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Fotomanipulation - Können Fotos noch als objektives Mittel der Medien dienen?

Facharbeit (Schule) 2008 28 Seiten

Ethik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Journalismus und Ethik
1.1 Definition im allgemeinen Sinn
1.1.1 Definition von Ethik
1.1.2 efinition des Journalismus
1.2 Gesetzgebung und ethische Maßstäbe im Journalismus
1.3 Inwiefern wird die Ethik im Journalismus umgesetzt?
1.4 Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

2. Technische Realisierbarkeit
2.1 Einblick in die Geschichte der Fotografie
2.2 Vor der digitalen Revolution
2.2.1. Retusche
2.2.2. Fotomontage
2.2.3. Nachstellen von Szenen
2.2.4. Fotokollage
2.2.5. Titel und Bildunterschrift
2.3 Nach der digitalen Revolution

3. Glaubwürdigkeit
3.1 Objektivität
3.2 Suggestion

4. Beispiele
4.1 Historische (analoge) Fälschungen
4.2 Digitale Fälschungen

5. Fälschen für Jedermann
5.1 Geeignete Software

6. Schlussfolgerungen

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Journalismus und Ethik

1.1. Definition im allgemeinen Sinn

Um eventuellen Unstimmigkeiten der Definition von Ethik und Journalismus vorzubeugen, versuche ich eine allgemeine Definition des Themas festzuhalten. Diese werde ich in dieser Form in der gesamten Arbeit anwenden. Ich habe die Begriffsbestimmungen mit verschiedenen Quellen verglichen, sodass ich sie als allgemeine Begriffserklärung geltend machen kann.

1.1.1. Definition von Ethik

Ethik [zu griechisch éthos = Gewohnheit, Herkommen, Sitte] wird als die philosophische Wissenschaft und Lehre des Sittlichen betrachtet1. Die Ethik ist eine „deontologische Analyse von Normen“2. Sie beschäftigt sich mit den individuellen Meinungen, welche üblicherweise gewisse Differenzen aufweisen und bildet hieraus einen Konsens der Werte und des Willens einer Gesellschaft. Folglich legt die Ethik die moralischen Maßstäbe des richtigen Handels fest. Mit der Zeit verändert sich die Willensbildung (der Menschen oder einer Gesellschaft) und daher kann die Ethik nicht wie ein Naturgesetz angesehen werden. Sie entwickelt sich mit den Veränderungen der Maßstäbe einer Gesellschaft oder der individuellen Meinungen.

Philosophen versuchen die „Frage nach dem richtigen Handeln“3 zu beantworten. Eine bedeutende Frage stellt sich den Philosophen: Sind die Willensantriebe und Wertschätzungen eines Menschen angeboren (Nativismus) oder sind sie aus Erfahrungen über die Dauer der Zeit und der verschiedenen Kulturen entstanden (Relativismus). Die philosophischen Grundgedanken lassen einen großen Spielraum für Kritik und unbeantwortete Fragen.

1.1.2. Definition des Journalismus

Journalismus charakterisiert die „periodische publizistische Arbeit bei der Presse, im Rundfunk und in Online-Medien“4. Bei jeglicher Art der Berichterstattung erfüllt der Journalismus den Zweck der Recherche, Auswertung von Informationen und die Publikation von Nachrichten. In einer Demokratie, wie sie in Deutschland herrscht, hat sich der Journalismus, neben den drei Gewalten - Legislative, Exekutive und Judikative - als sogenannte vierte Gewalt entwickelt5. In der öffentlichen Meinung bildet der Journalismus die letzte Instanz der Aufklärung einer nicht reglementierten Rangordnung. Er konkretisiert, durchleuchtet und kritisiert politische und gesellschaftliche Themen. Somit nimmt der Journalismus eine bedeutende Rolle in der Gesellschaft ein.

1.2. Gesetzgebung und ethische Maßstäbe im Journalismus

Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland sind dem Journalismus nur grobe Grenzen gesetzt. Somit ist nach Artikel 5 im GG. die Pressefreiheit uneingeschränkt. Sie findet lediglich in den allgemeinen Gesetzen und Bestimmungen - zum Schutz der Jugend und dem Recht der persönlichen Ehre

- weitere Grenzen.

Es gibt weitere Richtlinien, an denen sich der Journalismus orientiert. Der Pressekodex ist eine davon.

Dieser Kodex wurde vom Deutschen Presserat 1973 beschlossen. Er ist jedoch nur ein Ehrenkodex, dem sich der Journalismus freiwillig verpflichtet hat.6 Dieser beinhaltet die Grundprinzipien und bildet die moralischen und ethischen Grundzüge des Journalismus um die Berichterstattung in einem ethisch vertretbaren Rahmen zu halten:

- Als Höchstes Gebot gilt die Achtung der Wahrheit, Wahrung der Menschenwürde und die Unterrichtung der Öffentlichkeit.
- Recherchierte Informationen sind wahrheitsgemäß widerzugeben. Bild und Wort dürfen nicht bearbeitet oder durch Überschrift oder Bildunterschrift manipuliert werden.
- Die Presse achtet Persönlichkeitsrechte und tastet das Privatleben und die Intimsphäre des Menschen nicht an.
- Die sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid soll vermieden werden.
- Die Presse darf niemanden wegen seines Geschlechts, seiner Behinderung oder einer ethischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminieren.

1.3. Inwiefern wird die Ethik im Journalismus umgesetzt?

Wird das oberste Gebot des Pressekodex („die Achtung vor der Wahrheit“), welchem sich die Journalisten selbst verpflichtet haben, auch umgesetzt? Die wahrheitsgetreue Berichterstattung fordert tiefgreifende Recherchen, um wahrheitsgetreu und hintergründig zu informieren, welche Zeit und Geld kosten. Nehmen wir einmal an, dass der heutige Zuhörer, Leser oder Zuschauer sich gar nicht wahrhaftig mit einem Thema beschäftigen will, sondern nur kurz und so schnell wie möglich informiert werden will (um nach seinen Maßstäben glauben zu können, dass er informiert sei). Somit ergibt er sich willenlos der Presse, ohne das eigene kritische Denken einzuschalten und ohne den Wahrheitsgehalt eines Berichtes überprüfen zu wollen.

Während der Leser versucht, die Informationsflut der heutigen Zeit zu bewältigen, erkannten viele Zeitungen und Journalisten die Leichtgläubigkeit der Leser. Der Borderline Journalismus lässt Illusion mit Wirklichkeit verschmelzen, um einen Bericht interessanter zu gestalten als er wirklich ist. Es kommt durchaus vor, dass ganze Interviews oder Berichte frei erfunden werden. Solange es den Leser interessiert und der Absatz gut ist, ist es nicht so wichtig, was dem Publikum aufgetischt wird, Hauptsache es wird aufgegessen.

„Natürlich sind auch Medienunternehmen in erster Linie Unternehmen und müssen auf eine solide Ertragslage achten. Aber wir müssen uns klarmachen, wohin diese Entwicklung führt. Wenn immer weniger Journalisten immer mehr Themen bearbeiten müssen, nimmt das Fachwissen zwangsläufig ab. Flexibilität allein macht aber noch keinen guten Journalismus.“7

Die Vorfälle des Borderline Journalismus häufen sich. Z.B. Tom Kummer, der Schweizer Reporter, dessen Interviews mit Stars aus Hollywood meist frei erfunden waren8, Jayson Blair, Reporter der New York Times, der Recherchen, Artikel und Fakten frei erfunden hat9, Michael Born, der Dokumentationen fälschte10, um die Bekanntesten in der Fälscherwerkstatt zu nennen.

Weitergreifend in der oben genannten Annahme, zieht das Publikum den kurz informierenden Bericht, der einfach und verständlich geschrieben ist, dem gut recherchierten Bericht mit bedeutsamen und wahrhaftig informierenden Aussagen vor.

In der Bild-Zeitung spiegeln sich Verdrehung von Tatsachen, reißerische Aufmachung, überdimensionale Überschriften und Dramatisierung im höchsten Maße wieder. Der Presserat spricht immer wieder Rügen gegen die Bild- Zeitung aus, da sie gegen den Pressekodex verstößt. In der Statistik der Rügen liegt die Bild-Zeitung an erster Stelle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Doch nicht jeder ist bereit, die Glaubwürdigkeit des Journalismus einfach den Mächten der Korruption auszuhändigen. Medienjournalist Stefan Niggemeier und Christoph Schultheis gründeten die Organisation www.bildblog.de. Sie versuchen „die (immerhin weit verbreiteten) Zweifel an der Glaubwürdigkeit von "Bild" argumentativ zu stärken und die öffentliche Wahrnehmung der "Bild"- Zeitung zu verändern.“11

1.4. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Bilder prägen sich beim Mensch besser ein als Worte oder Buchstaben. Die ganze Medienwelt arbeitet mit Bildern - ausgenommen das Radio - da Bilder auf Menschen mehr wirken als ein Text oder Ton. Wir nehmen täglich Bilder wahr und viele davon werden abgespeichert und sind abrufbar.12 Ein Bild zeigt dem Leser die (scheinbare) Wirklichkeit, ein reales Zeugnis eines Momentes. Das Publikum glaubt dies, obwohl jeder weiß, dass man Fotos verändern, fälschen, faken kann.13 Bei einer Zeitung z.B. ist der Aufmacher mit einem großen Titelbild am wichtigsten, dieser weckt die Neugier eines potentiellen Lesers. „Im allgemeinen muß es etwas Dramatisches sein“14 [sic!].

Anschließend gilt es, die gezeigte Szene gut darzustellen. Da die Szene nur eine bestimmte, und nur diese eine bestimmte Bedeutung haben soll, kann das Bild zugeschnitten werden.

Somit entfernt man unnötige Details, um diese gewollte Bedeutung explizit hervorzuheben, wobei dem Foto diese eine Bedeutung eventuell genommen wird.

Wenn das Bild jedoch auf verschiedene Weisen deutbar ist, muss Klarheit über die Aussage geschaffen werden, deshalb „müssen Unterschrift und Bildtext weiterhelfen“15

2. Technische Realisierbarkeit

2.1. Einblick in die Geschichte der Fotografie

Die Fotografie wurde Anfang des 19. Jahrhundert von Joseph Nicéphore Niépce entwickelt. Einige Jahre später verbesserte Louis Jacques Mandé Daguerre das Verfahren zur Herstellung von Fotografien. Die Manipulation der Fotografie ist genauso alt, wie das Medium selbst.16 Die Fotografie ist ein Eindruck eines bestimmten Momentes, den der Fotograf miterlebt hat.

Die Möglichkeit der Vervielfältigung eines Kunstwerks – somit auch der Fotographie – war schon immer gegeben. „Was Menschen gemacht hatten, das konnte immer von Menschen nachgemacht werden.“17 Was reproduziert werden kann, kann auch in einer verfremdenden Form reproduziert werden. Jedoch hat nicht nur ein Dritter die Möglichkeit der Manipulation, der Fotograf selbst wählt schlussendlich die Belichtungszeit, den Blickwinkel, den Kontrast sowie die Farbeinstellung unvermittelt an seinem Fotoapparat.

Somit spiegelt sich die Sichtweise, die jener in dem Moment der Aufnahme hatte auch in seinem Foto wieder.18

2.2. Vor der digitalen Revolution

Die Fotografie löste die Kunstmalerei ab, als Daguerre die Möglichkeit fand, die Bilder der camera obscura zu fixieren. Die Entwicklung schritt rasant voran und bereits um 1840 wurden viele Miniaturmaler zu Berufsfotografen.19

Somit war die Zugänglichkeit der Allgemeinheit zur Fotografie gegeben.

2.2.1. Retusche:

“Schließlich drangen von überallher Geschäftsleute in den Stand des Berufsphotografen ein, und als dann späterhin die Negativretusche […] allgemein üblich wurde, setzte ein jäher Verfall des Geschmacks ein.“20

Es gibt hauptsächlich zwei Arten von Retusche, die Positivretusche und die Negativretusche.

[...]


1 vgl. Brockhaus, 1989, S. 600

2 Hillman, 1994

3 Brockhaus, 1989, S.600

4 Wikipedia “Journalismus”, Stand: März 2007

5 vgl. http://www.wissen-schaft.org/weblogs/de/wissen-schaft/17/index.htm, Stand: März 2007

6 vgl. http://www.presserat.de/Einfuehrung.27.0.html, Stand: März 2007

7 Johannes Rau, Hamburg, 05. Juni 2004

8 vgl. http://www.netzeitung.de/feuilleton/592311.html (Stand: März 2007)

9 vgl. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/14/14796/1.html (Stand: März 2007)

10 vgl. http://rhein-zeitung.de/old/96/09/26/topnews/born.html (Stand: März 2007)

11 http://www.bildblog.de/faq.php, Stand: April 2007

12 vgl. Sontag (2007), S. 29 ff

13 Schneider, Grebe (2004), S.20

14 Bourdieu, Boltanski (2006), S. 139, vgl. Sontag (2007), Seite 30

15 Bourdieu, Boltanski, (2006), S. 148

16 vgl. Brugioni (1999), S. 25 ff

17 Walter (2003), S. 1

18 Sontag (2007), S. 55 ff

19 vgl. Walter (2003), S.53

20 ebd.

Details

Seiten
28
Jahr
2008
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v123175
Note
13
Schlagworte
Fotomanipulation Können Fotos Mittel Medien Ethik

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