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Verhaltens- und Lernschwierigkeiten

Seminararbeit 2003 23 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsangabe

1 Einleitung1

2 Begriffsklärung

3 Klassifikation der Erziehungsschwierigkeiten
3.1 Verhaltens- und Lernschwierigkeiten (ORTNER/ORTNER)
3.2 Auftretende Erziehungsschwierigkeiten (SCHRÖDER)
3.3 Phänomenologische deskriptive Klassifikation (HAVERS)

4 Ursachen
4.1 Endogene Ursachen
4.2 Exogene Ursachen
4.3 Theoretische Erklärungsmodelle
4.3.1 Tiefenpsychologische Erklärungsversuche
4.3.2 Lerntheoretische Erklärungsmodelle

5 Maßnahmen
5.1 Ursachenforschung
5.2 Pädagogische Hilfeleistungen (nach ORTNER)
5.3 Vorbeugungs- und Gegenmaßnahmen (nach SCHRÖDER)

6 Verhaltensmodifikation (MUTZECK)
6.1 Definition
6.2 Aufbau und Aufrechterhaltung von Verhalten
6.3 Reduktion bzw. Beseitigung von Verhalten
6.4 Verhaltensmodifikationen in der pädagogischen Praxis
6.5 Grenzen der Verhaltensmodifikation

7 Schlußbemerkung

1 Einleitung

„Wie kann man da noch unterrichten?“, so lautet der Titel eine Aufsatzes von Reinhold ORTNER über Verhaltens- und Lernschwierigkeiten in der Schule.

Die Zahl der Kinder mit Verhaltens- oder Lernschwierigkeiten nimmt immer mehr zu; nach Meinung des Deutschen Kinderschutzbundes leidet heute beinahe jedes fünfte Kind an leichteren bis schwereren psychischen Erkrankungen. Hinzu kommt noch eine ansteigende Anzahl von körperlich oder psychisch mißhandelten Kindern in unserer Gesellschaft.

Jedoch ist das Problem nicht ein Problem der heutigen Zeit. Verhaltens- und Lernschwierigkeiten gab es schon immer, wenn wir nur (an die pädagogisch sicherlich fragwürdige) Typisierung im „Struwelpeter“ im 19. Jahrhundert denken.

Heute müssen Lehrkräfte aber differenzierter, sachgerechter und verständnisvoller an diese Probleme herangehen und mit diesen Problemen umgehen; in der pädagogischen Betreuung von Schülerinnen und Schüler müssen neue Akzente gesetzt werden.

In der nun folgenden Arbeit soll beleuchtet werden, wie sich die Grundschule der Herausforderung durch Verhaltens- und Lernschwierigkeiten der anvertrauten Kinder stellt.

2 Begriffsklärung

Es ist keine einheitliche Terminologie vorhanden:

- Erziehungsschwierigkeiten (HAVERS)
- Verhaltensstörungen (KLAUER)
- Verhaltensauffälligkeiten (EISERT & BARKEY); aber: auffällig bedeutet nicht gleich problematisch
- Erziehungsweisen undisziplinierten Verhaltens (HORNEY & MÜLLER)
- Disziplinschwierigkeiten (OTTO); aber: nicht alle problematischen Verhaltensweisen sind Verstöße gegen die Disziplin
- abweichendes Schülerverhalten (DOMKE)
- Entwicklungsstörungen (HANSELMANN)
- Schulschwierigkeiten (HANKE/HUBER/MANDL)

Der in dieser Arbeit verwendete Begriff der Verhaltens- und Lernschwierigkeiten (ORTNER) versteht sich als übergeordneter Begriff.

Definitionen:

HAVERS: „Unter Erziehungsschwierigkeiten verstehen man eine Regelüberschreitung eines Schülers, die von einem schulischen Erzieher wahrgenommen und als störend und unangemessen beurteilt wird.“

SCHUMACHER: „Verhaltensgestört sollten man einen Schüler nennen, dessen Gesamtverhalten - unter Berücksichtigung einer gewissen Variationsbreite - von dem des durchschnittlichen Schülers in habitueller (=gewohnheitsmäßiger, ständiger) Form abweicht. Er fällt dadurch seiner Umwelt auf und beeinträchtigt das Schulleben.“

HANDBUCH DER SCHULBERATUNG:

Verhaltensstörung liegt vor, wenn auffällige Verhaltensmuster

- immer wieder auftreten
- meistens mehrfach bedingt sind (Entwicklung, Milieu, hirnorganische Schädigungen,...), also nicht monokausal sind
- den Betroffenen selbst erhebliche Interaktionsprobleme bzw. Konflikte mit der Umwelt einbringen
- ebenso die Umwelt erheblich störend beeinträchtigen

SCHIEßL: Verhaltensauffälligkeiten oder Verhaltensstörungen sind Erwartungsabweichungen bzw. Fehlleistungen von Schülerinnen und Schüler in bezug auf gültige Normen und Werte in unserer Gesellschaft.

3 Klassifikation der Erziehungsschwierigkeiten

3.1 Verhaltens- und Lernschwierigkeiten (ORTNER/ORTNER)

Verhaltens- und Lernschwierigkeiten begegnen uns in einer Vielzahl von Ausdrucksformen und können wie folgt systematisch eingeteilt werden:

- Körperliche Auffälligkeiten und Behinderungen
- Beeinträchtigungen im „normalen Aussehen“
- Funktionseinschränkungen im körperlich-peripheren Bereich
- Zentral bedingte funktionale Beeinträchtigungen
- Epilepsie, epileptisch bedingte Ausfälle
- Frühkindliche Hirnschädigungen
- Minimale zelebrale Dysfunktion
- Hyperthyreose
- Anomale Gewohnheiten im körperlichen Bereich, die psychisch bedingt sind
- Daumenlutschen
- Nägelkauen
- Haareausreißen
- Einnässen
- Störungen des Gefühlsleben und der Grundstimmung (Selbstkompetenz)
- Hyperthymie
- Minderwertigkeitsgefühle
- Depressionen
- Angst
- Motivatons-/Aktivitätsschwierigkeiten
- Antriebsarmut
- Tagträumen/Wachträumen
- Schwierigkeiten in der sozialen Integration in eine Gruppe/Klasse (Sozialkompetenz)
- gegen die Umwelt gerichtete Verhaltensweisen (z.B.: Aggression, Trotz, Lügen, Stehlen, Stören des Unterrichts)
- Absonderung von der Umwelt (z.B.: Schüchternheit, Manismus, Autismus)
- besondere schulische Problemfälle
- Clownerei, Klassenkaspar
- zu große Anpassung
- Konzentrationsschwierigkeiten
- despektierliches Verhalten
- Schulschwänzen
- Schulversagen
- Vernachlässigung der Hausaufgaben
- Überbehütung
- spezielle Lernschwierigkeiten: Sprach-/Sprechschwierigkeiten
- verzögerte Sprach- und Sprechentwicklung
- Dysgrammatismus
- Poltern
- Näseln
- Stammeln
- Stottern
- spezielle Lernschwierigkeiten: Besondere (komplexe) Lernschwierigkeiten
- Lese- und Rechtschreibschwäche
- Rechenschwäche

Diese Kategorisierung und Differenzierung läßt sich bei manchen Schwierigkeiten relativ deutlich vornehmen (z.B.: bei Sprach- und Sprechschwierigkeiten), muß aber in anderen Fällen immer auch integrativ gesehen werden.

Überschneidungen und Verflechtungen zeigen immer wieder variablen Syndromcharakter.

3.2 Auftretende Erziehungsschwierigkeiten (SCHRÖDER)

Das Verhalten von Schülerinnen und Schülern zeigt oft Formen, die sich als Folgen von Erziehungsschwierigkeiten ergeben und gleichzeitig die Verwirklichung des Erziehungsauftrages erschweren.

- Widerstand und Trotz
- sind eigentlich normale Entwicklungserscheinungen, da die Jugendlichen für die eigene Persönlichkeitsentwicklung die Ablösung von der Familie und von Fremdsteuerung bedürfen
- Gefahr bei Totalisierung (generelles Trotzverhalten, prinzipieller Widerstand)
- Gefahr bei der Entwicklung eines negativen Gruppengeistes (Auflehnung und Verweigerung schafft Ansehen bei den Mitschülerinnen und Mitschülern)
- Schulangst und Angstverhalten
- Erregungs- und Spannungszustand, dessen Ursprung nicht eindeutig bestimmt werden
kann
- Physiologische Kennzeichen: Verstärkte Pulsfrequenz, Adrenalinausschüttung,
Harndrang, erhöhter Muskeltonus, Unruhe, Zittern
- Seelisch-geistige Kennzeichen: negatives Selbstbild, mangelndes Selbstvertrauen, verringertes Anspruchsniveau, leichte Beeinflußbarkeit, Kausalttribuierung bei Erfolg/Mißerfolg

[...]

Details

Seiten
23
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638182065
ISBN (Buch)
9783638642330
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v12280
Institution / Hochschule
Universität Regensburg – Philosophische Fakultät - Grundschulpädagogik
Note
3
Schlagworte
Verhaltens- Lernschwierigkeiten Seminar Lern- Verhaltensschwierigkeiten

Autor

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