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Mentale Trainingsformen zur Angstreduktion am Wettkampftag in der Sportart Taekwondo

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 11 Seiten

Sport - Sportpsychologie

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Zum Begriff des Mentalen Trainings

3 Angst und deren Klassifikation
3.1 Umgang mit Angst
3.2.1 Ängste unmittelbar vor dem Wettkampf
3.2.1.1 Regulation der Angst durch Progressive Muskelentspannung
3.2.1.2 Regulierung der Angst durch Musik
3.2.1.3 Regulierung der Angst durch Selbstgespräche
3.2.1.4 Reduzierung der Angst durch ideomotorisches Training in Verbindung mit Taktiktraining

4 Praxisbeispiel eines Ideomotorischen Trainings

5 Schlussbemerkung

1 Einleitung

Taekwondo ist eine koreanische Kampfkunst, die vor ungefähr 2000 Jahren in Ko- rea entwickelt wurde. Das Ziel dieser Kunst bestand darin, sich vor den Angriffen der Japaner zu schützen. Da die Japaner das Land oft mit Pferden angriffen, war es wichtig eine Verteidigung beziehungsweise Kampftechnik zu kreieren, welche imstande war, die Gegner auf den Pferden zu bekämpfen. Dafür wurden hohe Bein- techniken entwickelt, die oftmals auch im Sprung ausgeführt wurden.

Die heutige olympische Disziplin Taekwondo ähnelt der damaligen Kampfkunst je- doch wenig. Es spielen immer mehr taktische und psychisch-kognitive Faktoren ei- ne Rolle, um den Wettkampf zu gewinnen, und die hohen Beintechniken verlieren mehr und mehr an Bedeutung. Man versucht dieser Entwicklung entgegenzuwirken, indem man für Kopftreffer zwei beziehungsweise drei Punkte vergibt, wohingegen ein Rumpftreffer nur ein Punkt zählt. Dennoch kann man den Entwicklungstrend nicht aufhalten.

Diese Arbeit soll einige Möglichkeiten zeigen, wie man gezielt einige psychisch- kognitiven Fähigkeiten trainiert und sie am Wettkampftag integriert.

2 Zum Begriff des Mentalen Trainings

Mentales Training meint gedankliche und geistige Übung. In der Literatur wird häu- fig auch vom psychologischen Training gesprochen, wobei unter psychologischem Training vielfältige Methoden wie beispielsweise Muskelentspannungstechniken, Psychohygiene- Training, Autogenes Training, Aktiv- Therapie etc. verstanden wer- den. Es gibt eine Menge gleich bedeutender Termini, welche eine einheitliche Defi- nition erschweren. Einige dieser Begriffe sind: Training auf höherer Regulations- ebene, Training durch interne Realisation, inneres Probehandeln, imagery practice (bildhafte Übung) und visualization (Vorstellen).

Auch ideomotorisches Training wird von Janssen in diese Reihe von Begrifflichkei- ten eingegliedert. Er definiert mentales Training als eine „individuelle, kognitive Strategie der Bewegungsoptimierung, indem Ausführungsvorschriften oder ausfüh- rungsbedeutsame Hinweisreize gedanklich wiederholt werden. Dabei kann man im Training Bewegungsskizzen (Konturprogramme), niedergeschriebene oder auf Au- diokassette gesprochene Ausführungsvorschriften verwenden.“ (Janssen 1995, S.75)

Volkamer beschreibt es als „...das Erlernen oder verbessern eines Bewegungsab- laufs durch intensives Vorstellen ohne gleichzeitiges tatsächliches Üben...“ (Bau- mann 1998, S.59) Beim Mentalen Training werden Vorstellungen regelmäßig, ge- zielt und kontrolliert eingesetzt, um Bewegungsabläufe zu erlernen, aufrechtzuer- halten und zu optimieren. Im Wesentlichen stimmen die Autoren darin überein, dass das mentale Training als integrativer Teil des sportlichen Trainings durch psy- choregulative Techniken und Verfahren den idealen Trainingszustand erreichen soll. Diesen erlebt der Sportler als „Flow“- Gefühl. Angelehnt an Volpert (1977) kann man daher mentales Training als Überbegriff für „planmäßig wiederholtes, bewuss- tes Sich- Vorstellen einer sportlichen Handlung ohne deren gleichzeitig praktische Ausführung definieren“. Dabei untergliedert Richardson das mentale Training in die Typen des Verbalizers (Mental- sprachliches Training) d.h. die Vorstellung wird da- durch aufgebaut und verbessert, dass der entsprechende Bewegungsablauf per Selbstgespräch vergegenwärtigt wird. Der Observer (Mentales Training aus der Beobachterperspektive) betrachtet vor seinem geistigen Auge wie ein Außenste- hender einen Film über den eigenen Bewegungsablauf. Der Visualizer (Mentales Training aus der Innenperspektive) und zugleich Ziel das angestrebt werden sollte, ruft sich die Innenperspektive einer Bewegung ins Bewusstsein. Ziel ist es, sich in- tensiv in die Bewegungsvorstellung hineinzuversetzen und die inneren Prozesse, die für eine möglichst optimale Ausführung der Bewegung notwendig sind, nachzu- empfinden.

3 Angst und deren Klassifikation

Die Angst spielt während des Wettkampfes eine bedeutende Rolle. Oftmals ist das Phänomen „Trainingsweltmeister“ im Taekwondo zu beobachten. Während in Trai- ningswettkämpfen alles optimal zu laufen scheint, sieht es bei entscheidenden Wettkämpfen ganz anders aus. Hierfür ist nicht zuletzt die Angst verantwortlich.

Bei der Klassifikation von Ängsten wird zwischen Angst als Zustand und Angst als Wesenszug differenziert. Grundsätzlich bezeichnet erstere einen augenblicklichen und vorübergehenden Zustand, wohingegen die Angst als Wesenszug eine chroni- sche Erregungsbereitschaft darstellt (vgl. Schwarzer, 1993, S. 88). Des Weiteren unterscheidet Schwarzer zwischen Existenzangst, sozialer Angst und Leistungs- angst. Unter Existenzangst versteht er die Angst körperlichen Schaden zu erleiden (vgl. Schwarzer, 1981, S.93). Hier ist sofort ersichtlich, dass diese Art von Angst in dem Taekwondo Wettkampf eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt, da der Wettkampf im Vollkontaktmodus ausgeführt wird und folglich das Ziel darin besteht, dem Gegner in gewisser Weise Schmerzen zuzufügen. Bei der sozialen Angst steht das Gefühl der Selbstwertbedrohung im Vordergrund. Es wird befürchtet, dass die eigene Person durch andere Personen bewertet wird. Dieser Zustand tritt immer dann ein, wenn sich eine Person „überlegt, was andere wohl von ihr halten“ (Schwarzer, 1993, S. 73). Die Leistungsangst entsteht durch die subjektiv empfun- dene Bedrohung des Selbstwertes, die durch die jeweilige Leistungssituation aus- gelöst wird. Diese Form der Angst kommt immer dann besonders zum tragen, wenn die betreffende Person sich in einer Prüfungssituation befindet und eine Angst vor einem möglichen Misserfolg besteht. Da der sportliche Wettkampf eine Form von

Prüfungssituation ist, liegt es auf der Hand, dass die Leistungsangst im Taekwondo auch eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt.

3.1 Umgang mit Angst

Bei den unterschiedlichen Erscheinungsformen der Angst, sollte man verschiedene Maßnahmen ergreifen um sie zu regulieren. Zusätzlich spielt es eine Rolle, ob die Angst unmittelbar vor dem Wettkampf auftritt, oder ob man während dem Wett- kampf ängstlich agiert. Abhängig von diesen Faktoren gibt es mehrere Möglichkei- ten mentaler Trainingsformen um die Angst zu regulieren. In dieser Arbeit sollen die Möglichkeiten diskutiert werden, wie man die Angst unmittelbar vor einem Wett- kampf reguliert. Angst ist eine emotionale Befindlichkeit, die durch die Veränderung der biochemischen Zusammensetzung des Blutes durch Adrenalin ausgelöst wird. Da eine bestimmte Konzentration von Adrenalin im Blut förderlich ist, kann man nicht pauschal behaupten, dass Angst beziehungsweise Adrenalin leistungshem- mend ist. Vielmehr müssen die Anforderungen untersucht werden, die sich einem in der jeweiligen Sportart stellen. In einer Sportart mit vielen schnellkräftigen Bewe- gungen benötigt man ein höheres Aktivationsniveau als bei Sportarten mit feinmoto- rischen Bewegungen (Eberspächer, 2001). Da es im Taekwondo um eine Sportart der ersten Gruppe geht, sollte man die Angst nicht zu sehr verurteilen. Jedoch ist es häufig der Fall, dass die Angst übermäßig zunimmt und aus diesem Grund die Stoffwechselprozesse nicht optimal ablaufen können.

3.2.1 Ängste unmittelbar vor dem Wettkampf

Die Angst löst eine verstärkte Adrenalinausschüttung aus. Es kommt zu einer übermäßigen Aktivierung, welche für eine optimale Konzentration hinderlich sein kann. „Das YERKES-DODSONsche Gesetz besagt, dass es für die Bewältigung je- der Anforderung ein optimales Aktivationsniveau gibt“ (Eberspächer, S. 63). Es muss also bei jedem einzelnen festgestellt werden, ob das Aktivationsniveau be- ziehungsweise die Angst förderlich oder hinderlich für die Wettkampfleistung ist.

3.2.1.1 Regulation der Angst durch Progressive Muskelentspannung

Die Progressive Muskelentspannung ist eine Möglichkeit, mit der man effektiv und schnell sein Aktivationsniveau senken kann. Jacobson hat durch Untersuchungen an der Haward-Universität entdeckt, dass empfundene Angst durch Lösen der Spannung im Körper behoben werden kann (Eberspächer, 2001). Man sollte mit dem so genannten Grundverfahren beginnen. In diesem Verfahren werden 16 Muskelgruppen nacheinander angespannt und wieder entspannt. Es sollten nach- einander folgende Schritte ausgeführt werden. Zuerst sollte man die Konzentration auf die jeweilige Muskelgruppe lenken, danach wird die jeweilige Muskelgruppe an- gespannt. Diese Spannung soll für fünf bis sieben Sekunden aufrechterhalten wer- den. Danach löst man die Muskelspannung und konzentriert sich während des Lö- sens auf den Entspannungsvorgang vgl. (Eberspächer, 2001). Es ist wichtig die Progressive Muskelentspannung in verschiedenen Situationen zu üben, bevor man sie am Wettkampftag anwendet.

[...]

Details

Seiten
11
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640281305
ISBN (Buch)
9783640284252
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v123515
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Institut für Sport und Sportwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Mentale Trainingsformen Angstreduktion Wettkampftag Sportart Taekwondo Mentales Training

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Titel: Mentale Trainingsformen zur Angstreduktion am Wettkampftag in der Sportart Taekwondo