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Maislabyrinthe in Deutschland. Eine Betriebszweigbetrachtung

Hausarbeit 2009 24 Seiten

Agrarwissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Vielfalt der Maislabyrinthe in Deutschland
2.1. Labyrinth und Irrgarten
2.2. Maislabyrinthe

3. Der Betriebszweig Maislabyrinth
3.1. Ergebnisse der Umfrage
3.2. Auswertung der Ergebnisse

4. Zusammenfassung

5. Verzeichnisse

6. Anhänge

1. Einleitung

Maislabyrinthe haben sich im Lauf der letzten zehn Jahre in der Bundesrepublik sehr stark verbreitet und erfreuen immer größerer Beliebtheit. Sie locken in den Sommermonaten bundesweit viele tausend Besucher ins Grüne und in die Irre.

Neben einem schönen Freizeitvergnügen für die Besucher, kann ein Maislabyrinth auch eine lukrative Einkommensquelle für den Landwirt sein. Betrachtet man nun die vielen unterschiedlichen Maislabyrinthe, die es in Deutschland gibt, im Jahr 2008 waren es über 70 Irrgärten, merkt man, dass keines wie das andere ist, alle sind individuell und einzigartig.

Vor diesem Hintergrund stellt es sich als schwierig heraus, eine genaue Betriebszweiganalyse zu erstellen, die Beweggründe, ein Maislabyrinth zu erstellen und auch die Umsetzungen sind einfach zu verschieden.

Deshalb habe ich mich im folgenden darauf beschränkt, Allgemeines über Maislabyrinthe zu erläutern, sowie einige Beispiele näher zu betrachten und auf die Möglichkeiten, die ein Maislabyrinth mit sich bringt, einzugehen.

Weiterführend habe ich eine Umfrage unter den Veranstaltern von einem Maislabyrinth im Sommer 2008 durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Umfrage werden erläutert und ausgewertet.

2. Die Vielfalt der Maislabyrinthe in Deutschland

2.1. Labyrinth und Irrgarten

Das ursprüngliche Labyrinth hat im wesentlichen immer die gleiche Form. Von einem Kreuz ausgehend, werden sieben, oder mehr Kreise gezogen, die einen verschlungenen Weg bilden. Dieser Weg hat keine Abzweigungen, keine Sackgassen und keine Irrwege. Er führt hin und her, biegt immer wieder nach innen und nach außen ab und führt schließlich zur Mitte. Dort ist der Ort der Umkehr, und es führt der gleiche Weg wieder nach außen zurück. Der Weg des Labyrinths symbolisiert den schwierigen und verschlungenen Lebensweg des Menschen.

In einem Irrgarten dagegen muss der Weg zum Zentrum durch viele Abzweigungen und Kreuzungen hindurch gefunden werden.

Auf den ersten Blick gleichen sich Labyrinth und Irrgarten, doch setzten sie Besucher ganz gegensätzlichen Erfahrungen aus. Im klassischen Labyrinth kann man sich auf die innere Erfahrung konzentrieren, sicher geleitet zu werden. Man muss keine Bedenken haben, sich zu verirren, auch wenn der Weg sehr lang erscheint. Irrgärten hingegen sind dazu geschaffen, den Besucher in die Irre zu führen, die innere Unsicherheit macht sich in einem solchen Irrgarten an jeder Kreuzung breit (Schneider, 2004).

Das Labyrinth gehört zu den kulturellen Urschätzen der Menschen. Es ist ein einfaches Symbol für die komplexen Gegensätze der Lebensordnungen. Im Gegensatz zur Spiralform kommt die labyrinthische Struktur in der Natur nicht vor. Das Labyrinth ist eine Schöpfung der Menschen. Bereits in prähistorischer Zeit haben sie für den Kreislauf von Werden, Vergehen und Neuwerden dieses gleichnishafte Ursymbol geschaffen. Die Labyrinthform bezeugt, dass die Menschen die Gesetze ihres Daseins erkannt und akzeptiert haben.

Seit Jahrtausenden werden Labyrinthe in Felsen oder Ton geritzt, in alte Handschriften gezeichnet, auf Keramiken gemalt, oder mit Steinen am Boden ausgelegt. Das älteste datierbare Labyrinth wurde bei Ausgrabungen im Palast von Nestor in Pylos, Griechenland gefunden. Um 1200 v. Chr. wurde der Palast durch ein Feuer zerstört. Die Tafel wird von dieser Zeit sein. Noch älter sind Labyrinthe als Felsritzungen, aber sie sind schwer zu datieren. Beispiele von Labyrinthe in Europa sind wahrscheinlich 3000 - 4000 Jahre alt.

Irrgärten erschienen in der Gartenarchitektur der Renaissance und Barock. Zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert wurden viele Garten-Labyrinthe und Irrgärten mit verschlungenen Wegen angelegt. Ein Irrgarten ist eine Anlage mit einem verzweigten, kunstvoll-komplizierten Wegesystem, das meist von übermannshohen Hecken gebildet wird. Der Reiz des Hecken-Irrgartens besteht in dem Gefühl des zeitweiligen Gefangenseins durch Hindernisse aus blickdichten und undurch­dringlichen Hecken (Saward, 2003).

Heute findet man Irrgärten auf Jahrmärkten und in Vergnügungsparks. Innenwände aus Glas und Spiegel tragen zur lustvollen Verwirrung bei. Zerrspiegel in den Gängen bringen zusätzliches Vergnügen.

In einer Zeit urbaner Siedlungsräume, World Wide Web und Supermarkt gewinnt das Labyrinth zunehmend an Popularität. Das Erlebnis totaler Desorientierung, Konzentration auf die eigene Wahrnehmungsfähigkeit, sich auf seine Sinne verlassen müssen, übt auf viele Menschen eine starke Faszination aus.

Labyrinthe und Irrgärten wurden früher, wie bereits erwähnt, oft als Teil von Parks oder Gärten angelegt. Heute erfreuen sich die relativ schnell wachsenden Maislabyrinthe großer Beliebtheit.

2.2. Maislabyrinthe

Maislabyrinthe sind strenggenommen keine Labyrinthe, sondern Irrgärten, da sie in den meisten Fällen mehrere Möglichkeiten bieten, an das Ziel zu gelangen und auch häufig Sackgassen aufweisen, die im klassischen Labyrinth nicht vorkommen. Trotzdem wird im Folgenden der Begriff „Maislabyrinth“ als Synonym für „Maisirrgarten“ beibehalten.

Der erste Maisirrgarten wurde von A. Fisher und D. Frantz 1993 in Annville, Pennsylvania in den Umrissen eines riesigen Steganosaurus angelegt (Saward, 2003). Im Laufe der Jahre haben immer mehr Landwirte auch in Europa die attraktive Zuverdienstmöglichkeit durch ein Maislabyrinth entdeckt. Die genaue Anzahl der Maisirrgärten in Deutschland lässt sich aufgrund fehlender zentraler Erfassung nicht eindeutig feststellen. Jedoch gibt es auf der Internetseite www.agrar.de eine Sammlung von Adressen, nach welcher es im Jahr 2008 bundesweit fast 70 Feldlabyrinthe gab, wovon der Großteil Maislabyrinthe waren. Es wurden jedoch auch Labyrinthe in Hanf, Sonnenblumen, Topinambur und sogar eines in Elefantengras angelegt. Ein Faktor für die rasche Verbreitung in Deutschland während den letzten zehn Jahren dürfte ein vom Deutschen Mais- Komitee (DMK) von 2001 bis 2004 ausgeschriebener Wettbewerb gewesen sein, bei dem jedes Jahr die schönsten oder originellsten Anlagen mit gut dotierten Preisen ausgezeichnet wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Feldlabyrinthe in Deutschland 2008 (Quelle: http://www.agrar.de/labyrinth/ (Stand: 03.01.2009))

Auf der obenstehenden Karte ist zu erkennen, dass sehr viele Labyrinthe im westlichen Teil Deutschlands, also in Nordrhein-Westfalen, West-Niedersachsen, Süd-Hessen und Baden-Württemberg zu finden sind. Außerdem gibt es einige in den Touristikgebieten Norddeutschlands an der Nord- und Ostseeküste. In den anderen Bundesländern sind Labyrinthe nur vereinzelt und dann eher in der Nähe von Großstädten wie beispielsweise München angelegt worden.

Maislabyrinthe werden aus ganz unterschiedlichen Beweggründen organisiert und angelegt. Mancher Landwirt erhofft sich ausschließlich einen lukrativen Nebenerwerb bei gleichzeitiger betrieblicher Nutzung der angebauten Kulturen. Durch ein Maislabyrinth erhöht sich der Deckungsbeitrag des Maisanbaus erheblich. Bei anderen Organisatoren steht die Überlegung im Vordergrund, dass sich durch eine solche Anlage die touristische Attraktivität eines Ortes oder einer Region erhöhen kann. Außerdem kann ein Hofladen von den Besuchern profitieren und eine Verköstigung am Feld kann häufig von den auf dem eigenen Hof erzeugten Produkten erfolgen. Im Rahmen von Angeboten wie „Ferien auf dem Bauernhof“ kann ein in der Nähe liegendes Feldlabyrinth eine zusätzliche Attraktion sein, die potenzielle Gäste veranlasst, sich für eben diesen Hof zu entscheiden (Hesse, 2006).

Die meisten Organisatoren haben einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Ackerbau und Viehhaltung und der Mais ist Bestandteil der Fruchtfolge. Andere wiederum haben beispielsweise einen Obstbaubetrieb mit Ferienwohnungen und einem angegliederten Bauerncafé. Ein befragter Betrieb ist rein auf die Erzeugung nachwachsender Rohstoffe ausgerichtet und hat daher viel Mais im Anbau.

Es gibt aber auch Veranstalter, die nicht direkt aus der Landwirtschaft kommen. So wird das Eutinger Maislabyrinth von den örtlichen Vereinen auf einer gepachteten Fläche organisiert und angelegt. Jedes Wochenende übernimmt ein anderer Verein die Betreuung und gestaltet das Programm.

Neben den rein finanziellen Motiven haben die Veranstalter oft noch das Bedürfnis, den Besuchern landwirtschaftliche Themen näher zu bringen, oder zu einem bestimmten, auch nicht-landwirtschaftlichen Thema zu informieren. Dies geschieht meist in Form von Rätsel- und Suchspielen und durch Infotafeln an verschiedenen Stationen. Bei manchen Labyrinthen steht das reine Freizeitvergnügen im Vordergrund. Da gibt es neben Stempelstationen sehr oft Streichelzoos, Ponyreiten Maisschwimmbäder, Abendteuerspielplätze, Strohburgen, Heurutschen Lagerfeuer, Beach-Bars, wöchentliche Konzerte und andere Sonderveranstaltungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Bubenheimer Spieleland mit Maislabyrinth (Quelle: http://freizeitparks.deparkfinder/ detail/ansicht/bubenheimer-spieleland/?featurekey=185)

Als ein Beispiel dieser Art von Maislabyrinth, welche mehr mit einem Freizeitpark gemeinsam haben als mit einem landwirtschaftlichen Feld, ist das Bubenheimer Spieleland zu nennen. Statt in die tragfähige Existenz ihres 100 ha - Ackerbaubetriebs zu investieren, baute das Ehepaar vor zehn Jahren einen Kinderfreizeitpark auf. Zum landwirtschaftlichen Betrieb gehören 100 ha Ackerland mit Bodenzahlen von 30 bis 85. Die Flächen werden ausschließlich von vier anderen Betrieben im Rahmen einer Betriebskooperation bewirtschaftet. Angebaut werden Zuckerrüben, Getreide, Raps, Mais, Möhren und Zwiebeln Das Spieleland beschäftigt vier festangestellte Mitarbeiter und bis zu 15 Saisonkräfte. Seit 1999 ist an das große Areal mit Spielgeräten und Attraktionen ein ca. 4 ha umfassendes Maislabyrinth mit Stempelstationen angegliedert (Internet 1, 2009).

Bei anderen Labyrinthen wird mehr Wert auf die Pädagogik und die Bildung gelegt. Es werden Lehr- , Lern- und Erlebnispfade angelegt, auf spielerische Art Wissen vermittelt und auch für die „Großen“ wird Anspruchsvolles und Informatives geboten. Die Besucher sollen einen kleinen Einblick in die Landwirtschaft bekommen und für die Arbeit mit der Natur sensibilisiert werden. Es gibt auch Maislabyrinthe, in welchen die Kunst eine tragende Rolle spielt. Dort werden Kunstgegenstände ausgestellt, sowie künstlerische Workshops für Kinder und Erwachsene angeboten. Auch Lesungen und Theater und sogar Gottesdienste wurden schon im Mais abgehalten.

Mit Skulpturen für eine gentechnikfreie Landwirtschaft setzt sich der Verein Zivil Courage in Neumarkt ein. Das Labyrinth, welches auf der Fläche eines ökologisch wirtschaftenden Landwirtes angelegt wurde, hat die Form des Landkreises und seiner Gemeinden, damit sich die Gemeinden und Kommunen aus dem Landkreis direkt angesprochen fühlen. Zusätzlich zu den Infotafeln, die die Mitglieder von Zivil Courage in dem Maislabyrinth entlang der "Landkreisgrenzen" aufgestellt haben, sollen die Kunstwerke die Besucher zum Nachdenken über das Thema "Agrogentechnik" anregen. So gibt es beispielsweise eine "Gentechnik-Sackgasse", an deren Ende, den Besucher eine provokante Skulptur erwartet.

Im Jahr 2007 wurde auf dem Gelände der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) von zehn Forschungseinrichtungen aus der Region Braunschweig ein Maislabyrinth geschaffen. Mit einem Irrgarten sollten die „(Irr-) Wege der Forschung“ gezeigt werden. Auf dem Maisfeld wurden die Forschungswege von 17 wissenschaftlichen Projekten in Form von Infotafeln, Spielen und Rätseln skizziert. Mit Sackgassen und Umwegen wollten die beteiligten Institute symbolisch verdeutlichen, dass man in der Wissenschaft oft mehr als einen Anlauf nehmen muss, bis man sein Ziel erreicht. (Internet 2, 2009).

Auf der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen, einem Versuchsbetrieb der Universität Kassel, wird seit 2005 jährlich von Studenten ein ökologisches Feldlabyrinth organisiert und angelegt. Dies geschieht im Rahmen einer Projektarbeit und folglich sind immer andere Studenten involviert, welche das Labyrinth jedes Jahr selbstständig und individuell gestalten. Ein Anspruch der Studenten ist, dass es nicht einfach ein 'Spaßlabyrinth' wird, sondern auch einen gewissen pädagogischen Wert hat und auch Wissen vermitteln kann.

In fast jedem Labyrinth werden Sonderveranstaltungen angeboten, wie z.B. Nachtlabyrinth, Geisternächte, Konzerte, Workshops und Themenwochenenden. Bei den einen finden diese Veranstaltungen regelmäßig statt, bei anderen nur ein- oder zweimal während der Saison.

Ebenso vielfältig wie die Motivation der verschiedenen Veranstalter, ist die Gestaltung der Labyrinthe. Während die einen komplizierte figürliche Motive oder sogar ganze Bilder auf dem Feld umsetzten, so legen andere mehr Wert auf geometrischen Formen und die Nähe zum ursprünglichen Labyrinth. Meistens ist jedoch die Wirkung des Luftbildes sehr entscheidend für die Motivgestaltung, da dieses sehr individuell ist und einen guten Wiedererkennungswert hat. Aufgrund dessen können Luftbilder gut zu Werbezwecken eingesetzt werden.

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Details

Seiten
24
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783668115392
ISBN (Buch)
9783668115408
Dateigröße
645 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124150
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,7
Schlagworte
maislabyrinthe deutschland eine betriebszweigbetrachtung

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Titel: Maislabyrinthe in Deutschland. Eine Betriebszweigbetrachtung