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Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Begriffe 'Parteilichkeit' und 'Empowerment' in der Mädchen- und Frauenarbeit

Studienarbeit 2008 10 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Gemeinsamkeiten von Empowerment und Parteilichkeit in der Mädchen- und Frauenarbeit
2.1 Grundlagen und Ausgangspunkte
2.2 Ziele
2.3 Professionelle Haltung

3. Unterschiede von Empowerment und Parteilichkeit in der Mädchen- und Frauenarbeit

4. Fazit

5. Literaturangabe

1.Einleitung

In der folgenden Arbeit möchte ich auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Empowerment und der Parteilichkeit in der Mädchen und Frauenarbeit eingehen. Beide Konzepte sind in der sozialen Arbeit zu finden – mal mehr, mal weniger offensichtlich. Da Empowerment auch in der Mädchen- und Frauenarbeit als Methode und Haltung vorzufinden ist, möchte ich in der vorliegenden Ausarbeitung Empowerment nicht vom feministischen Standpunkt isoliert verstehen.

Im ersten Teil werde ich auf die Gemeinsamkeiten eingehen. Das Augenmerk hierbei, lege ich gezielt auf die gemeinsamen Grundlagen und Ausgangspunkte, die gemeinsamen Ziele und die gemeinsame professionelle Haltung. Danach werde ich die Unterschiede von Empowerment und Parteilichkeit in der Mädchen- und Frauenarbeit darlegen. Den Abschluss bildet ein persönliches Fazit dieser Auseinandersetzung.

2.Gemeinsamkeiten von Empowerment und Parteilichkeit in der Mädchen- und Frauenarbeit

Empowerment und Parteilichkeit in der Mädchen- und Frauenarbeit – zwei Begrifflichkeiten, die auf den ersten Blick keine offensichtlichen Gemeinsamkeiten erkennen lassen. Bei genauerer Betrachtung jedoch wird sichtbar, dass durchaus auch zwei so verschiedene Ansätze Berührungspunkte vorweisen können.

2.1 Grundlagen und Ausgangspunkte

Beide Begriffe – sowohl Empowerment als auch Parteilichkeit – gelten in der Sozialen Arbeit als Haltung der professionellen Helfer gegenüber den Betroffenen. Es kann zunächst festgestellt werden, dass beide Haltungen einen „grundlegenden kritischen und politisch reflexiven Kern und Ursprung“[1] haben. Beide sind aus Umbruchsituationen heraus in der sozialen Arbeit entstanden.

Empowerment und Parteilichkeit werden allerdings nicht als eine bestimmte Technik durchgeführt, sondern sie geschehen, durch einen möglichst verinnerlichten Prozess der professionellen Haltung. Meines Erachtens sind beide Haltungen „eine rationale, erlernbare und vermittelbare Kompetenz“[2],die bei vorhandener Motivation übernommen und verinnerlicht werden können. Beide Haltungen wirken aktivierend – sie wollen Raum geben, um verschiedenste Prozesse der Selbstheilung anzuregen.[3] Diese Prozesse werden im individuellen Bereich, in der Arbeit mit Gruppen als auch im politischen Bereich initiiert.[4] Empowerment und Parteilichkeit in der Mädchen- und Frauenarbeit haben einen Lebenswelt- und Alltagsorientierten Standpunkt.[5] Die Betroffenen gelten als Experten ihres Problems, als auch ihrer Lebenswelt.[6] Der subjektive Betrachtungswinkel der Betroffenen wird in beiden Haltungen erkannt, erlaubt und als Ausgangspunkt der weiteren Vorgehensweise beachtet.[7] Sowohl im Empowerment als auch in der Parteilichkeit in der Mädchen- und Frauenarbeit wird davon ausgegangen, „dass das, was als Defizit wahrgenommen wird, das Ergebnis sozialer Strukturen und mangelnder Ressourcen darstellt, in denen sich vorhandene Fähigkeiten nicht entfalten können.“[8] Ebenso geht Rappaport davon aus, „dass viele Fähigkeiten beim Menschen bereits vorhanden oder zumindest möglich sind, vorausgesetzt man schafft Handlungsmöglichkeiten.“[9] Dies ist auch bei der parteilichen Haltung als Ausgangspunkt zu finden.

Beide Haltungen haben – wie schon erwähnt – nicht nur eine sozialpädagogische /sozialarbeiterische Perspektive, sondern es findet sich in beiden auch eine politische Perspektive. Der Blick liegt nicht nur auf dem Individuum und dessen Umfeld, sondern betrachtet auch die gesellschaftliche Lage der Betroffenen und ihre Stellung darin.[10] Die Arbeit beinhaltet - in beiden Haltungen – drei Ebenen: die Ebene der Arbeit mit den Betroffenen selbst, die Ebene der Arbeit mit Gruppen im Gemeinwesen und der Gemeindepsychologie, als auch die Ebene der Arbeit im politischen Bereich. Auf allen drei Ebenen soll den Betroffenen eine gesellschaftliche Teilhabe und Teilnahme ermöglicht werden.[11] Im Empowerment und der Parteilichkeit wird überlegt und analysiert, wie die Macht in der Gesellschaft verteilt ist. Bei beiden Haltungen wird der Blick auch auf die strukturellen Gegebenheiten gelegt, um so eventuelle Benachteiligungen aufdecken zu können.[12] Somit sind sowohl Empowerment als auch die Parteilichkeit in der Mädchen- und Frauenarbeit politisch wirkende Konzepte.

2.2 Ziele

Gemeinsamkeiten von Empowerment und Parteilichkeit in der Mädchen- und Frauenarbeit sind auch bei den jeweiligen Zielsetzungen zu finden. Beide Haltungen wollen in ihrer Grundausrichtung zur Verfügung stehende Stärken erkennen und wieder nutzbar machen.[13] Das durch minimale Anreize in Bewegung gesetzte Handeln, soll ein selbstaktives sein.[14] Durch die Erfahrung von Partizipation soll sowohl im Empowerment als auch bei der Parteilichkeit eine Bereicherung von Autonomie und Selbstbestimmung erreicht werden.[15] Die Selbstwahrnehmung der Betroffenen soll gefördert werden, damit sie somit die Befähigung wiedererlangen, das eigene Leben selbständig zu gestalten und den individuellen Lebensweg eigenbestimmt zu gehen. Folglich soll eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden.[16]

In beiden Haltungen wird darauf gezielt, neue Handlungskonzepte zu erarbeiten um dadurch benachteiligte Bevölkerungsgruppen zu Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu führen. Infolgedessen werden Handlungsmöglichkeiten durch eine Veränderung der Rahmenbedingungen erweitert[17] – kollektiv und individuell – und eine Stärkung der gesellschaftlichen Stellung der Individuen als auch der Stellung von Gruppierungen in der Gesellschaft[18] kann erzielt werden.

[...]


[1] Modultext O14 a, S. 8

[2] Hartwig / Merchel, S. 39

[3] vgl. Modultext O 14a, S. 27 und Hartwig / Merchel, S.29

[4] vgl. Modultext O 14a, S. 27 ff und Hartwig / Merchel, S. 15, 28 ff

[5] vgl. Modultext O 14a, S. 29 und Hartwig / Merchel, S. 29

[6] vgl. Modultext O 14a, S. 41 und Hartwig / Merchel, S. 28

[7] vgl. Modultext O 14a, S. 29 und Hartwig / Merchel, S. 27 ff

[8] Julian Rappaport, zitiert durch Modultext O 14a, S. 10, vgl. Hartwig / Merchel, S. 26

[9] Julian Rappaport, zitiert durch Modultext O 14a, S. 10, vgl. Hartwig / Merchel, S. 26

[10] vgl. Modultext O 14a, S. 36 und Hartwig / Merchel, S. 36

[11] vgl. Modultext O 14a, S. 36 und Hartwig / Merchel, S. 46

[12] vgl. Modultext O 14a, S. 37 ff und Hartwig / Merchel, S. 26

[13] vgl. Modultext O 14a, S. 17 und Hartwig / Merchel, S. 29

[14] vgl. Modultext O 14a, S. 28 und Hartwig / Merchel, S. 42

[15] vgl. Modultext O 14a, S. 28 und Hartwig / Merchel, S. 36

[16] vgl. Modultext O 14a, S. 28 / 33 und Hartwig / Merchel, S. 40

[17] vgl. Modultext O 14a, S. 14 und Hartwig / Merchel, S. 42

[18] vgl. Modultext O 14a, S. 14 und Hartwig / Merchel, S. 35 ff

Details

Seiten
10
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783668077928
ISBN (Buch)
9783668077935
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v123762
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,0
Schlagworte
unterschiede gemeinsamkeiten begriffe parteilichkeit empowerment mädchen- frauenarbeit

Autor

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Titel: Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Begriffe 'Parteilichkeit' und 'Empowerment' in der Mädchen- und Frauenarbeit