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Differenzen zwischen Ermittlungsverfahren in deutschen Bundesländern. Eine Wachstums- und Strukturanalyse anhand von Daten der StA-Statistik

©2022 Seminararbeit 21 Seiten

Zusammenfassung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den erledigten Ermittlungsverfahren der einzelnen Bundesländer in der Bundesrepublik Deutschland. Angesichts der genannten Entwicklungen ist eine spezifische Analyse in Hinblick auf die erledigten Ermittlungsverfahren Deutschlands unter Berücksichtigung von struktur- und wachstumsbezogenen Prozessen spannend. Ein Ermittlungsverfahren wird eingeleitet, sofern ein Anfangsverdacht einer Straftat besteht. Aufgrund dessen werden Ermittlungsverfahren in die verschiedenen Teilbereiche von Straftaten untergliedert.

Die vorliegende Untersuchung dient der Veranschaulichung und Überprüfung von unterschiedlichen Ermittlungsverfahren der 16 Bundesländer und versucht schlussendlich die Fragen zu beantworten, welche Unterschiede es bezüglich Art und Häufigkeit von Ermittlungsverfahren gibt sowie welche Entwicklungen bei den Verfahren zu beobachten sind. Zudem wird den Fragen nachgegangen, ob es spezifische Unterschiede beim Vergleich der Bundesländer gibt und Drogendelikte sowie Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz tatsächlich gestiegen sind.

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

1 Ermittlungsverfahren in den Bundesländern Deutschlands

2 Statistik der Staats- und Amtsanwaltschaften (StA-Statistik)

3 Auswertung
3.1 Von Betrug, Untreue, Diebstahl und Körperverletzung
3.2 Strukturelle Analyse von Ermittlungsverfahren
3.2.1 Der Standortquotient: Gleichverteilung, mit wenigen Ausreisern
3.2.2 Der Koeffizient der Lokalisierung (KL) und Spezialisierung (KS)
3.3 Portfolioanalyse: Korruption auf dem absteigenden Ast
3.4 Shift-Share-Analyse: Vorreiter Bayern und Saarland

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Portfoliodiagramm der erledigten Ermittlungsverfahren in der Bundesrepublik Deutschland

Abbildung 2: Punktdiagramm der Faktoren im Rahmen der Shift-Share-Analyse

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Entfernte Ausprägungen und Ausprägungen mit Null-Werten aus der StA-Statistik

Tabelle 2: Erklärung einiger Sachgebiete

Tabelle 3: Koeffizienten der Lokalisation in den Jahren 2018 und 2020

Tabelle 4: Koeffizienten der Spezialisierung in den Jahren 2018 und 2020

Tabelle 5: Berechnungen derShift-Share-Analyse

1 Ermittlungsverfahren in den Bundesländern Deutschlands

Zu Zeiten, in denen Schlagzeilen zu Covid-19, dem Klimawandel und Kriegen zur Tagesord­nung gehören, geraten Themen, wie die Kriminalität innerhalb der Landesgrenzen in den Hin­tergrund. Doch gerade die Kriminalität sollte nebst den erwähnten polarisierenden Themen, von den Landesregierungen ebenfalls überwacht und unter Kontrolle gebracht werden. Ge­rade Aspekte, wie die stark wachsenden Migrationswanderungen der letzten Jahre in Europa und die damit einhergehenden sozialen Konflikte, Drogenmissbrauch oder immer größer wer­dende Kontroversen der Bevölkerung zu weiteren aktuellen Themen und Konfliktfeldern kön­nen eine mögliche Grundlage für steigende Kriminalität bilden.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den erledigten Ermittlungsverfahren der einzelnen Bundes­länder in der Bundesrepublik Deutschland. Angesichts der genannten Entwicklungen ist eine spezifische Analyse in Hinblick auf die erledigten Ermittlungsverfahren Deutschlands unter Berücksichtigung von Struktur- und wachstumsbezogenen Prozessen spannend. Ein Ermitt­lungsverfahren wird eingeleitet, sofern ein Anfangsverdacht einer Straftat besteht. Aufgrund dessen werden Ermittlungsverfahren in die verschiedenen Teilbereiche von Straftaten unter­gliedert. Die vorliegende Untersuchung dient der Veranschaulichung und Überprüfung von un­terschiedlichen Ermittlungsverfahren der 16 Bundesländer und versucht schlussendlich die Fragen zu beantworten, welche Unterschiede es bezüglich Art und Häufigkeit von Ermittlungs­verfahren gibt sowie welche Entwicklungen bei den Verfahren zu beobachten sind. Zudem wird den Fragen nachgegangen, ob es spezifische Unterschiede beim Vergleich der Bundes­länder gibt und Drogendelikte sowie Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügig­keitsgesetz tatsächlich gestiegen sind.

Der Datensatz wird mit Hilfe von verschiedenen Struktur- und Wachstumsindikatoren analy­siert. Dafür ist die Arbeit folgendermaßen aufgebaut: Zunächst wird sowohl der Datensatz ver­anschaulicht als auch der Umgang mit den Daten und etwaige Besonderheiten erläutert. Das methodische Vorgehen wird mit der Auswertung fusioniert. So wird im dritten Kapitel jeder Berechnung die entsprechende Erklärung der Methode vorangestellt und schließt mit einer zeitlichen Ergebnisgegenüberstellung ab. Außerdem wird auch die Methodenkritik versucht direkt in die Darstellung und Erläuterung derAnalyse einzubetten. Zuletzt erfolgt ein resümie­rendes Fazit, welches die Forschungsfragen abschließend aufgreift.

2 Statistik der Staats- und Amtsanwaltschaften (StA-Statistik)

Als Datengrundlage für diese Arbeit dient die Statistik bei den Staats- und Amtsanwaltschaften (StA-Statistik) der Bundesrepublik Deutschland aus den Jahren 2018 - 2020 (Statistisches Bundesamt 2022b). Dabei handelt es sich um eine online frei verfügbare Statistik, die beim Statistischen Bundesamt (Destatis) abgerufen werden kann. Zum Zeitpunkt der vorliegenden Arbeit ist die StA-Statistik, der am aktuellsten zur Verfügung stehende Datensatz und beschäf­tigt sich mit den Ermittlungsverfahren der Bundesländer. Um den Rahmen der Analyse nicht zu sprengen, wird im Folgenden nurderTeil zu den erledigten Ermittlungsverfahren herange­zogen, der als separate Tabelle beim Statistischen Bundesamt abgerufen werden kann. Das Merkmal, als Indikator der enthaltenen Daten, ist die Anzahl an Ermittlungsverfahren, die von der Staatsanwaltschaft beim Landgericht und von derAmtsanwaltschaft erledigt worden sind. Die Daten berücksichtigen nicht das letztendliche Ergebnis des Ermittlungsverfahrens. So sind alle Verfahren im Datensatz abgeschlossen unabhängig davon, ob Anklage erhoben, ein Straf­befehl beantragt oder das Verfahren eingestellt worden ist. Die räumliche Abdeckung beläuft sich auf alle 16 Bundesländern der Bundesrepublik Deutschlands. Eine räumliche Vergleich­barkeit ist gegeben, da alle Erhebungsmerkmale und -richtlinien sowie die Aufbereitungsver­fahren einheitlich sind. Eine sachliche Gliederung erfolgt mittels unterschiedlicher, zusammen­gefasster Arten von Ermittlungsverfahren (Gruppierung von Straftaten). Bei der vorliegenden Datengrundlage handelt es sich um eine Vollerhebung, bei der die vollständige Datenerhe­bung aller Berichtsstellen erfolgte. So muss keine Schätzung von fehlenden Daten vorgenom­men werden (Statistisches Bundesamt 2022a). Dennoch wurden eine Spezifizierung aus der ursprünglichen Datenstruktur der StA-Statistik entfernt (Tabelle 1). Diese Ausprägung wurde gelöscht, da sie weder im Jahr 2018 noch im Jahr 2020 einen höheren Wert als Null ange­nommen hat. Zudem führt Tabelle 1 zwei weitere Ausprägungen, die im Verlauf mehrere Null­werte besitzen. Diese sind mit Vorsicht zu genießen, da sie in der Gesamtheit bei der Auswer­tung die Ergebnisse verfälschen können (Zeilensummen unter5OO).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Entfernte Ausprägungen und Ausprägungen mit Null-Werten aus der StA-Statistik (eigene Darstellung)

Nach der vorgenommenen Kürzung sind nunmehr 31 verschiedene Sachgebiete in Bezug auf Ermittlungsverfahren im Datensatz übrig. Einige der Sachgebiete dienen als Oberbegriffe für mehrere Straftaten/Ermittlungsverfahren, andere sind spezifische einzelne Arten von Ermitt­lungsverfahren (beispielsweise „Verkehrsstraftaten mit fahrlässiger Tötung“ und „Sonstige Verkehrsstraftaten“). Die Gruppierungen, die zusammengefasst dargestellt sind, können auch nur als Gesamtes betrachtet werden und verzerren möglicherweise die Ergebnisse der Unter­suchung. Die folgende Tabelle erklärt alle Sachgebiete, die nicht direkt klar zu verstehen sind und einerweiteren Erklärung bedürfen (Tabelle 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Erklärung einiger Sachgebiete (eigene Darstellung, Dejure2022)

In Hinblick auf den zeitlichen Verlauf der erledigten Ermittlungsverfahren, konnten lediglich Daten aus den zwei vorangegangenen Jahren herangezogen werden, was auf den Datenman­gel der StA-Statistik zurückzuführen ist. So wird im Auswertungsbericht mit einem Vergleich der Jahre 2018 und 2020 gearbeitet, was keine markanten Änderungen innerhalb dieses Zeit­raums zur Folge haben kann.

3 Auswertung

3.1 Von Betrug, Untreue, Diebstahl und Körperverletzung

Im Jahr 2020 gab es etwas unter 5.000.000 erledigte Ermittlungsverfahren in Deutschland. Die beiden im Süden liegenden Länder Baden-Württemberg und Bayern sowie Nordrheinwestfa­len sind nicht nur bei der Anzahl der jeweiligen Einwohner die größten Deutschlands, sondern auch bei der Anzahl an Ermittlungsverfahren. Wobei letztgenanntes Bundesland mit Abstand vorne liegt (etwa 23 Prozent). Bei der Betrachtung der einzelnen Sachgebiete der erledigten Ermittlungsverfahren ist das größte Gebiet, das der sonstigen allgemeinen Straftaten mit 20,6 Prozent von der Gesamtanzahl. Jedoch inkludiert diese vage formulierte Gruppierung voraus­sichtlich viele Straftaten. Es wird aus der Statistik nicht erkenntlich welche genau darunterfal­len, daher gilt es einen Blick auf die darauffolgenden Verfahren zu werfen: Betrug und Untreue (20,1 Prozent), Sonstige Verkehrsstraftaten (16,6 Prozent), Diebstahl und Unterschlagung (11,5 Prozent), Vorsätzliche Körperverletzungen (9,2 Prozent) und sonstige Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz (7,9 Prozent). Das Saarland, als zweikleinstes Bundesland in Bezug auf die Einwohnerzahl, hat die geringste Anzahl an erledigten Ermittlungsverfahren im Jahr 2020. Grundlegend sind solche Aussagen zu diesem Datensatz kritisch zu betrachten. Zum einen ist ein direkter Vergleich von Daten zwischen den Bundesländern schwierig, da diesen unterschiedliche Einwohnerzahlen zugrunde liegen, und so Aussagen verfälschen kön­nen. Zum anderen sind die Sachgebiete wie bereits erwähnt vage formulierte Sammelbegriffe, aus denen zumeist nicht genau hervorgeht, welche und wie Straftaten exakt darunterfallen.

3.2 StrukturelleAnalysevon Ermittlungsverfahren

Das folgende Teilkapitel beschäftigt sich mit der Berechnung und Auswertung ausgewählter Strukturmaßzahlen im Rahmen der raumwirtschaftlichen Analyse. Dabei wird der Standort­quotient sowie die Koeffizienten der Lokalisation und Spezialisierung zu Rate gezogen. Diese werden vorerst theoretisch erklärt und daraufhin auf die StA-Statistik angewendet.

3.2.1 Der Standortquotient: Gleichverteilung, mit wenigen Ausreisern

Der Standortquotient stuft nach Sektoren ab und schafft eine Informationsgrundlage über die Abweichungen eines Teilraumes in Bezug auf die Struktur des Gesamt- oder Referenzraumes. In vorliegender Arbeit beschreibt der Standortquotienten den Anteil eines Ermittlungsverfah­rens eines bestimmten Bundeslandes, im Vergleich zu allen Bundesländern der BRD. Zudem wird dies daraufhin mit dem Anteil aller Ermittlungsverfahren in den Ländern an allen Ermitt­lungsverfahren im Referenzraum Deutschland in Bezug gesetzt. Die daraus resultierenden Ergebnisse können wie folgt interpretiert werden. Der Wert von Eins entspricht einer Gleich­verteilung. Ergo ein Sachgebiet von Ermittlungsverfahren eines Bundeslandes und im Ge­samtraum sind gleich stark vertreten. Beispielsweise beträgt der Standortquotient für vorsätzliche Körperverletzungen in Niedersachsen im Jahr 2020 1,0. Was zur Folge hat, dass vorsätzliche Körperverletzungen in Niedersachsen genauso stark vertreten sind, wie im über­geordneten Aggregat aller Bundesländer. Zudem auch gemessen an der Verteilung von Er­mittlungsverfahren innerhalb Niedersachsens selbst. Beträgt der Wert mehr als Eins so ist das Ermittlungsverfahren im jeweiligen Teilraum im Vergleich zum Referenzraum übervertreten. Im Gegenzug ist ein Sachgebiet von Ermittlungsverfahren untervertreten, wenn der Wert klei­ner eins beträgt. Zuletzt ist ein Ermittlungsverfahren gar nicht vorhanden, wenn der Wert auf null fällt. Im Anhang 3 und 4 dargestellte Tabellen zeigen die berechneten Standortquotienten aller Räume und Verfahren für die Jahre 2018 und 2020. Alle Werte über 2,5 wurden orange gefärbt, um stärker übervertretene Ermittlungsverfahren hervorzuheben. Als Erweiterung sind Werte über 4,0 rot markiert, um besonders stark vertretene Sachgebiete in den Teilräumen hervorzuheben. Insgesamt betrachte sind die Werte des Quotienten im Jahr 2020 weitestge­hend ausgeglichen verteilt. Einige Ausreißer sind zu vermerken, die sich jedoch in Grenzen halten. Besonders auffällig sind die Konzentrationen von vorsätzlichen Tötungsdelikten durch Polizeibedienstete in Baden-Württemberg (4,2) und in Hessen die Straftaten im Sinne des § 74c Absatz 1 GVG (4,9). Grund für beide „Cluster“ ist die jeweils geringe Fallanzahl im Ge­samtraum. So gab es in Deutschland nur 22 vorsätzliche Tötungsdelikte durch Polizeibediens­tete, davon allein 10 in Baden-Württemberg. Die Staatsschutzsachen sind in Mecklenburg- Vorpommern (2,8) und Baden-Württemberg (2,9) stärker konzentriert, was wiederum auf die geringe Anzahl von Fällen zurückgeführt werden kann, die automatisch einen hohen Anteil an den gesamten deutschen Ermittlungsverfahren bedeutet. Auch die Gewaltausübung und Aus­setzung durch Polizeibedienstete (Hamburg 2,5) und Umweltschutzstrafsachen (Sachsen-An­halt 2,5 & Schleswig-Holstein 2,6) weisen Ballungsräume auf. Interessant ist das Sachgebiet um die Einschleusung von Ausländern in Bayern. Es liegt eine starke Konzentration mit 2,8 vor, was der geographischen Lage geschuldet sein kann. Bayern liegt angrenzend und Nahe zu den Ländern des Ost-Blocks, hier könnte die Anbindung eine potenzielle Flüchtlingsroute darstellen, was den Ballungsraum für die Einschleusung von Ausländern erklären könnte.

Auch im Jahr 2018 sind die Ermittlungsverfahren der Länder ähnlich gleichverteilt, bis auf we­nige Ausnahmen. Auffällige Konzentrationen liegen bei Staatsschutzsachen, Vergehen nach § 131 StGB, Wirtschaftsstrafsachen, Straftaten im Sinne des § 74c Absatz 1 GVG, Presse­strafsachen und vorsätzlichen Tötungsdelikten durch Polizeibedienstete vor. Der Ballungs­raum der Einschleusung von Ausländern wandert von Bayern nach Sachsen, was interessan­terweise ebenfalls ein östlich-gelegenes Bundesland mit der erwähnten Anbindung ist. Eine besonders hohe Konzentration mit 9,0 liegt bei den Korruptionsdelikten in Thüringen vor. Zu­dem wechselt die Konzentration von Staatsschutzsachen den Spitzenreiter. Mit einem Wert von 5,5 waren die Staatsschutzsachen in Mecklenburg-Vorpommern 2018 noch stärker kon­zentriert als die in Baden-Württemberg (3,0). Abschließend sind die meisten Ausreiser mit einer geringer Falldichte zu erklären, aber auch die grenznahe Lage könnten einige der Bal­lungen begründen. Kritisch zu betrachten, ist der Aspekt, dass der Standortquotient keine Aus­sage zur regionalen Bedeutung der Ermittlungsverfahren zulässt, sondern lediglich Konzent­rationen identifiziert werden können. In Kombination mit weiteren Strukturmaßzahlen können gegebenenfalls fundiertere Aussagen getroffen werden.

3.2.2 Der Koeffizient der Lokalisierung (KL) und Spezialisierung (KS)

Die folgenden beiden Koeffizienten versuchen die räumliche Verteilung der erledigten Ermitt­lungsverfahren näher zu beschreiben. Mit dem Koeffizienten der Lokalisierung wird der Grad der Konzentration eines Teilbereiches innerhalb aller Bundesländer gemessen. Die Werte­grenzen liegen dabei zwischen Null und Eins. Je größer der Wert des KL, desto höher ist auch der Grad der Konzentration eines Ermittlungsverfahrens in einem Bundesland. Dagegen ent­spricht die Verteilung von Ermittlungsverfahren jener der Bezugsgröße, sobald der Wert bei null liegt. Der Koeffizient der Spezialisierung bildet das Maß für die räumliche Verteilung eines Teilbereichs im Gesamtraum Deutschland. So kann festgestellt werden, ob eine Konzentration in einem bestimmten Bereich auftritt oder eher eine Gleichverteilung im Referenzraum vorliegt. So bietet der Wert als ein verdichtetes Maß, Aussagen über den Grad der strukturellen Ein­seitigkeit eines Teilraumes. Da es sich bei beiden Koeffizienten um relative Messungen han­delt, unterliegen sie dem Einfluss der Konzentration oder des Referenzmerkmales. Es sind also keine theoretischen Normwerte. Auch der theoretische Hintergrund fehlt, was die Analyse rein deskriptiv beschreiben lässt. Dazu besteht das Problem einer Disaggregierung, denn je kleiner die Anzahl eines Ermittlungsverfahrens im Teilraum ist, desto mehr werden einzelne Sachgebiete hervorgehoben und führen so zu strukturellen Abweichungen. Je höher können dadurch auch die Schwankungen im Zeitverlauf sein.

Für eine bessere Veranschaulichung und um zu gewährleisten, die Ergebnisse gesammelt zu interpretieren, werden die jeweiligen Koeffizienten für beide Jahre in einer Tabelle zusammen­gefasst. Tabelle 3 zeigt dabei die errechneten Koeffizienten der Lokalisation beider Jahre. Das Ermittlungsverfahren mit der stärksten Konzentration ist jenes bezüglich der vorsätzlichen Tö­tungsdelikte durch Polizeibedienstete (0,44,2018) dicht gefolgt von Staatsschutzsachen (0,42, 2018). Da beide Sachgebiete geringe Fallzahlen besitzen, können diese in der Gesamtbe­trachtung vernachlässigt werden, dennoch bestätigen sie die angesprochenen Ballungsräume in vorangegangenem Kapitel. Im weiteren Verlauf folgt die Einschleusung von Ausländern, Korruptionsdelikte, Wirtschaftsstrafsachen im Sinne des § 74c GVG, Presse- und Steuerstra­fsachen, die allesamt einen erhöhten Grad an Ballung des Teilbereiches in Deutschlands auf­weisen. Abgesehen von den beiden größten Konzentrationen sind die meisten Ermittlungsver­fahren in der Nähe der Null. Dies lässt vermuten, dass die Verteilung dieser Sachgebiete dem Gesamtraum Deutschland entspricht und so eher gleichverteilt sind. Alle Werte pendeln sich zwischen den Grenzen von 0 und 0,5 ein und implizieren somit keine starke Ballung, sondern neigen Richtung Gleichverteilung. So ist mit der Relativierung der beiden höchsten Werte keine Konzentration bei den Sachgebieten der erledigten Ermittlungsverfahren erkennbar. Beim Vergleich der Werte über den zeitlichen Verlauf stechen zwei große Veränderungen her­vor. Zum einen ist Konzentration der Wirtschaftsstrafsachen im Sinne des § 74c GVG stark angestiegen, zum anderen sind die Korruptionsdelikte von 2018 auf 2020 stark gesunken. Alle anderen Sachgebiete sind im Großen und Ganzen gleichgeblieben. Lediglich die Pressestraf­sachen haben einen größeren Rückgang der Konzentration zu verbuchen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Koeffizienten der Lokalisation in den Jahren 2018 und 2020 (eigene Darstellung, auf Basis des Destatis 2022b)

Im Hinblick auf den Koeffizienten der Lokalisierung sind im Vergleich zum vorherigen Koeffi­zienten keinerlei nennenswerte Auffälligkeiten zu vermerken (Tabelle 4). Die Ermittlungsver­fahren sind somit in keiner der Bundesländer prominent vertreten. Lediglich Bremen (0,12) und Bayern (0,11) besitzen einen Wert über 0,1 und sind damit Höchstwerte. Da alle Werte gegen Null gehen, kann von keiner Spezialisierung mehr gesprochen werden. So ist die Verteilung der einzelnen erledigten Ermittlungsverfahren in keinem der Länder einseitig, sondern in allen vielseitig vorhanden. Auch im zeitlichen Verlauf sind keine markanten Veränderungen zu be­obachten.

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Details

Seiten
21
Jahr
2022
ISBN (PDF)
9783346683434
ISBN (Paperback)
9783346683441
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Geographie
Erscheinungsdatum
2022 (Juli)
Note
1,0
Schlagworte
Wachstumsanalyse Strukturanalyse Ermittlungsverfahren Excel
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