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Demographischer Wandel

Ein Generationenkonflikt?

von R. Meindl (Autor) J. Gajek (Autor) M. Schilling (Autor) P. Ant (Autor)
Hausarbeit 2009 27 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was heißt “Demographischer Wandel“?

3. Demographische Entwicklungen in Deutschland
3.1 Ursachen und Faktoren
3.2 Mögliche Folgen

4. Bevölkerungsentwicklung bis 2050
4.1 Steigende Lebenserwartung bei niedriger Geburtenrate
4.2 Wanderungssaldo: Mehr Zuzüge als Fortzüge durch Zuwanderung
4.3 Entwicklung der Bevölkerungszahl
4.4 Unterschiedliche Entwicklungen im Vergleich Ost−West

5. Auswirkungen auf die Wirtschaft
5.1 Demographischer Wandel − Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
5.2 Reaktionen auf die unternehmerische Personalpolitik
5.3 Chancen für Unternehmen

6. Auswirkungen auf die Politik und die soziale Sicherung
6.1 Familienpolitik
6.2 Maßnahmen im sozialen Sicherungssystem

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland

Abb. 2: Entwicklung der Bevölkerung unter 30, ab 65 und ab 80 Jahren

Abb. 3: Lebenserwartung bei der Geburt in Deutschland

Abb. 4: Prognostizierter Anteil der über 60−Jährigen im Jahr 2020

Abb. 5: Saldo von Geburten− und Sterbeziffern

1. Einleitung

Geburtenrückgang, Alterung und schrumpfende Bevölkerung sind in den letzten Jahren in das Zentrum der öffentlichen Diskussion geraten. Diskutiert werden dabei vor allem die Folgen für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und die Zukunft unserer sozialen Sicherungssysteme.

Die sinkende Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter und die gleichzeitig steigende Zahl an älteren Bevölkerungsgruppen verschieben den demographischen Rahmen in bisher nicht gekannter Art und Weise. Zwar hat sich die Zahl und Struktur der Einwohner in Deutschland auch in den letzten Jahrzehnten schon deutlich verändert, dieser als schleichend empfundene Strukturbruch wird sich in den nächsten Jahren jedoch deut− lich beschleunigen.

„Die Altersstruktur in Deutschland ist seit 1990 durch sinkende Anteile der jüngeren Altersgruppen bis 25 Jahre, durch relativ gleich bleibende Anteile im mittleren Alters− bereich bis 65 Jahre und durch ein kontinuierliches Ansteigen der Bevölkerung im Se− niorenalter gekennzeichnet.“1 Bei diesen Trends wird es auch in den kommenden Jah− ren bleiben, wobei es dann auch im Bereich der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zu einer Verschiebung zugunsten der höheren Altersgruppen kommt − es altert also nicht nur die Bevölkerung insgesamt, sondern auch die Erwerbsbevölkerung.

Der Umgang mit diesen Auswirkungen ist eine der wichtigsten politischen und gesell− schaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. In Deutschland scheint ein demographi− sches Bewusstsein zu entstehen. Was Bevölkerungswissenschaftler schon lange Zeit angemahnt haben, nämlich die Konsequenzen des demographischen Wandels zur Kenntnis zu nehmen und Lösungsstrategien zu entwickeln, hat Politik, Medien und Öffentlichkeit erreicht.

Dieser Grund veranlasste uns, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen, aktuelle Probleme in Deutschland aufzuzeigen, nachhaltige Entwicklungen zu beschreiben, Auswirkungen realitätsgetreu darzustellen und mögliche Lösungsvorschläge wissen− schaftlich zu prognostizieren.

In dieser Hausarbeit wird im Folgenden dargestellt, was genau unter demographi− schem Wandel zu verstehen ist, von welchen Faktoren er abhängt und wie er sich auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auswirken kann. Dabei steht zu Beginn eine allge− meine Beschreibung im Vordergrund, bevor explizit auf das Beispielland Deutschland Bezug genommen wird und auch ein Vergleich zwischen Ost und West stattfindet.

Eingehen werden wir insbesondere auf das alles dominierende Thema das „Altern der Bevölkerung“ und die Konsequenzen, die uns allen daraus entstehen. Wir werden auf− zeigen, wie der Rückgang der Geburtenhäufigkeit und der Anstieg der Lebenserwar− tung den Altersaufbau der Bevölkerung verändert haben, welche sozialen Konsequen− zen entstehen und wie die Öffentlichkeit darüber denkt und berichtet.

Den Abschluss dieser Arbeit wird die Betrachtung der Auswirkung des demographi− schen Wandels auf das Erwerbspotential und eventuelle Ansatzpunkte einer demogra− phieorientierten Familienpolitik bilden.

2. Was heißt “Demographischer Wandel“?

Der Begriff des demographischen Wandels kann auch als Synonym für das “Altern der Bevölkerung“ genutzt werden. Doch was man genau darunter versteht und wie es sich überhaupt entwickelt, ist längst nicht jedem in diesem Ausmaße bekannt.

Zu Beginn eine kurze Abgrenzung der Wortbedeutung, da hier keine einheitliche Defi− nition vorliegt: Wir beziehen uns hier auf eine allgemeine Formulierung des Bundesin− stitutes für Bevölkerungsforschung, in der Demographie wie folgt definiert wird:

„Das Wort Demographie − als der engere Begriff − entstammt dem Griechischen und bedeutet „Volk beschreiben“. Demographie beschreibt also mit Zahlen und Kennzif− fern, wie sich die Bevölkerungszahl und ihre Strukturen (Alter, Geschlecht, Familien− stand, Lebensform, Nationalität, Kinderzahl, Religion, Gesundheitszustand u.ä.) durch demographische Verhaltensmuster ƒ Ereignisse (Kinder haben, heiraten, sich scheiden lassen, umziehen, sich gesund erhalten oder sterben) verändern.“2

Was unter dem Synonym des „Alterns der Bevölkerung“ diskutiert wird, ist tatsächlich ein globaler, langsam und langfristig verlaufender Wandel in einigen grundlegenden demographischen Verhaltensmustern.

Das Altern der Bevölkerung beschreibt den Wandel in der Altersstruktur der Bevölke− rung, also die beschleunigte Zunahme des Anteils der Älteren gegenüber den Jüngeren. (Eine Bevölkerung „altert, wenn die jüngeren Altersgruppen zahlenmäßig kleiner wer− den oder langsamer wachsen als die älteren.“3) Das Altern ist somit das Ergebnis von langfristigen Veränderungen der Geburtenhäufigkeit und der Sterblichkeit. Es geht aber nicht nur um eine Zunahme der Zahl älterer Menschen, sondern auch um An− teilsverschiebungen in unsere Gesellschaft.

Es ist aus soziodemographischer Sicht ein spannender und dramatischer Vorgang. Nicht nur, weil sich auf eindrucksvolle Weise ein Zusammenhang zwischen demogra− phischen Verhaltensmustern und Bevölkerungsstrukturen zeigt, sondern es ist auch die Allgegenwärtigkeit dieses Strukturwandels in unseren Lebensumständen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland4

„Der Anteil der Personen im Erwerbsalter (20 bis 64 Jahre) an der Gesamtbevölkerung von 61% im Jahr 2005 wird in allen drei dargestellten Varianten auf 55% im Jahr 2030 und danach auf etwas über 50% im Jahr 2050 zurückgehen.“5

Zwei Geburtenrückgänge (um 1900 und um 1965) haben zu einem so niedrigen Gebur− tenniveau geführt, dass die Kindergenerationen zahlenmäßig immer kleiner als ihre Elterngeneration sind (siehe Grafik oben). Es kommt zu einem „fertilitätsgeleiteten“ Altern der Bevölkerung. Der langfristige und kontinuierliche Anstieg der Lebenserwar− tung führt dazu, dass frühere geburtenstarke Jahrgänge ein hohes Lebensalter errei− chen. Es entsteht ein „mortalitätsgeleitetes“ Altern der Bevölkerung.

Fallen beide Ursachen zusammen, zieht dies eine beschleunigte Alterung nach sich.

3. Demographische Entwicklungen in Deutschland

3.1 Ursachen und Faktoren

Der demographische Wandel ist ein fortlaufender Prozess. Die geschichtliche Betrach− tung zeigt auf, welche Ursachen der Wandel mit sich bringt. Im Jahr 1900 gab es noch 4 Kinder pro Familie; jetzt sind es nur noch 1,3. Mit Beginn des ersten Weltkrieges setz− te dieser Geburtenrückgang ein und der demographische Wandel fand seinen Urs− prung. Diese Entwicklung hat Deutschland allerdings mit allen europäischen Ländern gemein.

Im Folgenden sollen 3 Ursachen aufgezeigt werden:

1.) Ein Grund für die Veränderung der Bevölkerungszahl ist die erhöhte Lebensdauer, die durch fortlaufend erfolgreiche Forschung, vor allem im Bereich der Medizin, er− reicht wurde. Die Lebenserwartung eines Menschen konnte um einige Jahre verlän− gern werden, was zu weitreichenden Konsequenzen führt, auf die noch näher einge− gangen wird.
2.) Ein weiterer Grund ist die Familienplanung. Die Familienplanung ist durch Aufklä− rung und Methoden zur Verhütung um einiges einfacher geworden, vor allem seit Be− ginn der sechziger Jahre durch die Erfindung der „Antibabypille“, welche seither einen Rückgang der Geburtenrate herbeiführt. Die Probleme unserer Gesellschaft, die zu− rückgegangene Wertschätzung der Erziehung, sowie die Tendenz zu „Lebensab− schnittspartnerschaften“, als auch die Angst vor dem Risikofaktor Armut, besonders in Verbindung mit Kindern, beeinflussen die Frage nach einer „Familie“ stark und oft negativ.6

3.) Des Weiteren verlangen die im Vergleich zu früher langen Ausbildungszeiten sowie die hohen Bildungsabschlüsse viel Zeit und Einsatz, was die Kombination von Beruf und Familie schwieriger macht. Arbeitgeber, die dem Trend der Globalisierung folgen, produzieren dort, wo die Faktoren betriebswirtschaftlich am günstigsten sind und bau− en somit ganze Produktionslinien am Standort Deutschland ab, um sie an einem neuen Standort wiederherzustellen. Dies veranlasst, dass der Arbeitnehmer sich anpassen und einen familienfeindlichen Wohnsitzwechsel befürchten muss. Die Entwicklung der Technik bringt eine verstärkte Mobilität mit sich, was zu Wanderungsbewegung zwi− schen den verschiedenen Bevölkerungen, der Migration, führt.

Die oben genannten Ursachen sind Bausteine einer komplexen demographischen Entwicklung.

3.2 Mögliche Folgen

Welche Folgen die sinkende Erwerbsbevölkerung mit sich bringt, lässt sich nur schwer vorausberechnen. Sie betreffen viele Teilbereiche der Gesellschaft.

Arbeitsmarkt: Durch den demographischen Wandel sinkt die Zahl der Bevölkerung in Deutschland, somit auch die Zahl der Arbeitnehmer.

Der technische Fortschritt führt dazu, dass Arbeitgeber höher qualifizierte Mitarbeiter brauchen. Die wachsende Frauenerwerbsquote hat einen positiven Einfluss auf dieses Problem, doch sie reicht letztendlich nicht aus, genauso wenig wie der Zuwachs an Migranten, da den meisten die notwendigen Qualifikationen fehlen.7

Sozialsysteme und Generationenvertrag: Durch die sinkende Geburtenrate wird das Generationengleichgewicht in Schieflage gebracht. Die „alte“ Generation wird die „junge“ Generation mir rasanter Geschwindigkeit in ihrer Anzahl überholen, was zur Folge hat, dass die immer älter werdende Gesellschaft nicht nur Auswirkungen auf die Wirtschafts−, sondern auch auf die Sozialsysteme haben wird. Der Generationenvertrag, der den Konsens beinhaltet, wie die Altersversorgung der zukünftigen Rentner finanziert werden soll, muss überarbeitet werden, da das Ungleichgewicht der Genera− tionen die heutige Regelung nicht mehr zu lassen wird. Die Renten steigen seit Jahren weniger als die Inflationsrate an, um die Rentenversicherung zu entlasten bzw. um die Beitragszahler nicht zu stark zu belasten. Durch den Rückgang der Geburtenrate wer− den die Sozialversicherungsbeiträge trotzdem ansteigen, damit Deutschland einem finanziellen Rückschlag ausweichen kann.

Kurz: die heutigen Erwerbstätigen finanzieren die Rente.

Die dramatische Verschiebung der Altersstruktur der deutschen Bevölkerung stellt ein großes Problem für die gesetzliche Rentenversicherung dar. Die gesunkene und weiter sinkende Geburtenrate „verengt“ die Basis für Beitragszahlungen, während gleichzeitig die gestiegene Lebenserwartung die Phase des Rentenbezugs verlängert. In anderen Worten ausgedrückt bedeutet dies, dass immer weniger Beitragszahler mit immer mehr Rentnern bzw. immer kleinere Einnahmen mit immer größeren Ausgaben konfrontiert werden.

Um die Balance zwischen Beträgen und den zu erwartenden Leistungen dennoch nicht zu zerstören und die Versorgung der Bevölkerung im Ruhestand weiterhin gewähren zu können, müssten die zu zahlenden Beiträge drastisch erhöht werden. Zieht man zusätzlich den Faktor der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft in Betracht, erweist es sich als unmöglich, das bisherige Versorgungsniveau auch in den nächsten Jahrzehnten zu halten. Dieser Umstand führt zu einer nachhaltigen Erschütterung des Vertrauens der Erwerbstätigen in die Sicherheit der Renten.

Wie die Enquête−Kommission „Demographischer Wandel“ (1998, S. 230) ermittelte, betrug das Verhältnis der Pro−Kopf−Gesundheitsausgaben 1992 zwischen Jung und Alt noch 1:8. Im Jahr 2040 kann sich dieses Verhältnis auf 1:20 erhöhen.

Ein zukünftiger diesbezüglicher Ausgabenanstieg und die davon abhängigen weiteren Anhebungen der zu zahlenden Beitragssätze sowie weitere Belastungen der Lohnne− benkosten erweisen sich als unvermeidlich.

[...]


1 Grünhard [2007], S. 4.

2 Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung [2004], S. 7.

3 Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung [2004], S .9.

4 Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Bevölkerungsbilanz & Altersaufbau [2008]

5 Statistisches Bundesamt [2006], S. 17.

6 Vgl. Ritter, Bertelsmann Stiftung [2005]

7 Vgl. Ritter, Bertelsmann Stiftung [2005]

Details

Seiten
27
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640298983
ISBN (Buch)
9783640304035
DOI
10.3239/9783640298983
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124813
Institution / Hochschule
Hochschule Fresenius Idstein
Note
1,0
Schlagworte
Demographischer Wandel Einführung Arbeiten

Autoren

  • R. Meindl (Autor)

    1 Titel veröffentlicht

  • J. Gajek (Autor)

  • M. Schilling (Autor)

  • P. Ant (Autor)

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Titel: Demographischer Wandel