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Das 4CID-Modell – eine Anwendung bei einem Workshop für Journalisten zur Publikation von Bildern im Internet unter Verwendung eines Redaktions-CMS

Wissenschaftlicher Aufsatz 2007 22 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das 4C/ID in der Theorie

3. Das 4C/ID in der praktischen Anwendung

4. Zusammenfassung und Fazit

5. Abbildungsverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meiner vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Anwendung des Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modells (4C/ID) bei einem Workshop für Journalisten zur Publikation von Bildern im Internet unter Verwendung eines Re- daktions-CMS. Dabei gehe ich davon aus, dass die am Workshop teilnehmenden Journalisten zwar bereits ihre Ausbildung an sich hinter sich haben, allerdings bis- her noch keine spezifische Erfahrung mit der Publikation im World Wide Web haben.

Ferner gehe ich davon aus, dass die Journalisten im Workshop lernen werden, wie die Bilder unter Zuhilfenahme von FTP und CMS veröffentlicht werden.

FTP steht für „File Transfer Protocol“ und ist ein Netzwerkprotokoll zur Daten- übertragung. Das FTP wird benutzt um beispielsweise Dateien zwischen einem Rechner und einem Server auszutauschen. Für den Datenaustausch wird eine spe- zielle Software benötigt, die es einzeln gibt oder die sich als Zusatzmodul in eini- gen Internetbrowsern (Internet Explorer, Firefox) befindet.

CMS ist die Abkürzung für Content Management System. Dabei werden Inhalte (beispielsweise eine Reportage mit einer Bildergalerie) in einer Datenbank gespei- chert. Mithilfe des CMS kann dieses Webangebot ohne die Kenntnisse von Pro- grammiersprachen erstellt, gepflegt und aktualisiert werden. Vorteil des CMS: Es können mehrere Autoren via Internet problemlos zusammenarbeiten und das Web- angebot betreuen.

2. Das 4C/ID in der Theorie

Das hier angewandte 4C/ID ist ein Instruktionsdesign-Modell, das 1997 speziell für das problembasierte Training komplexer kognitiver Fähigkeiten (Kognition hier: Informationsverarbeitung im Gehirn) von Jeoren van Merriënboer entwickelt wurde.

„Instruktion bezeichnet jedes systematische Arrangement von Umgebungs- bedingungen, das geeignet ist, Kompetenzen zu fördern.“ (Resnick, Lauren B.: Task analysis in instructional design: Some cases from mathematics, 1987, S. 51 zitiert in Niegemann, Helmut M., Hassel, Silvia, Hochscheid-Mauel, Dirk, Aslanski, Kristina, Dei- mann, Markus, Kreuzberger, Gunther: Kompendium E-Learning, Berlin Heidelberg 2004, Springer-Verlag, S.19)

Das Wort „Design“ steht für „gestalten“ oder „entwerfen“. Instruktionsdesign (ID) beschäftigt sich also mit der systematischen Gestaltung von Lernumgebungen (nicht nur von Unterricht!) und dem Ziel absichtsvolles Lernen zu fördern. Das Ur-Modell des Instruktionsdesigns geht auf Robert M. Gagné (1916-2002) zurück.

Bei dem 4C/ID-Modell von Jeoren van Merriënboer steht die Vermittlung von Handlungswissen im Vordergrund. Der Wissenszuwachs an sich ist der Vermitt- lung von Handlungswissen untergeordnet.

„Heranwachsende […] brauchen flexibel verfügbares, intelligentes Wis- sen, das sie selbstständig zur Lösung anstehender Probleme nutzen können und das ihnen Handlungskompetenz für ihr Leben verleiht. Eben das aber soll durch SiL [Anmerkung Bettina Rütten: SiL = Situiertes Lernen, siehe Seite 4] erreicht werden.“ (Peterßen, Wilhelm H.: Kleines Methoden-Lexikon, Mün- chen 1999, Oldenbourg Schulbuchverlag GmbH, S. 263f.)

Die vier Design-Komponenten (Ebenen der Vorgehensweise) des 4C/ID-Modells sind Dekomposition der zu erlernenden Gesamtkompetenz, Analyse der konstitu- tiven Fähigkeiten und des Wissens, Auswahl von Instruktionsmethoden und Kom- position der Trainingsstrategien. Kern des 4C/ID-Modells ist

„die Konzeption umfassender Übungs- und Anwendungsaufgaben im Sinne von Problemstellungen, Fall- und Projektaufgaben und schließlich die Entwicklung von Lernumgebungen im Sinne eines Arrangements von Situa- tionen, in denen komplexe kognitive Fähigkeiten ganzheitlich vermittelt und geübt werden können. Besondere Beachtung wurde dabei jeweils dem Aspekt der kognitiven (Über-)Belastung (cognitive load) gewidmet, die bei manchen Methoden des problem- und projektbasierten Lernens nachhalti- ge Effekte verhindert.“ (Niegemann et al., 2004, S. 41f.).

Lernen anhand möglichst komplexer authentischer Problemsituationen wird situ- iertes Lernen (SiL) genannt. Lernen geschieht immer im Kontext der sozialen, physischen und kulturellen Umwelt, daher sollten Lernprozesse in die komplexe authentische Umwelt eingebettet sein. Demnach ist die Lernumgebung authentisch zu gestalten. Das bedingt die Abkehr vom Auswendiglernen bloßer Fakten und führt hin zum Erwerb von Handlungswissen. Das SiL betont also die Unmöglich- keit der Trennung von Wissenserwerb, Wissen und Anwendung. Nach Peterßen ist SiL ein Prinzip, dass sich „ausrichtet auf selbstgesteuertes – subjektiv konstruierendes – Lernen, das aber instruktionale Einschübe und moderierende Eingriffe von außen für nötig erachtet.“ (Peterßen 1999, S. 263)

Mit seinen Prinzipien entspricht das 4C/ID den Anforderungen des SiL, da nicht träges Wissen sondern Handlungswissen erworben wird. Darüber hinaus hat die konstruierte Lernumgebung den Anspruch, authentisch zu sein und das Lernen findet selbstmotiviert, aber dennoch von außen instruiert und moderiert, statt.

Das 4C/ID wurde speziell für das Training komplexer kognitiver Fähigkeiten ent- wickelt. Die Integration des Modells in didaktische Szenarien ist grundsätzlich immer möglich, da das 4C/ID Anleitungen zur Entwicklung von problembasierten Lernumgebungen enthält. Allerdings ist die Anwendung des 4C/ID-Modells leich- ter, je komplexer die zu erlernende Kompetenz ist.

Beispielsweise ist es bei komplexen Szenarien einfacher oder überhaupt erst mög- lich Just-in-time-Informationen (Jit-Informationen) zu geben als bei einfachsten zu erlernenden Fähigkeiten.

Beispiele für die klassische Anwendung des 4C/ID-Modells sind realitätsnahe Ausbildungen in Bereichen komplexer, anspruchsvoller kognitiver Tätigkeiten, beispielsweise in technischen Berufen, Pilotenausbildungen, Fluglotsenausbildun- gen, Softwareentwicklern, diagnostische Ausbildungen von Ärzten, Architekten, Kaufleuten der Versicherungs- oder Finanzbranche et cetera.

Zwar eignet sich das Modell auch für das Training bestimmter einfacherer psy- chomotorischer „handwerklicher“ Fähigkeiten (zum Beispiel bei der Herstellung einer Torte in der Konditorlehre oder auch das Einstellen von Bildern ins Internet bei einer Journalisten-Ausbildung), aber die Unterteilung in mehrere Aufgaben- klassen ist schwierig, wenn die zu erlernende Kompetenz an sich sehr simpel ist.

Auch der Entwurf von Jit-Informationen, unterstützenden Informationen oder Part- Task-Practice (Teilaufgaben) ist schwieriger, beziehungsweise sogar unmöglich, wenn die zu erlernende Kompetenz zu einfach ist.

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