Lade Inhalt...

Reformbedarf der Bundeswehr

Positionspapier

©2022 Hausarbeit 12 Seiten

Zusammenfassung

In Hinblick auf den immer rasanteren Wandel von Wirtschaft, Umwelt und Technologie ist es erforderlich, auch die deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie den Auftrag, Einsatz und die Gestaltung der Bundeswehr entsprechend den neuen Gegebenheiten anzupassen. Die deutsche Sicherheitspolitik muss sich dabei Herausforderungen wie dem transnationalen Terrorismus, Cyberangriffen, zwischenstaatlichen Konflikten, weltweite Aufrüstung und Proliferation von Massenvernichtungswaffen sowie Gefährdungen der Informations-, Kommunikations-, Versorgungs-, Transport- und Handelslinien und der Sicherung der Rohstoff- und Energieversorgung stellen. Aber auch Einflüsse wie der Klimawandel, unkontrollierte und irreguläre Migration sowie Pandemien und Seuchen erfordern entsprechende Anpassungen. Die Vielfältigkeit der Herausforderungen macht deutlich wie komplex die sicherheitspolitische Gesamtsituation ist, denn diese unterschiedlichen Herausforderungen unterscheiden sich in der Intensität möglicher Schäden, ihre unmittelbaren Auswirkungen auf die Sicherheit und der Langfristigkeit ihrer Folgen. Des Weiteren führt die wechselseitige Verstärkung zu einer entsprechenden Dynamik. Gleichzeitig wird unter den Bedingungen der Globalisierung die Korrelation des geographischen Entfernungsfaktors immer kleiner. Insgesamt wird das Spektrum der Bedrohungen für die Sicherheit immer ausgedehnter, multiplexer und immer weniger vorhersehbar.

Die Bundeswehr muss zur Umsetzung der strategischen Prioritäten deutscher Sicherheitspolitik beitragen können. Das sich schnell wandelnde Umfeld, der Gestaltungs- und Führungsansprüche sowie Deutschlands Verpflichtungen gegenüber der NATO und der EU erfordern eine ständige Modernisierung und Angleichung des Aufgabenspektrums der Bundeswehr. Insgesamt steigen die Anforderungen an die Bundeswehr, denn die zunehmende internationale Verantwortung Deutschlands geht mit militärischen Verpflichtungen und höheren Erwartungen von Verbündeten und Partner einher. Deutschland trägt neben der Sicherung des eigenen Hoheitsgebiets auch Verantwortung für die Bündnisverteidigung. In Hinblick auf diese doppelte Verantwortung muss Deutschland über breit aufgestellte militärische Fähigkeiten verfügen, um alle ihm zukommenden Rollen wie beispielsweise als Anlehnungsnation für die Fähigkeiten und Strukturen unserer Verbündeten, als Truppensteller im internationalen Krisenmanagement und als Wertepartner wahrnehmen zu können.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Position

2. Anpassung der Organisationsstruktur des Verteidigungsministeriums und
der Bundeswehr

2.1. Zentrales Organisationselement im Verteidigungsministerium
2.2. Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche der Bundeswehr

3. Bedarfsgerechte Bereitstellung von Finanzmittel und Ausrüstung zur Auftragserfüllung
3.1. Bereitstellung von Finanzmittel
3.2. Bestmögliche Ausrüstung zur Auftragserfüllung

4. Anpassung der Personalpolitik der Bundeswehr
4.1. Personalgewinnung
4.2. Spezialisiertes und hochqualifiziertes Personal

5. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Position

In Hinblick auf den immer rasanteren Wandel von Wirtschaft, Umwelt und Technologie ist es erforderlich auch die deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie den Auftrag, Einsatz und die Gestaltung der Bundeswehr entsprechend den neuen Gegebenheiten anzupassen.1 Die deutsche Sicherheitspolitik muss sich dabei Herausforderungen wie dem transnationalen Terrorismus, Cyberangriffen, zwischenstaatlichen Konflikten, weltweite Aufrüstung und Proliferation von Massenvernichtungswaffen sowie Gefährdungen der Informations-, Kommunikations-, Versorgungs-, Transport- und Handelslinien und der Sicherung der Rohstoff- und Energieversorgung stellen.2 Aber auch Einflüsse wie der Klimawandel, unkontrollierte und irreguläre Migration sowie Pandemien und Seuchen erfordern entsprechende Anpassungen.3 Die Vielfältigkeit der Herausforderungen macht deutlich wie komplex die sicherheitspolitische Gesamtsituation ist, denn diese unterschiedlichen Herausforderungen unterscheiden sich in der Intensität möglicher Schäden, ihre unmittelbaren Auswirkungen auf die Sicherheit und der Langfristigkeit ihrer Folgen. Des Weiteren führt die wechselseitige Verstärkung zu einer entsprechenden Dynamik. Gleichzeitig wird unter den Bedingungen der Globalisierung die Korrelation des geographischen Entfernungsfaktors immer kleiner. Insgesamt wird das Spektrum der Bedrohungen für die Sicherheit immer ausgedehnter, multiplexer und immer weniger vorhersehbar.4

Die Bundeswehr muss zur Umsetzung der strategischen Prioritäten deutscher Sicherheitspolitik beitragen können. Das sich schnell wandelnde Umfeld, der Gestaltungs- und Führungsansprüche sowie Deutschlands Verpflichtungen gegenüber der NATO und der EU erfordern eine ständige Modernisierung und Angleichung des Aufgabenspektrums der Bundeswehr.5 Insgesamt steigen die Anforderungen an die Bundeswehr, denn die zunehmende internationale Verantwortung Deutschlands geht mit militärischen Verpflichtungen und höheren Erwartungen von Verbündeten und Partner einher.6 Deutschland trägt neben der Sicherung des eigenen Hoheitsgebiets auch Verantwortung für die Bündnisverteidigung. In Hinblick auf diese doppelte Verantwortung muss Deutschland über breit aufgestellte militärische Fähigkeiten verfügen, um alle ihm zukommenden Rollen wie beispielsweise als Anlehnungsnation für die Fähigkeiten und Strukturen unserer Verbündeten, als Truppensteller im internationalen Krisenmanagement und als Wertepartner wahrnehmen zu können.7

Trotz dieser Herausforderungen und des damit verbundenen Bedarfs, waren die verschiedenen Reformen nach 1990 vor allem durch Verkleinerung, Auflösung und Umstationierung, diverse Änderungen der Führungsstrukturen, Frühpensionierungs-programme, Unterfinanzierung und materieller Knappheit geprägt.8 Die dadurch hervorgerufenen Fehlentwicklungen machen nun eine erneute Reformierung unumgänglich, um die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr auch zukünftig gewährleisten zu können, denn die Bundeswehr ist auf die Herausforderungen und Bedrohungen der Zukunft noch nicht ausreichend vorbereitet.9

Der Reformbedarf ist ebenso vielfältig wie das gesamte Aufgabenspektrum selbst, weswegen sich dieses Positionspapier, welches sich an die Leitung des Bundesministeriums der Verteidigung als zuständiges Ressort für die militärische Verteidigung und höchste Kommandobehörde der Bundeswehr richtet, im Wesentlichen auf den Reformbedarf in Hinblick auf Organisationsstruktur, Finanzmittel, Ausrüstung und Personal bezieht, denn diese Bereiche stellen eine wichtige Grundlage für die Handlungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft der Bundeswehr dar.

Um die zukünftige Handlungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft der Bundeswehr sicherzustellen, bedarf es einer Anpassung der Organisationsstruktur des Verteidigungsministeriums und der Bundeswehr, der bedarfsgerechten Bereitstellung von Finanzmitteln und Ausrüstung zur Auftragserfüllung sowie einer umfassenden Anpassung der Personalpolitik der Bundeswehr.

2. Anpassung der Organisationsstruktur des Verteidigungsministeriums und der Bundeswehr

2.1. Zentrales Organisationselement im Verteidigungsministerium

Die Struktur des Ministeriums der Verteidigung muss der Organisation der Bundeswehr durch eine Verbesserung der Aufgabenwahrnehmung gerecht werden können. Derzeit sind insgesamt rund 2.500 Mitarbeitende in den Dienstsitzen in Bonn und Berlin tätig.10 Die Arbeits- bzw. Abteilungsebene des Ministeriums ist in 10 Abteilungen, 28 Unterabteilungen und zahlreiche Referate gegliedert. Hinzu kommt der Leitungsbereich mit einem Leitungsstab, dem Stab Informationsarbeit, dem Stab Strategische Steuerung Rüstung sowie dem Stab Organisation und Revision sowie verschiedene aufgestellte Sonderorganisationen.11

Durch diese zahlreichen Schnittstellen und verschiedenen Zuständigkeiten bleibt die entsprechende Verantwortung häufig unklar wodurch die Leitung des Ministeriums und die Führung der Streitkräfte immens erschwert wird.12 Diese Verantwortungsdiffusion und ausufernde Bürokratisierung sind Gründe für die mangelnde Einsatzbereitschaft der Bundeswehr, denn dies hat unter anderem zur Folge, dass die Beschaffungs- und Nutzungsprozesse nicht ausreichend effizient sind, die Entscheidungsprozesse langwierig sind, sich ein Missverhältnis zwischen den taktisch-operativen Einsatzelementen der Bundeswehr und den Verwaltungseinrichtungen und Ämtern entwickelt und es beispielsweise nicht gelungen ist alle Einsatzkräfte im Corona-Einsatz unter einem einheitlichen Kommando zu führen.13

Die Einrichtung eines zentralen Organisationselements, beispielsweise in der Form eines strategischen Unterstützungselements mit Controlling-Aufgaben und entsprechendem operativen Führungskommando würde dazu beitragen einen ganzheitlichen Ansatz für die Führung der Bundeswehr sicherzustellen.14 Diese Grundgedanke ist keineswegs neu, denn unter Verteidigungsminister Helmut Schmidt wurde im Jahr 1969 mit dem Planungsstab, über den auf dem Dienstweg alle Leitungsvorlagen gingen, ein derartiges Organisationselement im Verteidigungsministerium eingerichtet. Dieser wurde jedoch zum 1. April 2012 im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr abgeschafft.15 In den dem Ministerium nachgeordneten Bereich führt das Planungsamt der Bundeswehr alle Planungsschritte zusammen. Es ist für den nicht-ministeriellen Anteil des Planungsprozesses verantwortlich und gewährleistet, als Bedarfsträger für alle militärischen und zivilen Organisationsbereiche der Bundeswehr, eine zentrale bundeswehrgemeinsame Planung.16 Ein solches Organisationselement wäre auch auf ministerieller Ebene sinnvoll, denn durch die aktuelle Verantwortungsdiffusion bricht die Zuständigkeitsordnung mit dem existenziellen Grundsatz: „Auftrag, Kräfte und Mittel in einer Hand“.17

2.2. Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche der Bundeswehr

In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche immer weiter vergrößert. Zu den Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe und Marine sind noch die eigenständige Streitkräftebasis, Sanitätsdienst und der Bereich Cyber- und Informationsraum als militärische Organisationsbereiche hinzugekommen.18

Es sollte geprüft werden, ob die Anzahl der Organisationsbereiche reduziert werden kann und die verbleibenden Strukturen flacher und schmaler ausgestaltet werden können, denn die Zusammenarbeit zwischen den Teilstreitkräften und Organisationsbereichen wird durch die Zergliederung teilweise erschwert und die Zahl der Kommandos und Stäbe hat sich erhöht.19 Beispielsweise könnten die Organisationsbereiche Streitkräftebasis und Sanitätsdienst aufgelöst und logistische und sanitätsdienstliche Truppenteile den Divisionen direkt unterstellt werden. Die Aufgabe der militärischen Organisationsbereiche ist es die Teilstreitkräfte mit ihren Fähigkeiten bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen.20 Als Bestandteil der Teilstreitkräfte wären die derzeitigen militärischen Organisationsbereiche direkt dort wo ihre Fähigkeiten auch benötigt werden wodurch eine engere und besser aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit aufgebaut werden kann.

3. Bedarfsgerechte Bereitstellung von Finanzmittel und Ausrüstung zur Auftragserfüllung

3.1. Bereitstellung von Finanzmittel

Damit Deutschlands Sicherheits- und Verteidigungspolitik handlungsfähig bleibt, werden entsprechende Finanzmittel im Rahmen der allgemeine Haushaltsentwicklung benötigt, denn für die sich aus den entsprechenden Anforderungen ergebenden Aufgaben werden Strukturen, Ausstattung und Personal generiert, die fortwährend finanziert sein müssen.21

Obwohl es in den letzten Jahren einen erheblichen Zuwachs im Verteidigungshaushalt gab, ist die Bundeswehr weiterhin unterfinanziert, denn eine personelle und materielle Verbesserung der Ausstattung kann nur durch steigende Investitionen realisiert werden.22 Zwar muss weiterhin auf die Wirtschaftlichkeit der Ausgaben geachtet werden, jedoch wird Effizienz allein nicht den erforderlichen finanziellen Spielraum bereitstellen können, der für eine moderne, umfassend einsatzbereite Bundeswehr nötig ist, auch in Hinblick auf die Beschaffung notwendiger Ausrüstung. Deswegen bedarf es auch weiterhin eines steigenden und verlässlich planbaren Verteidigungsetats, um die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr weiter zu stärken.23 Die Planbarkeit ist besonders für die zielgerichtete Umsetzung von mehrjährigen Beschaffungsvorhaben wichtig. Würde der Verteidigungshaushalt stagnieren oder verringert werden könnte dies dazu führen, dass die stetig steigenden fixen Ausgaben für Personal, Betrieb und Liegenschaften die finanziellen Mittel verbrauchen, die in Forschung, Entwicklung und Beschaffung investiert werden sollten, um auch zukünftig die Einsatzbereitschaft sicherzustellen.24 Auch der Defence Investment Pledge, auf die sich die damals 28 Mitgliedsstaaten beim NATO-Gipfeltreffen 2014 in Wales einigten, muss entsprochen werden. Diese Investitionszusage sieht eine Angleichung auf 2 Prozent Anteil der Verteidigungsaufgaben am jeweiligen nationalen Bruttoinlandsprodukt innerhalb von 10 Jahren vor.25 Deutschlands Bruttoinlandsprodukt lag 2021 bei rund 3,563 Billionen Euro.26 Ein Anteil von 2 Prozent würde demzufolge rund 71,28 Milliarden Euro entsprechen. Der Verteidigungsetat im Haushaltsjahr 2021 betrug jedoch lediglich 46,93 Milliarden Euro27 und lag somit noch weit unter dem Richtwert der NATO von 2 Prozent Anteil vom Bruttoinlandsprodukt für Verteidigungsausgaben. Insgesamt ist ein steigender Verteidigungshaushalt notwendig, um angesichts neuer Bedrohungen in modernste Verteidigung investieren zu können. Die ehemalige Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer betonte in diesem Zusammenhang: „Verteidigung wird künftig viel teurer sein, weil sie viel anspruchsvoller wird“.28

3.2. Bestmögliche Ausrüstung zur Auftragserfüllung

Zur Erfüllung des militärischen Auftrags in der Luft, an Land und auf dem Meer benötigt die Bundeswehr eine spezielle dem Bedarf entsprechende Ausrüstung. Ein transparentes, effizientes, flexibles und modernes Rüstungssystem ist angesichts der vielfältigen Herausforderungen unumgänglich, um der Bundeswehr die bestmögliche Ausrüstung zur erfolgreichen Auftragserfüllung und zum Schutz des Lebens ihrer Soldatinnen und Soldaten zur Verfügung zu stellen.29

Doch in der Vergangenheit sorgten immer wieder Schlagzeilen über den Zustand der Bundeswehr in Hinblick auf fehlende oder nicht einsatzbereite Ausrüstung für Kritik.30 Auch der letzte halbjährliche Bericht zur materiellen Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr zeigt weitere Defizite auf. Während der anhaltenden Covid-19-Pandemie wurden viele Lehrgänge, Übungen und internationale Übungsbeteiligungen abgesagt oder auf das Notwendigste begrenzt wodurch das Material weniger eingesetzt wurde und somit auch die Beanspruchung geringer wurde. Die vermehrte Standzeit konnte so für die vorbeugende Instandhaltung und Schadensbehebung genutzt werden.31 Zwar ist bereits eine Verbesserung zu den Vorjahren sichtbar, denn immerhin liegt die materielle Einsatzbereitschaft aller 71 Hauptwaffensysteme durchschnittlich bei 77 Prozent. Allerdings ist besonders bei den Luftverkehrsmitteln die Einsatzbereitschaft defizitär. Die materielle Einsatzbereitschaft für die Kampf- und Transportflugzeuge lag nur bei 65 Prozent und bei den Hubschraubern sogar nur bei lediglich 40 Prozent. Konkret bedeutet das, dass im Durchschnitt nur ca. 195 von rund 300 Flugzeugen und ca. 100 von rund 250 Hubschrauber der Bundeswehr im Jahr 2021 einsatzbereit waren.32 Dabei zeichnen sich bei der materiellen Einsatzbereitschaft sprunghafte Verläufe ab, hervorgerufen durch eine hohe Steuerung und einen zu geringen verfügbaren Bestand bei rund einem Drittel der Systeme.33 Um diese Fähigkeitslücken zu schließen braucht es ein modernes Rüstungsmanagement, welches durch ein modernes Risikomanagement und internationale Rüstungskooperationen an Kontrolle und Effizienz gewinnt. Die Beschaffung der Bundeswehr sollte dabei bedarfsorientiert sein und Multinationale Kooperationen sollten durch den Lead-Nation-Ansatz gestärkt werden. Darüber hinaus ist Innovation und moderne Ausrüstung ein wichtiger Schlüssel zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit, um auf die technologischen Veränderungen in der Waffenentwicklung reagieren zu können.34

4. Anpassung der Personalpolitik der Bundeswehr

4.1. Personalgewinnung

Die Zukunftsfähigkeit der Bundeswehr, in Hinblick auf die Einsatzbereitschaft, ist jedoch nicht nur von einer guten Ausrüstung abhängig, sondern auch davon, dass es der Bundeswehr gelingt, geeignetes Personal langfristig zu binden und neues, qualifiziertes Personal für die Streitkräfte und den zivilen Bereich zu gewinnen, um den erforderliche Personalbedarf abdecken zu können.35 Das Personal der Bundeswehr ist der wichtigste Faktor für die Einsatz- und Reaktionsfähigkeit der Bundeswehr. Durch die Große der Organisation der Bundeswehr ist eine moderne, nachhaltige und demografisch unabhängige Personalpolitik erforderlich, um künftigen Herausforderungen konsequent und proaktiv zu begegnen.36 Die Bundeswehr kann die Auftragserfüllung und Einsatzbereitschaft nur sicherstellen, wenn sie über eine dem tatsächlichen Bedarf angepasste Personalstärke verfügt, deswegen muss sich die Bundeswehr kontinuierlich als wettbewerbsfähiger, flexibler und moderner Arbeitgeber positionieren.37 In Zukunft wird es entscheidend darauf ankommen, die entsprechenden Instrumentarien, die bereits in verschiedenen Konzepten hinterlegt sind, konsequent und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln, indem die Wünsche von Interessierten und Bewerbern stärker auf die Potenzialentfaltung ausgerichtet und integriert werden.38

Der Prozess der externen Personalgewinnung richtet sich dabei an folgende Gestaltungsbereiche: Vermittlung der Merkmale des Dienstes in der Bundeswehr, zielgruppengerechte Ansprache und Adressierung an potenzielle Bewerberinnen und Bewerber besonders für Laufbahnen und Verwendungen in denen die Bedarfsdeckung schwieriger ist sowie das Aufzeigen von beruflichen Alleinstellungsmerkmalen und Vorzügen die die Bundeswehr, sowohl im militärischen als auch zivilen Bereich, im Vergleich zu anderen Arbeitgebern bieten kann.39 Dafür ist vor allem die Präsenz in verschiedenen Medien notwendig um Interessenten zu gewinnen und zu informieren. Überdies wird durch allgemeine Kampagnen in den verschiedenen Medien auch der Bekanntheitsgrad der Bundeswehr als sinnstiftender und qualifizierender Arbeitgeber aufrechterhalten.40 Eine wichtige Schlüsselposition bei der umfassenden Information von Interessierten nimmt dabei die Karriereberatung der Bundeswehr ein. Hier kann im persönlichen Dialog gezielt über die beruflichen Perspektiven und verschiedenen Berufsfelder bei der Bundeswehr informiert werden und weitere konkrete Fragen von Interessierten fachlich fundiert, serviceorientiert und professionell beantwortet werden, um eventuelle Unsicherheiten zu bereinigen. Aber auch die Auseinandersetzung mit den spezifischen Anforderungen des Dienstes und den damit verbundenen Risiken und Belastungen sind im Rahmen einer solchen Beratung wichtig, denn der zukünftige Arbeitnehmer sollte sich dem von Anfang an bewusst sein.41 Wenn sich Interessierte von Anfang an gut beraten und begleitet fühlen, steigt auch die Wahrscheinlichkeit in ihnen neues Personal für die Bundeswehr zu gewinnen. Bewerbergewinnungsmaßnahmen wie beispielsweise Truppen- und Dienststellenbesuche sowie das Anbieten von Praktika können ebenfalls entscheidend dazu beitragen neues Personal zu generieren.42 Ein weiterer wichtiger Aspekt ist es Mitarbeitenden die aus der Bundeswehr ausscheiden beim Übergang in den privaten Arbeitsmarkt zu unterstützen, denn „der Erfolg der Ehemaligen ist eine wichtige Visitenkarte für den Nachwuchs von morgen“.43 Um sich als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren und gegen die Konkurrenz im Wettbewerb um Fachkräfte zu bestehen ist es wichtig die Arbeitsbedingungen zu verbessern und zu modernisieren, um den Bedürfnissen der Mitarbeitenden besser gerecht zu werden, denn die Arbeitgeberattraktivität wird auch maßgeblich von der Einstellung und der Zufriedenheit der Mitarbeitenden geprägt. Dazu gehören unter anderem moderne Unterkünfte, flexiblere Arbeitsbedingungen, die bessere Vereinbarkeit von Dienst und Familie durch Kinderbetreuungsangebote, eine zeitgemäße IT-Ausstattung und die Verbesserung der Vergütung und sozialen Absicherung.44

[...]


1 Vgl. Kramp Karrenbauer & Zorn (2021), S. 1.

2 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2016), S. 34 ff.

3 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2016), S. 42 ff.

4 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2016), S. 34.

5 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2016), S. 88.

6 Vgl. Colby (2021), S. 234 f.

7 Vgl. Kramp Karrenbauer & Zorn (2021), S. 3.

8 Vgl. Bartels & Glatz (2020), S. 1.

9 Vgl. Kramp Karrenbauer & Zorn (2021), S. 5.

10 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2022a).

11 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2022b).

12 Vgl. Strack-Zimmermann (2021), S. 3.

13 Vgl. Strack-Zimmermann (2021), S. 2.

14 Vgl. Bartels & Glatz (2020), S. 5.

15 Vgl. Bundesarchiv BW 1.

16 Vgl. Planungsamt der Bundeswehr (2021).

17 Bartels & Glatz (2020), S. 6.

18 Vgl. Bundeswehr (2022).

19 Vgl. Bartels & Glatz (2020), S. 6.

20 Vgl. Bundeswehr (2022).

21 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2016), S. 117.

22 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2021a).

23 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2021a).

24 Vgl. Kramp Karrenbauer & Zorn (2021), S. 4.

25 Vgl. North Atlantic Treaty Organization (2014), Nr. 14.

26 Vgl. Statistisches Bundesamt, zitiert nach de.statista.com (2022).

27 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2020).

28 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2021b).

29 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2016), S. 126.

30 Vgl. Remme (2018).

31 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2021c), S. 4.

32 Vgl. Bundeswehr (2019).

33 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2021c), S. 4.

34 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2016), S. 127.

35 Vgl. Thiele (2015), S. 8.

36 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2016), S. 118.

37 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2016), S. 118.

38 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2019), S. 3.

39 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2019), S. 8.

40 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2019), S. 9.

41 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2019), S. 10.

42 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2019), S. 21.

43 Bundesministerium der Verteidigung (2016), S. 120.

44 Vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2016), S. 122.

Details

Seiten
12
Jahr
2022
ISBN (PDF)
9783346669025
ISBN (Buch)
9783346669032
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Hochschule Harz - Hochschule für angewandte Wissenschaften (FH) – Politik und Verwaltung
Erscheinungsdatum
2022 (Juni)
Note
1,3
Schlagworte
Verwaltungsökonomie Verwaltungsreform Reformbedarf Bundeswehr Positionspapier Entscheidungsorientiertes Positionspapier
Zurück

Titel: Reformbedarf der Bundeswehr