem Kind und denen, die es betreuen, die erforderliche Unterstützung gewähren und andere Formen der Vorbeugung vorsehen, sowie Maßnahmen zur Aufdeckung, Meldung, Weiterverweisung, Untersuchung, Behandlung und Nachbetreuung der in Absatz 1 beschriebenen Fällen schlechter Behandlung von Kindern und gegebenenfalls für das Einschreiten der Gerichte.“ Artikel 19 der UN-Kinderkonvention (Übereinkommen über die Rechte des Kindes) – (Schutz vor Gewaltanwendung, Misshandlung, Verwahrlosung).

Durch die UN-Kinderrechtskonvention werden „universelle Standards von Kinderrechten“ (Schone et al. 1997, S. 17) definiert. Diese universellen Standards alleine genügen jedoch nicht. Sie sind nicht spezifisch genug. Deshalb ist es unverzichtbar, „die Kriterien für eine angemessene Gewährleistung des Kindeswohls abhängig von den jeweiligen konkreten gesellschaftlichen Bedingungen und Möglichkeiten eines Landes zu definieren“ (Schone et al. 1997, S. 23). Der Maßstab dafür, Kindern eine ausreichende Pflege, Förderung und Erziehung zu geben, hängt von den gesellschaftlichen Möglichkeiten einer jeden Kultur ab. Das Ziel dieses Maßstabs ist es, dass ein Kind zu einem selbständigen, verantwortungsbewussten und gemeinschaftsfähigen Menschen heranwächst. Dies sollte in einer wohlhabenden Gesellschaft grundsätzlich möglich sein.

Die elementaren Bedürfnisse, die zur Entwicklung eines individuellen Menschen wichtig sind, werden bei Schone et al. nach Schmidtchen 1989, S. 106, wie folgt beschrieben:

- Physiologische Bedürfnisse:

Hierzu zählen Bedürfnisse nach Trinken, Essen, Schlaf, Sexualität, Wach-Schlaf-Rhythmus, Ausscheidungen etc.

- Schutzbedürfnisse:

Hierzu zählen Bedürfnisse nach Schutz vor Gefahren, Krankheiten, Wetterunbilden, materiellen Unsicherheiten etc.

- Bedürfnisse nach einfühlendem Verständnis und sozialer Bindung:

Hierzu zählen Bedürfnisse nach Zuwendung; Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen; dialogische Kommunikation, sichere Dazugehörig-keit zu einer Gruppe etc.

- Bedürfnisse nach seelischer und körperlicher Wertschätzung:

Hierzu zählen Bedürfnisse nach vorbehaltloser Anerkennung als kostbarer, wertvoller Mensch; Bedürfnisse nach physischer und psychischer Zärtlichkeit, nach Anerkennung als selbständiges, unabhängiges Individuum etc.

- Bedürfnisse nach Anregung, Spiel und Leistung:

Hierzu gehören die Bedürfnisse nach Förderung des Neugierverhaltens, Anregungen und Anforderungen etc.

- Bedürfnisse nach Selbstverwirklichung und Bewältigung existentieller Lebensängste:

Hierzu gehören Bedürfnisse nach der Entfaltung eines Selbstkonzeptes, nach Förderung eines selbständigen Durchsetzens von Bedürfnissen und Zielen, nach Lösung von Lebensängsten und Lebenskrisen etc.

Diese Bedürfnisse lassen sich nach MASLOW als Pyramide darstellen:

Abb.: 2.1: Grundbedürfnisse einer gesunden seelisch-körperlichen Entwicklung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach Form der Pyramide müssen zunächst die Grundbedürfnisse, die ganz unten in der Hierarchie stehen, befriedigt werden. Denn erst wenn diese befriedigt sind, können sich auf der darauffolgenden Bedürfnisstufe Interessen entwickeln.

Wenn allerdings die Grundbedürfnisse nicht ausreichend oder sogar gar nicht befriedigt werden, sind die Folgen umso gravierender. Ein Kind, das nichts zu essen bekommt, kann verhungern. Wenn es allerdings nicht lernt, sich selbst zu verwirklichen, so wirkt sich dies nicht lebensbedrohlich aus.

[...]

Details

Seiten
27
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638181365
Dateigröße
606 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v12197
Institution / Hochschule
Universität Bremen – FB Erziehungswissenschaften
Note
Gut
Schlagworte
Vernachlässigung Kindesalter

Autor

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Titel: Vernachlässigung im frühen Kindesalter