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Fischwirtschaft und Aquakultur in Thailand

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 31 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Fischwirtschaft in Thailand: Die Seefischerei
2.1 Entwicklungsphasen
2.2 Aktuelle Trends der Fischwirtschaft
2.3 Organisationsstruktur der Fischerei auf nationaler Ebene

3. Die Fischwirtschaft in Thailand: Die Aquakultur
3.1 Historie der kultivierten Spezies in Thailand
3.2 Entwicklungsphasen der Garnelen-Aquakultur
3.3 Ökonomische Effekte
3.4 Heutige Situation und Prognosen
3.5 Ökologische Effekte
3.5.1 Die Mangrovenzerstörung
3.5.2 Die Grundwasserentnahme
3.5.3 Chemikalien

4. Pläne, Strategien und Gesetze zur nachhaltigen Fischwirtschaft
4.1 Fisheries Act
4.2 Code of Conduct CoC
4.3 Andere Dokumente im Zusammenhang mit dem CoC
4.4 The National Economic and Social Development Plan

5. Fischversorgung durch Kleinbetriebe
5.1 Ländliche Kleinbetriebe der Aquakultur
5.2 „The School Fishpond Project“
5.3 Auswirkungen des Tsunamis auf Kleinbetriebe

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Ringwade

Abbildung 2: Die ausschließliche Wirtschaftszone Thailands

Abbildung 3: Führende Fischfangnationen 2001

Abbildung 4: Entwicklung und Prognosen der modernen Fangfischerei

Abbildung 5: Gesamte Exportwerte und jährlich relative Wachstumsrate

Abbildung 6: Organisationsstruktur der thailändischen Fischerei

Abbildung 7: Aquakultur in Thailand

Abbildung 8: Anstieg der Produktion in der Aquakultur

Abbildung 9: Differenzierung der Produktion in Spezies

Abbildung 10: Der Weltgarnelenmarkt 1996: Produktions- und Importländer

Tabelle 1: Hauptfanggebiete und Fangmengen Thailands

Tabelle 2: Garnelenproduktion in Thailand 1972 – 1993

Tabelle 3: Die Top Ten der Aquakulturproduzenten

Tabelle 4: Fisch aus der Aquakultur: aktuelle Daten und Vorhersagen je Region

Tabelle 5: Durchschnittlicher Preis von Süßwasserspezies 2000

Tabelle 6: Produktionsstatistik unter dem School fishpond program 2000

Tabelle 7: Betroffene Provinzen des Tsunamis 2004

1. Einleitung

Ein altes Sprichwort der thailändischen Bauern lautet: „Heute morgen aß ich Reis und Fisch, heute abend esse ich Fisch und Reis“ (LING 1977: XIV). Die- ses Sprichwort drückt aus, welch elementarer Bedeutung neben dem Reis auch dem Fisch und anderen Meeresfrüchten in der Ernährung für die thai- ländische Bevölkerung zukam und auch heute noch zukommt. Aus einer ur- alten Tradition im Fischfang entwickelte sich die Subsistenzwirtschaft über die Jahrhunderte bis heute zu einer aufstrebenden, marktorientierten Export- industrie.

Doch die marktorientierte Exportindustrie führt zu einer zunehmenden Über- fischung der Weltmeere. Fangeinbußen sind die Folge und lassen die Preise auf dem Weltmarkt ansteigen. Der Mensch entzieht sich selbst dadurch nicht nur seine eigene Wirtschaftsgrundlage, sondern auch den Eiweißvorrat als Grundversorgung. Neben verbessertem Management, einem Verhaltensko- dex für die Fischerei und weiteren Vorschlägen für eine nachhaltige Entwick- lung der Bewirtschaftung der Weltmeere, spielt die anthropogen kontrollier- bare Aquakultur als „Blaue Revolution“ eine führende Rolle in der zukünftigen Kompensation der Fangeinbußen. Doch welche Auswirkungen ökonomi- scher, ökologischer und sozialer Art durch die Aquakultur auftreten und ob die kontrollierte Produktion von aquatischen Organismen wirklich die Lösung aller Probleme darstellt, soll im Folgenden analysiert und beurteilt werden.

2. Die Fischwirtschaft in Thailand: Die Seefischerei

2.1 Entwicklungsphasen

Die Fischwirtschaft zählt zum bedeutendsten Bereich der Nahrungswirt- schaft und Rohstoffgewinnung in Thailand. Laut UTHOFF (1991: 223 ff) lässt sich die Entwicklung dieses Wirtschaftzweiges zu einer der bedeutendsten Hochseefischereinationen in drei Phasen aufteilen.

Phase I: bis 1960

Die traditionelle marine Fischerei in Thailand beschränkte sich bis 1960 auf die Flachwassergebiete an den Küsten des Golfes von Thailand und auf die Mangrovensümpfe an der Westküste Malakkas am Andamischen Meer. Die Fischgründe betrugen etwa 20 m Tiefe, wobei „gondelartige Langboote“ (UTHOFF 1991: 224) als meist unmotorisierte Fangfahrzeuge eingesetzt wur- den. Traditionelle Fanggeräte wie Reusen, Körbe, Haken und Leinen, einfa- che Hebe-, Wurf-, Schiebe-, und Stellnetze, Harken und Dredgen sowie Bambus-Fischzäune und Bambus-Fischfallen dienten primär zur Fischver- sorgung als Subsistenzwirtschaft mit niedriger Produktivität (UTHOFF 1991: 224).

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann die Motorisierung mit Außen- bordern und damit eine Zunahme der Bootslänge auf 10 bis 14 m Länge.

Erst mit der Einführung der Ringwade als neues Fanggerät wurde es nun möglich auch pelagische Arten bis in eine Tiefe von 50 m zu erreichen. Dabei schließt sich, wie in Abbildung 1 dargestellt, ein Netz mit einer Größe von bis zu 2000 Meter Länge und 200 Meter Höhe ringförmig um einen Fisch- schwarm, welches unten zugezogen wird (GREENPEACE 2004: 2).

Mit zusätzlicher Hilfe von Treib- und Stellnetzen aus Nylon erreichte Thai- land Anlandungen von rund 150.000 t, wobei die kommerziell tätigen Fischer in den 50er Jahren auf etwa 32.000 geschätzt wurden (UTHOFF 1991: 224).

Da die Produktivität bis 1960 auf diesem Niveau verharrte, die Bevölkerung jedoch um 42 % bzw. 8 Millionen Menschen zunahm, wurde die Proteinversorgung durch den Fischfang nicht mehr ausreichend gewährleistet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Ringwade (Quelle: GREENPEACE 2004: 2)

Phase II: 1961 bis 1987

Ein bedeutender Einschnitt in der Entwicklung der thailändischen Fischerei vollzog sich mit der Einführung der Schleppnetzfischerei durch eine Gruppe deutscher Fischereiexperten, die mit dem thailändischen „Department of Fisheries“ (DoF) zusammenarbeiteten. Im Rahmen einer bilateralen Entwick- lungshilfe wurde der Grundstein für die Nutzung des reichen Grundfischvor- kommens im Golf von Thailand und auf dem Sunda-Schelf gelegt. Mit der Einführung von Scherbrettschleppnetzen (Ottertrawl), Baumkurren (Beamtrawl) und Gespannschleppnetzen (Pairtrawl), erreichten die Fischer spektakuläre Fangerträge von 300 kg/Stunde. Das Land erfuhr einen immen- sen Investitionsschub, wodurch die Zahl der Trawler von null im Jahr 1960 auf rund 10.000 bis zum Jahr 1982 anstieg (UTHOFF 1991: 225).

Die Zunahme an Trawlern führte dazu, dass sich nun die Fischversorgung grundlegend verbesserte und durch die großen Anlandemengen zu einer exportorientierten Fisch-(verarbeitenden)industrie führte. Jedoch zeichnete sich nach den viel versprechenden Anfangsjahren eine Überfischungsten- denz ab, der ein rapider Rückgang der Fangmengen folgte. Die noch im Jahr 1960 erreichten 300 kg/ Stunde sanken bis zum Jahr 1975 auf 47 kg/Stunde (UTHOFF 1991: 227). Dennoch kann diese Phase zwischen 1960 und 1977 mit einer jährlichen Zuwachsrate von 18,1 % als die produktivste bezeichnet werden.

An diesem wirtschaftlichen Erfolg konnten allerdings die traditionellen Küs- tenfischer nicht partizipieren, da sie nicht die nötigen Kenntnisse über den küstenfernen Grundfischfang besaßen. Der Beginn des bis heute existieren- den dualen Systems in der Fischwirtschaft war somit besiegelt und führte unter anderem zu einem sozialen Konfliktpotenzial.

Durch die einhergehende personelle, institutionelle und finanzielle Trennung der „familiär oder nachbarschaftlich organisierten kleinen Küstenfischerei und der kapitalintensiven Hochsee- und Fernfischerei“ (UTHOFF 1999: 63), ent- standen Spannungen. Arbeitsintensive aber ertragsarme Fischereihaushalte existieren parallel zu einer von finanzstarken Investoren oder Kapitalgesell- schaften getragenen kapitalintensiven und marktorientierten Hochseefische- rei (UTHOFF 1991: 226). So verzeichneten 1987 70% der Fischer nur 16% der Fangmengen (UTHOFF 1991: 226).

Die industrielle Hochseefischerei setzte neben innovativen Fangtechniken bei sinkenden Erträgen ihren Erfolg auf eine Expansion der Fangreisen, wel- che bis zum Golf von Bengalen oder sogar bis an die Küsten Chinas, Austra- liens und Ostafrikas reichten. Etwa Mitte der siebziger Jahre wurde ca. die Hälfte der Fangerträge in fremden Gebieten gefischt und „das Fangrecht des Stärkeren galt uneingeschränkt“ (UTHOFF 1999: 64).

Das Ende der ungehinderten Expansion der thailändischen Hochseefischerei wurde 1977 bis 1980 mit der Proklamierung der 200 Seemeilen-Wirtschafts- zonen bzw. ausschließliche Wirtschaftszone (EEZ) besiegelt. Diese Begren- zung war das Konferenzergebnis der Dritten UN Seerechtskonferenz.

Phase III: seit 1987

Obwohl das Seerechtsübereinkommen die uneingeschränkte Ressourcen- nutzung der Meere erst 1994 formal beendete, hatten bereits viele Küsten- staaten die Inhalte durch Erklärungen noch bis 1980 vorweggenommen. Das Fischereirecht sah nun eine Aufteilung der seewärts anschließenden Flächen in drei Raumkategorien mit unterschiedlichen Souveränitäts- und Nutzungs- rechten vor (aus UTHOFF 1999: 64f) :

1. Das Küstenmeer (terriotal sea): umfasst einen von der Niedrigwasserlinie oder geraden Basislinien seewärts ausgehenden Streifen von maximal 12 sm (1 sm = 1 Seemeile =1852,0 m) Brei- te. Untergrund, Meeresboden, Wassersäule, Wasserober- fläche und Luftraum darüber unterstehen hier der vollen Souveränität des Küstenstaates. Nutzung und Bewirt- schaftung der lebenden marinen Ressourcen liegen allein in seiner Zuständigkeit und Verantwortung.
2. Die ausschließliche Wirtschaftszone (exclusiv economic zone EEZ): die 200sm beinhalten das Recht zur exklusiven fischereilichen Nutzung des Staates, wobei diese nach den Konvensarti- keln 61 bis 70 nicht uneingeschränkt ablaufen darf, son- dern eine optimale Bestandsnutzung garantiert werden muss.
3. Die hohe See (high seas): Zu dieser dritten Raumkategorien wird das Ge- biet außerhalb der national zugeordneten Meeresflächen gezählt. Anders wie vor der Einführung des Fischerei- rechts gilt hier jetzt die Pflicht zur internationalen Zusam- menarbeit bei der Erhaltung und Bewirtschaftung der Be- stände, die Festlegung von Fangobergrenzen, die Einfüh- rung von Schutzmaßnahmen zur Sicherung nachhaltiger Nutzung, Informationspflicht über Forschungsergebnisse, Fangmengen und Befischungsintensitäten sowie eine An- tidiskriminierungsverpflichtung gegenüber anderen in die- ser Zone aktiven Fischereinationen.

Die ausschließliche Wirtschaftszone besitzt wohl die größte Bedeutung. Die nationalisierten Gebiete verfügen über hochproduktive Bereiche, wie im Falle Thailands beispielsweise der Mangroven. Rund 325.000 km² zählen zu der EEZ Thailands (siehe Abbildung 2) auf deren Fläche sich die Fernfischerei- flotte zurückziehen müsste.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 : Die ausschließliche Wirtschaftszone Thailands (EEZ) (Quelle: UTHOFF 1991: 230)

Der 5th.National Economic and Social Development Plan (1982-1986) sah eine Produktivitätssteigerung im Fischereisektor vor, welche mit den Fisch- beständen der eigenen EEZ nicht zu erreichen war. Bilaterale Fischereiab- kommen mit anderen Staaten machten es möglich, deren marine Ressour- cen zu nutzen. Allerdings ist die Grenze zwischen vereinbarten Fangmengen und Raubfischerei meist fließend. Wie weit verbreitet eine durch wirtschaftli- che Interessen geförderte Triebkraft für Seerechtsverletzungen reicht, wird deutlich durch die Tatsache, dass die Schaffung eines Fonds stattfand, der den Freikauf von festgesetzten Fischern ermöglichen sollte (UTHOFF 1991: 231).

Im Jahr 1995 wurde zuletzt ein Maximum der Fangleistung erzielt. Zu diesem Zeitpunkt zählte Thailand 53.000 Fischereiunternehmen mit 161.667 be- schäftigten Fischern, die mit 54.538 Fangbooten ausgerüstet waren (nach: Internet 1, 2006).

Tabelle 1 verdeutlicht, in welchen Provinzen Thailands im Jahr 1996 welche Mengen an Fisch gefangen wurde. Die Zahlen beziehen sich auf die marine Fischerei. Deutlich wird bei einem Blick auf die thailändische Karte, dass die ergiebigeren Fangmengen in den Provinzen der Ostküste erreicht wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Führende Fischfangnationen 2001 (Quelle: THE WORLD BANK 2004: 19)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Hauptfanggebiete und Fangmengen Thai- lands (Quelle: Internet 1, 2006)

Heute zählt Thailand zu den Top Ten der Fischfangnationen (Abbildung 3). China erreichte mit 16, 6 Millionen t im Jahr 2002 mit Abstand Platz 1 der Rangliste, wobei Thailand den neunten Platz mit 2,9 Millionen t im Jahr ver- zeichnen kann (FAO 2004:9). Thailand hatte 2001 einen Anteil an den welt- weiten Fangmengen von 3% erreicht.

Das Land zählte seit den 80er Jahren zu den stärksten Thunfischfangnatio- nen. Dosenthunfisch wurde zum Exportschlager für Japan, den USA und der EU. Allerdings begann Thailand 1995 mit dem verstärkten Import von rohem, nicht weiter verarbeitetem Thunfisch aus Indonesien und Chinesisch-Taipee. Durch Weiterverarbeitung erreichte Thailand eine erhöhte Wertschöpfung und zählt heute mit etwa 80 % Importanteil von Thunfisch somit neben Japan zu den größten Thunfisch-Importländern (OECD 2005: 46).

2.2 Aktuelle Trends der Fischwirtschaft:

Nach einem Bericht von GARCIA & GRAINGER (2005: 4) ist die Überfischung der Meere nicht nur im Falle Thailands ein Problem. Die demographische Entwicklung der Erde wird weiterhin anwachsen – die maximal möglichen Fangmengen jedoch nicht (Abbildung 4). Im Falle Thailands sanken die stündlichen Fangmengen im Golf von Thailand zwischen 1961 und 1999 von 250 kg auf gerade einmal 18kg. Ein scheinbarer, kurzfristiger Anstieg der Fangmengen lässt sich mit dem Fang kleinerer und minderwertiger Fische erklären.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 : Entwicklung und Prognosen der marinen Fangfischerei (Quelle: GARCIA & GRAINGER 2005:25)

Mit dem tendenziell sinkenden Angebot (gerade Linie in Abbildung 5), wird die anhaltende Nachfrage, besonders aus den Industriestaaten, den Preis des Fisches ansteigen lassen (Abbildung 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 : Gesamte Exportwerte und jährlich relative Wachstumsrate (Quelle: GARCIA & GRAINGER 2005:27)

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Details

Seiten
31
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640278909
ISBN (Buch)
9783640282883
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v122536
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Geographisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Suedostasien Wirtschaft Fischerei Thailand Fischwirtschaft Gefahren Aquakultur Shrimps

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Titel: Fischwirtschaft und Aquakultur in Thailand