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Interventionsmöglichkeiten bei Gewalt gegen Frauen in der Familie

Hausarbeit 2003 30 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1 Gewalt gegen Frauen - Definition

2 Formen der Gewalt
2. 1. 1 Physische Gewalt
2. 1. 2 Psychische Gewalt
2. 1. 3 Sexualisierte Gewalt
2. 1. 4 Soziale Gewalt
2. 1. 5 Finanzielle Gewalt

3 Interventionsmöglichkeiten
3. 1 Frauenhausarbeit
3. 2 Beratungsstellen für Frauen
3. 3 Zur Rolle von Polizei und Justiz
3. 4 Interventionsprojekte

Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis:

1 Gewalt gegen Frauen - Definition

Da sich die vorliegende Arbeit mit den unterschiedlichen Aspekten von männlicher Gewalt gegenüber Frauen befasst, ist es mir wichtig, die Definition des Gewaltbegriffes festzulegen, bevor ich anfange, mich mit der eigentlichen Problematik auseinanderzusetzen. Zunächst möchte ich Vorschläge für eine Definition aus mehreren Nachschlagwerken aufführen:

„Gewalt ist das Mittel um Macht, Herrschaft und Kontrolle zu erlangen, beizubehalten und auszuüben, sie ist Missbrauch von Macht. Dabei dient das Ausnützen der Abhängigkeit von Schwächeren nicht zuletzt dazu, Macht und Energie einer Person einzuschränken und eine Atmosphäre von Angst und Schrecken zu schaffen. So ist Gewalt bzw. Machtmissbrauch – was jeden Angriff auf die körperliche oder seelische Unversehrtheit einer Person darstellt, sowohl gegen den Willen der Betroffenen als auch mit deren Einverständnis – stets eingebunden in ungleiche Machtverhältnisse“ (Aykler 2000, S. 66).

Der Begriff `Gewalt gegen Frauen´ bezeichnet jede Handlung geschlechtsbezogener Gewalt, die der Frau körperlichen, sexuellen oder psychischen Schaden oder Leid zufügt oder zufügen kann, einschließlich der Androhung derartiger Handlungen, der Nötigung oder der willkürlichen Freiheitsberaubung in der Öffentlichkeit oder im Privatleben“ (Vierte Weltfrauenkonferenz 1995; Dearing 1999, S. 30).

„Gewalt meint jede Verletzung der körperlichen Integrität einer Person durch eine andere. Gewalt soll über körperliche Gewalthandlungen hinaus aber auch Formen psychischer Gewalt einbeziehen, insoweit diese von psychischer Gewalt begleitet sind oder auf deren Androhung beruhen“ (Nini et al. 1995, S.24).

„Gewalt ist das, was das Opfer als solche empfindet, was verletzt, demütigt und erniedrigt. Im Gegensatz zu Streit, Konflikt oder Auseinandersetzung treffen bei Gewalt zwei ungleiche Machtpositionen aufeinander, bei der sich die eine immer durchsetzt. Dem Gewalttäter geht es um die Alleinherrschaft über die Frau“(Frauenberatungsstelle Düsseldorf e. V. 1999, S. 4).

Vergleicht man diese Begriffsbestimmungen, fallen dem Leser Ähnlichkeiten auf. Alle Definitionen beziehen sich auf eine Handlung, die zu einer Verletzung der körperlichen und seelischen Integrität eines Menschen durch einen anderen führen kann.(vgl. Wölfl 2001 S.30) Man sollte jedoch nicht übersehen, dass eine uneinheitliche Definition des Gewaltbegriffes nicht eine Frage der Wahrheit ist, sondern je nach Sichtweise, Ausrichtung und Intention auf entsprechenden Argumentationsleitlinien unterschiedlich eng oder weit definiert wird. (vgl. Dearing 1999, S.12; vgl. Haller et al. 1998, S. 13)

In meiner Arbeit soll nicht das gesamte Spektrum männlicher Gewalt berücksichtigt werden, sondern lediglich ein Fokus auf den Bereich der männlichen Gewalt gegenüber Frauen in der Ehe und Partnerschaft gelegt werden, in folgendem auch Beziehungsgewalt genannt wird.

„Von `Beziehungsgewalt´ zu sprechen bedeutet die Begriffsbestimmungen analog auf `Beziehung´ - als begriffsgeschichtlich neuem, den gesellschaftlich-historischen Wandel in den Formen des Zusammenlebens der Geschlechter widerspiegelnden Sammelbegriff für Ehen und Partnerschaften – anzuwenden“ (Nini et.al. 1995, S. 26).

2 Formen der Gewalt

Hinsichtlich der unterschiedlichen Art von männlicher Gewalt gegenüber Frauen in der Familie lassen sich verschiedene Gewaltformen unterscheiden. Diese Unterscheidung folgt einer Differenzierung nach verschiedenen Qualitäten männlicher Gewalt sowie deren Ausformung auf gesellschaftlicher Ebene.

Die Gewaltformen werden gleichberechtigt nebeneinander dargestellt und die Reihenfolge dieser Darstellung keine Schlüsse hinsichtlich der Schwere und der Folgen für die von Gewalt betroffenen Frauen nahe legen. In folgendem möchte ich somit eine Auswahl der, nach meiner Einschätzung, relevanten Formen der Beziehungsgewalt darstellen: psychische, physische, sexualisierte, soziale und finanzielle Gewalt.

Zu Beginn meiner Ausführungen über die verschiedenen Formen der Gewalt gegen Frauen möchte ich erwähnen, dass ich mich aufgrund des engen Rahmens der Hausarbeit auf die bedeutendsten Aspekte beschränken muss. Auch die Erklärungen sind aus dem bereits erwähnten Grund sehr knapp gehalten.

2. 1 Personale (direkte) Gewalt

Von personaler Gewalt, die direkt von einem handelnden Täter ausgeübt wird, ist die strukturelle Gewalt, die nicht auf ein handelndes Subjekt abstellt, sondern in das Gesellschaftssystem eingebaut ist und sich in ungleichen Machtverhältnissen und folglich ungleichen Lebenschancen von Frauen und Männern äußert, zu unterscheiden.

Personale und strukturelle Gewalt bedingen und ergänzen einander, so dass gesellschaftliche Benachteiligung und Minderbewertung von Frauen und die personelle Männergewalt im Bereich privater Beziehungen sich in einem sehr starken Zusammenhang befinden. (vgl. Aykler 2001, S. 65; Brückner 1998, S. 18f)

Der Begriff der personalen Gewalt hebt sich von dem Begriff der strukturellen Gewalt über die Identifikation einer Peson ab, von der die Gewalt ausübt wird. „Je nachdem, ob es eine konkrete Gewalthandlung und damit einzelne handelnde Subjekte („Akteure“) gibt oder nicht, wird die Gewalt als personale (bzw. direkte) oder als strukturelle (indirekte) Gewalt bezeichnet“ (Nini et al. 1995, S. 37). Solche personalen Gewalthandlungen lassen sich weiterhin in physische, psychische, sexualisierte, soziale und finanzielle Gewalt differenzieren.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass jede einzelne in ihren Folgen zerstörerisch für den Betroffenen ist, und dass es sich dabei um eine Kombination von mehrere Formen der Gewalt handelt, die meistens gemeinsam auftreten und ineinander greifen.

Am häufigsten erleben Frauen Gewalt in ihrer Familie, was bedeutet, dass Gewalt hauptsächlich vom nah stehenden Menschen – ihren Ehemännern, ihren Lebensgefährten oder ehemaligen Männern ausgeübt wird, und dass überwiegend in vermeintlich sicherstem Ort – ihrem Zuhause stattfindet. (vgl. Aykler 2001, S. 79; Egger et al. 1995, S.93) „In verschiedensten repräsentativen Untersuchungen in alten und neuen Bundesländern wurde ermittelt, dass fast jede dritte Frau Gewalt durch Ihren Ehemann/Partner erfährt“ (BIG e. V. 1997, S. 6).

2. 1. 1 Physische Gewalt

Physische Gewalt beinhaltet alle Formen von Misshandlungen, die körperliche Verletzungen verursachen können. Physische Gewalt äußert sich in Schubsen, Würgen, Fesseln, Stoßen, Schlägen mit Einsatz von Fäusten- und Fußtritten bis hin zu Angriffen mit Gegenständen. Sichtbare Verletzungen sind häufig Quetschungen, Blutergüsse, ausgeschlagene Zähne, Nasenbein-, Rippen- oder andere Knochenbrüche. Das kann bis zu bleibenden Schäden oder gar zum Tod führen. (vgl. Egger et al. 1995, S.30) Der erste Gewaltangriff ist in der Regel nicht so extrem. Hat es jedoch einmal angefangen, tendiert die Gewalt im Laufe der Zeit zur Eskalation in Intensität und Häufigkeit. Gewalttätige Männer greifen zu immer stärkeren Methoden, um ihre Macht aufrechterhalten zu können. Schlagen hat nichts mit Jähzorn oder `die Beherrschung verlieren´ zu tun, es ist eine vorsätzliche Entscheidung des Partners die Kontrolle in der Partnerschaft zu behalten. Oftmals geht mit körperlicher Gewalt die Zerstörung von Eigentum einher, und jener Dingen, die einen besonderen Wert für die Frau haben, sowie das Verletzen von Dritten, wie etwa von Kindern der Partnerin. Es ist eine Form der Gewalt, die sich zwar nicht direkt gegen die Frau richtet, ihr aber trotzdem Macht demonstriert. Ihr wird gezeigt, dass auch sie selbst jederzeit (wieder) ein Opfer von Gewalt werden kann. Essens- und Schlafentzug sind ebenfalls dieser Gewaltform zuzuordnen. Dadurch und mittels anderer Methoden macht der Mann der Frau Angst, der vor weiterer Gewalt das mächtigste Instrument zur Unterdrückung der Frau ist. (vgl. Egger et al. 1995, S. 30; Lempert/Oelemann 1995, S. 49f; Aykler 2000, S. 67)

An dieser Stelle möchte ich auch erwähnen, dass Kinder misshandelter Frauen, entweder direkt oder indirekt, ebenso Opfer dieser Gewalt sind. Es wird laut einer Untersuchung auch dort, wo die Kinder nicht `am eigenen Leib´ Gewalt erleben, ihnen durch das Miterleben von Misshandlungen und Drohungen, denen ihre Mütter ausgesetzt sind, Gewalt angetan. (vgl. Logar 2001, S. 175)

2. 1. 2 Psychische Gewalt

Im Gegensatz zur direkten physischen Gewalt kann sich psychische Gewalt auch indirekt in absichtlichem Missverstehen, absichtlichem Vergessen, Nichthören usw. Ausdruck finden. (vgl. Nini et al. 1995, S.29; zit. n. Neubauer 1979, S.11) Ergänzend hierzu sind auch `seelische Verletzen´ von eiskaltem Schweigen bis zu Gebrülle, Sarkasmen und bösartigen verbalen Attacken reichen, die dazu dienen, den anderen zu demütigen und zu erniedrigen. (vgl. Nini et al. 1995, S.29; zit. n. Lupri 1991, S.477)

Dabei beinhaltet die psychische Gewaltanwendung emotionale Misshandlungen und wird von den Betroffenen als Zerstörung ihres Selbstwertgefühls und ihrer psychischen Gesundheit erlebt. Das Lächerlichmachen in Öffentlichkeit, beleidigende Äußerungen über das Aussehen oder den Charaktereigenschaften, das tief greifende Absprechen der eigenen Wahrnehmung sowie des Urteilsvermögens, was häufig mit Worten `das bildest du dir nur ein, du bist verrückt´ ausgedrückt wird, gehören auch zu dieser Form von Gewalt. Weitere Formen psychischer Gewaltanwendung bestehen darin, Sorgen,

Wünsche und die Geltendmachung von Forderung durch Frauen, nicht ernst zu nehmen, ihnen mit einem ironischen Lächeln oder offenem Desinteresse zu begegnen. Das psychische Befinden von Frauen kann ebenfalls durch Belästigung und Terror wie ständige Anrufe, Bespitzelungen und Verfolgungen beeinträchtigt werden. (vgl. Egger et al. 1995, S. 30f; Aykler et al. 2000, S. 67)

Die Strategien psychischer Gewaltausübung, die Machtdemonstrationen gepaart mit gelegentlichen Freundlichkeiten umfassen, zielen darauf ab, nicht nur das Selbstgefühl der Opfer zu minimieren, sondern auch ihre Abhängigkeit vom Misshandler stetig zu erhöhen. Diese psychischen Gewaltstrategien bewirken eine starke Bindung des Opfers an der Misshandler, was nordamerikanische Psychologin Dee L. Graham bei der Entwicklung ihre Theorie des Stockholm-Syndroms in Gewaltbeziehungen feststellte. (vgl. Logar 2001, S.176f)

2. 1. 3 Sexualisierte Gewalt

Sexuelle Gewalt ist noch eine Form der personale Gewalt. „Dabei lag und liegt die Definitionsmacht über sexuelle Gewalt bei den Machtausübenden. Wie sehr es um die Demonstration von Herrschaft und Unterwerfung bei sexueller Gewalt geht, ist daran zu sehen, dass die Verletzung der Würde des Opfers in der Motivschilderung an erste Stelle steht. Deshalb ist es klärender, sexuelle Gewalt durch den Begriff sexualisierte Gewalt zu ersetzen“ (Wölfl 2001, S. 36). Wenn es um sexualisierte Gewalt geht, greift psychische und physische Gewalt ineinander.

Es ist ein Akt des Frauenhasses, der Aggression und des Machtmissbrauchs, keinesfalls das Resultat unkontrollierbarer sexuelle Triebe. Dazu gehören erzwungene vaginale, anale und orale Penetration, Zwang zu anderen sexuellen Handlungen, erzwungenes Anschauen von Pornographie, die Ausnutzung einer hilflosen Lage der Frau usw. (vgl. Egger et al. 1995, S.31)

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Details

Seiten
30
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638181402
ISBN (Buch)
9783638642293
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v12201
Institution / Hochschule
Fachhochschule Kiel – University Of Applied Sciences
Note
2,3
Schlagworte
Interventionsmöglichkeiten Gewalt Frauen Familie

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Titel: Interventionsmöglichkeiten bei Gewalt gegen Frauen in der Familie