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Die Zensur im Werk Antonio Buero Vallejos

Massives Repressionsmittel, oder nur Erscheinung von unwesentlicher Auswirkung?

Hausarbeit 2008 20 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Literatur und Franco-Diktatur

3. Zensur unter Franco
3.1 Die Theaterzensur
3.2 Buero Vallejo und die Zensur

4. Die Zensur im Werk Buero Vallejos
4.1 Zensurbehandlung einzelner Stücke
4.2 Historia de una escalera und El tragaluz — Zwei Einzelwerkanalysen
4.2.1 Historia de una escalera
4.2.2 El tragaluz

5. Schlussbetrachtungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Antonio Buero Vallejo zahlt zu den bedeutendsten literarischen Figuren der Nachkriegszeit in Spanien. Er kampfte auf Seiten der Republikaner im Burger-krieg und wurde an dessen Ende zum Tode verurteilt. 1946 erfolgte die Begna-digung, viel spater 1971 ist er gar zum Mitglied der Real Academia Española ernannt worden. Buero Vallejo ist als eine herausragende Einzelfigur seiner Zeit in Erscheinung getreten, sein groller Erfolg Historia de una escalera steht heute als ein Symbol fur die Wiederbelebung und Erneuerung des spanischen Theaters.1 Der von ihm dargestellte, ins Tragische reichende Realismus setzte sich stark ab von der gerade vorherrschenden Frivolitat, dem Klamauk und der Kritiklosigkeit des Theaters in Spanien.

Wie sich Bueros Sozialkritik mit der Zensur des diktatorischen Franco-Regimes vereinen liell, und wie sich der Autor geschickt an die repressiven Gegebenhei-ten anpasste, das sind Fragen die im Verlauf dieser Arbeit geklart werden sol-len. Es wird gezeigt, dass er durch gunstige Entwicklungen in eine besondere Rolle hineinfand, die ihm den Umgang mit der Zensur um manches erleichterte. Fur ein ausreichendes Hintergrundverstandnis wird jedoch zunachst etwas na-her auf die Situation der Literatur unter dem Franquismus, sowie auf einige wichtige Zensurpraktiken eingegangen. Dabei mussen die Auswirkungen der politischen Offnung des Regimes auf die Zensur, und die damit zusammenhangende Liberalisierung in den 60er Jahren, in die Uberlegungen miteinbezogen werden. Das Theater steht dabei besonders im Fokus.

Der hintere Teil der Arbeit befasst sich dann konkret mit dem Theater Antonio Buero Vallejos unter der Zensur. Es wird erlautert, wie sich sein Werk trotz der Kontrollmechanismen verbreiten konnte und wie er selbst die dadurch beding-ten Konventionen beurteilt hat. Anhand der beiden Exempel Historia de una escalera und El tragaluz werden die Zensurumgehungsstrategien zweier thematisch ahnlicher Stacke, die aber zeitlich sehr unterschiedlichen Phasen angehoren, dargestellt. So kann ein Vergleich angestellt werden, ob fur die Zensur von einer homogenen Entwicklung in Richtung zunehmender literari-scher Freiheiten ausgegangen werden kann.

2. Literatur und Franco-Diktatur

Im folgenden Kapitel sollen zunächst einige allgemeine Entwicklungen für die Literatur, darin impliziert die Gattungen Lyrik, Belletristik, Theater und auch Film, unter dem Franquismus aufgezeichnet werden. Nach der Machtüber-nahme des Caudillo 1939 kam es in Spanien zu zahlreichen tiefgreifenden Veränderungen, die sich auch auf die Literatur auswirkten. Der ohnehin schon verlustreiche Bürgerkrieg, zog eine Spur der Verwüstung nach sich. Hinrichtun-gen und Repressionsmallnahmen gehörten zum Alltag. Vielen blieb nur die Flucht ins Exil, darunter eine beträchtliche Anzahl an Schriftstellern und Dich-tern, denen das Schicksal Federico Garcia Lorcas als blutiges Exempel der Brutalität von Francos Schergen, noch fest im Gedächtnis haftete. Fortan be-stimmte Pessimismus die literarische Produktion des Landes, da ein Grollteil der Intellektuellen sich für die Republik bekannt, oder zumindest mit dieser sympathisiert hatte. Die Niederlage bedeutete stattdessen, dass sich ein Ge-fühl und eine Erfahrung des Scheiterns all jener bemächtigte, die auf einen Sieg der Republik gehofft hatten.

Die neuen Machthaber begegneten der spanischen Intelligenzia mit Misstrauen. Gestützt auf die grolle Tradition vergangener Zeiten, besonders des siglo de oro, wollte man eine neue Kultur durch eine Erhöhung von kriegerischer und katholischer Moral, gepaart mit nationalistischer Prägung erschaffen. Mit der Aufklärung und deren Erbe, sowie mit dem Liberalismus wurde ein vollständi-ger Bruch vollzogen, literarische Gröllen wie Unamuno und Clarin galten fortan als unzulässig. Es kam zu einer ungeheuren Verarmung der Literatur und mit Azorin und Barroja wandten sich sogar zwei Angehörige der generación del 98 dem Franquismus zu.2 Einer Vielzahl propagandistischer Romane von häufig schlechter Qualität, stand eine extensive und qualitativ hochwertige Exilliteratur gegenüber.3 Einige populäre Vertreter in diesem Bereich sind Rafael Alberti, Antonio Machado, oder Max Aub. Das spanische Trauma der dos Españas spiegelte sich in diesem Fall in der Teilung der Literatur, einer Literatur der Sieger und der Besiegten.

Das bereits 1938 in der so genannten zona nacional erlassene ley de prensa, bestimmte ab sofort die Konventionen und die eng gefassten Grenzen der spanischen Literatur. Nach der Machtergreifung durch die Franquisten, hatte die Bevölkerung ökonomische Krisen und starken Verfall ihrer Lebensqualität erleiden müssen. Die politische und wirtschaftliche Isolation der Jahre 1946 bis 1951 verschärfte die Situation noch zusätzlich. Trotz dieser zerratteten Verhält-nisse, versuchte der Franco-Staat durch strengen Protektionismus die Konsolidierung der Nation voranzutreiben.

Eine Auseinandersetzung mit den zensorischen Bedingungen des Franco-Re­gimes zu dieser Zeit, war fer die in Spanien verbliebenen Literaten allgegen-wärtig. Die Ablehnung der Intellektuellen durch den Staat, förderte die Oppositionshaltung unter jenen noch zusätzlich. Ihre Kritik konnte jedoch nur auf indirekte und verschlüsselte Art zum Ausdruck kommen, indem sie beispielsweise die triste Realität des spanischen Alltags thematisierte, oder die Monotonie und Glücklosigkeit als spanische Gegebenheiten beschrieb, was der propagierten Asthetik unter Franco widersprach. Selbst regimetreue Auto-ren, wie José Camilo Cela, zeigten sich zunehmend enttäuscht von den deso-laten Zuständen im eigenen Land. Bei Cela spiegelt sich dieser Tatbestand in seinem Roman "Der Bienenkorb" wieder.

Als die Isolation der Nation durch das Ausland aufgehoben, Spanien selbst sich in den 50er Jahren far den Massentourismus öffnete, und schliefllich das zweite Vatikanische Konzil von Seiten der strengen Katholiken eine langsame Liberalisierung bewirkte, lockerten sich die Repressionen etwas, ein Umstand der auch far die Literatur mehr Freiräume eröffnete. Das am 18. März 1966 durch den als "liberalen Falangisten" geltenden Manuel Fraga Iribarne, den Chef der Zensurbehörde, des Ministerio de Información y Turismo, verabschie-dete ley de prensa e imprenta, erlaubte durch eine Präambel dem spanischen Burger formal das Recht auf freie Meinungsäuflerung.4 Heribert Härtinger hat aber richtiggehend auf die "triigerische Fassade"5 des "Ley Fraga" hingewie-sen, das keine einheitliche Liberalisierung far die Literatur bedeutete. Den Intel-lektuellen fielen dadurch trotzdem etwas gröflere Freiheiten zu.

3. Zensur unter Franco

„Die Zensur ist ein wesentlicher Bestandteil der Unterdrückungsmechanismen autoritärer Regime. Daher gehört die Etablierung eines effizienten Zensur- und Kontrollsystems stets zu den ersten Mallnahmen, die eine diktatorische Regie-rung ergreift, um ihre Machtposition abzusichern."6 So beschreibt Katrin C. Bernhard die Verbindung zwischen Diktatur und Zensur.

In Spanien unterstand letztere, nach mehreren Wechseln ihre Zuständigkeit betreffend, ab 1945 zuerst dem Erziehungsministerium, um dann 1951 dem Ministerio de Información y Turismo, der neu geschaffenen Propagandazentra-le des Franco-Staates, angeschlossen zu werden. Die Strenge der Zensur unterschied sich nach den einzelnen Gattungen: Dem Bereich der Lyrik wurden ein bis zwei Zensoren zugeteilt, dem Theater dagegen bis zu zehn, dem Film bis zu zwanzig, immer abhängig von der Offentlichkeitswirksamkeit.7 Film- und Theaterzensur waren, ob ihrer direkten Zuwendung an ein Publikum, adminis-trativ eng miteinander verbunden.8 Die Legitimation für das Zensurwesen war durch das bereits erwähnte erste Pressegesetz von 1938 erwirkt worden.

In der Praxis durchliefen die eingereichten Manuskripte zunächst eine obligatorische Vorzensur, die consulta previa. Falls von den Lektoren für notwendig befunden, wurden Streichungs- und Anderungsvorschläge vorge-nommen, in einer eigens zu jeder Textvorlage angelegten Zensurakte notiert, und dann an die übergeordnete Zensurinstanz weitergeleitet. Danach konnte eine erneute Untersuchung verlangt werden. Das zeitaufwendige Verfahren und die bewusst eingesetzte Verzögerung, in einigen Fällen hinreichend bis zum silencio administrativo, einem unbefristeten oder endgültigen Beiseite-legen der Akte, zermürbten die Autoren.

[...]


1 Vgl.: Literatur wahrend Burgerkrieg und Franco-Diktatur („posguerra"). Historischer Hintergrund, in: www-gewi.uni-graz.at/staff/pfeiffer/materialien/20jh4.doc

2 Vgl.: Literatur während Bürgerkrieg und Franco-Diktatur („posguerra"). Historischer Hintergrund, in: www-gewi.uni-graz.at/staff/pfeiffer/materialien/20jh4.doc

3 Hier wären vor allem die unmittelbar nach Machtergreifung der Franquisten entstandenen Bürgerkriegsromane aus nationaler Perspektive zu nennen.

4 Kleine Geschichte Spaniens. Hrsg.: Schmidt, Peer. Bundeszentrale f•r besonders den Intellektuellen gröflere Freiheiten bei der Meinungsäuflerung politische Bildung Bonn, 2005, S. 464.

5 Härtinger, Heribert: Oppositionstheater in der Diktatur. Spanienkritik im Werk des Dramatikers Antonio Buero Vallejo vor dem Hintergrund der franquistischen Zensur, Gottfried Egert Verlag, 1997, S. 16

6 Bernhard, Katrin C.: Zensurbedingte Strategie oder ästhetisches Konzept. Das dramatische Werk von Antonio Buero Vallejo im franquistischen und demokratischen Spanien, Frankfurt am Main, 2001, S. 65.

7 Vgl.: Literatur während Bürgerkrieg und Franco-Diktatur („posguerra"). Historischer Hintergrund, in: www-gewi.uni-graz.at/staff/pfeiffer/materialien/20jh4.doc

8 Vgl.: Härtinger, Heribert: Oppositionstheater in der Diktatur. Spanienkritik im Werk des Dramatikers Antonio Buero Vallejo vor dem Hintergrund der franquistischen Zensur, Gottfried Egert Verlag, 1997, S. 11

Details

Seiten
20
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640310784
ISBN (Buch)
9783640309801
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v125270
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Romanistik
Note
1,7
Schlagworte
Zensur Werk Antonio Buero Vallejos Theater Antonio Buero Vallejo

Autor

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