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Westernization oder Vermischung der Kulturen

Essay 2009 7 Seiten

Soziologie - Kultur, Technik und Völker

Leseprobe

Gliederung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

2. Die eindimensionale Gesellschaft - Das Wesen der westlichen Kultur nach Marcuse

3. Die Verwestlichung der Welt

3. Die Globale Crossoverkultur

4. Kulturelle Globalisierung mit Einschränkungen

5. Schlussfolgerungen

Literaturverzeichnis

Hall, Stuart (1999): Kulturelle Identität und Globalisierung. In: Widerspenstige Kulturen. Cultural Studies als Herausforderung (herausgegeben von Hörning, Karl H. und Winter, Rainer),

Suhrkamp, Frankfurt/M, S. 393 – 442.

Marcuse, Herbert (1970): Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. Luchterhand, Frankfurt/M.

Pieterse, Jan Nederveen (1998): Der Melange-Effekt. Globalisierung im Plural. In: Perspektiven der Weltgesellschaft (herausgegeben von Beck, Ulrich), Suhrkamp, Frankfurt/M, S. 87 – 124.

Tomlinson, John (1999): Globalization and Culture. University of Chicago Press, Chicago.

1. Einleitung

Seit Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ist die Globalisierung in aller Munde. Vor allem in der Wirtschaft aber auch in anderen Bereichen spricht man von Zusammenwachsen und einheitlich werden der Welt.

Nun stellt sich die Frage welchen Effekt die Globalisierung auf die Kulturen in den einzelnen Ländern hat. In einem sind sich viele Soziologen einig, die Kulturen werden sich immer ähnlicher. Im Sinne einer Globalisierung könnte man davon ausgehen, dass sie sich gegenseitig durchmischen. Einige kritische Stimmen merken aber an, dass es sich weniger um eine Durchmischung vieler verschiedener Kulturen handelt, als um eine Verwestlichung der Kulturen außerhalb der westlichen Welt.

Dieser Frage möchte das vorliegende Essay einmal nachgehen und versuchen einige Beiträge auf diesem Gebiet zusammenzufassen.

2.Die eindimensionale Gesellschaft - Das Wesen der westlichen Kultur nach Marcuse

Die Kultur der westlichen Gesellschaften ist für Marcuse in erster Linie eine Massenkultur, die versucht den Gegensatz zwischen gesellschaftlicher Wirklichkeit und Kultur aufzuheben, indem sie ihr widersprechende Elemente in sich einverleibt.[1]

Kultur wird für ihn allgegenwärtig, durch Entwicklungen in den Massenmedien findet Kultur zu Hause im Fernsehen, auf dem Weg zur Arbeit im Autoradio und an vielen Stellen mehr statt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist für ihn der Konsum von Waren, welche die falschen, von der medialen Kultur erzeugten Bedürfnisse der Menschen befriedigen. Diese Befriedigung von Bedürfnissen, lässt Menschen mit sich und vor allem mit den gesellschaftlichen Verhältnissen in welchen sie leben zufrieden werden. Widerstand gegen das System und die herrschenden Verhältnisse, erscheint als nicht lohnend, solange die Bedürfnisse im Hier und Jetzt befriedigt werden.

Diese Kultur setzt auch Freiheiten als Mittel der Herrschaft ein. Die Menschen bewegen sich in einem gewissen Freiraum, sie können zwischen roten und gründen Pullovern wählen, können sich in einem engen Rahmen für einen Beruf entscheiden und können wählen ob sie ARD oder ZDF sehen möchten. Nur die Freiheit von etwas, etwa die Freiheit von Unterdrückung, gehört nicht mehr zu den Bedürfnissen, diese nach Marcuse echte Freiheit, setzt voraus, dass die Lebensverhältnisse als unterdrückend erkannt werden.

3. Die Verwestlichung der Welt

John Tomlinson greift in seinem Buch „Globalization and Culture“ eine Theorie des Soziologen Serge Latouche auf. Ihm zufolge muss man den „Westen an sich als kulturelles und nicht als geographisches Phänomen begreifen. Die westliche Zivilisation ist ein Konzept bestehend aus Urbanisierung und Bürgerschaft. Daneben existieren im Westen auch noch einige spezifische lokale kulturelle Ausprägungen. Nur ebnen sich diese kulturellen Unterschiede Latouche zufolge, aufgrund der Industrialisierung und der expandierenden Medientechnologie immer mehr ein.[2]

Sowohl die Industrialisierung als auch die bahnbrechenden Erfindungen der Medientechnologie waren zunächst einmal westliche Phänomene. Auch die meisten multinationalen Konzerne wurden in Ländern gegründet die dem Westen zuzurechnen sind.

Durch die Globalisierung, ein Prozess in dem das Mächteverhältnis klar zu Gunsten des Westen geregelt ist, breiteten sich die Technologien und mit ihnen die Kultur über die ganze Erde aus. Einen Beitrag zur Verbreitung der westlichen Kultur haben vor allem Konzerne geleistet, welche die Menschheit rund um den Globus mit westlichen Konsumgütern versorgen, es gibt kaum ein Land in dem man sein Fast Food nicht bei McDonalds kaufen könnte, einen Kaffee bei Starbucks trinken kann oder sich die neuesten Videoclips bei MTV ansehen kann.

All dies trägt Latouche zu Folge dazu bei, dass die Welt immer westlicher wird.

3. Die Globale Crossoverkultur

Jan Nederveen Pietersee macht in seinem Aufsatz erst einmal deutlich, dass kulturelle Globalisierung kein neues Phänomen ist.[3] Kulturen haben sich etwa durch Migrationsströme während den Völkerwanderungen und Forschungsreisen schon immer gegenseitig beeinflusst. Allerdings stellt er nicht in Frage, dass der Prozess der kulturellen Vermischung durch die Möglichkeiten der modernen Informationstechnologie sehr viel intensiver ist, als etwa noch zu Zeiten der Völkerwanderung. Für ihn ist im Gegensatz zu Latouche der Prozess der kulturellen Globalisierung keine Einbahnstrasse in Richtung Standarddisierung. Für ihn wird auch die westliche Kultur von anderen kulturen beeinflusst. Dies wird vor allem in der Tatsache deutlich, dass Europa bis ins 14. Jahrhundert hinein ein fleißiger Empfänger von kulturellen Einflüssen aus dem Orient war. Die westliche Hegemonier ist dagegen noch ziemlich jung und begann erst mit der Industrialisierung Ende des 18. Jahrhunderts.

Doch auch er erkennt die Hegemonie der westlichen Kultur in unserer heutigen Zeit an.

4. Kulturelle Globalisierung mit Einschränkungen

Stuart Hall stellt sich die Frage, ob und wie nationale Identitäten im Prozess der Globalisierung angegriffen und verändert werden. Für ihn gehören nationale Kulturen auch in unserer modernen Welt zu den Hauptquellen der kulturellen Identität eines Menschen. Er steht der These, dass nationale Kulturen homogenisiert werden äußerst kritisch gegenübern. Für ihn bestehen bei dieser Frage drei Einschränkungen:[4]

1. Es gibt eine Faszination für die Verschiedenheit und eine Tendenz zur Vermarktung von Ethnizität
2. Die Globalisierung wirkt sich nicht auf alle Regionen gleichermaßen aus
3. Der Westen ist von der kulturellen Globalisierung weniger betroffen als der „Rest“ Jedoch wird der Export von westlichen Stilen, Vorstellungen, Waren und Konsumentenidentitäten gegenwärtig von einer großen Migrationsbewegung in den Westen begleitet. Damit sieht sich die westlich Kultur vielfältigen Einflüssen von anderen Kulturen gegenüber und wird von ihnen beeinflusst. Wie stark dieser Einfluss letztlich ist, wird sich in der Zukunft zeigen.

5. Schlussfolgerungen

Allen Autoren, die sich auf die Globalisierung beziehen, ist gemeinsam, dass sie zumindest von einer erhöhten Machtposition der westlichen Kultur bei der kulturellen Globalisierung ausgehen, gemeinsam ist ihnen auch, dass alle Tendenzen einer kulturellen Globalisierung sehen. Sie gehen davon aus, dass die Gesellschaften rund um den Globus sich immer ähnlicher werden.

Differenzen gibt es nun bei der Frage, ob auch der Westen von den anderen Kulturen beeinflusst wird. Sicher ist, dass die europäischen, also die westlichen Kulturen bis zum 19. Jahrhundert stark von der Kultur des „Orients“ beeinflusst wurden. Goethe schrieb seinen westöstlichen Diwan und zahlreiche Reisende machten sich in die Länder des Nahen Osten auf und berichteten einer interessierten Öffentlichkeit.

Seit Beginn der Industrialisierung muss allerdings meiner Meinung nach eine klare Hegemonie der westlichen Kultur anerkannt werden. Auch wenn Länder wie Saudi Arabien oder der Jemen der westlichen Kultur formal sehr kritisch gegenüberstehen, so wurde doch das westliche Konsumdenken übernommen. Wer in Sanaa auf dem Suq Kinderspielzeug sucht, wird auch eine Barbie finden, die heißt dort nur eben Fulla und trägt einen schwarzen Schleier.

Klar wird die westliche auch von anderen Kulturen beeinflusst bzw. nimmt Einflüsse auf. Nur werden diese Einflüsse ganz im Sinne von Marcuse in die konsumorientierte Massenkultur aufgenommen und zu einem Teil von ihr. Yoga, Tai-Chi und Yogi Tee kamen aus dem fernen Osten und wurden einfach Teil der Konsumkultur.

[...]


[1] vgl. Marcuse 1970

[2] vgl. Tomlinson 1999

[3] vgl. Pietersee 1998

[4] vgl. Hall 1999

Details

Seiten
7
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640299096
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124826
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Soziologie
Note
2,7
Schlagworte
Westernization Vermischung Kulturen Kultur Kommunikation Einführung

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Titel: Westernization oder Vermischung der Kulturen