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Polnische Displaced Persons im deutschen Raum nach dem Zweiten Weltkrieg. Vom Vergessen, Erinnern und Migrieren

©2021 Referat (Ausarbeitung) 11 Seiten

Zusammenfassung

Am 8. Mai 1945 kapitulierte die deutsche Wehrmacht und der zweite Weltkrieg auf europäischem Raum endete. Mehr als 70 Millionen Menschen fanden in diesem Vernichtungskrieg ihren Tod und zwischen 10 bis 12 Millionen Menschen aus über 20 verschiedenen Ländern befanden sich nach Ende des Krieges fernab ihrer Heimat und ihre Repatriierung erwies sich als schwierig und äußerst langwierig. Es handelte sich dabei um Menschen, welche sich nicht dort befunden haben, wo sie sich in den Augen der Alliierten hätten befinden sollen, um Menschen, welche fehl am Platz zu sein schienen, Menschen, die man als "Displaced Persons" bezeichnete oder kurz: DPs. Unter ihnen befanden sich schätzungsweise über 900.000 Polinnen und Polen.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Wer sind die Displaced Persons?

DP-Camps

Allgemeines

Das Lager Bergen-Belsen

Maczkow

Historie

Kultur

Bildung

Religion

Gesundheitswesen

Arbeitslosigkeit

Das Ende von Maczkow

Erfahrungsberichte

DP-Zeitungen

Interessensfragen

Literaturverzeichnis

Wer sind die Displaced Persons?

Am 8. Mai 1945 kapitulierte die deutsche Wehrmacht und der zweite Weltkrieg auf europaischem Raum endete. Mehr als 70 Millionen Menschen fanden in diesem Vernichtungskrieg ihren Tod und zwischen 10 bis 12 Millionen Menschen aus uber 20 verschiedenen Landern befanden sich nach Ende des Krieges fernab ihrer Heimat und ihre Repatriierung erwies sich als schwierig und auBerst langwierig1. Es handelte sich dabei um Menschen, welche sich nicht dort befunden haben, wo sie sich in den Augen der Alliierten hatten befinden sollen, um Menschen, welche fehl am Platz zu sein schienen, Menschen, die man als „Displaced Persons“ bezeichnete oder kurz: DPs. Unter ihnen befanden sich schatzungsweise uber 900.000 Polinnen und Polen2.

DP-Camps

Allgemeines

Um die Ruckfuhrung in ihre Heimat leichter organisieren zu konnen, wurden sie auf den von den Achsenmachten aufgeteilten und besetzten Deutschen und Osterreichischen Gebieten in einer Vielzahl von „DP-Camps“ untergebracht. Da die infrastrukturellen Gegebenheiten es hergaben und diese Camps schnellstmoglich errichten werden sollten, wurden bereits existierende Einrichtungen und Gebaude genutzt. So dienten ehemalige Kasernen der nationalsozialistischen Streitkrafte, Konzentrationslager und

Kriegsgefangenenlager aber auch private Wohnungen, Hotels oder Krankenhauser als DP-Lager; so auch die Wehrmachtskaserne nahe des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Mehr als 10.000 Personen aus Polen, alles ehemalige Zwangsarbeitende, KZ-Haftlinge oder Kriegsgefangene, befanden sich ein Jahr lang im Camp Bergen-Belsen. Bei diesen Heimatvertriebenen handelte es sich fast ausschlieBlich um Polen, welche nicht in das polnische Nationalgebiet zuruckkehren wollten3. Der Grund dafur war vor Allem die durch die Sowjetunion neu eingesetzte kommunistische Regierung in ihrer Heimat. Die Meinungen uber ihre Ruckkehr waren zwiegespalten: Die Warschauer Regierung wollte die DPs moglichst schnell wieder in Polen wissen, wohingegen die nationalpolnische Exilregierung in London vor einer Ruckkehr in das nunmehr kommunistische Polen warnte. Der „Dziennik Polski“, eine DP-Zeitung, berichtet bereits zu Beginn der Lagergrundung und der Repatriierungsbestrebungen uber den Zustand des polnischen Vaterlands. So spiegelt ein Interview mit einem Polen, welcher zur Erledigung personlicher Angelegenheiten zwischenzeitlich aus der Heimat nach Deutschland zuruckgekehrt war, die Lage, in welcher sich das polnische Vaterland befand, wider. Seine Schilderungen umfassen unter anderem die laut ihm angespannte Situation und die Veranderung durch die Anwesenheit und Macht der Sowjets. Seine Ausfuhrungen sprechen von gewaltsamen Ubergriffen uber Polnische Staatsburger. Gleichzeitig wird auch der Mangel an polnischen Fachkraften und Burgern im eigenen Land erwahnt, sodass eine Ruckkehr ins Vaterland dem Staate und der polnischen Bevolkerung nutzen wurde4. Auch hier zeigt sich wieder der Zwiespalt der Polen: Ist die individuelle Freiheit fernab der Heimat wichtiger oder sollte die Einheit im Nationalstaat und somit die Ruckkehr trotz der Repressalien der neuen Besatzer dem eigenen Wohl ubergeordnet werden?

Das Lager Bergen-Belsen

So stellten im Lager Bergen-Belsen die Polen, wie in vielen anderen Lagern auch, selbst ein eigenes Komitee, dass die Selbstverwaltung gewahrleisten sollte. Es entwickelte sich eine Art Parallelgesellschaft im deutschen Staat: In diesem DP- Camp wurde ein nahezu vollstandiges offentliches Leben wiederhergestellt. Kindergarten, Schulen und Kurse zur beruflichen Weiterentwicklung wurden gebildet, Tageszeitungen wurden zur Informationsquelle der Lagerbewohnenden und auch die Religion, welche die Polen nicht missen wollten, wurde verstarkt ausgeubt. Kulturelle Aktivitaten waren mithilfe der Errichtung von Choren, Musikkapellen, Kunstausstellungen, Kabaretts FuBballmannschaften und anderen sportlichen Vereinigungen wiederbelebt worden. All jenes geschah unter dem Aspekt der Selbstbestimmung, etwas, was unter nationalsozialistischer Herrschaft unmoglich war. Um die Graueltaten der NS-Diktatur nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, wurde im Lager selbst ein Komitee zur Dokumentation der Naziverbrechen einberufen. Im September 1946 wurde das Lager aufgelost und die Lagerbewohner wurden auf andere DP-Camps in der britischen Besatzungszone verteilt5.

[...]


1 Siehe Wetzel: Displaced Persons (DPs) 26.03.2021.

2 Siehe Ruchniewicz: Die "Displaced Persons" (DPs) 05.03.2021.

3 Siehe o. V.: Displaced Persons Camp (1945-1950). 26.03.2021.

4 Vgl. o.V.: Wywiad o stosunkach w Polsce. (1945, 9. Juli). Dziennik Polski, Seiten 3-4.

5 Siehe o. V.: Displaced Persons Camp (1945-1950). 26.03.2021.

Details

Seiten
11
Jahr
2021
ISBN (PDF)
9783346655721
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Erscheinungsdatum
2022 (Juni)
Note
2,3
Schlagworte
Displaced Persons DP Polen Zweiter Weltkrieg
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