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Die Bedeutung von Zeichen, Symbolen und Codes für Kultur

Essay 2009 7 Seiten

Soziologie - Kultur, Technik und Völker

Leseprobe

Gliederung

Literatur

1. Einleitung

2. Nur codierte Informationen können verstanden werden

3. Standardisierte Kommunikation als Grundlage der Kultur

4. Soziale Gedächtnisse

5. Schlussbemerkungen

Literatur

Assmann, Aleida und Assmann, Jan (1994): Das Gester n im Heute. Medien und soziales Gedächtnis. In: Merten et al. (1994), S. 114 – 140.

Luhmann, Niklas (1984): Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M.

Hansen, Klaus P. (2000): Kultur und Kulturwissenschaft. Eine Einführung. A. Francke Verlag, Tübingen/Basel, 2. Aufl.

1. Einleitung

Im Folgenden soll es um die Frage gehen, welche Bedeutung Zeichen, Symbole und Codes für die Kultur haben. Die Frage ist insofern interessant, als das wir täglich von unzählbaren Zeichen umgeben sind, die wir interpretieren können. Auch unsere Kommunikation ist über Zeichen und Symbole organisiert, man denke nur an die Sprache oder das Kopfschütteln.

2.Nur codierte Informationen können verstanden werden

Da dieser Text nach der Bedeutung von Zeichen und Symbolen für die Kultur fragt, kann der Kommunikationsbegriff von Luhmann hier nur kurz behandelt werden.[1]

Für Niklas Luhmann ist Kommunikation der Austausch zweier psychischer Systeme und findet innerhalb eines sozialen Systems statt bzw. konstituiert dieses. Dies beiden psychischen Systeme kann man sich als Person A und Person B vorstellen. Für Luhmann bildet Kommunikation immer die Selektion aus Information, Mitteilung und Verstehen. Kommunikation kommt auch nur dann zu Stande, wenn diese drei Selektionen beobachtet werden können. Dieses Verstehen ist zudem der Bedingung der Autopoiesis sozialer Systeme.

Für unsere Frage ist die dritte Selektion besonders wichtig, also die Selektion des Verstehens. In ihr ist die Erfolgserwartung enthalten, dass Person B das von Person A kommunizierte auch verstehen wird. Wenn wir nun Information, Mitteilung und Erfolgserwartung in einem einzigen Akt zusammenfassen möchten, müssen wird codieren. Von der Mitteilung, also dem nicht-sprachlichen Ereignis was letztlich kommuniziert wird, muss die Information dupliziert werden, sie muss nämlich einerseits draußen gelassen werden und andererseits für die Mitteilung verwendet werden und sie muss eine geeignete Zweitform erhalten, also zum Beispiel eine sprachliche. Diese Zweitform wird durch Codierung zugewiesen. Nur Ereignisse, die codiert wurden wirken im Kommunikationsprozess als Information, andere Ereignisse sind Störungen. Die Codierung muss zudem als operative Vereinheitlichung von Information und Mitteilung von Person A und Person B auf die gleiche Weise gehandhabt werden.

Um zu zeigen ob etwas verstanden wurde oder nicht, wird die Anschlusskommunikation benutzt, im Falle des Nichtverstehens kommt es zu einer Kommunikation über Kommunikation.

3. Standardisierte Kommunikation als Grundlage der Kultur

Kollektivität und damit verbunden eine Kultur kann sich laut Klaus Hansen nur dann bilden, wenn die Mitglieder des Kollektivs miteinander kommunizieren. Ohne diese Kommunikation könnten Informationen nicht über Generationen hinweg gesammelt und gespeichert werden. Eine der Grundvorraussetzungen für Kommunikation ist Gebundenheit an Kommunikationsgemeinschaften. Laut Hansen gibt es keine aus sich heraus verständlichen Zeichen, die universelle Geltung besitzen. Ein Zeichen konstituiert sich nämlich erst dadurch, dass ihm eine Benutzergemeinschaft willkürlich eine Bedeutung zuweist.[2]

Zunächst einmal können wir zwei Arten von Zeichen unterscheiden, die analogen Zeichen, hier kann ein direkter Zusammenhang zwischen Bedeutung und Symbol hergestellt werden (zum Beispiel das Zeichen für einen Fußgängerweg) und die digitalen Zeichen, hier kann kein direkter Zusammenhang zwischen Bedeutung und Symbol hergestellt werden.

Weiterhin können wir Zeichen nach dem Fixiertheitsgrad ihrer Bedeutung unterscheiden. Zum einen gibt es Zeichen deren Bedeutung fixiert ist, zum Beispiel die Verkehrszeichen. Sie werden bewusst geschaffen und ihre Bedeutung wird der Beutzergemeinschaft „mitgeteilt“ Zum anderen gibt es Zeichen, wie beispielsweise Monumente, deren Bedeutung diffus ist, sie gewinnen erst mit der Zeit Bedeutung, sie wachsen.

Zeichen sind immer auch Teil eines Zeichensystems oder zumindest eines Zeichenverbundes. Ein Einzelzeichen kann in einem Zeichensystem mehrdeutig sein. Für die Kombination gibt es bestimmte unsystematische Regelungen. So nehmen wir zum Beispiel eine rote Ampel anders wahr, als ein rotes Einbahnstraßenschild, obwohl beide das Zeichen rot verwenden.

Kulturen sind voll von Zeichen und der Entwicklungsgrad einer Kultur lässt sich an der Größe des Zeichenvorrates ablesen.

Die Sprache ist ebenfalls ein Zeichensystem, wenn auch ein hoch komplexes. Sie lässt sich unterteilen in eine Sprache, deren Bedeutung fixiert ist, die Hochsprache und einen Teil der nicht fixiert, sondern gewachsen ist, die Dialekte. Allerdings gibt es bei der Sprache den Sonderfall, dass auch die fixierte Bedeutung der Hochsprache sich mit der Zeit ändern kann, Sprache ist nichts statisches, sondern etwas, was durch Benutzung veränderbar ist.

Durch die Schrift kommt die geschriebene Sprache hinzu, hier werden hörbare Laute in ein sichtbares System aus Zeichen umgewandelt. Hier geschieht allerdings weit mehr als die bloße Umwandlung, durch die Schrift wird Sprache auch über viele Generationen hinweg speicherbar.

4. Soziale Gedächtnisse

In ihrer Abhandlung über das soziale Gedächtnis gehen Assmann und Assmann nicht genauer auf die Genese von Codes und Zeichen ein. Für sie ist vielmehr wichtiger, wie Kultur aus sozialen Gedächtnissen entstehen kann. Das bedeutet für die beiden entsteht Kultur dann, wenn es ein soziales Gedächtnis gibt, also ein Gedächtnis, auf dessen Inhalte alle Mitglieder einer Gemeinschaft gleichermaßen zugreifen können.[3]

Sie unterscheiden hier zunächst zwischen dem kommunikativen Kurzzeitgedächtnis und dem kulturellen Langzeitgedächtnis. In ersterem sind die Erinnerungen gespeichert, die ein Mensch mit seinen Zeitgenossen teilt, diese Erinnerungen werden zunächst mündlich weiter gegeben. Für diese Weitergabe benötigen wir natürlich ein standardisiertes Zeichensystem, die Sprache.

Im kulturellen Gedächtnis ist die zeremonielle Kommunikation gespeichert. Hier befindet sich auch die traditionelle symbolische Codierung, dass heißt alle Symbole die in einer Gesellschaft Bedeutung haben, werden hier abgelegt, also zum Beispiel der Weihnachtsmann. Durch das kulturelle Gedächtnis wird die soziale Identität einer Gesellschaft gesichert.

Der Schrift als Zeichensystem kommt in der Frage von Funktions- und Speichergedächtnis eine besondere Rolle zu. Das Funktionsgedächtnis umfasst all dass, was in einer Gesellschaft ständig abrufbar ist, alles in ihm gespeicherte ist mit einem aktuellen Sinn verknüpft. Im Speichergedächtnis befindet sich all das Wissen, was nicht ständig abrufbar ist, diese Speicherung von Informationen geschieht in vielen Fällen mit der Schrift.

Dinge aus dem kulturellen Gedächtnis können je nach Bedarf in das Funktionsgedächtnis zurückgeholt werden.

5. Schlussbemerkungen

Wir haben also gesehen, dass Zeichen, Symbole und Codes einen hohen Stellenwert bei der Genese von Kultur besitzen. Bereits Luhmann zeigte in seiner Kommunikationstheorie, dass Verstehen ohne einen gemeinsamen Code der Sprecher nicht möglich ist. Ohne dass Verständnis können soziale Systeme sich nicht am Leben halten und somit auch keine Kultur entstehen, denn Kultur ist ein System aus vielen sozialen Systemen.

Laut Hansen lässt sich an der Fülle der Zeichen der Entwicklungsgrad einer Kultur ablesen. Nur wenn eine Kultur über viele verschiedene standardisierte Zeichen verfügt, kann man von einer hoch entwickelten Kultur sprechen. Ohne standardisierte Zeichen und Symbole wäre Kultur in diesem Sinne schlicht nicht möglich, denn nichts besitzt einen verstehbaren Sinn aus sich heraus.

Assmann und Assmann zufolge hat jede Kultur ein soziales Gedächtnis, also ein Gedächtnis, dass ich alle Angehörigen dieser Kultur teilen. Dieses soziale Gedächtnis kommt durch Kommunikation zu Stande, die letztlich, wie bereits mehrfach erwähnt, nicht ohne standardisierte Zeichen möglich wäre, über welche die Angehörigen einer Kultur verfügen. Auch wird die Schrift, also ein standardisiertes Zeichensystem benötigt, um Wissen über viele Generationen hinweg zu speichern.

Versucht man nun die eingangs gestellte Frage zu beantworten, welche Bedeutung Zeichen, Symbole oder Codes für Kultur haben, so lässt sich nun sagen, ohne standardisierte Zeichen, Symbole und Codes wäre eine] Kultur schlicht nicht möglich. Ohne sie wäre wir alle nur Individuen, die nicht miteinander in soziale Beziehungen, die auf interaktiver Kommunikation beruhen, treten könnte,

[...]


[1] vgl. Luhmann 1984

[2] vgl. Hansen 2000

[3] vgl. Assmann und Assmann 1994

Details

Seiten
7
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640299065
Dateigröße
398 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124822
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
Bedeutung Zeichen Symbolen Codes Kultur Kommunikation Einführung

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Titel: Die Bedeutung von Zeichen, Symbolen und Codes für Kultur