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Die Rolle des Lehrers um 1900

Exemplarisch dargestellt in "Unterm Rad" von Hermann Hesse

Seminararbeit 2009 16 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hermann Hesses Karriere als Schriftsteller

2. Leben und Werk

3. Inhaltsangabe Unterm Rad

4. Interpretation Unterm Rad
4.1 Die Rolle des Lehrers als Erzieher
4.2 Verhältnis der Protagonisten zu den Lehrern
4.2.1 Hans Giebenrath
4.2.2 Hermann Heilner
4.3 Autobiografische Züge

5. Zusammenfassung

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Hermann Hesses Karriere als Schriftsteller

Seinen ersten durchschlagenden Bucherfolg hatte Hesse 1904 mit seinem Roman Peter Camenzind. Hiernach konnte er als freier Schriftsteller arbeiten und leben. Bereits 1906 erschien sein ebenfalls erfolgreicher Schülerroman Unterm Rad. Mit diesem Werk reihte er sich in eine Vielzahl von Schul- und Schülerromanen ein, die um die Jahrhundertwende verfasst wurden.[1] Der Roman Unterm Rad ist sehr aufschlussreich im Hinblick auf Hesses Jugend. Das Werk enthält einige autobiografische Züge, die einen Einblick in sein Seelenleben und in das Schulwesen um 1900 gestatten. Hesses äußerst bewegtes Leben und sein schriftstellerisches Können, bewogen mich diese Arbeit zu verfassen. Die Interpretation dieses Romans macht es möglich, die Rolle des Lehrers zur damaligen Zeit und ihre Wirkung auf die Jugend kennenzulernen.

Schließlich wurde er zum gefragten Herausgeber und Rezensent, publizierte weitere Romane und Erzählungen. Der 1927 erschienene Roman Der Steppenwolf schockierte seine Leserschaft. Hier war er nicht mehr der romantische Schriftsteller mit seinen idyllischen Landschaftsbildern. Vielmehr ist das Beschriebene düster und verloren. Der Protagonist erfreut sich an Jazz und Sex, statt an rauschenden Bächen und ewigen Weiten.[2] Doch auch dieses Buch wurde zum Erfolg.

Einen Einschnitt in seine Karriere und sein Leben brachte der zweite Weltkrieg mit sich. Nach 1938 wurden seine Bücher als unerwünschte Literatur verboten. Hesse galt als Pazifist und Vaterlandsverräter, da er schon früh auf die Gefahren des Nationalsozialismus hingewiesen hatte und pazifistisches Engagement während des Krieges an den Tag legte.

Erst 1946 erhielt er den verdienten Ruhm und die Aufmerksamkeit zurück, als ihm nämlich der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde. Weitere Anerkennung als das gute Gewissen seiner Zeit erhielt er 1946 mit der Übereichung des Frankfurter Goethe Preises sowie 1955 mit der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels.

In den fünfziger Jahren noch war sein Publikum eher konservativ, die Jugend suchte während des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg nach anderer Literatur. Als er schließlich 1962 starb, würdigten die Kritiker ihn schon länger nicht mehr und der Verkauf seiner Bücher ließ stark nach. Ein paar Jahre später allerdings, Mitte der sechziger Jahre, wurden seine Werke wieder begeistert aufgenommen. Diesmal jedoch von einer revoltierenden Jugendbewegung der USA, den „Hippies“, die sich mit Hesses Werken scheinbar identifizieren konnten. Die Demonstrationen gegen den beginnenden Vietnamkrieg, sowie neu aufkommende synthetische Drogen und die Besinnung auf das seelische Gleichgewicht waren Thema dieser Jugend. Seine Ablehnung des Krieges, seine Experimente mit Drogen und seine, besonders in seinen Spätwerken niederschlagende Spiritualität machten ihn zum Vorbild einer ganzen Generation. Die amerikanische Begeisterung schlug sich rasch in europäischen und außereuropäischen Staaten nieder. Auch die deutsche Studentenbewegung der siebziger Jahre erkannte die ungeahnte Aktualität und Faszination seiner Werke. Heute wurden seine Werke in über 20 Sprachen übersetzt und Hermann Hesse ist weltweit der meistgelesene deutsche Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

2. Leben und Werk

Hermann Hesse wurde am 2.Juli 1877 in Calw (Württemberg) als Sohn eines Missionars und einer Missionarstochter geboren. Seine Eltern, Johannes und Marie Hesse, erzogen ihre 4 Kinder mit pietistisch-strenger Zucht, sie waren ausgesprochen protestantisch. Deshalb sahen sie für ihren Sohn Hermann auch das evangelisch-theologische Klosterseminar in Maulbronn zur Vorbereitung auf das Theologiestudium vor. Um dort eine kostenlose Ausbildung zu erhalten, musste Hesse das Landesexamen in Stuttgart erfolgreich durchlaufen. 1891 bestand er dieses und trat am 15.September in das Klosterseminar ein. Doch bereits 7 Monate später, am 7. März, flieht Hesse aus dem Seminar. Jedoch wurde er schon nach einem Tag wieder gefasst und im Mai endgültig aus dem Seminar entlassen.

Darauffolgend durchlief Hesse einige Stationen bei Ärzten, Pfarrern und Heilanstalten. Die schlimmste Zeit war wohl, als er nach seinem versuchten Suizid in die Nervenheilanstalt in Stetten kam. Von hieraus führte er erbitterte Auseinandersetzungen mit seinen Eltern, die stetig versuchten etwas aus ihm zu machen, was er nicht sein konnte und vor allen Dingen gar nicht sein wollte, nämlich einen Geistlichen, einen Denker, doch ihm war klar, dass er Dichter werden wollte.[3] Nach der nervenaufreibenden Zeit in der Anstalt, kam er ins Cannstatter Gymnasium, welches er jedoch nicht bestand. Es folgten eine abgebrochene Lehre als Buchhändler, ein Praktikum in einer Turmuhrenfabrik und eine erneute Ausbildung zum Buchhändler in Tübingen, die er 1889 abschloss. Hier las er viel und bildete sich privat weiter. Seine ersten Veröffentlichungen erschienen. Peter Camenzind (1904) war sein erster erfolgreicher Roman und verhalf ihm zu Ruhm und Geld. Er konnte fortan als freier Schriftsteller leben.

1911 reiste Hesse mit einem Freund nach Indien. Seine spirituellen Erfahrungen schlagen sich besonders in den Romanen Aus Indien (1903) und Siddharta (1922) nieder. Zu Beginn des ersten Weltkrieges, meldete sich Hesse, wie viele andere auch, freiwillig zum Dienst, allerdings wurde er wegen seiner Kurzsichtigkeit nicht genommen. Schnell fing er aber an die Gräuel des Krieges zu begreifen und prangerte diese öffentlich an. Er fing an in der Schweizer Kriegsgefangenenfürsorge zu arbeiten.

Es folgten einige Schicksalsschläge, wie die Erkrankung seines Sohnes und seiner damaligen Frau, wie auch der Tod des Vaters. Die Umstände führten 1916 bei Hesse zu einer tiefen seelischen Krise, die er versuchte mit einer psychotherapeutischen Behandlung zu bewältigen. Er beginnt daraufhin zu malen. Sein Hang zur Psychoanalyse, seine Zwiespältigkeit und Suche nach sich selbst machen sich unter anderem in den Werken Demian (1919) , Steppenwolf (1927) und Narziß und Goldmund (1930) bemerkbar. Sein Spätwerk Das Glasperlenspiel (1943) erschien in einem Verlag in Zürich, da er in Deutschland wegen der Verfolgung durch die Nazis keine Bücher mehr veröffentlichen konnte. 1946 erhielte er schließlich den Nobelpreis für Literatur.

Am 9. August 1962 starb Hesse im Alter von 85 Jahren an einem Gehirnschlag in Montagnola, wo er seit 1931 lebte.

3. Inhaltsangabe Unterm Rad

Der Roman Unterm Rad erzählt von einem jungen, begabten Schüler namens Hans Giebenrath in einer kleinen Stadt im Schwarzwald. Sein Vater ist nicht sehr wohlhabend, daher muss er die Chance auf ein Stipendium für das theologische Seminar in Maulbronn durch das Bestehen des Landesexamens in Stuttgart wahrnehmen. Sein Vater, der Rektor und der Pfarrer fördern ihn, auch er selbst ist sehr ehrgeizig. Einzig der Schuhmacher Flaig ist um ihn besorgt. Trotz einiger Anstrengungen und dem ausgesetzten Druck durch seine Förderer, schaffte Hans das Landesexamen als zweitbester und ist somit berechtigt in das Kloster Maulbronn einzutreten. In seinen hartverdienten Ferien plagen der Pfarrer und der Rektor ihn mit weiteren Aufgaben, um gut für das Seminar vorbereitet zu sein. Dort eingetroffen lernt er Hermann Heilner kennen, einen Schönling, Dichter und Freigeist. Die beiden verbindet ein besonderes Band, obwohl Hans sehr wohl merkt, dass er viel Zeit mit ihm verbringt, die er ins Lernen investieren sollte. Als Hermann eines Tages in eine Rauferei mit einem Mitschüler und schließlich in den Karzer gelangt, wird es Hans zu gefährlich sich mit Hermann sehen zu lassen und geht ihm aus dem Weg. Hermann ist entrüstet und beschimpft Hans als Feigling. Nach den Weihnachtsferien ertrinkt einer der Mitschüler im See. Diese Erfahrung mit dem Tod, lässt Hans seine Freundschaft zu Hermann auffrischen. Die beiden erfreuen sich ihres neu gewonnenen Bundes und verbringen noch mehr Zeit als vorher miteinander. Die Lehrer sehen die Verbindung nicht gerne, da sie um die abnehmenden Leistungen Hans besorgt sind und Hermann dafür verantwortlich machen. Abgesehen davon, dass sie solch einen widerspenstigen und extravaganten Schüler sowieso nicht leiden mögen. Der einzige, der sich anscheinend Sorgen um Hans machte war der Ephorus. Dieser befragte ihn zu seinen nachlassenden Leistungen. Hans antwortete nur, dass er Kopfweh habe und verspricht sich mehr zu bemühen. Als Hans Zustand immer schlechter wurde, zogen die Erzieher einen Arzt hinzu, der Nervenleiden diagnostiziert und Spaziergänge und Tropfen als Gegenmaßnahme vorschlägt. Doch trotz des Konsulates will es Hans nicht besser gehen und eigentlich ist es ihm auch egal. Hermann hält es indes nicht mehr im Seminar aus und reist kurzerhand aus. Schon 2 Tage später wird er gefunden und des Klosters verwiesen. Hans geht es daraufhin immer schlechter. Auch er wird nach Hause geschickt, um sich zu erholen. Hier lernt Hans Emma kennen, in die er sich verliebt und fasst den Entschluss, Mechaniker zu werden. Sein Glück ist jedoch nicht von langer Dauer. Emma verlässt das Dorf, ohne ihn zu verabschieden. Nach einer Feier mit seinen Freuden, findet man ihn ertrunken im Fluss. Keiner sah, wie es passierte. Ob es ein Unfall oder Selbstmord war, kann keiner sagen.

4. Interpretation Unterm Rad

Unters Rad kommen bedeutet soviel wie zugrunde gehen, sowohl psychisch als auch physisch. Das Buch erzählt über eben dieses Leiden eines Individuums, das dem Leistungsdruck durch seine Umwelt nicht standhalten kann und kläglich scheitert. Als Verursacher wird hier das Erziehungs- und Schulsystem der wilhelminischen Epoche angeprangert. Hesse versuchte aufzuzeigen, welchen Schaden die damalige Erziehung zu Zucht und Gehorsamkeit anrichten kann, wenn sie auf Menschen trifft, die sich nicht gut anpassen können. Das Brechen des Individuums steht hierbei im Vordergrund.

Im Folgenden liegt der Fokus auf der Darstellung sowohl der Lehrer und deren Einfluss auf die Erziehung der Jugend als auch auf dem Verhältnis, das die beiden Protagonisten des Romans, Hans Giebenrath und Hermann Heilner, zu den Lehrern haben.

4.1 Die Rolle des Lehrers als Erzieher

Zur Zeit des ersten Weltkrieges herrschte ein totalitäres politisches System vor. Dieses machte sich insbesondere im Erziehungswesen bemerkbar. Die Kinder wurden von den Lehrern mit Strenge zu Autoritätshörigkeit, Vaterlandsliebe, Ordnung und Disziplin erzogen. Für die Ausbildung einer schimmernden Persönlichkeit war kein Platz.

In Unterm Rad sind die Gestalten der Lehrer eher undeutlich. Sie werden im Roman allgemein als „die Lehrer“ oder „der Schulmeister“ bezeichnet, doch die Kritik an ihren Methoden und Denkweisen ist rigoros und entschieden. „Ein Schulmeister hat lieber einige Esel als ein Genie in seiner Klasse“[4], so wird vorgeworfen. Denn die Genies und Freidenker sind Unruhestifter. Sie haben in den Augen der Lehrer keinen Respekt vor der Obrigkeit, was zur Zeit des ersten Weltkrieges eine große Rolle spielte, schließlich wollte man gehorsame Untertanen, die dem kaiserlichen Ruf Folge leisteten, wenn es darauf ankäme. Die Aufgabe der Lehrer bestand eben nicht darin „extravagante Geister heranzubilden, sondern gute Lateiner, Rechner und Biedermänner.“[5] Für die Entfaltung der Persönlichkeit oder einer individuellen Förderung war keine Zeit. Ihre Aufgabe war die Vermittlung von Wissen und die Vorbereitung auf das theologische Seminar in Tübingen. Nicht die Person in ihrer Mannigfaltigkeit, sondern die Leistung des Schülers stand im Vordergrund. Konnte er diese nicht erbringen, war er nicht länger tragbar. So zum Beispiel als Hans nach Hause geschickt wurde, als seine schulischen Erfolge rapide abnahmen.[6] Die Ursache für den Leistungsabfall wird nicht eruiert, stattdessen wird die Schuld daran dem schlechten Einfluss Heilners zugeschrieben. Auch solche, die sich weigerten den Prinzipien des Klosters Folge zu leisten wurden ausgemustert oder gebrochen, so wie Hermann Heilner. Keiner interessierte sich für die Gründen seiner Flucht.

[...]


[1] Vgl. Mann, Heinrich: Professor Unrat; Strauß, Emil: Freund Hein

[2] Vgl. Hesse, Hermann: Der Steppenwolf. Montagnola 1955. Erste Auflage 1974

[3] Vgl. Hesse, Ninon (Hg.): Kindheit und Jugend vor Neunzehnhundert. Hermann Hesse in Briefen und Lebenszeugnissen. S. 268ff

[4] Hesse, H.: Unterm Rad. Roman. Mit einem Kommentar von Heribert Kuhn. Frankfurt a.M. 2001. S.100

[5] Hesse, H.: Unterm Rad. Roman. Mit einem Kommentar von Heribert Kuhn. Frankfurt a.M. 2001. S.100

[6] Vgl. Hesse, H.: Unterm Rad. Roman. Mit einem Kommentar von Heribert Kuhn. Frankfurt a.M. 2001. S.121f

Details

Seiten
16
Jahr
2009
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v122328
Note
13
Schlagworte
Rolle Lehrers

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