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Förderung der Sprachkompetenz von 2-3 jährigen Krippenkindern durch Angebote mit Bilderbüchern

©2022 Facharbeit (Schule) 64 Seiten

Zusammenfassung

Meine Facharbeit besteht aus einem theoretischen und praktischen Teil, indem ich am Ende meine Ergebnisse auswerte und auf meine These übertrage. Anschließend folgt der Anhang mit meinen genutzten Quellen, den Erklärungen, Bildmaterial, den Angeboten und Auswertungen der liseb Bögen.
Als Fundament meiner Arbeit erkläre ich was Sprache ist. Ebenso gehe ich auf die Spracherwerbstheorien und die vier Bereiche des Erwerbs ein. Hier beziehe ich mich vor allem auf die semantisch-lexikalische Ebene. Ebenso erkläre ich, warum Sprache so bedeutend für die menschliche Entwicklung ist.

Um zu verstehen, worauf sich im Genauen meine Facharbeit bezieht, definiere ich die Begriffe Sprachförderung und Sprachkompetenz und beschreibe, wie Krippenkinder im Alter von zwei bis drei Jahren sprechen und verstehen sollten. Folgend informiere über Literacy und warum das Vorlesen von so großer Bedeutung ist. Außerdem zeige ich auf, was Bilderbücher definiert und welche Arten es gibt. Um pädagogisch wertvoll damit arbeiten zu können, gebe ich am Ende Hinweise zur Auswahl und dem Umgang während der Angebote.

Im Praktischen Teil meiner Facharbeit berichte ich über meine Praktikumseinrichtung, die drei ausgewählten Kinder und meine Rahmenbedingungen zur Durchführung des Buchclubs.
Anschließend berichte ich, wie ich das Ganze geplant und durchgeführt habe, werte die Ergebnisse aus uns ziehe eine Schlussfolgerung für meine in 1.2 gestellte Überlegung. Als Letztes beschreibe ich wie sich meine eigenen Handlungskompetenzen in der Erarbeitungszeit verstärkt wurden.

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1 Themenbegründung
1.2 These /Fragestellung
1.3 Vorgehensweise/ Methoden

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Was ist Sprache?
2.1.1 Spracherwerbstheorien
2.1.2 Die vier Bereiche des Spracherwerbs
2.2 Die Bedeutung von Sprache als Handlungskompetenz
2.3 Begriffsklärung Sprachförderung
2.4 Begriffsklärung Sprachkompetenz
2.5 Die Sprachentwicklung von zwei- bis dreijährigen Kindern
2.6 Begriffsklärung Literacy
2.6.1 Bedeutsamkeit des Vorlesens
2.7 Definition Bilderbücher
2.7.1 Arten von Bilderbücher
2.7.2 Kriterien pädagogisch sprachförderlicher Bilderbücher
2.7.3 Die pädagogische Bedeutung von Bilderbüchern

3. Praktische Umsetzung
3.1 Bedingungsanalyse Kita XY
3.2 Situationsanalyse
3.3 Rahmenbedingungen der Angebotsreihe
3.4 Vorgehensweise
3.4.1 Auswahl der Bücher
3.4.2 Vorbereitung Buchclub
3.4.3 Durchführung Buchclub
3.5 Angebote mit Bilderbüchern
3.5.1 Angebot 1 „Auf der Baustelle“ (Magnetbuch)
3.5.2 Angebot 2 „Die kleine Raupe Nimmersatt kommt zu Besuch“
3.5.3 Angebot

4. Auswertung
4.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
4.2 Fazit

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

6. Anhang

1 Einleitung

1.1 Themenbegründung

„Ein Bilderbuch ist für eine Kinderstube ein eben so wesentliches und noch unentbehrlicheres Meuble als die Wiege, die Puppe, oder das Steckenpferd.“ Mit diesen Worten erfasste Friedrich Justin Bertuch schon im Jahre 1790 die erzieherische Bedeutsamkeit von Bilderbüchern in der privaten Umgebung. Ebenso führt er fort, es: „[...] empfiehlt jeder vernünftige Pädagog, den frühesten Unterricht des Kindes durchs Auge anzufangen, und ihm so viel gute und richtige Bilder und Figuren, als man nur kann, vor das Gesicht zu bringen.“1

Bereits im 18. Jahrhundert war klar, wie bedeutsam Bilderbücher für die Förderung und Unterhaltung von Kindernsind. Siebringen auf einfacheWeiseKindernihreLebensumwelt näher, verbinden das Bild mit dem Wort und bieten den besten Einstieg in die Lesewelt.

Warum wählte ich also dieses Thema?

Mein letztes Wahlpraktikum absolvierte ich sechs Monate lang im Krippenbereich einer Kita in Berlin XY. 15 Mädchen und Jungen zwischen einem und drei Jahren besuchten meine Gruppe, der Sprachstand könnte unterschiedlicher kaum sein. Einige Wochen nach Beginn meiner Arbeit stellte ich fest, dass den Kindern nur sehr selten vorgelesen wurde. Zentral im Gruppenraum befand sich zwar ein prall gefülltes Bücherregal, dieses wurde jedoch nur gelegentlich von den Kindern genutzt. Ebenso besuchten wir nie die kitaeigene Bibliothek, welche nur zwei Räume entfernt lag. Wenn sie sich ein Buch nahmen, dann jedes Kind für sich, um die Zeit am Tisch ruhiger zu überbrücken. Hier stellte ich fest, dass fast allen Kindern scheinbar der Sinn eines Buches nicht klar war. Sie bissen in die Seiten, rissen sie heraus oder blätterten nur wie wild darin umher, ohne sich auch nur eine davon genau angesehen zu haben. Dieser Zustand machte mich traurig, immerhin habe ich in meiner bisherigen Arbeit mit Bilderbüchern viele strahlende Kinderaugen zustande gebracht. Auf der anderen Seite setzte ich mich täglich mit einem Buch vor das Regal und die Kinder nahmen dieses Angebot durchweg begeistert an. Hierbei konnte ich nun beobachten, wie interessiert diese am Entdecken der Bilder waren und wo sich ihre Interessen befanden. Da Kinder Worte in Aktion erleben müssen, um sie zu verstehen, reichteesmir nichtaussienur vorzulesen. Ich gestaltete zu jedem Buch mehrereAngebote und erschuf einen Buchclub für drei der Krippenkinder und nutzte diesen für die gezielte Förderung ihrer Sprachkompetenz.

Ebenso waren für mich als Mutter Bücher, vor allem Bilderbücher, ein ständiger Begleiter, sodass ich von ihrem Wert für die eigene Entwicklung fest überzeugt bin. Auch finde ich es essentiell, sehr früh damit in Kontakt zu kommen, um Kindern das Erlernen von Sprache zu erleichtern. Gerade Bilderbücher üben schon im Kleinstkindalter eine hohe Anziehung aus, wenn sie sinnvoll eingesetzt und nicht nur in ein Regal gestellt werden.

1.2 These /Fragestellung

In dieser Facharbeit möchte ich die Frage klären, ob es möglich ist die Sprachkompetenz, vor allem lexikalisch, von Krippenkinder im Alter von zwei bis drei Jahren zu fördern, indem ich gezielte Angebote mit Bilderbüchern durchführe.

1.3 Vorgehensweise/ Methoden

Zuerst ein Hinweis zum Gendern. Aufgrund der besseren Lesbarkeit werde ich auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen weiblich, männlich und divers verzichten. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für alle Geschlechter. Ebenso sind die Namen der Kinder geändert worden, um deren Anonymität zu wahren.

Meine Facharbeit besteht aus einem theoretischen und praktischen Teil, indem ich am Ende meine Ergebnisse auswerte und auf meine These übertrage. Anschließend folgt der Anhang mit meinen genutzten Quellen, den Erklärungen, Bildmaterial, den Angeboten und Auswertungen der liseb Bögen.

Als Fundament meiner Arbeit erkläre ich was Sprache ist. Ebenso gehe ich auf die Spracherwerbstheorien und die vier Bereiche des Erwerbs ein. Hier beziehe ich mich vor allem auf die semantisch-lexikalische Ebene. Ebenso erkläre ich, warum Sprache so bedeutend für die menschliche Entwicklung ist.

Um zu verstehen, worauf sich im Genauen meine Facharbeit bezieht, definiere ich die Begriffe Sprachförderung und Sprachkompetenz und beschreibe, wie Krippenkinder im Alter von zwei bis drei Jahren sprechen und verstehen sollten.

Folgend informiere über Literacy und warum das Vorlesen von so großer Bedeutung ist. Außerdem zeige ich auf, was Bilderbücher definiert und welche Arten es gibt. Um pädagogisch wertvoll damit arbeiten zu können, gebe ich am Ende Hinweise zur Auswahl und dem Umgang während der Angebote.

Im Praktischen Teil meiner Facharbeit berichte ich über meine Praktikumseinrichtung, die drei ausgewählten Kinder und meine Rahmenbedingungen zur Durchführung des Buchclubs.

Anschließend berichte ich, wie ich das Ganze geplant und durchgeführt habe, werte die Ergebnisse aus uns ziehe eine Schlussfolgerung für meine in 1.2 gestellte Überlegung.

Als Letztes beschreibe ich wie sich meine eigenen Handlungskompetenzen in der Erarbeitungszeit verstärkt wurden.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Was ist Sprache?

Aus linguistischer (sprachwissenschaftlicher) Sicht ist die menschliche Sprache ein umfassendes System aus Schriftzeichen und Phonemen (Lauten), welche unseren Gedanken und Absichten eine Bedeutung geben. Das Lautsystem (Phonologie) steht dem Schriftsystem (Graphemik) gegenüber. Mitteilungsabsichten können sowohl verbal als auch nonverbal, durch Körpersprache (Mimik, Gestik oder Körperhaltung) übermittelt und unterstützt werden. Ebenso ist es uns Menschen möglich, paraverbale Merkmale zu erkennen und diese zu verstehen. Hierbei geht es um weitere Ausdrucksmerkmale, wie beispielsweise das Sprechtempo, die Tonlage, die Lautstärke, Sprechpausen oder Schweigen.2 Unerlässlich für das Erlernen der Sprache von Geburt an ist die sinnvolle Interaktion mit Bezugspersonen, welche schon von Geburt an stattfinden muss. Diese geben dem Kind kommunikativ auf unterschiedlichste Weise eine Rückmeldung auf dessen Kontaktaufnahme. Das Kind lernt durch diese Wechselbeziehung mehr und mehr seine Umwelt zu verstehen. Des Weiteren erlaubt ihm die Sprache Auskünfte über sich selbst in seiner Gefühlswelt, seine Umwelt, wie auch seine Bedürfnisse zu geben. Es lernt sich mitzuteilen, wie auch Anweisungen seiner Bezugspersonen zu verstehen und wächst somit an seinem Selbstwertgefühl. Ebenso versteht das Kind, dass es sich über einen Gegenstand mit seinem Gegenüber austauschen kann, auch wenn das Objekt nicht vor ihm liegt. Hier wird wieder deutlich, wie wichtig es ist, dass sich Bezugspersonen intensiv mit dem Kind auseinandersetzen, um es zu verstehen und Sprachanlässe zu schaffen. Der Philosoph Ludwig Wittgenstein schrieb in seinem Werk „Tractus Logico- Philosophicus": „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“. Damit beschreibt er ein sehr wichtiges Detail des Spracherwerbs. Umso mehr ein Mensch sich auszudrücken vermag, desto besser kann er sich in seiner Umwelt orientieren und mit seiner Umgebung in Kooperation treten. Die Bedeutung eines Wortes wird nur durch die Interaktion mit der Umwelt gelernt. Anfänglich ist jedes Ding auf dieser Welt für ein Kind namenlos. Die Auseinandersetzung mit dem Begriff lässt zu, dass den Dingen eine Bedeutung zugeordnet werden kann. Umso mehr Eltern und Fachkräfte Lernangebote bieten, desto besser kann sich das Kind in seiner Welt zurechtfinden.

2.1.1 Spracherwerbstheorien

Es gibt drei grundlegende Ansätze für den Erwerb von Sprache: die nativistische, behavioristische und interaktionistische Theorie.

Die Argumentation von nativistischen Theoretikern, wie dem Vorreiter N. Chomsky, ist, dass die Fähigkeit des Sprechen lernen dem Menschen angeboren ist. Abstrakte Strukturen müssen genetisch vorhanden sein, damit der Mensch seine Muttersprache erlernen kann.

Die behavioristische Theorie nach B. F. Skinner besagt, dass der Mensch Sprache nur durch einen adäquaten Sprachinput von außen erlernen kann. Ebenso bedarf es gewisse kognitive Fähigkeiten. Es ist wichtig Worten eine Bedeutung geben zu können. Der Spracherwerb ist ein rein konditioniertes Lernverhalten, welches durch Aktion und Reaktion bestimmt wird.

Wie auch in der nativistischen Theorie geht der Interaktionismus nach J. Bruners davon aus, dass der Sprachinput unerlässlich für den Spracherwerb ist. Die beiden Theorien unterscheiden sich jedoch insoweit, dass hier die Worte in direkter Interaktion mit einer Bezugsperson gelernt werden. Das Regelwissen der eigenen Muttersprache erlernt das Kind stets durch die Wechselbeziehung mit seiner Umwelt. Der Spracherwerb kann nur durch ein Zusammenspiel von Imitation, angeborenen Sprachlernprozessen und den Anregungen durch die Umwelt gut gelingen. Ebenso braucht das Kind eigene Voraussetzungen, wie eine körperliche Hör-, Seh- und Sprechfähigkeit. Maßgeblich ist ebenfalls die kognitive Entwicklung. Das Kind muss in der Lage sein assoziieren zu können. Deutlich wird diese Phase der Entwicklung dadurch, dass es unbewusst ein Schema seiner Umwelt kategorisiert und neue Dinge zuordnet. Beispielsweise sind anfangs alle runden Gegenstände Bälle. Mit mehr Erfahrung kommen weitere Unterkategorien, wie Orangen, Flummi und Luftballon dazu. Dies lässt sich auf alle Bereiche der Lebensumwelt übertragen. Entscheidend ist, unter welchen Bedingungen sich das Kind entwickeln kann und wieviel Anregung es erhält, damit es ein breit gefächertes Verständnis von der Welt entwickeln kann.

Im Buch "Sprachstörungen im Kindesalter. Materialien zur Früherkennung und Beratung" von Wolfgang Wendlandt wird durch den von ihm geschaffenen Sprachbaum sichtbar, welche Einflussfaktoren essentiell für den kindlichen Spracherwerb ist.3

Dargestellt als Nährboden ist die soziale Umgebung, also Kultur, Gesellschaft und Lebensumwelt des Kindes. Es gilt darin sinnbildlich die Wurzeln, also die Sinneswahrnehmung und Motorik des Sprechapparates, sowie die Hirnreifung zu entwickeln. Der Stamm stärkt sich mit der Verknüpfung von Handeln und Sinneseindrücken. Fehlt die eine oder andere Wurzel könnte es nun zu Problemen beim Spracherwerb kommen - die Basis ist also nicht stabil genug. Ein sprachförderndes Verhalten, wie in der Gießkanne dargestellt, über Blickkontakt und eine sprachanregende Kommunikation, verringert diese Probleme oder überwindet sie. Vergleichbar ist es mit den Nährstoffen, die notwendig fürs Wachstum sind. Eine weitere Voraussetzung für den Erwerb von Sprache ist die Sprechfreude, welche schon in den Wurzeln verankert ist und bei Sprachdefiziten helfen kann, diese einzudämmen.

Trotz bestehender motorischen und sensorischen Grundvoraussetzungen, wie auch Sprechfreude, bedarf es auch einem gewissen Sprachverständnis, damit das Kind Sprache produziert.

Oben in der Krone gliedert sich diese in Artikulation, Wortschatz und Grammatik, wie auch neuerdings zusätzlich in Kommunikation und Schriftsprache. Je nach Wachstum der Krone wird das Kind mehr und mehr Fertigkeiten beim Sprechen verwenden. Erst einzelne Laute, Worte, Haupt- und Nebensätze, später Kommunikationsregeln, das Kritzeln und bis zum Lesen und Schreiben.

All dies ist ein Wechselspiel von Anregung, liebevoller Umgebung, körperlicher Fähigkeiten und der intrinsischen Motivation (aus eigenem Antrieb heraus).4 Das Kind benötigt eine liebevolle und wertschätzende Basis, um seine Fertigkeiten zu entdecken und auf seine eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Ganz wie die Sonne, die Wärme und Licht spendet, damit aus dem kleinen Pflänzchen ein starker Baum wachsen kann.

Sprechen lernen funktioniert also keinesfalls durch das Auswendiglernen von einzelnen Vokabeln. Kinder plappern uns nicht nach wie Papageien. Menschliche Kommunikation folgt einem beabsichtigen Handlungszusammenhang. Was unterscheidet das Erlernen menschlicher Sprache nun dem des Imitieren eines Tieres? Wir Menschen lernen, dass wir Worte absichtlich zweckgerichtet einsetzen können, damit andere uns verstehen und ein Ergebnis zustande kommt. Papageien hingegen geben Lautfolgen wieder, ohne sich der Bedeutung, wie auch einer Grammatik bewusst zu sein. (Vgl. Dr. Jürgen Messing, 2009, Seite 7)

2.1.2 Die vier Bereiche des Spracherwerbs

Die vier Bereiche, auch vier linguistische Ebenen genannt, beschreiben alle Elemente von Sprache: die phonetisch-phonologische, die morphologisch-syntaktische, pragmatisch­kommunikative und die semantisch-lexikalische Ebene.

Die phonetisch-phonologische Ebene beschäftigt sich mit der Erzeugung von Sprachlauten (Phonemen) und der Lehre der Lautbildungsregeln. In der morphologisch-syntaktischen Ebene geht es um den grammatischen Aufbau (Wortform, Satzbau) von Sprache, wohingegen sich die pragmatisch-kommunikative Ebene mit der Anwendung von sprachlichen Regeln im Interaktionszusammenhang (Sprachgebrauch bei zielgerichteten Handlungen, Kommunikationslehre) beschäftigt.

Eine Trennung der vier Variationen ist praktisch nicht möglich, wenn überhaupt rein theoretisch.

Mit der semantisch-lexikalischen Ebene möchte ich mich in dieser Facharbeit näher beschäftigen. Sie beinhaltet Wortbedeutungen (Semantik) und Wortschatzaufbau (Lexik). Die Sammlung aller Wörter eines Menschen innerhalb dessen gesamten Wortschatzes, bezeichnet man das mentale Lexikon. Wortbedeutungen, wie auch alle dazugehörigen Worteigenschaften, speichert der Mensch darin ab.

Wortschatz und Bedeutungslehre "hängen eng mit kognitiven Prozessen, d.h. Erkenntnisprozessen, besonders mit den Begriffsbildungen, sowie mit dem ganzen situativen Kontext, bzw. mit der Tätigkeit des Kindes zusammen" (Weigl,2002, S. 18;). Es ist also unerlässlich dem Kind eine anregende Lernumgebung zu erschaffen, damit es die Welt zu verstehen lernt.

Mein Ziel war es mit meinen Angeboten den Wortschatz der Kinder zu erweitern. Dafür nutzte ich eben benanntes Wissen und verkoppelte Worte mit Bildern oder Gegenständen, die die Kinder erleben und begreifen konnten. Es sollte zu einer dauerhaften Kopplung von Bildern und den zugehörigen Begriffen kommen, damit ihr lexikalisches Wissen aufgebaut wird.

2.2 Die Bedeutung von Sprache als Handlungskompetenz

Um mit der Umwelt in Kooperation zu treten, müssen Information ausgetauscht und Handeln daraufhin miteinander koordiniert werden. Dies findet schon auf jüngster Ebene statt, wenn ein Baby Hunger hat, weint und das Elternteil es zu füttern beginnt. Kinder orientieren sich in unserer Welt unter der Basis der Kommunikation. Umso älter sie werden, desto mehr nehmen sie aktiv an der Gesellschaft teil und formen diese. Sie machen sich vertraut mit unseren Werten und Normen, bilden sich in der Schule und lernen dort auch unsere Schriftkultur zu nutzen. Ebenso lernen sie Traditionen und Geschichten als Kulturgut kennen und gestalten ihre Zukunft mit. Gestützt durch Schriftsprache und Symbolen verstehen Kinder schnell, dass Sprache sich auf unterschiedliche Weise auszudrücken vermag. Dieser Lernprozess ist dabei ganz individuell.

Die Sprechfähigkeit ist immens wichtig für Erfolg im Bildungsweg und somit der gesellschaftliche Teilhabe. (Vgl. Iven,2021, S.18) Daher legt das Berliner Bildungsprogramm besonderen Wert auf die Förderung der Sprache. Es ist unser Bildungsauftrag in allen Situationen des Tages Kinder zum Sprechen anzuregen. Die wachsende Neugier auf Schrift und Zahlen wird aufgegriffen und angeregt, auch der Umgang mit Medien ist ein zunehmend wichtiges Thema.

2.3 Begriffsklärung Sprachförderung

Sprachförderung bedeutet, unter methodisch didaktischem Einsatz von passenden Angeboten, Kinder und Jugendliche auf den sprachlichen Entwicklungsstand Gleichaltriger zu bringen.5 Ausschlaggebend ist dabei die jeweilige Landessprache der Kinder und Jugendlichen.

Da ich mich vor allem auf die semantisch-lexikalische Ebene konzentrierte, bedeutete Sprachförderung für mich vor allem Wortschatzerweiterung im Sinne geplanter ganzheitlicher Erlebniserweiterung. Die Kinder sollen also mit gezielten sprachlichen Interaktionen vorhandene Defizite ausgleichen und dadurch mit allen Sinnen lernen können.

„Sprachförderung gelingt, wenn die Erzieherinnen im Dialog mit den Kindern diesen Interesse entgegenbringen, sie verstehen, ihnen zuhören, sie ausreden lassen, selbst gerne sprechen, ihr Handeln durch Sprechen begleiten, selbst richtig und dem Alter der Kinder angemessen sprechen und der Erst- oder Muttersprache der Kinder Wertschätzung entgegenbringen.“6

2.4 Begriffsklärung Sprachkompetenz

Sprachkompetenz, auch Sprachwissen genannt, beschreibt die Fähigkeit, die eigene Sprache zu verstehen und den äußeren Umständen entsprechend einzusetzen. Als Hörer ist es möglich auch Äußerungen zu verstehen, die noch völlig unbekannt sind, in dem Gleichnisse erkannt und mit dem vorhandenen Sprachwissen abgeglichen werden können. Gehörtes kann bezüglich der Mehrdeutigkeit und Grammatik beurteilt werden, wenn der Mensch über eine entsprechend ausgereifte Sprachkompetenz verfügt.

Umso größer die Lexik, desto höher ist das Sprachwissen und somit auch die Handlungsfähigkeit eines Menschen.

2.5 Die Sprachentwicklung von zwei- bis dreijährigen Kindern

Die Sprachentwicklung eines jeden Kindes verläuft aufgrund seiner Ressourcen (siehe 2.1.1 Spracherwerbstheorien) ganz individuell. Jedoch gibt es gewisse Meilensteine, die der allgemeinen Norm entsprechen. Diese sind eine grobe Richtlinie zur Einschätzung der Sprachkompetenz eines Kindes und wird von Erziehern, Kinderärzten und Therapeuten genutzt.

Allgemein lässt sich in dem besagten Alter feststellen, dass der aktive Wortschatz 500 bis 1000 Wörter umfasst, wobei der passive Wortschatz immer höher liegt. Das Kind schafft nun nicht nur Zwei- bis Dreiwortsätze, sondern bis zum dritten Geburtstag schon Haupt- und einfache Nebensätze zu formulieren. Die grammatikalische Richtigkeit spielt dabei anfangs noch keine große Rolle. Diese entwickelt sich mit zunehmenden Alter immer mehr, was vor allem in der Übergeneralisierung der Worte erkennbar ist. Von einer Übergeneralisierung sprechen Sprachwissenschaftler, wenn grammatikalische Regeln bekannter Wörter auf neue übertragen werden. Im hier beschriebenen Altersbereich wirkt sich diese vor allem auf die regelmäßigen und unregelmäßigen Verben aus („er trinkte“) oder aber auf die Pluralformen („zwei Mädchens“). Kinder mit etwa zweieinhalb Jahren lernen Laute wie g, k, ch, r deutlich zu artikulieren. Mit drei Jahren kommen schwierigere Lautverbindungen wie bl-, kn-, kr-, gr hinzu. Auch sprechen die meisten Kinder nun in der Ich-Form und verwenden mit etwa 2,5 Jahren besitzanzeigende Fürwörter, wie mein, dein, euer. Artikel verwenden Kinder in diesem Alter immer häufiger richtig. Zusätzlich werden Pronomen und erste Präpositionen mit der Zeit immer besser verstanden. Etwa um den dritten Geburtstag beginnt das zweite Fragealter. Das kleinstkindliche Zeigen und „Das?“ oder „“Was das?“ Fragen wird nun von „Warum, was, wer und wo?“ abgelöst. Gerade in diesem Alter sollten die Bezugspersonen möglichst viel Zeit in Erklärungen und Antworten stecken, da das mentale Lexikon rasant wächst. Bemerkbar ist auch, dass die Aussprache der Kinder immer deutlicher wird, es interessiert am Erlernen von Versen und Liedern ist und Alltagsgeräusche mit Hingabe im Spiel imitiert . Zwei- bis Dreijährige erlernen nun die Grundfarben und können einfache Aufforderungen, auch mit mehr als einem Auftrag nacheinander, verstehen. Zum dritten Geburtstag hin kann es kurzen Geschichten konzentriert folgen und sie wiedergeben, wobei ihre Konzentrationsspanne bei durchschnittlich fünf bis sieben Minuten liegt.

2.6 Begriffsklärung Literacy

„Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat“ (Helen Hayes, amerikanische Schauspielerin)

Der Terminus Literacy leitet sich aus dem Englischen ab und bezeichnet die „Kompetenz, lesen und schreiben zu können (Näger, 2005, Seite 11). Der Begriff bedeutet so viel wie Lese- und Schreibkompetenz, die vor allem im Elementarbereich einen großen Teil der Bildungsarbeit ausmacht. Die Lese- und Schreibkompetenz umfasst das Erlernen des Umgangs mit (Bilder-) Büchern, die Bewusstheit über die Funktion von Schrift, Text- und Sinnverständnis und die Freude im Umgang mit Schrift. Hier wird deutlich, dass Literacy weit mehr Komponenten umfasst als anfangs beschrieben. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass es keine deutsche Übersetzung dafür gibt. Zur literarischen Förderung der Kinder gehört neben dem Zugang zu Büchern auch eine entsprechend förderliche Raumgestaltung und ein motivierendes Kommunikationsverhalten der Fachkräfte.

„Das Vorlesen von Märchen und Geschichten und das gemeinsame „Lesen“ und Besprechen von Bilderbüchern führen das Kind in die Lese- und Schriftkultur ein. Das geschieht besonders dann, wenn beim Vorlesen und Erklären explizit darauf hingewiesen wird, zum Beispiel wenn das Bild eines Baums mit dem Schriftzug „Baum“ in Verbindung gebracht wird.“7 Es geht also nicht nur um das Vorlesen und besprechen von Büchern, sondern den Bezug von Bildern zur Beschriftung. Daher werden erste Leseerfahrungen in jungen Jahren gemacht, die den Lesestart im Schulalter erleichtern können. Da ich mich in meiner Facharbeit aber mit Krippenkindern beschäftige, sprechen wir nun von „Early Literacy“. Der frühe Umgang mit Schrift und Büchern führt später nachweislich zu einem motivierterem Leseverhalten und schult neben der hauptsächlich visuellen Wahrnehmung und Konzentration auch das mentale Lexikon der Kleinkinder.

2.6.1 Bedeutsamkeit des Vorlesens

Beschreibend für die Wirkungskraft von Büchern möchte ich dieses Thema mit einem Zitat von Astrid Lindgren einleiten: „Alles Große, das in der Welt vollbracht wurde, spielte sich zuerst in der Fantasie eines Menschen ab, und wie die Welt von morgen aussehen wird, hängt zum großen Teil vom Maß der Einbildungskraft jener ab, die heute lesen lernen. Deshalb brauchen Kinder Bücher.“ (Ansprache anlässlich der Verleihung der Hans- Christian-Andersen-Medaille, 1958 in Florenz) Die schwedische Schriftstellerin gehört zu den bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautorinnen der Welt. Sie kämpfte stets dafür Kindern Freiraum zum Ausprobieren und Verständnis statt Zwang und Gewalt als Mittel zur Erziehung einzusetzen, damit aus Kindern liebende Erwachsene werden können. Hierfür brachte sie immer wieder den Wert von Büchern ins Spiel, egal für welches Alter.

Das gemeinsame Betrachten und Vorlesen von Büchern fördert die soziale Kompetenz beider Seiten und stärkt die zwischenmenschliche Beziehung von Kindern und Erwachsenen. Es hilft den Wortschatz zu erweitern, steigert die kognitiven Fähigkeiten des Kindes und ebenso die Konzentration. Vorlesen regt zum Nach- und Mitdenken an, fördert Empathie und die Problemlösefähigkeit. Viele Alltagsschwierigkeiten der Kinder werden durch altersgerechte Bücher aufgegriffen und regen zu Lösungen an. Bücher fördern außerdem die Vorstellungskraft und lassen es zu in eine Welt zu versinken, in der eine andere Realität existiert. Das gemeinsame Erleben des Buches regt zum Reden an, steigert somit die Sprachkompetenz und gleichzeitig das Selbstwertgefühl des Kindes. Vorlesen erleichtert nicht nur das Lesenlernen, es motiviert auch dazu und bereitet auf die Schule vor.8

2.7 Definition Bilderbücher

Seit der Zeit des Altertums galten Bilderbücher als erzieherisches Instrument. Doch schon im alten Ägypten wurden Geschichten über Illustrationen an Wänden, Steinen oder auf Teppichen weitergegeben. Heute sind Bilderbücher literarische Werke, vor allem für Kinder, die einen großen illustrierten Anteil beinhalten. Da die Bilder die Schrift dominieren, werden Inhalt und Handlung vor allem visuell dargestellt und verknüpfen sich gegenseitig. Die Illustrationen sind zumeist farbig oder als Schattenbild gestaltet und lassen viel Spielraum zum Erleben und Entdecken zu. Dennoch sind die Bücher zum Vorlesen und darüber sprechen sehr gut geeignet und bieten sich zur pädagogischen Förderung der Kinder an. Bilderbücher sind oftmals, bedingt durch das junge Alter seiner Nutzer, aus stabilen Materialien, wie Pappe angefertigt. Bis zu 20 Seiten Inhalt sind üblich, je nachdem für wen es herausgegeben wurde. Auch der Inhalt richtet sich an den allgemeinen Entwicklungsstand seiner Adressaten. Bilderbücher für sehr junge Kinder sind bildlich sehr überschaubar, meist mit einem Bild pro Seite und etwa zehn Seiten. Für ältere Kinder gibt es weitaus mehr zu entdecken, etwa bei Klappen- oder Wimmelbüchern, die zum aktiven Erleben einladen. Die allgemeine Zielgruppe liegt bei einem bis acht Jahren.

2.7.1 Arten von Bilderbücher

Für den jeweiligen Entwicklungsstand und das Interesse, beziehungsweise Angebot, findet sich das passende Bilderbuch. Für Kinder bis drei Jahren stehen eine Vielzahl an Elementarbilderbüchern zur Verfügung, welche dem Kind vertraute, alltägliche Gegenstände abbilden. Sie dienen dem ersten Erkennen und Verstehen ihrer Umwelt. Parallel dazu gibt es auf dem Markt ein großes Angebot an Szenenbilderbüchern, welche Szenen aus dem Stadtleben, Krankenhaus, Bauernhof oder anderem darstellen (zum Beispiel Wimmelbücher). Die Kinder können hier Zusammenhänge herstellen und bekommen so die Möglichkeit die Darstellungen als ganzes Geschehen zu erleben. Auch Bücher zum Baden, aus Holz oder mit Fühlelementen werden unter diesen beiden Kategorien angeboten.

Sind die Kinder feinmotorisch etwas weiter, können diesen Aufklappbücher bereitgestellt werden. Diese bieten Bilder mit kleinen Klappen, zum Entdecken an oder werden als ganzes „Popup-Bild“ zu einer dreidimensionalen Szenerie.

Für zwei- bis dreijährige Kinder gibt es eine ganz unterschiedliche Auswahl. Sach- und Tierbilderbücher bieten zu einem bestimmten Thema verfeinertes kindgerechtes Wissen an. Problemorientierte Bilderbücher sprechen Geschehnisse und Fragen im alltäglichen Bereich an, wie der Besuch beim Kinderarzt oder das Sauberwerden. Neben diesen realitätsnahen Werken existieren auch eine Vielzahl an Märchenbilderbüchern, ebenso einige mit religiösem Inhalt, wie Kinderbibeln. Große Begeisterung rufen immer wieder die phantastischen Bilderbücher hervor, in der die Figuren völlig fiktiv agieren. Beispielsweise können Tiere sprechen, Feen zaubern und Kinder auf Wunsch fliegen.

Neben dieser großen Auswahl gibt es noch einiges mehr zu entdecken. Bücher mit Gucklöchern oder Handpuppen, zum Fädeln und Knöpfen, zum Puzzeln, Ausmalen oder mit Soundelementen. Für jedes Kind lässt sich ein geeignetes Buch finden.

2.7.2 Kriterien pädagogisch sprachförderlicher Bilderbücher

Wie bereits soeben erwähnt, ist nicht jedes Buch besonders kognitiv förderlich für Kinder. Ich habe mir daher eine Reihe an Kriterien vorbereitet, mit Hilfe derer ich meine eigene Auswahl getroffen habe.9 Hierfür habe ich mich an die methodisch-didaktischen Prinzipien der Kitapädagogik gehalten und sie altersentsprechend angepasst. Diese greifen den Inhalt, die bildliche Ästhetik und den Sprachgebrauch auf.

Ein pädagogisch wertvolles Bilderbuch knüpft an den Alltag der Kinder an, nimmt alltägliche Fragen und Probleme ins Visier und lässt zu, dass sich diese mit den Figuren in der Geschichte identifizieren können. Vor allem zugeteilte Rollenklischees werden vermieden, auch Mädchen dürfen hier die Helden sein und auch Jungen dürfen Angst haben. Ebenso darf ein gutes Bilderbuch keine rassistischen Elemente aufweisen oder sexualisiert sein. Das Buch sollte den Kindern die Möglichkeit geben mitzudenken und Geschichten im Kopf weiterzuführen. Es lässt Platz für kindliche Phantasien und Träume und regt diese zusätzlich an. Gute Bilderbücher nutzen das Prinzip der Lebensnähe und Kindgemäßheit, indem sie die Lebenswelt des Betrachtenden einbeziehen und kindgerecht darstellen.

Auch das Prinzip der Anschauung sollten förderliche Bilderbücher nutzen. Eine ansprechende Gestaltung der einzelnen Seiten weckt Neugier und lädt dazu ein sie genauer zu betrachten. Je nach vorgesehener Altersstufe sollten sie unterschiedlich gestaltet sein. Während Bilderbücher für Babys und Kleinstkinder sehr abstrakt und karg gestaltet sein sollten, um eine visuelle Überforderung durch Überreizung zu vermeiden, ist es umso sinnvoller kleinste Details in die Bilder für ältere Kinder einzubauen. Diese sind meist erst auf dem zweiten Blick zu erkennen, bieten aber immer wieder einen neuen Anreiz die Seiten neu zu entdecken und darüber zu sprechen. Überladen sollten die Illustrationen dennoch nicht sein, damit sie gleichzeitig zur Schrift Träger der Geschichte bleiben. Das Bild-Text-Verhältnis sollte altersentsprechend gut ausgewogen sein. Für die kleineren Leser reichen oft einige Zeilen aus und sollte sich mit dem empfohlenen Alter steigern. Allgemein sollten die Zeichnungen anregend sein und zum Reden einladen. Sie sind Begleiter des Textes und sollten die Geschehnisse klar erkennbar aufgreifen. Dabei müssen sie nicht immer farbig, bunt und schrill sein. Auch in schwarz-weiß bieten gut durchdachte Bilderbücher einen hohen Anspruch für den Betrachter, etwa Kontrastbücher für Babys.

Eine förderliche Sprache ist unerlässlich für den sprachfördernden Erfolg. Diese sollte verständlich, möglichst zeitgemäß und lebendig sein. Lautmalereien und wörtliche Rede helfen dem Zuhörer sich gut zurechtzufinden. Sie solle das Prinzip der Vorentlastung aufgreifen, daher vorhandenes Wissen vertiefen und somit zur Wortschatzerweiterung beitragen. In dem Altersbereich der Krippe sollten Gefühle ebenso genauer beschrieben werden, damit sich die Kinder besser in die Figuren hineinversetzen können und so Lösungsmöglichkeiten, auch für ihr eigenes Leben zu finden vermögen.

Gute Bilderbücher bereitzustellen bleibt jedoch die Aufgabe des Vorlesers. Da die Auswahl heutzutage fast erschlagend groß ist, sollte das Fachpersonal dieses Thema auf Elternabenden aufgreifen und aufklären, Bücher zur Ausleihe bereitstellen oder Empfehlungen aussprechen, damit auch zu Hause eine Förderung durch dieses wertvolle Mittel möglich ist. Erzieher sollten Bilderbücher nach dem kognitiven Stand der Kinder auswählen und sie dort abholen, wo sie momentan stehen. Das Vorleseerlebnis darf nicht überfordernd oder gar langweilig werden, sondern sollte als schönes Ereignis mit Langzeiteffekt in Erinnerung bleiben.

2.7.3 Die pädagogische Bedeutung von Bilderbüchern

Warum sind Bilderbücher nun also von so großem pädagogischem Nutzen?

Bedingt durch ihre Einfachheit werden Kinder schon früh dazu eingeladen die Welt literarisch zu entdecken und erste Kontakte zur Graphemik zu knüpfen. Daher dienen Bilderbücher als große Unterstützung zur Sprachentwicklung. Sie greifen Probleme und Fragen des Alltags auf und helfen Kindern somit ihre Umwelt zu verstehen, mit Emotionen besser umzugehen und Lösungen eigenaktiv zu finden. Unerlässlich hierfür ist es, dass sich Fachkräfte vorab intensiv mit den Interessen der Kinder auseinandersetzen und an die bestehenden Bedingungen anknüpfen. Bilderbücher sind förderlich für die Kognition, die Konzentration und können einen hohen Unterhaltungsfaktor sein. Wichtig ist dabei nur, dass sie auch pädagogisch wertvoll sind und dem Alter des Kindes angepasst zur Verfügung stehen. Ein Schulkind wird sicher an einem Bilderbuch mit Babys ersten Worten wenig Vergnügen finden, geschweige denn Wissen mitnehmen.

Das Nutzen dieser Werke ist ausschlaggebend für den Förderungserfolg und sollte ebenfalls innerhalb der Familien durch die Erzieher empfohlen werden. Damit Kinder mit dem reinen Betrachten der Bücher nicht allein gelassen werden, sollten sich Eltern und Fachpersonal die Zeit nehmen und mit ihnen über den Inhalt dessen sprechen. Dafür ist Zeit und Aufmerksamkeit unerlässlich für den Erfolg. Als Methode eignet sich das „dialogische Lesen“ außerordentlich gut. Das bedeutet, das hier, anders als beim klassischen die sprachliche Aktivität der Kinder durch Impulsfragen und aktivierende Äußerungen angeregt wird. Kleineren Kindern gelingt das Antworten eher mit den klassischen W-Fragen, zum Beispiel wer, wo, was. Bei Kindern ab dem Elementarbereich funktionieren offene Fragen eher, damit es zu einem regen Gesprächsaustausch kommen kann. Es entstehen freie Dialoge, die viel Spiel für das gemeinsame Erfahren lassen. Die Kinder sind aktive Akteure bei der Bilderbuchbetrachtung und nehmen den dominierenden Teil der Erarbeitung ein. Somit kommt den Kindern Wertschätzung, wie auch Akzeptanz entgegen und Alltagsbezüge können, anders als beim klassischen Vorlesen, intensiv hergestellt werden. Der partizipative Anteil ist deutlich höher, wenn Bücher dialogisch gelesen werden, sodass die Kinder ihre Wünsche und Interessen klar vorbringen und diese in die Gruppenplanung integriert werden können. Auch die Gruppenstärke ist nicht bedeutungslos und sollte überschaubar gehalten werden, sodass auch schüchterne Kinder oder jene mit Sprachdefiziten zu Wort kommen können. Des Weiteren ist es sinnvoll mit den Kindern Gesprächsregeln klar festzulegen, sodass das Angebot für jeden Teilnehmer angenehm und förderlich sein kann. Fachkräfte sollten sich vorab intensiv mit den Bilderbüchern auseinandergesetzt haben, damit diese die Gesprächsrunde gut einführen können. Dafür bedarf es einem dem Inhalt angepasstem Hintergrundwissen. Jedoch sind Kinderfragen oftmals so speziell, dass gerade diese dazu einladen gemeinsam nach Antworten zu suchen. Dieses Potential sollte stets ausgenutzt werden, sodass Kinder auch in ihrer Medienkompetenz gestärkt werden können. Hierfür eignen sich Lexika, Tablets oder PCs und Hörspiele sehr gut. Ein zeitlicher Rahmen, angepasst an die Konzentrationsfähigkeit der Kinder, ist maßgeblich für den bleibenden Eindruck solcher Angebote. Übersteigt das Angebot die Konzentrationsspanne der Kinder bei weitem, werden sie unruhig, hibbelig und die Gesprächsrunde wird schlussendlich nicht zum gewünschten Ende kommen. Die Motivation sich demnächst wieder an solchen Aktionen zu beteiligen sinkt. Daher sollten sich Fachkräfte vorab überlegen, wann sie ihre Runde starten, welche Kinder sich als gemeinsame Gruppe eignen und wie lange das Angebot dauern soll. Eine Steigerung ist anschließend bei einem gelungenen Ausgang machbar und sinnvoll. Als Faustregel gilt: Lebensalter multipliziert mit zwei. Abweichungen sind verständlicherweise immer möglich und auch nötig.

3. Praktische Umsetzung

3.1 Bedingungsanalyse Kita XY

Die Kindertagesstätte ... liegt in der ADRESSE, 12... Berlin H. im Stadtteil K.. Zu erreichen ist diese per BusundU- BahnlinieU (Stationen). Inder näheren Umgebung findet man viele Einkaufs- und Freizeitangebote, Vereine und die Gärten der Welt mit einer eigenen Seilbahn. Außerdem lädt das ehemalige Gelände der Internationalen Gartenbauausstellung zum Spazierenund Verweilen ein. Eine Sommerrodelbahn innerhalb des offenen Geländes ist ebenfalls anzufinden. In der Gegend gibt es viele Spielplätze und Wiesen umgeben von Plattenbauten, wie auch Einfamilienhäuser.

Die Räume der Kita sind auf der linken Seite des Schulgebäudes der XY integriert.

Ebenfalls wird der Garten auch von der zugehörigen bilingualer Kita desselben Trägers genutzt, wobei die Schule und Kita jeweils eigene Bereiche haben. Die Mensa wird ebenfalls geteilt genutzt. Hier essen die Kinder ab dem Elementarbereich, wie auch die Schüler der Grundschule. Auch gehört die eigene Schulküche dazu, welche von einem Caterer beliefert wird. Außenstehende und Eltern können sich über die Website einen Eindruck von der Kita und dem Konzept machen. Die Einrichtung in der .Straße ist nebenbei auch ein eigener Schulungsstandort für die Mitarbeiter.

Es sind 18 Erzieher und Erzieherinnen, davon drei männlich, angestellt. Vier davon sind Integrations- und oder Spracherzieher. Außerdem arbeiten dort ein Hausmeister und drei Küchenkräfte, wie auch Reinigungspersonal. Sechs Mitarbeiterinnen absolvieren im Moment ihre berufsbegleitende Ausbildung zum Erzieher in Teilzeit. Generell sind Arbeitszeiten Voll- und Teilzeit möglich, wobei fast alle ausgelernten Fachkräfte eine 40h Woche haben.Frau C. hatalsLeitung ihr Büroinder unteren Etage,ebenfallsist dort auch zumeist ihre Stellvertretung Frau R. anzutreffen.

Betreut werden 110 Kinder unterschiedlichster Herkünfte und Besonderheiten (mehrere Integrationskinder) in sechs festen Gruppen (nach Farben namentlich unterteilt). Jede Gruppe hat einenRaum zumSpielen, Lernen, Essen und Schlafen für je 15-20 Kinder. Die Krippe mit Kindern von eins bis drei Jahren werden altersgemischt betreut, der Ü3 Bereich ist dagegen altershomogen. In der Kita werden Kinder vom ersten Geburtstag bis zum Schuleintritt betreut. Geöffnet ist die Kita von 06-18 Uhr werktags, außer an Feiertagen, Schließzeiten sind im Sommer etwa zwei Wochen, zwischen Weihnachten undNeujahr und an allgemeinen Fortbildungstagen.

Es gibtgroße helleRäume,oft mit integrierten Hochebenen. Inder Krippe findet man auch mehrere Wickeltische in den Räumen und im Bad. Im Elementarbereich gibt es eine Bibliothek, einen Experimentierraum, mehrere Waschräume und eine Holzwerkstatt.

Es stehen Tablets für Kinder zur Verfügung und auch kleinere Sportgeräte, die in der Bibliothek auszuleihen sind. Die Bibliothek ist gleichzeitig der Besprechungsraum für die Spracherzieher, bei denen sich Eltern und Kollegen Rat in sprachlichen Fragen holen können. Hier gibt es einiges an sprachförderlichen Material, Tische mit Stühlen, Musikinstrumente und jede Menge Bücher für die Kitakinder und Pädagogen. Sie ist für die Gruppen immer zugänglich.

Die Einrichtung ist auf Kreativität und Sprache ausgerichtet. Der Leitgedanke lautet bei...: „Jedes Kind ist begabt und hat Freude am Lernen“. Ziel ist es individuelle Talente zu entdecken und fördern, damit die Kinder Vertrauen in sich finden. Grundlagen des Konzepts sind das Berliner Bildungsprogramm und ein eigens konzipiertes Bildungsprogramm, aufgrund gewisser lernanalytischer Studien.

Träger ist die.. Dieser ist ein gemeinnütziger anerkannter Träger der freien Jugendhilfe mit fünf Bildungseinrichtungen in Berlin. Angestellt sind etwa 120 Pädagogen, die ca.

500 Kindern in XY undYZbetreuen. Wie jede Berliner Kita arbeitet auch diese Einrichtung nach dem Gesetz zur Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Kindertagespflege (KitaFöG) und Rechtsverordnung zum Kindertagesförderungsgesetz (VO KitaFöG).

Die Familien der Einrichtung gehören aller Schichten an, wobei der Anteil Sozialleistungsempfänger geringer ist, ebensoder Anteil alleinerziehender Elternteile.Jede Herkunft ist hier willkommen und wird berücksichtigt, etwa durch Mehrsprachigkeit der Fachkräfte oder Dekoration der Flure. Der Sprachstil ist hauptsächlich hochdeutsch, teilweise aber auch polnisch in der Krippe. Die Zusammenarbeit mit den Eltern fand in meiner Praktikumszeit coronabedingt leider oft aus. Normalerweise finden aber gemeinsame Feiern und Grillabende mehrmals im Jahr statt. Den Eltern wird stets respektvoll und wertschätzend gegenübergetreten. Probleme konnten immer direkt geklärt werden, sodass das Vertrauensverhältnis nicht negativ beeinflusst wird. Durch die Elternvertreter findet ein Austausch beiderseits statt, bei dem Probleme, Termine und Fragen offen geklärt werden können.

In den Gruppen gibt es eine gute Durchmischung von Mädchen und Jungen. Die Leitung achtet sehr darauf, neue Kinder so aufzuteilen, dass ein Übermaß eines Geschlechts möglichst ausgeglichen wird. Normalerweise ist es Kindern auch zeitweise gestattet in die älteren Gruppen zu gehen, pandemiebedingt fällt dies aber momentan aus. So ist aber eigentlichauchgewährleistet, dassweit entwickelte Kinder ihrem Lernbedürfnis dem Stand entsprechend nachgehen können.

3.2 Situationsanalyse

Um einen besseren Einblick in die Sprachkompetenz der drei ausgewählten Kinder zu bekommen, habe ich mit Hilfe der liseb Bögen mehrere Analysen getätigt. Die Bögen wurden vom Staatsinstitut für Frühpädagogik herausgegeben und bearbeiten das Thema Literacy- und Sprachentwicklung bei Kindern zwischen zwei und vier Jahren. Die dort enthaltenen Fragen bearbeiten die aktive Sprachkompetenz, das Zuhören und die Aufmerksamkeit, den selbstständigen Umgang mit Bilderbüchern, den aktiven Wortschatz und das Sprachverständnis. Ebenso geben sie Aufschluss zum Ist-Stand im Bereich Schreiben, phonologischer Bewusstheit, der Grammatik und dem Erzählen von Geschichten. Zu jedem Kind habe ich je einen Bogen im September 2021, zum Start des Buchclubs, ausgefüllt und ausgewertet.10

Im Einzelnen gebe ich nun Auskunft über den jeweiligen Sprachstand der Kinder. Mina (2,9 Jahre) ist das einzige Mädchen im Buchclub und lebt als Einzelkind mit ihrer Mutter in XY. Sie wächst wohl behütet in einem sehr liebevollen Verhältnis auf. Mina verbrachte die meiste Zeit mit dem Rollenspiel, fütterte Puppen oder spielte Arzt. Sie war stets sehr beliebt, vor Allem weil sie sehr viel lachte und umsichtig war. Mit Dean spielte sie am Liebsten, stritt sich jedoch nach kurzer Zeit um das Spielzeug, sodass keiner der beiden nachgeben mochte. In der Gesamtauswertung im September wird ersichtlich, dass Mina im Bereich Zuhören und Geschichten erzählen sehr weit entwickelt war. Sie hatte eine effektive Konzentrationsspanne von vier Minuten. Sind die Bedingungen günstig und die Umgebung leise, schaffte sie es auch sich zehn Minuten lang mit Fädelspielen oder einem Puzzle zu beschäftigen. Mina bekam einmal die Woche eine Einzelförderung mit einem Spracherzieher, da sie die Laute g und d, wie auch k und t verwechselt. Somit fiel es manchmal im Gruppenbetrieb schwer sie zu verstehen. Dennoch hatte Mina ein für ihr Alter sehr gut ausgeprägtes Sprachwissen und einen großen Wortschatz. Ihre Grammatik war ebenfalls altersentsprechend gut ausgeprägt, auch wenn sie einige Präpositionen verwechselte und oft Zeitangaben vertauscht. Dies sind aber Punkte, die in ihrem Alter noch als völlig normal anzusehen sind. Für das Schreiben und die Buchstaben interessierte das Mädchen sich kaum, ebenso bestand ein wenig Aufklärungsbedarf im Umgang mit Bilderbüchern. Diese ließ sie sich meist vom Spracherzieher während des Spiels vorlesen, wobei sie dann immer wieder den Ort verließ und die Geschichte pausiert oder sie nutzte das Buch nur zum wilden Blättern.

[...]


1 https://www.db- thueringen.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dbt_derivate_00023342/P%C3%A4dagogik.pdf< S.92 (zuletzt aufgerufen am: 13.03.2022, 22:56 Uhr)

2 https://360kompakt.de/management/paraverbale-kommunikation/ (zuletzt aufgerufen am: 13.03.2022, 22:56 Uhr)

3 Siehe Anhang Abbildung Sprachbaum

4 Vgl. http://logopaediewiki.de/wiki/Sprachbaum (zuletzt aufgerufen am: 13.03.2022, 22:57 Uhr)

5 Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachf%C3%B6rderung(zuletzt aufgerufen am: 13.03.2022, 22:58 Uhr)

6 Vgl. https://www.herder.de/kiga-heute/fachbegriffe/sprachfoerderung/(zuletzt aufgerufen am: 13.03.2022, 22:58 Uhr)

7 https://www.goethe.de/de/spr/unt/kum/fru/kin/lit.html (zuletzt aufgerufen am: 13.03.2022, 22:59 Uhr)

8 Vgl. https://www.stiftunglesen.de/informieren/unsere-themen/10-gruende-fuers-vorlesen (zuletzt aufgerufen am: 13.03.2022, 22:59 Uhr)

9 Siehe Anhang Bücherliste

10 Siehe Anhang Auswertungsblätter

Details

Seiten
64
Jahr
2022
ISBN (PDF)
9783346752727
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2022 (Oktober)
Note
1,0
Schlagworte
Sprachförderung Krippe Bilderbücher
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Titel: Förderung der Sprachkompetenz von 2-3 jährigen Krippenkindern durch Angebote mit Bilderbüchern