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Sozialpädagogische Diagnosen nach Mollenhauer & Uhlendorff

Essay 2009 8 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Steffen Ernst

S O Z I A L P Ä D A G O G I S C H E D I A G N O S E

N A C H

M O L L E N H A U E R & U H L E N D O R F F

Wir haben heute in unserer Gesellschaft, die von einem Individualitätsstreben des Einzelnen und einer stetigen Veränderung der Normen und Werte geprägt ist, häufig keine eindeutigen Merkmale für Problemlagen von Menschen. Strukturelle oder politische Entwicklungen und die daraus resultierenden Forderungen für den Einzelnen können nicht mehr durch einfache Mittel präzise erkannt werden. Wir haben es oft mit den vielfältigsten, individuell sozialen und persönlichen Problemlagen zu tun, die sich nicht so leicht identifizieren, kategorisieren und dann behandeln lassen. Der Mensch ist in einem sich ständig verändernden Gesamtzusammenhang mit seiner Lebenslage, Lebensverhältnissen und subjektiven biografischen Erfahrungen auf der einen Seite und seiner Umwelt mit den strukturellen und politischen Entwicklungen auf der anderen Seite zu sehen.

Zum professionellen Handeln in der Sozialen Arbeit benötigen wir Rahmenbedingungen die uns Orientierung bieten. Dieses Nachdenken darüber muss der theoretische Diskurs, mit den Rückmeldungen aus der Praxis leisten. Nur durch dieses Zusammenspiel können wir m.E. am ehesten zu handlungsleitenden Ergebnissen kommen.

Um eine Handlung in der Sozialen Arbeit, damit ist hier die Intervention gemeint, nach ihrem Gelingen oder Misslingen beurteilen zu können brauchen wir genau diese Orientierung. Damit besteht dann die Notwendigkeit diese komplexen Systeme zu erkunden und einzugrenzen, alleine schon aus dem Grund heraus damit wir uns darüber verständigen können. Nur wenn wir auch die gewonnenen Erkenntnisse über die verschiedenen Sinn- und Wirkungszusammenhänge systematisieren, kann daraus eine Handlungsfähigkeit entstehen. Zu bedenken ist hier für mich nur, dass wir uns als Handelnder nicht Etikettierend von der Systematik und Kategorisierung leiten lassen, sondern auch selbstständig und vernünftig versuchen die Sache zu betrachten.

Wenn wir nun auf ein „Problem“ aufmerksam werden hat man normalerweise bis dahin nur erkannt dass es ein solches gibt und sieht sich vor die Aufgabe gestellt in irgend einer Form das „Ganze“ als solches zu beschreiben. Dieser Prozess des Erfassens des „Falles“ und des Nachvollziehen der Lage des Klienten wird in der Literatur häufig Fallverstehen oder auch soziale Diagnose genannt. Um einem Menschen bei der Bewältigung aktueller Problemlagen helfen zu können, ist es wichtig diesen und dessen Situation, seinen Hintergrund und sein „Problem“ zu verstehen sowie sich ein Bild über die ihm zur Verfügung stehenden Kompetenzen und Lösungsmöglichkeiten zu machen. Es ergibt sich dadurch dann die Möglichkeit ein Handeln zu planen und so zu adäquaten Lösungen gelangen zu können.

Die Ergebnisse an denen Soziale Arbeit hier unterstützend tätig wird, ist das einzelne Individuum in der Gesellschaft, dass sich in mehr oder weniger riskanten biografischen Schwellen- oder Umbruchsituationen befindet.

Mit Termini wie Professionalisierung, Ökonominierung, neuer Steuerung oder Wirkungs-orientierung von Sozialer Arbeit und der einhergehenden Frage nach Legitimation vor den öffentlichen Verwaltungen, wird der Ruf nach überprüfbaren „Instrumenten“ zur Auswahl und Einleitung der meist kostenintensiven Hilfen laut.

Der Anspruch auf oder das Interesse an Hilfe muss also hinreichend begründet werden und die individuellen Voraussetzungen auf Anspruch, wie auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen.

Um mich der Thematik zu nähern, möchte ich mir zuerst einmal ein Verständnis von „Sozialpädagogischer Diagnostik“ verdeutlichen.

Der Begriff „Sozialpädagogik“ wird bis heute kontrovers diskutiert und eine hinreichende, allgemein akzeptierte Definition ist noch nicht gefunden.[1] Um die Überlegungen hier nicht abbrechen zu müssen werde ich mich an die Arbeitsdefinition von Franz Hamburger in „Einführung in die Sozialpädagogik“ halten, die er in direkter Anlehnung an Lothar Böhnisch macht: Sozialpädagogik bezieht sich auf das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft; dieses Verhältnis wird als Konflikt bzw. im Hinblick auf die ihm enthaltenen Konflikte betrachtet. Sozialpädagogik leistet eine Analyse der Konfliktkonstellation und entwickelt Konzepte der Konfliktbearbeitung.[2]

[...]


[1] z.B. Mollenhauer 1964, 2001 S.13; Scheipel 1997 S.2; Thole 2002 S.26

[2] Hamburger, F. (2008) „Einführung in die Sozialpädagogik“ S. 14 -Kohlhammer Verlag, zitiert: Böhnisch, L.
(1979) „Sozialpädagogik hat viele Gesichter“ In: Betrifft: Erziehung 12, Heft 9, S. 22-24

Details

Seiten
8
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640297191
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124473
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
1,0
Schlagworte
Sozialpädagogische Diagnosen Mollenhauer Uhlendorff

Autor

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Titel: Sozialpädagogische Diagnosen nach Mollenhauer & Uhlendorff