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Darstellung des Menschenbildes in Thomas Hobbes "Leviathan"

Essay 2008 5 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Bei der Interpretation des in Thomas Hobbes Werk „Leviathan“ dargestellten Menschenbildes ist es zwingend erforderlich die damaligen historischen und politischen Umstände zu berücksichtigen: Das direkte Miterleben des englischen Bürgerkriegs (1642 – 1649) und des 30jährigen Krieges von 1618 bis 1648 beeinflussten und prägten die Ansichten und Einstellungen Hobbes nachhaltig. In seinem Werk Leviathan, das 1651 in London erschien und immer noch zu einem der bedeutendsten Werke der politischen Philosophie zählt, setzte er sich mit der Fragestellung auseinander wie ein Staat geschaffen sein muss, um Kriege bzw. auch den unsicheren Frieden zu vermeiden und stellt dabei zugleich ein Menschenbild dar, wie es seiner Meinung nach zu dieser kriegerischen Zeit existierte.

„Das menschliche Leben ist einsam, armselig, ekelhaft, tierisch und kurz“ (Kapitel 13, Seite 96). In diesem kurzen Leben ist der Mensch egoistisch, von Leidenschaften gelenkt und läuft stets Gefahr in einem Krieg „eines jeden gegen jeden“ zu enden (Kapitel 13, Seite 96). Hobbes geht davon aus, dass in einer gesetzeslosen Gesellschaft menschliches Handeln von egoistischen Eigeninteressen bestimmt wird. Dabei schreiten die Menschen in einen Kriegszustand, sobald keine allgemeine Macht und somit keine allgemeine Gewalt existiert. In einem Krieg liegt das Vertrauen der Menschen nicht in anderen Personen, sondern nur in der Eigenen. Im Krieg ist Jeder eines jeden Feind (Kapitel 13, Seite 97).

Die Natur hat den Menschen so geschaffen, dass die körperlichen und geistigen Fähigkeiten bei allen übereinstimmen. Dies führt zu „einer Gleichheit der Hoffnungen, unsere Absichten erreichen zu können“ (Kapitel 13, Seite 94-95), gleichzeitig aber auch zu einem allgemeinen menschlichen Streben nach Macht. Daraus resultierend baut sich eine zwischenmenschliche Rivalität und Feindschaft auf mit der Absicht Konkurrenten „zu vernichten oder zu unterwerfen“ (Kapitel 13, Seite 94).

Alle Menschen plädieren im Naturzustand jedoch für den Frieden und heißen Mittel und Wege, die für einen Frieden sprechen, für gut. Zu diesen Mitteln gehören „Gerechtigkeit, Dankbarkeit, Bescheidenheit, Billigkeit, Mitleid und all die anderen natürlichen Gesetze“ (Kapitel 15, Seite 122). Neben den natürlichen Gesetzen verfügt der Mensch aber auch über die Vernunft und so genannte Leidenschaften. Zu den Leidenschaften, die Hobbes als Antriebe deutet, zählen „Neigung, Verlangen, Liebe, Abneigung, Hass, Freude und Kummer“ (Kapitel 6, Seite 42). Die entscheidende Leidenschaft, die die Menschen friedfertig macht, ist allerdings die Todesfurcht (Kapitel 13, Seite 98). Jeder Mensch besitzt das Verlangen nach Dingen, die zu einem angenehmen und friedvollen Leben notwendig sind. Zu jenem Zeitpunkt, an dem die durch viele Leidenschaften getriebenen Menschen aufeinander treffen, rückt die Notwendigkeit zur Selbsterhaltung in den Vordergrund (Kapitel 11, Seite 79). Das bedeutet, dass die Menschen auf Grund der Todesfurcht bereit sind ihre Macht einem Souverän auszusprechen, um dafür ein friedvolleres Leben führen zu können, was einen Machtverzicht im Sinne des Friedens darstellt.

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Titel: Darstellung des Menschenbildes in Thomas Hobbes "Leviathan"