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Soziale Rollen und objektive Notwendigkeiten

Eine Darstellung der Metamorphose der dem Handeln inhärenten Notwendigkeiten in sozialen Rollen

Fachbuch 2009 16 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

A. Problemstellung

B. Max Webers inadäquater Begriff der Handelns

C. Metamorphose gesellschaftlicher Notwendigkeiten des
Handelns in soziale Rollen

D. Rolle und Erwartung

E. Soziale Rollen und menschliche Freiheit

Abkürzungsverzeichnis

Die verwendeten Abkürzungen entsprechen den bei Kirchner, Abkürzungsverzeichnis der Rechtssprache, 6. Auflage, Berlin 2008, angegebenen Bedeutungen. Abweichend gebrauchte sowie bei Kirchner nicht nachzulesende Kürzel sich nachfolgend aufgeführt.

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Literaturverzeichnis

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A. Problemstellung

Im Jahre 1958 veröffentlichte Dahrendorf[1] seine Arbeit über die „Suche nach einer Elementarkategorie für die eigenständig soziologische Analyse der Probleme sozialen Handelns“[2].

Möglich, ob er da bereits ahnte, welche ideologischen Kontroversen und nachhaltigen Diskussionen er um die Rollentheorie damit in Deutschland über Jahrzehnte entzündete.

Weil diese gesuchte Elementarkategorie für die soziologische Analyse des Handelns ohnehin nur ein dem Handeln immanentes Element auf seinen Begriff bringen kann, hätte Dahrendorf diese soziologische Elementarkategorie aus dem Wesen des Handelns zu entwickeln und/oder die von ihm zu rezipierenden Ergebnisse anderer zur theoretischen Fixierung dieses dem Handeln immanenten Elements in Kenntnis des Wesens des Handelns zu überprüfen gehabt.

Als Soziologe gehört Dahrendorf jedoch zu jenen Handlungstheoretikern, die als Kolporteure der ihnen von Max Weber gegebenen Begriffsbestimmung des Handelns zwar viel über das Handeln schreiben, hierbei aber überhaupt nicht wissen, worüber sie schreiben.

Oder anders ausgedrückt, er scheint nicht zu wissen, dass das Handeln seinem Wesen nach eine die eine konkrete Situation bedingenden Bedingungen ändernde Aktivität des bzw. der Menschen ist und dass die hierbei zu vollziehenden Handlungen durch die jenen zu ändernden Bedingungen inhärenten objektiven Notwendigkeiten bedingt werden.

Als Elemente des Handelns können Soziologen die dem Handeln inhärenten objektiven Notwendigkeiten jedoch deshalb nicht erkennen, weil das soziologische Verständnis des Handelns vor allem durch Max Weber[3] geprägt wurde, weshalb denn auch hier zunächst Max Webers inadäquater Begriff des Handelns deutlich zu machen ist.

B. Max Webers inadäquater Begriff der Handelns

Die von Max Weber gegebene Begriffbestimmung des Handelns lautet bekanntlich:

„>Handeln< soll ein menschliches Verhalten (einerlei ob äußeres oder innerliches Tun, Dulden oder Unterlassen) heißen, wenn und insofern als der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden.“[4]

Auch wenn das Handeln immer intentional bestimmt ist und es der Verwirklichung einer Intention dient, kann und darf nicht übersehen werden, dass die jeweilige Intention immer ein nur subjektives Element des Handelns ist.

Beispielsweise haben die zur Bekämpfung eines Wohnungsbrandes herbeigerufenen Feuerwehrmänner immer das Ziel, diesen Brand zu löschen.

Normalerweise erreichen die Feuerwehrleute dieses Ziel dadurch, dass sie den Brandherd mit Wasser bespritzen, um zu verhindern, dass das (noch) brennbare Material weiterhin mit dem in der Luft enthaltenen Sauerstoff reagieren kann, womit sich das Handeln (der Feuerwehr) seinem Wesen nach als ein objektive Bedingungen änderndes Tun erweist.

Als ein Bedingungen änderndes Tun deshalb, weil das Reagieren des brennbaren Materials mit dem Luftsauerstoff die notwendige Bedingung für das Brennen bzw. Weiterbrennen der in Brand geratenen Wohnungseinrichtung ist. Auch wenn die Feuerwehr durch das Bespritzen des brennbaren Materials mit Wasser die notwendige Bedingung für diesen Brand beseitigt, so ändert dies nichts an der Tatsache, dass nicht nur in diesem Fall das Handeln als Handeln durch die einer notwendigen Bedingung inhärente Notwendigkeit bedingt wird und dass – worauf es hier ankommt – die einer notwendigen Bedingung inhärente objektive Notwendigkeit ihrerseits ein dem Handeln selbst immanentes objektives Element ist.

In der von Max Weber gegebenen Begriffsbestimmung des „Handelns“ tauchen die den notwendigen Bedingungen des Handelns inhärenten Notwendigkeiten als wesentliche Elemente des Handelns nicht auf, weil Handeln per definitionem ein menschliches Verhalten bereits Handeln sein bzw. heißen soll, wenn und insofern ein Mensch mit seinem Verhalten subjektiv einen Sinn verbindet.

Nur – in diesem Falle wäre, um bei dem gegeben Beispiel zu bleiben, auch das Unterlassen der Brandlöschung zwecks hiermit intendierter Aufwärmung der Feuerwehrleute als ein Handeln zu charakterisieren.

Als elementare Bestandteile des Handelns sind die den zu verändernden Bedingungen inhärenten objektiven Notwendigkeiten schon deshalb nicht zu übergehen, weil es immer die den objektiven Bedingungen des Handelns inhärenten Notwendigkeiten sind, die dem Handelnden das vorgeben, was er zur erfolgreichen Erreichung seines Ziels zu tun und/oder zu unterlassen hat.

Weil das Soziologen interessierende und von ihnen zu analysierende soziale Handeln eben auch ein Handeln sein soll bzw. ist, kann es sich von dem instrumentalen Handeln auch nur dadurch unterscheiden, dass der Handelnde es jetzt nicht mehr mit natürlichen Notwendigkeiten, sondern mit den einer konkreten Gesellschaft immanenten objektiven Notwendigkeiten des Handelns zu tun hat.

Die Objektivität dieser durch die Gesellschaft bedingten Notwendigkeiten des Handelns inkludiert nun zweierlei.

Zum einen die Tatsache, dass diese Notwendigkeiten außerhalb des Bewusstseins des Handelnden und unabhängig von der Person des Handelnden existieren und

zum anderen die Tatsache, dass diese objektiven Notwendigkeiten dem Handelnden das vorgeben, was er zur erfolgreichen Verwirklichung der Intention seines Handelns zu tun und/oder zu unterlassen hat.

Diese beiden Inklusionen der Objektivität jener gesellschaftlichen Notwendigkeiten des Handelns sind aber genau jene, die die Soziologisierung der Rollenmetapher konkretisieren soll und auf die Dahrendorf rekurrierte, wenn er feststellt, dass die Rolle dem sie personifizierenden Menschen gegenüber etwas „Vorgegebenes, etwas außer ihm Vorhandenes“[5] bezeichnet.

Das, was Soziologen zwecks Soziologisierung der Rollenmetapher zu leisten gehabt hätten, wäre, da die Rollenmetapher ohnehin nur aufgrund der Tatsache auf das durch die Gesellschaft bedingte Handeln der Menschen anwendbar ist, weil das durch die Gesellschaft bedingte Handeln und die Rollenmetapher dieselben Inklusionen enthalten, daher einzig und allein die Erklärung und Darstellung der Metamorphose gesellschaftlicher Notwendigkeiten des Handelns in soziale Rollen gewesen.

[...]


[1] Ralf Gustav Dahrendorf, Baron Dahrendorf, KBE (* 01.05.1929 in Hamburg), gelegentlich unter dem Pseudonym Wieland Europa, ist ein deutsch-britischer Soziologe, Politiker und Publizist. Er war Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Mitglied des Deutschen Bundestages, parlamentarischer Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Mitglied der Europäischen Kommission und Direktor der London School of Economics and Political Science, Mitbegründer der Universität Konstanz und ist Mitglied des House of Lords.

[2] Dahrendorf, Homo Sociologicus, S. 5.

[3] Maximilian Carl Emil Weber, (* 21.04.1864 in Erfurt, † 14.06.1920 in München), war ein deutscher Jurist, Nationalökonom, Mitbegründer der Soziologie und er gilt als einer der Klassiker der Soziologie als Wissenschaft.

[4] Weber, Soziologische Grundbegriffe, S. 19.

[5] Dahrendorf, Homo Sociologicus, S. 22.

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