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Das Offene Forum Tourismus - Möglichkeiten der Einbindung in formelle und informelle Instrumente der Planung

Studienarbeit 2002 40 Seiten

Tourismus - Sonstiges

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Tourismus
2.1 Definition des Begriffs „Tourismus“
2.2 Auswirkungen des Tourismus
2.2.1 Der nachhaltige Tourismus
2.3 Fazit

3 Das Offene Forum Tourismus
3.1 Vorbereitungen für die Durchführung eines OFT
3.2 Die Phasen des Offenen Forum Tourismus
3.3 Exkurs: Das Produkt „Urlaub“
3.4 Die Akteure des Offenen Forum Tourismus
3.5 Ablauf des Offenen Forum Tourismus
3.6 Fazit

4 Möglichkeiten der Einbindung von OFT-Ergebnissen in die Planung
4.1 Formelle und informelle Instrumente der Planung
4.1.1 Formelle Instrumente auf Landes- und Regionalebene
4.1.1.1 Einbindung der OFT-Ergebnisse in die Raum- ordnungspläne der Länder und Regionen
4.1.2 Formelle Instrumente auf Gemeindeebene
4.1.2.1 Einbindung der OFT-Ergebnisse in die Bauleitplanung
4.2 Beispiele für informelle Planungsinstrumente
4.3 Einbindung der OFT-Ergebnisse in informelle Planungs-instrumente
4.4 Fazit

5 Fazit und Perspektiven

6 Quellenverzeichnis
6.1 Literaturverzeichnis
6.2 Gesetzestexte
6.3 Graue Literatur

7 Abbildungsverzeichnis

8 Anhang

1 Einleitung

Trotz Wirtschaftskrisen und politi- scher Unruhen ist der Tourismus weiterhin einer der wachstums- stärksten Wirtschaftszweige welt- weit. Neben seinen positiven öko- nomischen und kulturellen Effek- ten ist aber darauf zu achten, dass der Tourismus in seiner Aus- prägung die altgewachsenen kul- turellen Bräuche einer Destination nicht überprägt und die natur- räumlichen Besonderheiten auf Dauer gefährdet. Spätestens seit der Rio-Konferenz 1992 gilt der Grundsatz der Nachhaltigkeit auch für den Tourismus. Dieses Be- wusstsein erfordert ganzheitliche Tourismuskonzepte, die die posi- tiven Effekte nutzen und dabei die negativen Auswirkungen vermei- den.

Das Offene Forum Tourismus (OFT) bringt alle relevant am Tourismus beteiligten Akteure zu- sammen an einen Tisch, um mit Ihnen ein mittel- bis langfristiges Konzept zu erarbeiten. Dabei sol- len einerseits die negativen Ef- fekte des Tourismus vermieden werden, andererseits bietet diese Kommunikationsplattform aber auch Möglichkeiten, die positiven Auswirkungen weiter auszubauen, indem Synergieeffekte genutzt werden.

In den bisher durchgeführten Of- fenen Forum in Deutschland wa- ren Planer nur selten vertreten. Die Ergebnisse wurden zwar oft- mals als Tourismuskonzepte bzw.

-leitbilder veröffentlicht, allerdings fand keine Verknüpfung mit for- mellen und informellen Instru- menten der Planung statt.

Thema dieses Vertiefungsent- wurfes ist es, die Möglichkeiten der Verknüpfung aufzuzeigen, um die Inhalte der Tourismuskon- zepte durch Instrumente der Pla- nung zu sichern. Dabei geht es einerseits um die verbindliche Festsetzung in den Raumord- nungsplänen der Länder, der Re- gionen und der Kommunen, an- dererseits aber auch um die Ver- bindung mit informellen Instru- menten zur Entwicklung des ge- wählten Raumes (z. B. Regionale Entwicklungskonzepte).

Da die Offenen Foren ein verhält- nismäßig neues Instrument der Tourismusentwicklung ist, stellte sich die Literaturrecherche als schwierig heraus. Die Darstellung des OFT basiert im wesentlichen auf der Veröffentlichung „Neues Denken im Tourismus“ aus dem Jahr 1989. Hier wurde das Offene Forum Tourismus jedoch aus- schließlich als ökonomisches In-

strument zur Optimierung des Tourismus verstanden. Der nach- haltige Charakter dieses Forums wurde hier (noch) nicht erkannt.

Weitere Informationen wurden von den Unternehmen zur Verfü- gung gestellt, die die bisherigen OFTs in Deutschland moderiert haben. An dieser Stelle sei Ihnen allen nochmals gedankt, insbe- sondere der Geyer & Bauer Un- ternehmensberatung GmbH in I- sernhagen, der FUTOUR Umwelt-, Tourismus-, und Regionalbera- tung GmbH & Co. KG in München sowie der BTE Tourismusmana- gement, Regionalentwicklung in Hannover für ihre ausführlichen Informationen.

Um einen Überblick über die bis- her durchgeführten OFT zu erstellen, wurden die Tourismus- verbände der Länder kontaktiert. Da in einigen Verbänden das Of- fene Forum Tourismus unbekannt war, wurde mehrfach nach den Ergebnissen dieses Vertiefungs- entwurfs gebeten. In der Annah- me, dass den meisten Mitarbei- tern die Planungsinstrumente nicht bzw. weniger vertraut seien, habe ich daher die Planungsin- strumente etwas ausführlicher vorgestellt, als es für diese Ver- tiefungsstudie notwendig wäre.

Nils Jagnow, September 2002

2 Tourismus

Im folgenden Kapitel wird der Begriff Tourismus näher definiert. Aus ihm wird das Produkt Urlaub und seine Komponenten abgelei- tet. Im Anschluss daran werden sowohl die positiven als auch die negativen Auswirkungen des Tou-

rismus aufgezeigt. Abschließend wird der Ansatz der nachhaltigen Tourismuskonzepte vorgestellt, durch die die negativen Auswir- kungen des Tourismus reduziert bzw. vermieden werden können.

2.1 Definition des Begriffs „Tourismus“

Der Begriff „Tourismus“ wird in der deutschen Sprache synonym zu den Begriffen Touristik, Frem- den-, Gäste- und Reiseverkehr verwendet, wobei sich „Touris- mus“ immer weiter in Literatur und Praxis durchsetzt. Da der Begriff in der Literatur unter- schiedlich angewendet wird, fällt eine eindeutige Definition schwer. Neben der Begriffsbestimmung als einfacher Ortswechsel gibt es De- finitionen über die Motivation des Aufenthaltes bis hin zur Reisedau- er und -entfernung (vgl. Freyer 1995: 1 f. und Kaspar 1991: 16). Gemeinsam ist ihnen aber immer die Berücksichtigung des natio- nalen und internationalen Reise- verkehrs. (vgl. Opaschowski 1996: 19)

Häufig findet sich die Definition nach Kaspar: "Fremdenverkehr ist die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächli- cher und dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist" (ARL 1995: 337). Eine Reise ist dabei die „Fahrt nach Orten außerhalb des ständi- gen Wohnsitzes zwecks Erholung, Erlebnis, Sport, Bildung, Kultur, Vergnügen, geschäftlicher oder beruflicher Betätigung oder aus Anlass familiärer Ereignisse.“ (Opaschowski 1996: 24)

Der Begriff „Tourismus“ kann durch die gewählten Schwer- punkte der Reise in die Erschei- nungsformen Ferienaufenthalts- tourismus, Ausflugs- und Wo- chenendtourismus, Passantentou- rismus sowie speziellen Formen Geschäftstourismus, Sporttouris- mus oder Bildungstourismus un- tergliedert werden (vgl. Baum- gartner et. al. 1998: 10). Die Grenzen zwischen den einzelnen Tourismusformen sind dabei flie- ßend.

Tourismus ist heutzutage gekenn- zeichnet durch die „Massenhaftig- keit des zur Gewohnheit gewor- denen Reisens, die (scheinbare) Zweckfreiheit des Reisens und die Bewegungsrichtung vom Zentrum in die Peripherie" (ARL 1995: 337). Mobilität, Einkommen und freie Zeit der Menschen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, gleichzeitig wächst das Angebot an Pauschal- und All- Inclusive-Angeboten. Nach einer Prognose der World Tourism Or- ganisation (WTO) wird sich die Anzahl der Touristen bis zum Jahre 2020 weltweit verdreifachen (vgl. WTO 1997: 1).

Im folgenden Abschnitt wird das Produkt „Urlaub“ und seine ein- zelnen Komponenten beschrieben. Dadurch wird die einzelnen Raumauswirkungen des Touris- mus näher verdeutlicht.

2.2 Auswirkungen des Tourismus

Tourismus hat sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Destination, wobei diese in ökonomische, soziokulturelle und ökologische Auswirkungen unter- teilt werden können. (vgl. Kirstges 1995: 10 f.)

Als positive Aspekte bringt der Tourismus unter anderem die Schaffung von Arbeitsplätzen, Förderung der Wirtschaft im Ur- laubsort und -land sowie die Stei- gerung des Bekanntheitsgrades im In- und Ausland mit sich.

Als ökonomische und soziokultu- relle Probleme sind vor allem die Schaffung von Saisonarbeitsplät- zen, die Kommerzialisierung der Kultur, die Entwicklung von tou- ristischen Monostrukturen sowie die Zersiedlung der Landschaft zu nennen. Eine Vielzahl an Arbeits- plätzen in Tourismussektor be- steht nur während der Saison, die von dem jeweiligen Tourismusge- biet abhängig ist. Außerhalb der Tourismussaison sind daher ein Großteil die Arbeitnehmer ar- beitslos oder gehen anderen Be- schäftigungen nach. Oftmals kommt es innerhalb einer Desti- nation zu einer Kommerzialisie- rung der Kultur, indem kulturelle Besonderheiten aus ihrem Kon- text gerissen werden, um den Urlaubern vorgeführt zu werden. Durch die Bildung touristischer Monostrukturen entsteht eine wirtschaftliche Abhängigkeit, die während einer Periode sinkender Touristenzahlen immense Auswir- kungen auf die wirtschaftliche Si- tuation der Destination haben kann.

Durch die Zersiedlung der Land- schaft zu Erholungszwecken sowie der ökologischen Belastung der Umwelt durch das Verhalten der Urlauber, insbesondere dem An- und Abreiseverkehr, sind einige ökologische Probleme gegeben. (vgl. Kirstges 1995: 10 f.)

Die Beeinträchtigung des Land- schaftsbildes sind die sichtbarsten Auswirkungen der Reiseverkehrs und daher zumeist auch die ers- ten, die auffallen. Vor allem die Umwandlung von Freiflächen in Ferienanlagen bzw. -wohnungen für Touristen sind hier zu nennen.

„Ob sich der Ausverkauf der Landschaft wenigstens in Mark und Pfennig bezahlt macht, ist mittlerweile auch nicht mehr si- cher. Einige einfallsreiche Bauun- ternehmer zwar machen gute Ge- schäfte und kurzfristig wird oft erfreulich viel Geld verdient. Ob das Glück jedoch langfristig an- hält, ob sich die Investitionen für die Infrastruktur letztlich lohnen, das bleibt oft fraglich. [...] In ei- nigen Regionen wird das Geschäft mit den Urlaubsgästen zur Mono- kultur. Welche Folgen hier eine touristische Rezession oder gar eine ernste Krise hätte, kann man sich leicht vorstellen. Auch volks- wirtschaftliche Schäden sind also nicht auszuschließen.“ (Fromme et. al. 1988: 46)

Auch der Einfluss des Tourismus auf die Bevölkerung ist nicht zu verachten. Er kann unter Um- ständen gravierende Auswirkun- gen auf die Lebensformen und Wertvorstellungen, Sitten und Traditionen, Rechtsordnungen und Familienbindungen haben. So führt die rasante Entwicklung e- hemaliger Entwicklungsländer durch den Tourismus zu einer di- rekten Konfrontation mit den In- dustriestaaten, woraus Spannun- gen und Konflikte resultieren kön- nen.

Aus diesen Erfahrungen des Mas- sentourismus ist ein Prozess des Umdenken angestoßen worden, der zu einem differenzierten Ver- ständnis von Tourismus aber auch von Touristen geführt hat. Der „neue“ Tourist ist demnach ein- sichtig, konsumkritisch, genüg- sam und anpassungsbereit; er nimmt Rücksicht und setzt sich eigene Einschränkungen beim Reisen. Der Urlauber ist experi- mentierfreudig, kreativ und lern- bereit. (vgl. Opaschowski 1996: 48)

Der Prozess des Umdenkens fin- det sich vor allem in nachhaltigen Tourismuskonzepten wieder. Der folgende Abschnitt beschreibt die- sen Ansatz der Tourismusent- wicklung.

2.2.1 Der nachhaltige Tourismus

Der Ansatz des nachhaltigen Tou- rismus versteht sich selbst nicht als Nischenangebot. Dieses auf dem Nachhaltigkeitsverständnis des Brundtlandberichtes von 1987 und der Rio-Konferenz von 1992 basierende Tourismuskonzept ist ein ganzheitlicher und integrativer Ansatz, in dem die Bereiche

„Ökonomie“, „Ökologie“ und „So- ziokultur“ gleichwertig nebenein- ander diskutiert werden.

Gegenüber den klassischen Tou- rismuskonzepten steht der nach- haltiger Tourismus für eine „um- fassende Neukonzeption einer ökologisch tragbaren, ökonomisch machbaren und soziokulturell ak- zeptablen touristischen Entwick- lung auf lange Dauer“ (Elsasser et. al. 1995: 17). Er ist ein Tou- rismus, der die Bedürfnisse der jetzigen und auch der kommen- den Generationen berücksichtigt und somit Umwelt, Wirtschaft und Soziokulturelles gleichermaßen mit einbezieht und untereinander ausbalanciert. Dabei soll die Mög- lichkeiten zur zukünftigen Ge- staltung und nachhaltigen Nut- zung der touristischen Potenziale erhalten bleiben bzw. gefördert werden. Veränderung und Wandel stehen einer nachhaltigen touristi- schen Nutzung nicht entgegen, sondern können diese sogar för-

dern. (vgl. Krüger 1995: 54 f. und Bätzing et. al. 1999: 87 f.)

Nachhaltiger Tourismus fordert langfristige Konzepte, die sowohl die Bedürfnisse der Touristen als auch der Einheimischen der Des- tination berücksichtigen. Er soll die endogenen Potenziale der Ur- laubsregion nutzen, keine irrever- siblen Schäden anrichten, Res- sourcen nicht verbrauchen, son- dern nur nutzen und somit für künftige Generationen erhalten. (vgl. König 2001: 3)

Infrastruktur, Dienstleistungen und kulturelle Potenziale sollen sowohl für Einheimische als auch für Touristen zugänglich gemacht werden, damit diese ökonomisch effizient genutzt werden können. Dem Wandel in Kultur und sozia- lem Zusammenleben sollten auf- grund der Bereicherung durch die Touristen und der Erhaltung der Möglichkeiten für künftige Gene- rationen alle Wege offen gehalten werden. (vgl. Krüger 1995: 54)

Es ist anzumerken, dass auch der nachhaltige Ansatz kein einheitli- ches Vorgehen oder Pauschallö- sungen für die touristischen Probleme bietet. Es wird aber darauf Wert gelegt, regionsspezi- fische Strategien zu entwickeln und zu implementieren, da jede Region ihre eigenen Potenziale und Probleme aufweist. Es wird keine Vereinheitlichung der Regi- onen verfolgt, allerdings eine An- passung an kleinräumige Struk-

turen und Festlegung von indivi- duellen Belastungsgrenzen und -kriterien, um diese Räume er- halten zu können. (vgl. Bätzing et. al. 1999: 87 f. und König 2001: 4)

2.3 Fazit

Die bisherigen Erfahrungen des Massentourismus zeigen, dass Konzepte entwickelt werden müs- sen, die eine nachhaltige Ent- wicklung des Tourismus fördern. Dadurch können einerseits Nachteile verringert bzw. vermie- den, andererseits Synergieeffekte genutzt werden. Deshalb ist es erforderlich, Wege der Zusam- menarbeit aller im Tourismus be- teiligter Akteure zu finden. Das Offene Forum Tourismus bietet hierbei als offene Kommunikati- onsplattform entscheidende Vor- teile für die Entwicklung nachhal- tiger, ganzheitlicher Tourismus- konzepte. Im folgenden Kapitel wird diese Kommunikationsplatt- form näher dargestellt.

3 Das Offene Forum Tourismus

Die Entwicklung des Tourismus erfolgt in den meisten Orten und Regionen nicht nach einem Ge- samtkonzept, an dem sich alle im Tourismus beteiligten Akteure ori- entieren können. Es fehlt an ei- nem gemeinsamen Bewusstsein für die Qualitäten der Destination, ebenso wenig über die Zielgrup- pen. Für eine nachhaltige Touris- musplanung ist daher von ent- scheidender Bedeutung, dass alle Akteure am Tourismuskonzept teilnehmen (vgl. Romeiß-Stracke, 1989: 40).

Das Offene Forum Tourismus ist eine moderierte Kommunikations- plattform, die zum Ziel hat, dass alle am Tourismus beteiligten Akteure einer Destination gemein- sam an den „verschiedenen As- pekte von Lebensqualität und Tourismus in der Region syste- matisch“ (Niedersächsisches Mi- nisterium für Wirtschaft, Techno- logie und Verkehr, 1997: 22) zu- sammenarbeiten. Dadurch sollen Synergieeffekte genutzt, Mehr- fachinvestition vermieden, die Kooperationsbereitschaft erhöht und eine positive Grundstimmung unter allen Akteuren erzeugt wer- den (vgl. u. a. Romeiß-Stracke, 1989: 41).

„Entscheidend für die Wirksamkeit dieser Kommunikationsforen ist, dass die wichtigsten Partner und Entscheidungsträger hier mitein- ander reden, sich teilweise sogar erstmals begegnen und über län- gere Zeit die Ziele der mittel- und langfristigen Entwicklung der Re- gion miteinander festlegen“ (ebenda).

Das OFT ist ein verhältnismäßig neues Instrument der Touris- musförderung. Erstmals fand es mit dem im folgenden beschrie- benen Verfahren seine Anwen- dung 1992 im Kreis Saarpfalz und wird seit dem immer häufiger ge- nutzt. Die Abbildung 5 im Anhang zeigt die in Deutschland bisher durchgeführten Offenen Foren Tourismus. Der Verfasser erhebt keinen Anspruch auf Vollständig- keit. Für die Erhebung wurde zu- nächst eine ausführliche Internet- Recherche durchgeführt, der ein Interview mit den für die Modera- tion der OFTs beauftragten Büros folgte.

Die auffällige Häufung von OFTs in Niedersachsen ist durch das Tourismuskonzept für das Land Niedersachsen 1997 - 2001 zu erklären, in dem ein Offenes Fo- rum zur Entwicklung des Touris- mus in den Destinationen des Landes vorgeschrieben wird (Nie- dersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Ver- kehr, 1997: 22).

Der Begriff „Offenes Forum Tou- rismus“ ist nicht geschützt. So führt das Büro Reppel + Partner in Karlsruhe schon seit 25 Jahren Offene Foren durch. Unter dem in dieser Arbeit verwendetem Begriff sind daher nur Foren zu verste- hen, die nach dem hier erläuter- ten Verfahren durchgeführt wur- den bzw. werden.

Im Folgenden werden die Vorbe- reitungen für die Durchführung (Kapitel 3.1) sowie die einzelnen Phasen des OFTs (Kapitel 3.2) näher vorgestellt. Anschließend ist ein Exkurs zum Produkt „Urlaub“ (Kapitel 3.3) notwendig, um die Zusammensetzung der Akteure innerhalb des OFTs verständlich zu machen, auf die im Kapitel 3.4 eingegangen wird. Der Ablauf des Offenen Forum ist Thema des Ka- pitels 3.5.

3.1 Vorbereitungen für die Durchführung eines OFT

Bevor ein Offenes Forum durch- geführt wird, müssen die Grenzen der Tourismusregion klar definiert werden. Als Abgrenzungsprinzi- pien sind dabei das Ähnlichkeits- und das Verflochtenheits- zu nen- nen. Nach dem Ähnlichkeitsprinzip werden homogene Regionen bzw. Regionstypen gebildet. Unter ho- mogenen Regionen sind dabei naturräumliche Einheiten, Sprach- räume oder ähnliches zu verste- hen, unter homogenen Regions- typen Verdichtungsräume, ländli- che Räume usw. (vgl. ARL 1995: 806)

Durch das Verflochtenheitsprinzip werden Verflechtungsräume zu funktionalen Raumeinheiten zu- sammengeschlossen. Verflech- tungsräume sind durch soziale und wirtschaftliche Interaktions- beziehungen gekennzeichnet. Da diese aber nicht immer eindeutig zu begrenzen sind, kann es zu Überlappungen von funktionalen Regionen oder Regionstypen kommen (vgl. ARL 1995: 807). Bei der Abgrenzung einer Region können auch beide Prinzipien gleichzeitig angewandt werden (vg. ebenda).

Zusätzlich muss bei der Abgren- zung auf die Größe der Region geachtet werden. „Einerseits muss die Region groß genug sein, um eine gezielte Beeinflussung der regionalen Entwicklungspo- tenziale zu ermöglichen (...). Au- ßerdem ist eine bestimmte Min- destgröße erforderlich, um ein ei- nem ‚Europa der Regionen‘ wahr genommen zu werden - etwa bei der Verteilung der Fördermittel“ (Krafft, Ulrich, 1993: 49). Ande- rerseits muss bedacht werden, dass der Zuschnitt der Region nicht zu groß gewählt wird, da sonst das Netzwerk der beteilig- ten Akteure zu großmaschig ge- wählt wird und dadurch die Er- folgsaussichten regional abge- stimmter Kooperationsprozesse verringert wird (vgl. ebenda).

Bei der Abgrenzung einer Touris- musregion muss bei der Region vor allem darauf geachtet werden, dass die Destination auch durch den Touristen von Außen wahrge- nommen wird. Eine einzelne Kommune wird meist nicht als Urlaubsort, sondern als Teil einer Urlaubsregion wahrgenommen. Um ein möglichst detailliertes Konzept für die Destination zu er- arbeiten, bietet es sich an, die Tourismusregion weiter zu unter- gliedern (Vertiefungsstufen). Die Untergliederung dient dabei der Konkretisierung der Ergebnisse auf regionaler Ebene. Als Beispiele seien hier der Landkreise Cuxha- ven und das Weserbergland ge- nannt, in denen weiter Vertie- fungsstufen zur Konkretisierung durchgeführt wurden (siehe Anhang). Umgekehrt muss klar sein, ob sich die ausgewählte Re- gion in eine übergreifende Region eingliedert (vgl. Geyer, Bauer 2001: 11).

Ist die Regionsabgrenzung erfolgt, muss in einem nächsten Schritt geklärt werden, wer für das Pro- jekt „Offenes Forum Tourismus“ verantwortlich ist. Vor Auswahl des Projektverantwortlichen soll- ten seine Aufgaben exakt be- schrieben und festgehalten wer- den. Ihm obliegt im Folgenden die weitere Planung des Prozesses, die Erstellung der Teilnehmerlis- ten und die Auswahl der Modera- toren. Er ist offizieller Gastgeber des Offenen Forums und verant- wortlich für den zielorientierten Ablauf nach Inhalt, Zeit und Bud- get. (vgl. ebenda)

3.2 Die Phasen des Offenen Forum Tourismus

Das Offene Forum Tourismus be- steht im wesentlichen aus drei Arbeitsphasen, der Analysephase, der Planungsphase und der Um- setzungsphase (vgl. FUTOUR, 2002: 2). Analysephase und Pla- nungsphase können dabei als Er- arbeitungsphase zusammenge- fasst werden (vgl. Romeiß- Stracke 1989: 42). Zunächst wird in der Analysephase die Destinati- on detailliert untersucht. Dabei werden die Zielgruppen ermittelt, eine Bestandsaufnahme vorge-nommen und daraus ein Stärken- und Schwächen-Profil der Region erarbeitet. Aus den Ergebnissen der Analysephase werden in der Planungsphase die Leitbilder der zukünftigen Entwicklung des Tou- rismus entwickelt. Dazu gehören Strategien und Maßnahmen, aber auch mögliche Ausrichtungen auf neue Zielgruppen. (vgl. ebenda)

Nach dem Beschluss des Leitbil- des im Plenum wird als erster Schritt der Umsetzungsphase ein Finanzierungsplan aufgestellt, in dem festgehalten wird, was die geplanten Maßnahmen kosten und wie sie finanziert werden können. Im letzten Schritt wird bestimmt, wer für die Umsetzung der einzel- nen Maßnahmen verantwortlich ist. Dabei wird ein Zeitplan für die Realisierung festgelegt. Die Um- setzung umfasst nicht nur die Verwirklichung der Maßnahme, sondern auch die Vermarktung dieser außerhalb der Region. (vgl. ebenda)

Die einzelnen Phasen des OFT zeigt die Abbildung 1. Nachdem diese nun vorgestellt worden sind, werden im nächsten Abschnitt, nach einem Exkurs über das Pro- dukt „Urlaub“, die Akteure des OFT sowie die Form ihrer Zusam- menarbeit erläutert.

Abb. 1: Die einzelnen Phasen des Offenen Forum Tourismus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung nach Romeiß-Stracke, 1989: 42

3.3 Exkurs: Das Produkt „Urlaub“

Das Produkt „Urlaub“ besteht aus wesentlich mehr einzelnen Kom- ponenten, als es auf den ersten Blick ersichtlich ist. Das erschwert die Gestaltung, die Veränderung und die Vermarktung im Vergleich mit herkömmlichen Konsumgü- tern (vgl. Romeiß-Stracke, 1989: 12). Daher ist es erforderlich, dass nicht nur die traditionell an der Verwirklichung beschäftigten Fremdenverkehrswirtschaft mit- wirken, sondern sämtliche Ak- teure, die am Tourismus in einer

[...]

Details

Seiten
40
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638182102
Dateigröße
682 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v12287
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund – Fakultät Raumplanung
Note
Keine Benotung vorgesehen.
Schlagworte
Planungsinstrument Instrument formell informell Offenes Forum Tourismus OFT Dokumenation Partizipation Akteure regional kommunal Entwicklungskonzept

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