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Rut, Ester, Judit - Vergleich der drei Frauen und ihrer Rollen

Referat (Ausarbeitung) 2008 15 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Die Frau im alten Israel

2. Rut, Ester Judit – Besondere Merkmale ihrer Rollen
Rut
Ester
Judit

3. Rut, Ester, Judit – Eine Gegenüberstellung

Literaturverzeichnis

EINLEITUNG

Mein Referat im Proseminar „Rut, Ester, Judit - Alttestamentliche Frauenrollen“ hatte den Vergleich der drei Frauen und ihrer Rollen zum Thema. In der folgenden Ausarbeitung des Referats werde ich nun diese Thematik nochmals beleuchten und an gegebenen Stellen vertiefen.

Diese drei Bücher sind einige der wenigen Bücher im Alten Testament, in denen Frauen die Hauptrolle zufällt und die nach Frauen benannt sind. Allein auf Grund dieser Besonderheit ist es schon angebracht sich mit den Büchern, ihren Hauptpersonen und ihrer Bedeutung und Funktion für die Leser damals und heute, auch und besonders in Bezug auf die weibliche Leserschaft, zu beschäftigen und auseinanderzusetzen.

In meiner Ausarbeitung werde ich im ersten Teil kurz den Inhalt der drei Bücher und ihre Entstehungszeit zusammenfassen. Dann möchte ich auf die allgemeine Rollenerwartungen an die Frau im alten Israel eingehen, um ein Hintergrundwissen über die ‚gewöhnliche Frau von Damals’, als Kontrast bzw. Vergleichsbild zu den drei Hauptfiguren der Bücher, zu schaffen.

Im Hauptteil erfolgt dann die Beleuchtung der drei Frauen, ihrer Charaktere, ihrer Rollen, Funktionen und Eigenarten. Des Weiteren werde ich auf unterschiedliche Deutungs- und Interpretationsversuche der Forschung Bezug nehmen.

Der Schlussteil wird dann eine abschließende, direkte Gegenüberstellung der drei Frauen und ihrer Rollen beinhalten.

I DIE FRAU IM ALTEN ISRAEL

Die allgemeine Rollenerwartung an die Frau im alten Israel war geprägt von der Grundform der antiken Sozialverfassung, dem Patriarchat[1].

Dies wirkte sich so auf das Leben der Frau aus, dass diese kaum eigenständig öffentlich in Erscheinung treten konnte: Sie hatte keinen Einfluss darauf mit welchem Mann sie verheiratet wurde, schon gar nicht konnte sie sich so einfach Scheiden lassen, zudem durfte sie keinerlei Geschäftsabschlüsse tätigen. Sie unterstand rechtlich dem Familienoberhaupt, zunächst ihrem Vater, dann, war sie verheiratet, ihrem Mann.

Ihr eigentlicher Wirkungsbereich beschränkte sich ausschließlich auf den Haushalt und die Familie. Ihre Aufgaben waren hier kochen, putzen, gebären. Immerhin war sie in der Erziehung der Kinder weitgehend gleichberechtigt, weshalb „die Rolle der Frau gegenüber dem Mann aufgewertet“[2] wird. Auch die Namensgebung lag weitgehend im Entscheidungsbereich der Mutter.[3]

Verwitwung in damaliger Zeit bedeutete für die Frauen, im Normalfall zwei Möglichkeiten: „Zum einen– sofern sie noch jung genug ist- im Sinn der Leviratsehe oder in Form einer neuen Ehe und zum anderen die Rückkehr ins Elternhaus“[4]. Besonders ohne männlichen Nachwuchs war Verwitwung für die Frauen damals gleichbedeutend mit wirtschaftlichem Elend und sozialer Isoliertheit und es war sehr harte Arbeit nötig um sich zumindest ein Leben am Rande der Armutsgrenze zu ermöglichen, was auch dadurch deutlich wird, dass Rut auf das Feld geht zum Ährenlesen, obwohl das damals im Normalfall in den Aufgabenbereich des Mannes fiel[5].

II RUT, ESTER, JUDIT – BESONDERE MERKMALE IHRER ROLLEN

RUT

Im Zentrum des Buches Rut steht die Treue und die Liebe Ruts, die sie dazu bringen sich in ihrer Liebe „an alle Dimensionen der sozialen und religiösen Existenz der Naemi [zu binden]“[6]. Rut ist somit Beispiel für die in der Bibel oft dargestellte „Paradoxie der Liebe: Wer sich dem anderen vorbehaltlos hingibt, findet sich selbst in seiner Hingabe neu wieder. Nicht wer nimmt, empfängt – sondern wer gibt!“[7] So erklärt sich Rut „zur Lebens- und Schicksalsgefährtin ihrer Schwiegermutter Noomi und zieht mit dieser nach Bethlehem-Juda“[8] und gibt somit eine persönlich bessere Zukunftsperspektive durch Neuverheiratung oder Rückkehr in ihre Ursprungsfamilie selbstlos auf, um für die alte Noomi zu sorgen. Durch diese Lebenshaltung wird Rut auch zum Inbegriff der ‚haesed’, der „treuen verwandtschaftlichen Solidarität“[9], die auch zugleich ein Leitwort für das ganze Buch ist. So handelt auch Boas nach dem Gebot der ‚haesed’ und gewährt Rut nicht nur die Nachlese, sondern beschenkt sie noch großzügig, um dann im Verlauf der weiteren Geschichte ihrem Wunsch, bzw. ihrer Forderung zu entsprechen und sie gemäß der Leviratsehe zu ehelichen.

Ruts Treuegelöbnis in Rut 1,16f. stellt gleichzeitig den ersten zweier Konventionsbrüche in diesem Buch dar: Denn aus Ruts Entscheidung, sich Noomi anzuschließen und ihr Leben mit ihr fortzuführen, folgt die Konsequenz, dass beide Frauen ein Leben in einer Frauengemeinschaft führen, was zur damaligen Zeit aber völlig undenkbar war, da eine Frau ohne männlichen ‚Vorgesetzten’ praktisch jedem gehörte.

Eine weitere Auffälligkeit des Buches ist das Nicht-Beachten des Konfliktpotenzials, welches die Herkunft Ruts und die der Noomi in der damaligen Zeit eigentlich beinhaltete.[10] Die Völker beider Frauen sind seit der Zeit der Wüstenwanderung Israels miteinander verfeindet und der Kontakt wird den Israeliten durch JHWH mehrfach untersagt, wie zum Beispiel in Dtn 23,4-7 und 1Kön 11,1f.

Der zweite Konventionsbruch wird dieses Mal von Noomi begangen, indem sie Rut dazu anhält, „dem Mann gegenüber sexuell initiativ zu werden“[11]. Durch Ruts Ergreifen der Initiative handelt sie auch aktiv für ihre Reintegration in die Gesellschaft, die nur durch eine erneute Verheiratung möglich erscheint. So arbeiten beide Frauen an dieser Rehabilitation. Noomi als Lenkerin und weise Frau im Hintergrund und Rut als Ausführende der Pläne Noomis.

In diesem Zusammenhang ist auch eine Entwicklung von Ruts Charakter zu erkennen. Eine Bewegung von Abhängigkeit und Fremdbestimmung in Kapitel zwei hin zur Selbstbestimmung in Kapitel drei.[12] Diese Abhängigkeit und Fremdbestimmung macht sich nicht nur in der Ferngesteuertheit Ruts durch Noomi erkennbar, sondern auch in ihrem Auftreten. In Kapitel zwei fordert sie von Boas nur das ihr zustehende Armenrecht, die Nachlese, und ordnet sich der Rollenerwartung gemäß dem Mann unter. In Kapitel drei handelt sie aktiv und wartet nicht ab, wie sonst üblich, dass der Mann auf sie zukommt. Sie tritt aus der Abhängigkeit und Untergeordnetheit dem Boas gegenüber aus und „fordert […] für sich und Naemi das <Menschenrecht>“[13].

[...]


[1] Vgl. S. Gorges-Braunwarth, Frauenbilder – Weisheitsbilder – Gottesbilder, 133.

[2] S. Gorges-Braunwarth, Frauenbilder – Weisheitsbilder – Gottesbilder, 135.

[3] Vgl. Ebd.

[4] S. Gorges-Braunwarth, Frauenbilder – Weisheitsbilder – Gottesbilder, 146.

[5] Ebd.

[6] Y. Zakovitch, Das Buch Rut, 41.

[7] Ebd.

[8] I. Petermann, Das Buch Rut, 104.

[9] J. Scharbert, Rut, 23.

[10] Vgl. J. Scharbert, Rut, 11.

[11] I. Petermann, Das Buch Rut, 109.

[12] Vgl. Y. Zakovitch, Das Buch Rut, 125.

[13] Y. Zakovitch, Das Buch Rut, 125.

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640299119
ISBN (Buch)
9783640304134
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124829
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Institut für Katholische Theologie im Fachbereich 04
Note
12,0
Schlagworte
Ester Judit Vergleich Frauen Rollen Frauenrollen

Autor

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Titel: Rut, Ester, Judit - Vergleich der drei Frauen und ihrer Rollen