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Die Königsideologie bei den Ptolemäern

Hausarbeit 2004 23 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Umstände und Ziele der ptolemäischen Herrschaft

3. Die monarchischen Traditionen
3.1 Die makedonische Tradition
3.2 Die griechische Tradition
3.3 Die ägyptische Tradition

4. Das Verhalten der Ptolemäer gegenüber der Reichsbevölkerung
4.1 Der König und die makedonischen Soldaten
4.2 Der König und die griechischen Städte
4.3 Der König und die ägyptischen Priester

5. Die Suche nach verbindenden Werten
5.1 Die Installation des neuen Gottes Sarapis
5.2 Die Schaffung eines Herrscher- und Dynastiekultes
5.3 Die Vergöttlichung von Arsinoe II. und Berenike II

6. Zusammenfassung und Abschlussbewertung

7. Quellen- und Literaturverzeichnis
7.1 Quellenverzeichnis
7.2 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zweitausend Jahre lang war in Europa die Monarchie die am weitesten verbreitete Staatsform. Im orientalischen Raum leiten bis heute Königshäuser das staatliche Geschick vieler Länder. Der Wunsch des Menschen durch die Taten einer einzigen Person Gerechtigkeit und Wohlstand zu erfahren, war zu allen Zeiten und bei allen Völkern in der Geschichte spürbar. Selbst im demokratischen Griechenland des 4. vorchristlichen Jahrhunderts rechnete Aristoteles das Königtum zu den idealen Staatsformen. Mit seinem Schüler Alexander dem Großen weitet sich das Königtum eines einzigen Mannes sogar auf die ganze damals bekannte Welt aus. Als Alexanders Reich nach seinem plötzlichen Tod zerbrach, übernahmen seine Generäle die Macht in den verschiedenen Territorien. Sie herrschten damit über eine Bevölkerung, deren Kultur zum größten Teil weit entfernt der eigenen lag. Bei den Ptolemäern war diese Bipolarität besonders stark ausgeprägt, denn der König musste sowohl die eigene griechisch-makedonische Tradition wie auch die fremde ägyptische fortsetzen.

Diese Arbeit will versuchen einen Überblick über die Königsideologie bei den Ptolemäern zu geben. Dabei möchte ich besonders herausstellen, dass die Königsideologie nicht nur aus den Maßnahmen des Königshauses besteht, mit denen versucht wurde Legitimität bei der Bevölkerung zu erzielen. Mindestens genauso wichtig ist die Reaktion der Untertanen auf das Verhalten des Königs. Die Königsideologie besteht somit aus Aktion und Reaktion.

Dazu möchte ich zunächst näher auf die genaueren Umstände eingehen, denen sich die Ptolemäer bei der Regierungsübernahme in Ägypten ausgesetzt sahen. Des Weiteren soll auf die makedonischen, griechischen und ägyptischen Traditionen des Königtums in vorhellenistischer Zeit eingegangen werden, auf deren Mauern die ptolemäische Herrschaft gegründet wurde. Im Kernbereich dieser Arbeit möchte ich das Verhalten der Könige gegenüber den verschiedenen Gruppen der Reichs- bevölkerung herausstellen. Daran anschließend sollen Maßnahmen der Herrscher- dynastie herausgegriffen werden, mit denen versucht wurde Einheit zu stiften. Abschließend soll versucht werden die Frage zu beantworten, ob man tatsächlich von einer einheitlichen Königsideologie sprechen kann, oder ob vielmehr hellenistische und ägyptische Herrscherideale von den Ptolemäern parallel verkörpert wurden.

2. Umstände und Ziele der ptolemäischen Herrschaft

Der makedonische General Ptolemaios, Sohn des Lagos, erhielt nach dem plötzlichen Tod Alexanders des Großen im Jahr 323 v. Chr. in der Satrapienverteilung von Babylon die Verwaltung über Ägypten durch die neue Reichsregierung zugesprochen.1 Nachdem Ptolemaios sich des bisherigen Satrapen Alexanders entledigt hatte, stand er vor zwei Aufgaben: Zum einen musste er die Unabhängigkeit Ägyptens vom zerfallenden Alexanderreich sichern, zum anderen musste er seine Herrschaft auf eine dauerhafte Grundlage stellen.

Jedoch stand der neue Militärgouverneur bei der Umsetzung seiner Ziele vor einigen Grundproblemen: So fehlte es an einem einheitlichen Staatsvolk, auf dessen Loyalität er sich hätte verlassen können, denn er entstammte weder griechischem, noch ägyptischem Adel. Hinzu kam, dass die neuen Herren im Land – Makedonen und Griechen – über eine Bevölkerung herrschten, die mehrheitlich nicht ihren religiösen und kulturellen Traditionen verpflichtet war. Wollte man daher nicht mit einem ständig unruhigen ägyptischen Volk leben, das nur mit militärischer Härte im Zaum zu halten war, musste eine Herrschaftsform gefunden werden, welche die ägyptischen Untertanen ebenfalls akzeptieren konnten.2

Der neue Regent – in seiner Satrapenzeit oder als Basileius und Pharao - musste daher bemüht sein seine Herrschaft auf eine ideologische Grundlage zu stellen, in der sich makedonische, griechische und ägyptische Traditionen widerspiegelten. Sein Verhalten gegenüber den einzelnen Bevölkerungsgruppen musste somit den "alten" Traditionen und den Erwartungen der Beherrschten an ihren Herrscher entsprechen.

Die ptolemäische Monarchie war folglich keine absolute Monarchie nach heutigem Verständnis, denn der König war auf das Wohlwollen der Bevölkerung angewiesen. Jedoch kann man nach Hans-Joachim Gehrke von einem personalen Königtum sprechen, denn allein der König vermochte durch seinen Charakter und sein Verhalten gegenüber dem Volk Legitimität zu erzeugen. Dies verlieh der hellenistischen Monarchie ihren charismatischen Charakter.3

3. Die monarchischen Traditionen

Bevor ich auf das Verhalten der ptolemäischen Könige gegenüber den verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu sprechen komme, möchte ich zunächst die monarchischen Traditionen Makedoniens, Griechenlands und Ägyptens herauszuarbeiten, da auf diesen Grundlagen die "neue" Königsideologie entstand.

3.1 Die makedonische Tradition

Die Monarchie war tief im makedonischen Staat verwurzelt, und selbst in Krisenzeiten sah man dazu keine Alternative. Das Königtum gründete sich auf eine enge Bindung zwischen König, Adel und den adligen Gefolgschaften, so dass der Monarch ausgesuchte Berater bei zu fällenden Entscheidungen hinzuzog. Das Haus der Argeaden regierte Makedonien zu Zeiten Philipps II. und Alexander des Großen bereits mehrere hundert Jahre unangefochten.4 Das Fundament, auf dem das Königtum der Argeaden basierte, war aber weniger rechtlicher, sondern religiöser Natur, bezog man sich doch auf Herakles, Sohn des Zeus, als Stammvater der Dynastie.5 Obwohl die göttliche Legitimation der ganzen Familie zu Teil wurde, kannte man weder einen Herrscher-, noch einen Dynastiekult.6

3.2. Die griechische Tradition

Auch in der griechischen Geschichte ist das Königtum die älteste Staatsform, so herrschten beispielsweise die Theseiden und daran anschließend bis 682 v. Chr. die Kodriden über Athen.7 In der archaischen Zeit jedoch wurden die Monarchien durch zahlreiche Varianten von Aristokratie und Demokratie ersetzt. Im 4. und 5. Jahrhundert existierten lediglich an den Rändern der griechischen Oikumene, z.B. in Makedonien, Thrakien oder Zypern8 noch Königtümer. Im Kern Griechenlands waren sie hingegen ausgestorben und allenfalls Stoff für die Tragödie im Theater. Erst durch die Ausbreitung der Hegemonie Makedoniens über Griechenland unter Philipp II. und Alexander trat diese als nicht mehr zeitgemäß betrachtete Herrschaftsform wieder in die Realität der freien Bürger der griechischen Polis.9

Dennoch setzten sich zahlreiche griechische Philosophen schon in den Jahrhunderten zuvor mit der Basileia auseinander, aber weitgehend nur insofern, als sie sich mit der Frage nach dem besten Staat und dem idealen Staatsmann beschäftigten. Auf dieser Basis ergingen zahlreiche Fürstenspiegel an Könige am Rande der griechischen Welt und nach Persien, die den Monarchen vor Auge führen sollten, wie sie sich moralisch zu verhalten hatten. Eine besonders starke Prägung erfuhren die Griechen durch die persischen Großkönige. Xenophon beschreibt in seinem Fürstenspiegel den persischen Monarchen als "beherrscht, gerecht, milde, gottesfürchtig, enthaltsam" und als "Unterstützer der Armen und Beschützer des Volkes", um nur einige Charakteristika zu nennen.10 Für Isokrates musste der König philosophisch gebildet sein und Erfahrung mit dem Umgang von Mitmenschen haben, außerdem durfte er nicht außerhalb des Gesetzes stehen. 11

3.3. Die ägyptische Tradition

Das ägyptische Königtum entstand in der zweiten Hälfte des vierten vorchristlichen Jahrtausends mit der Bildung des ägyptischen Staates.12 Es ist aufs Engste verbunden mit dem tiefen religiösen Verständnis, dass nur die Götter die Herren der Welt sein können. Die Herrschaft über die Welt fällt dem ägyptischen Pharao zu, denn er ist als Mensch die irdische Erscheinung des Horus, Sohn des Re, und daher mit allen Göttern verwandt.13 Er ist demnach sowohl religiöser, als auch politischer Exponent der ägyptischen Gesellschaft. Durch seine Fürsorge für die Götter und die Menschen erhält er die Weltenordnung – die Maat – und besiegt im kultischen Verständnis in einem ständigen Schöpfungsakt das Chaos, personifiziert durch den Gott Seth.14

Im kultischen Sinne wird die Weltordnung durch die Verehrung der Götter durch den Pharao bewahrt, denn nur er ist als oberster Priester Mittler zwischen Götter- und Menschenwelt. Im weltlichen Sinne wird die Maat erhalten durch die Unterwerfung der Feinde Ägyptens und den Erhalt der inneren Ordnung.15 Jedoch ist das gesamte Handeln des Pharaos prinzipiell kultisch, denn er führt sein Amt stellvertretend für Horus.16

Bei einem solchen Verständnis von Monarchie ist es klar, dass der Priesterschaft eine große Bedeutung zugemessen wurde. Sie nahmen eine Mittlerfunktion zwischen Pharao und Volk ein, vor allem weil die einfachen Untertanen wirtschaftlich von den reichen Tempelbezirken abhängig waren. Ob der neue König akzeptiert wurde oder nicht, lag weitgehend in ihren Händen – insbesondere wenn die blutsmäßige Erbfolge und die juristische Legitimation mittels Designation durch den Vorgänger ausblieben.17 Schon in der voralexandrinischen Zeit hatte sich gezeigt, dass die ägyptischen Priester bereit waren, Fremdherrscher als Pharao zu akzeptieren, wenn sie sich in die alte Ordnung einfügten.

4. Das Verhalten der Ptolemäer gegenüber der Reichsbevölkerung

Ptolemaios und seine Nachfolger mussten bei ihrer Legitimationspolitik ein besonderes Augenmerk auf die Ton angebenden Gruppen setzen. Dazu zählten die makedonischen Soldaten, die griechischen Städte und die ägyptischen Priesterschaften, denn sie dienten als Legitimationsmultiplikator für die "einfache" Bevölkerung. Konnten sie den neuen Herrscher als König akzeptieren, übertrug sich ihre Einstellung weitgehend auf die breite Volksmasse.

4.1. Der König und die makedonischen Soldaten

Um die makedonischen Soldaten dauerhaft an sich zu binden, mussten Ptolemaios I. und seine Nachfolger mehrere Legitimationswege einschlagen, denn zum einen entstammten viele von ihnen sozial und ethnisch dem makedonischen Adel, zum anderen waren sie hohe Kampfgefährten und Offiziere Alexanders.18 Es ging somit um eine Verpflanzung der Traditionen des makedonischen Königtums der Argeaden- dynastie und zugleich um eine Widerspiegelung des personalen Königtums Alexanders mit seiner ihm eigenen Ausprägung.

[...]


1 vgl. Huß, W.: Ägypten in Hellenistischer Zeit, S. 213.

2 vgl. Herz. P.: Hellenistische Könige, S. 27.

3 vgl. Gehrke, H.-J.: Geschichte des Hellenismus, S. 46f.

4 vgl. Erington, M.: Geschichte Makedoniens, S. 196f.

5 vgl. Herz. P.: Die frühen Ptolemäer bis 180. v. Chr., S. 68f.

6 vgl. Erington, M.: Geschichte Makedoniens, S. 197.

7 vgl. Dermandt, A.: Das Hellenistische Herrscherideal, S. 144.

8 vgl. Walbank, F.: Könige als Götter, S. 365.

9 vgl. Herz, P.: Die frühen Ptolemäer bis 180 v. Chr., S. 51f.

10 Xen. Kyr. VIII 1-6.

11 vgl. Herz, P. Die frühen Ptolemäer bis 180 v. Chr., S. 60f.

12 vgl. Gundlach, R.: Weltherrscher und Weltordnung, S. 27.

13 vgl. Hölbl, G.: Geschichte des Ptolemäerreichs S. 69.

14 vgl. Hölbl, G.: Zur Legitimation der Ptolemäer als Pharaonen, S. 22.

15 vgl. Gundlach, R.: Weltherrscher und Weltordnung, S. 30ff.

16 vgl. Hölbl, G.: Zur Legitimation der Ptolemäer als Pharaonen, S. 22.

17 vgl. Gundlach, R.: Die Legitimation des ägyptischen Königs, S. 20.

18 vgl. Herz, P.: Die frühen Ptolemäer bis 180 v. Chr., S. 66.

Details

Seiten
23
Jahr
2004
DOI
10.3239/9783640281176
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Erscheinungsdatum
2009 (März)
Note
1,0
Schlagworte
Königsideologie Ptolemäern Proseminar Ptolemäer

Autor

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