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Warum Panaitios?

Ciceros philosophischer Standpunkt in De officiis

Seminararbeit 2009 16 Seiten

Klassische Philologie - Latinistik - Literatur

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1 Ciceros Philosophie in De officiis
1.1 Stoa
1.2 Weitere Einflüsse
1.3 Exkurs über den Eklektiker Cicero
1.4 Ablehnung des Epikureismus

2 Beweggründe Ciceros für die Wahl der Stoa
2.1 Cicero als skeptischer Akademiker
2.2 Die Lehrer Ciceros
2.3 Cicero und die Politik
2.3.1 Ciceros politisches Leben
2.3.2 praecepta für angehende Staatsmänner

3 Gründe für die Wahl der panaitianischen Vorlage
3.1 Kaqh&konta als Grundlage für Ciceros Anweisungen
3.2 Die Philosophie des Panaitios
3.2.1 Abgewandelter Stoizismus
3.2.2 Panaitios als ‚römischer‘ Grieche

Schluss

Einleitung

„Cicero never explains his reasons for

choosing Panaetius as his model for Off.”[1]

Obgleich Panaitios des öfteren von Cicero in De officiis erwähnt wird, erhalten wir dennoch keinen Hinweis darauf, was ihn zu dieser Wahl veranlasst habe. Es stellt sich also die Frage, warum er zum Einen die stoische Philosophie und zum Anderen ausgerechnet Panaitios als Vorlage für sein Werk auswählte. Eine Antwort hierauf soll im Laufe der vorliegenden Arbeit gefunden werden, indem Text, philosophische Zusammenhänge und Umstände der damaligen Zeit beleuchtet werden.

1 Ciceros Philosophie in De officiis

Cicero, der sich sein Leben lang ausgiebig mit Philosophie beschäftigte, verwendet in seinem Werk über pflichtgemäßes Handeln also verschiedene philosophische Lehren, von denen die grundlegende die Stoa darstellt.

1.1 Stoa

So spielen beispielsweise die stoischen Grundsätze, gemäß der Natur zu leben („conuenienter naturae uiuere“[2] ) und durch realen Nutzen die Ehrenhaftigkeit zu erreichen („Honestate igitur dirigenda utilitas est“[3] ), eine große Rolle in den vorliegenden drei Büchern. Auch die stoische Sozialethik wird von Cicero mehrmals erwähnt, etwa in Form von Freundschaften. Cicero schreibt, es sei „et primum et maxime necessarium familiaritates habere fidas amantium nos amicorum“[4], und siedelt das Naturrecht über dem positiven Recht an. Natürlich darf dabei auch die Oikeiosis-Lehre nicht fehlen, die besonders im ersten Buch aufgegriffen wird. An ihr verdeutlicht Cicero den Unterschied zwischen Tier und Mensch, der sich in der Vernunft widerspiegelt: „Homo autem, quod rationis est particeps, per quam consequentia cernit, causas rerum uidet [...] facile totius uitae cursum uidet ad eamque degendam praeparat res necessarias“[5].

Am Ende des dritten Buches unterstreicht der Autorinsofern noch einmal das stoische Gesamtkonzept, als er sich gegen den Epikureismus wendet und dessen Streben nach voluptas verurteilt, das der stoischen Tugend temperantia widerspricht (Ausführlicheres dazu s. unten).

Doch Cicero schrieb nicht etwa stur die stoische Lehre ab, denn die direkte Übernahme griechischen Gedankenguts wäre in Rom zweifelsohne auf Ablehnung gestoßen. Schließlich galt in Rom der Grundsatz, dass man durch Philosophieren „fremde Spielregeln“4, also griechische Ideen übernehme. Deshalb wollte Cicero dem römischen Volk vielmehr eine überarbeitete Version der Stoa darbieten und so benutzte er das Werk peri_ tou= kaqh&kontoj des Panaitios von Rhodos als Vorlage, der eine etwas abgewandelte stoische Lehre vertrat. Dass er den griechischen Text nicht wörtlich übernehmen will, betont Cicero auch gleich zu Beginn des ersten Buches, indem er schreibt: „Sequimur [...] potissimum Stoicos, non ut interpretes, sed, ut solemus, e fontibus eorum iudicio arbitrioque nostro quantum quoque modo uidebitur hauriemus.“[6] Cicero stellt also, Panaitios folgend, die stoische Ethik nach eigenem Ermessen dar, beispielsweise indem er sie auf römische Beispiele anwendet. Auch der typisch römische Hang zur Praxisbezogenheit findet hier Ausprägung, da Ciceros Ausführungen sich nicht auf abstrakte Gedankengänge beschränken, sondern stets als praktische Anweisungen z.B. für Staatsmänner dargestellt werden.

Neben Panaitios ist noch ein weiterer Stoiker von Bedeutung für die Entstehung von De officiis, nämlich Poseidonios. Jenen verwendete Cicero als Grundlage für das Thema des Konflikts zwischen honestum und utile im dritten Buch. Dies geschah einerseits, weil Panaitios diesen Punkt in seinem Werk übergangen hatte und andererseits, weil Poseidonios – ähnlich wie Panaitios – eine modifizierte stoische Lehre vertrat. Zudem war Cicero ein Schüler des Poseidonios, worauf jedoch im späteren Verlauf dieser Arbeit noch genauer eingegangen werden soll.

Ein Schüler des Panaitios wiederum war Hekaton von Rhodos, ein weiterer Stoiker, der ein Werk über die Pflichtenlehre herausgab und dem Cicero – laut Steinmetz[7] - neben Panaitios und Poseidonios besonders folgt. Leider ist von ihm kein Werk erhalten, was wohl daraus resultierte, dass er ebenfalls einen abweichenden Stoizismus vertrat. Damit stellte er jedoch gleichzeitig eine gute Quelle für Ciceros De officiis dar.

Büchner zählt des weiteren Athenodor von Tarsos, der ebenfalls ein Werk über das pflichtgemäße Handeln verfasste, zu den sicheren Quellen Ciceros.[8] Dies erscheint naheliegend, da jener als ziemlich ‚römischer‘ Grieche angesehen wurde und ebenfalls ein Schüler des Poseidonios war.

1.2 Weitere Einflüsse

In De officiis finden sich jedoch nicht nur Einflüsse aus der Stoa, sondern auch aus weiteren philosophischen Richtungen. Als erstes wäre hier der Akademiker Platon zu nennen, der in seinen Werken Politeia und Nomoi die Kardinaltugenden nennt, welche eine zentrale Rolle in De officiis spielen. Nach diesen vier Tugenden – Weisheit (sapientia), Gerechtigkeit (iustitia), Tapferkeit (fortitudo) und Mäßigung (temperantia) – gliederte Cicero das erste Buch und erwähnt sie auch im dritten Buch. Doch Platon stellte für Cicero weitaus mehr als eine beliebige Quelle dar, er war für ihn sozusagen der „princeps philosophiae“[9]. Daher greift Cicero in seinen Schriften regelmäßig auf Platon zurück, wie beispielsweise in De re publica auf Politeia, sowie in De legibus auf Nomoi. Dies verwundert nicht, da Cicero selbst der Akademie angehörte, und so ist es ebenso einleuchtend, dass er mit Aristoteles einen weiteren Akademiker verwendete.

Letzterer beschreibt in seinem philosophischen Traktat über die Nikomachische Ethik das Streben nach Glück und, wie man den Status eines rechtschaffenen Menschen erlangt. Er erwähnt dabei Tugenden und Sittlichkeit, sodass einige Parallelen zu De officiis erkennbar sind und eine Verarbeitung des Aristoteles in Ciceros Pflichtenlehre naheliegt. Aristoteles gilt als einer der Begründer des Peripatos, dem auch Dikaiarch angehörte. Diesen erwähnt Cicero – und zwar lobend – in seinen Ausführungen darüber, inwieweit sich der Mensch selbst nutzt, beziehungsweise schadet: „Est Dicaearchi liber de interitu hominum, Peripatetici magni et copiosi, qui […] deinde comparat, quanto plures deleti sint homines hominum impetu, id est bellis aut seditionibus, quam omni reliqua calamitate.”[10]

[...]


[1] Dyck, A. R. (1996), 17.

[2] CIC., off. 3, 13.

[3] CIC., off. 3, 83.

[4] CIC., off. 2, 30.

[5] CIC., off. 1, 11.

[6] CIC., off. 1, 6.

[7] Vgl. Steinmetz, P. (2000), 238.

[8] Vgl. Büchner, K. (1964), 440.

[9] Burkert, W. (1965), 178

[10] CIC., off. 2, 16.

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640291427
ISBN (Buch)
9783640291571
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124217
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
2,3
Schlagworte
Warum Panaitios Proseminar Cicero

Autor

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Titel: Warum Panaitios?