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Die Herkunft der Indianer auf dem amerikanischen Doppelkontinent

Hausarbeit 2002 13 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Frühere Theorien zur Klärung der Frage nach dem Ursprung der Indianer

2. Die asiatische Herkunft der ersten Indianer Amerikas

3. Beringia als Weg der indianischen Vorfahren von Asien nach Amerika

4. Die Einwanderung indianischer Ahnen in den amerikanischen Kontinent
4.1. Theorien der Einwanderung über den Seeweg
4.2. Immigrationswellen nach der paläoindianischen Einwanderung

5. Die Clovis-Kultur und ihr Ende

Literaturverzeichnis

1. Frühere Theorien zur Klärung der Frage nach dem Ursprung der Indianer

Mit der Ankunft der Europäer Ende des 15. Jahrhunderts auf dem Doppelkontinent, der später den Namen „Amerika“ erhielt, stellte sich die Frage nach dem Ursprung der dort schon vorhandenen Einwohner, die gemeinhin als „Indianer“ bezeichnet wurden.

Papst Julius II. verkündete 1512, dass die Indianer auch als Nachkommen des biblischen ersten Menschenpaares zu sehen seien, so dass sich die Frage stellte, wie diese Nachfahren aus der Alten in die Neue Welt gekommen waren[1].

Die europäischen Geistlichen und Gelehrten des 16. und 17. Jahrhunderts zogen die Bibel und die klassischen Werke der griechischen und römischen Antike, die die einzigen „bekannten Quellen [..], die historische Anhaltspunkte über die Indianer enthalten konnten“[2], darstellten, zu Rate.

Mit Hilfe der Heiligen Schrift versuchte der niederländische Theologe Joannes Fredericus Lumnius beispielsweise eine Antwort auf die Frage nach der indianischen Herkunft zu geben. Er stellte 1567 die Vermutung an, die eingeborenen Amerikaner seien Nachfahren der zehn jüdischen Stämme, die, einer alttestamentarischen Bibelstelle zufolge, nach der Eroberung Palästinas aus Israel vertrieben worden waren und bis in die Neue Welt gelangt seien.[3]

Das Alte Testament lieferte im 17. Jahrhundert noch eine weitere „Erklärung“ für die Existenz des amerikanischen Kontinents und der dort von den Europäern vorgefundenen alteingesessenen indianischen Bewohner, denn es wurde sich einer Textstelle bedient, in der vom sagenhaften Land Ophir die Rede ist. Ophir sei ein Land weit entfernt in Übersee, in dem seltene Bäume wachsen sollen und riesige Mengen an Gold zu finden seien.[4]

Auch Sagen, die verschwundene Erdteile zum Thema haben, wurden zur Klärung der Frage nach der Herkunft der Indianer herangezogen. Zwei Beispiele dafür sind die Erzählungen über Atlantis, das ein riesiger überfluteter Kontinent im Atlantik gewesen sei, und die Insel Mu, die im östlichen Pazifik gelegen haben soll. Aus diesen versunkenen Ländern und Kontinenten, für die es keinerlei Beweise und geologische Zeugnisse gibt, sollten die Vorfahren der Indianer stammen, die auf dem amerikanischen Doppelkontinent von den Europäern angetroffen wurden.[5]

Neben den schon erwähnten biblischen zehn jüdischen Stämmen, die sich nach Amerika geflüchtet haben sollen, wurden viele andere Völker als indianische Ahnen betrachtet. So seien die Indianer z.B. Nachkommen der besten Seefahrer des Altertums, der Phönizier, die als einzige in der Lage gewesen seien, die großen Entfernungen zwischen der Alten und der Neuen Welt zu überbrücken. Es wurde auch die Behauptung aufgestellt, die Indianer seien „die Nachkommen der Flüchtlinge aus dem von den römischen Truppen zerstörten Karthago“[6] der Antike.

Die Zahl weiterer solcher wissenschaftlich unhaltbaren Theorien über die Abstammung der Indianer ist groß und die Thesen basieren sehr häufig auf oberflächlichen Ähnlichkeiten und vagen Sprachvergleichen zwischen bestimmten Volksgruppen der Alten Welt und einzelnen indianischen Stämmen.

Aufgrund der Evolutionstheorie von Charles Darwin tauchte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Frage auf, ob sich die Indianer in Amerika aus tierischen Vorfahren entwickelt hatten. Auf dem amerikanischen Kontinent gibt es jedoch keine Menschenaffen und bis zur heutigen Zeit wurden nie fossile Überreste der Vorgänger des modernen Menschen, des Homo sapiens sapiens, gefunden. Folglich haben die Indianer keine Evolution in Amerika durchschritten und müssen als moderne Menschen in den Kontinent eingewandert sein.[7]

2. Die asiatische Herkunft der ersten Indianer Amerikas

Heute als unwiderlegbar geltende Beweise vom asiatischen Ursprung der ersten Indianer Amerikas liefern mehrere Wissenschaftsdisziplinen. Die Anthropologie betont die vielen ausgeprägt mongoliden Körpermerkmale der Indianer. Beispiele für diese Charakteristika sind der stämmige Körperbau mit relativ kurzen Beinen, langen Armen, kleinen Füßen und Händen, die hervortretenden Wangenknochen, eine ausgeprägte Nase, einen breiten Mund und glatte und dichte schwarze Haare. Zu nennen ist auch der sogenannte Mongolenfleck, der eine vorübergehende Pigmentansammlung darstellt, die typisch für die meisten in Asien lebenden Angehörigen dieser Rasse ist und bei vielen Indianern in der Kindheit am Rücken zu sehen ist. Auch die bei vielen mongoliden Völkern auftretende Hautfalte am Auge, die sogenannte Mongolenfalte, ist bei den Indianern des amerikanischen Kontinents zu finden.[8]

Ein morphologischer Vergleich der Zähne der Nordostasiaten und den Indianern unterstützt zudem die These von der asiatischen Herkunft letzterer stark, da beispielsweise schaufelförmige obere Schneidezähne in beiden Gruppen verbreitet sind.[9]

Die Genetik zeigt ebenfalls Übereinstimmungen zwischen den Ureinwohnern Sibiriens und der Mehrheit der Indianer des amerikanischen Nordens. Genetiker fanden für räumlich weit voneinander entfernte Indianergruppen einen gemeinsamen genetischen Vorfahren. Die Ansicht einiger Mikrobiologen, dass mehr als 95 Prozent aller eingeborenen Amerikaner von einer einzigen Ursprungsbevölkerung abstammen[10], wird durch eine Blutgruppenuntersuchung unter Nord- und Ostasiaten und Indianern gestützt.

Diese Untersuchung zeigt, dass die Blutgruppe B mit 11 bis 25 Prozent bei den Bewohnern Asiens in der welthöchsten Häufigkeit auftritt, während die Indianer in ihrer absoluten Mehrheit zur Blutgruppe 0 und nur sehr geringfügig zur Blutgruppe B gehören. In indianischen Bevölkerungen Süd- und Mittelamerikas fehlt die Blutgruppe B sogar völlig. Daraus wurde gefolgert, dass alle Vorfahren der ersten indianischen Einwanderer aus einem einzigen, verhältnismäßig kleinen Gebiet Asiens stammen, dessen Bewohner die Blutgruppe B bereits vor der beginnenden Wanderung nach Amerika verloren hatten.[11]

Die wissenschaftliche Disziplin der Ethnographie stellt zahlreiche Analogien in der materiellen Kultur der Indianer und der Bewohner Ost- und Südostasiens fest. Deutliche Ähnlichkeiten sind auch in der geistigen Kultur, vor allem der sibirischen Einheimischen und der Indianer, zu finden. So verehren die Bewohner Sibiriens im nordasiatischen Jägerkult dieselben Tiere, z.B. Bär und Adler, und Pflanzen wie die nordamerikanischen Indianer. Zudem ähneln sich der indianische und sibirische Schamanismus, d.h. der Glaube, in dem dem Schamanen als Verbindung zum Übernatürlichen und als Medizinmann zur Heilung Kranker eine zentrale Rolle zukommt, sehr stark[12] und „übereinstimmend in Amerika und Ostasien ist auch die Verehrung der Zahl 4“[13].

[...]


[1] Farb, 1971: S. 237

[2] Fagan, 1990: S. 10

[3] ebd.: S. 21

[4] Stingl, 1987: S. 15

[5] Läng, 1989: S. 13 f.

[6] Stingl, 1987: S. 16

[7] ebd.: S. 16 f.

[8] Crawford, 1998: S. 7

[9] ebd.: S. 222 f.

[10] vgl. Thomas u.a., 1998: S. 32

[11] Fiedel, 1987: S. 39 f.

[12] Crawford, 1998: S. 9 f.

[13] Stingl, 1987: S. 19

Details

Seiten
13
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783640288281
ISBN (Buch)
9783640288502
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v123889
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Historisches Seminar
Note
1,4
Schlagworte
Amerika Indianer Beringstraße Beringstrasse Frühe Neuzeit Sibirien Migration Gene Archäologie Urzeit Cloviskultur Clovis Nordamerika Südamerika Immigration Einwanderung Kontinente Herkunft Geschichte

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Titel: Die Herkunft der Indianer auf dem amerikanischen Doppelkontinent