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Inwiefern beinflußt die Umgehung der Gatekeeper der Systemtheorie von David Easton das Handeln der Regierenden ?

Eine Untersuchung am Beispiel der Vorgänge in der DDR im Jahre 1989

Hausarbeit 2000 17 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II.Hauptteil
1. Theoretische Grundlagen
1.1 David Eastons „Flußmodell“
1.1.1 Darstellung des „Flußmodells“ von David Easton
1.1.2 Aufgabe der Gatekeeper
1.1.3 Umgehung der Gatekeeper
1.2. Handlungstheoretische Grundlagen
2. Empirische Untersuchung am Beispiel der Vorgänge um die Maueröffnung
2.1. Vorgänge in der DDR bis November 1989
2.2 Gatekeeper des SED-Regimes
2.3. Umgehung der Gatekeeper ab Sommer 1989
2.4. Gründe für das Versagen der DDR-Staatsführung

III. Zusammenfassung der Ergebnisse

IV. Kurzbibliographie

I. Einleitung

In den kommenden Wochen jährt sich die Vollendung der deutschen Einheit zum zehnten Male. Dies ist für viele Menschen ein Anlass , zurückzublicken auf die damaligen Ereignisse, welche noch heute Anlaß geben zum Erstaunen über die Schnelligkeit der Entwicklung ,ihre fast vollkommene Gewaltlosigkeit und ihres vorher nie erwarteten glücklichen Ausgangs. Dabei mag das Verhalten der damaligen DDR-Staatsführung im Herbst 1989 und die Vorgänge um die Maueröffnung manchen heutigen Betrachter als rätselhaft erscheinen, insbesondere dann , wenn man sich fragt , wieso die damalige Regierung der DDR erst jahr-zehntelang keine Probleme mit ihrem Volk hatte ,es dann so schnell zu so einer Handlungen erzwingenden Situation kommen konnte , worauf sie erst nicht und dann völlig überstürzt reagierte.

Diese Arbeit will einen Beitrag dazu leisten , die damaligen Vorgänge besser verstehen zu können .Dazu soll geklärt werden , ob damals die besondere Situation einer „Umgehung der Gatekeeper“, was in der Systemtheorie von Easton beschrieben ist , vorlag und wie sich gegebenenfalls der Handlungsdruck , der dadurch auf der Staatsführung der DDR lag , bei diesen in ihren Entscheidungen auswirkte.

Dazu wird zunächst ein Überblick über besagte Systemtheorie von David Easton gegeben und dann die Rolle der Gatekeeper in dieser Theorie und die besondere Situation ihrer Umgehung beschrieben. Im Anschluß daran werden zwei Elemente aus dem Bereich der Handlungs-theorie vorgestellt ,dies sind die objektive Rahmung der Situation und die Bedingungen ,die herrschen müßen ,damit eine Handlungsalternative in ausreichendem Maße durchdacht wird. Im folgenden wird dann , bezogen auf die damaligen Ereignisse , zunächst dargelegt ,wie es zu der damaligen Situation kommen konnte , ob eine Umgehung der Gatekeeper vorlag und wie sich oben genannte Elemente der Handlungstheorie auswirkten. Den Abschluß wird eine Zusammenfassung der erzielten Ergebnisse sein.

II. Hauptteil

1. Theoretische Grundlagen

1.1 David Eastons „Flußmodell“

1.1.1 Darstellung des „Flußmodells“ von David Easton

Diese Arbeit von David Easton ist Teil seines Versuches , eine umfassende Makrotheorie des politischen Systems vorzulegen. Als Vorarbeit auf dem Weg zu einer solchen Theorie hat er eine konzeptionelle Rahmenarbeit erdacht , in der er die Abgrenzung des zu untersuchenden Gegenstandsbereich und die Aufstellung von Kriterien zur Setzung von Prioritäten beim Untersuchen leistet.[1]

Der zentrale Bezugspunkt seiner Analyse ist die Frage , wie ein politisches System in einer fortlaufend Ansprüche stellenden Umgebung überlebt.[2] Zur Beantwortung dieser Frage hat Easton ein komplexes „Dynamic Response Model“ eines politischen System entwickelt.

Dabei wird von einer einfachen Struktur ausgegangen , die aus dem politischen System und seiner Umgebung besteht. Dabei ist das politische bei ihm nur eines einer ganzen Anzahl von Subsystemen ,aus der die Gesellschaft besteht und die miteinander verbunden zur Erhaltung des Gesamtsystems beitragen , seine Aufgabe ist die Zuteilung von Werten und deren Akzeptierung für und durch das gesamte System[3]. Es ist ein offenes System des Verhaltens , durch viele politische Akte konstituiert und kann auf Störungen von außerhalb reagieren . Seine Umgebung ist alles ,was nicht selbst zu ihm gehört , mit ihm aber in Verbindung steht.

In diesem Schema gibt es einen Regelkreis ,den Easton in einem Flußmodell dargestellt hat. Dabei werden in der Umgebung des Systems sog. „wants“ gebildet , die etwa Meinungen , Erwartungen usw. umfassen . Diese werden , wenn an die Entscheidungsträger des polit-ischen Systems gerichtet , zu „demands“ und stellen die Aufforderung an diese dar , etwas in diesem Bereich zu unternehmen . Zusammen mit dem „support“ für das System , der sich in eine offene, und eine verdeckte Unterstützung allgemeiner Natur aufteilt ,bilden die „demands“ den Input in dasselbe. Da das politische System auf die Unterstützung durch seine Umgebung angewiesen ist um überleben zu können , werden die zu fällenden Entscheidungen so gefaßt werden ,daß sie zusätzlichen „support“ hervorrufen. Auch werden immer diejenigen „demands“ erfüllt werden , bei deren Berücksichtigung das höchste Maß an „support“ in Zukunft zu erwarten ist.[4] Dabei kann das System bei der Umsetzung dieser auch nur eine bestimmte Anzahl von „demands“ in einer bestimmten Zeit berücksichtigen , da ihre Zeit und Ressourcen begrenzt sind. Zu große oder zu viele „demands“ können zu einer Überlastung oder Kollaps des Systems führen , andererseits kann aber auch eine für die Gesellschaft un-befriedigende Erfüllung der „demands“ zu einem Rückgang der Unterstützung für das politische System führen , was im schlimmsten Falle zu einer aktiven Opposition gegen dieses führt.[5] Deswegen werden für die Umwandlung eines „wants“ in ein „demand“ und für den Zugang in das System Gatekeeper benötigt ,die den Fluß dieser „demands“ in das System regulieren.[6]

Dieser Input wird nun innerhalb des Systems von den Autoritäten in einem Umwandlungs-prozeß zu Outputs, die Menge aller autorativen Akte, verarbeitet. Diese Outputs fliessen wieder zurück in die Umgebung des Systems , wo sie die dortigen Vorraussetzungen verändern und somit auch Einfluß auf die Bildung neuer „demands“ nehmen können. Diesen Effekt früherer Outputs können die Autoritäten auch nutzen , indem sie die Informationen über die Konsequenzen ihres vorherigen Verhalten zu einer Korrektur ihres zuküntigen Verhaltens nutzen. Einer solcher Fluß von Informationen und Effekten und der Möglichkeit darauf zu reagieren ,ermöglicht es dem System auf Dauer zu bestehen und Stress zu vermeiden.[7]

1.1.2 Aufgabe der Gatekeeper

Die Aufgabe der Gatekeeper ist es , den Zugang von „demands“ der Bevölkerung zum System zu regulieren um damit Stress vom System abzuwenden. Sie haben die Macht ,den Zufluß dieser zu stoppen oder deren Inhalt abzuändern und so das Schicksal der „demands“ zu bestimmen. In diktatorischen Systemen ,wo die Möglichkeit , die politische Tagesordnung zu bestimmen ein wichtiges Kontrollinstrument ist , müßen die Gatekeeper sorgfältig ausgewählt sein. Jedes „want“ , daß hier eine politische Handlung will , muß sich seiner Gültigkeit durch die Billigung durch die Führerschaft oder Kadergruppen einer genehmen Partei versichern , welche nahe genug an der Führerschaft ist , um deren Vorhaben und Wünsche kennen zu können. Durch solche Beschränkungen für solche , die als Gatekeeper dienen , ist der Zugang zum politischen Prozess beschränkt und die Führung kann effektiv den Zugang der „demands“ steuern.[8]

[...]


[1] Easton , David : Analysis , S.12.

[2] ders. : Framework , S.79.

[3] ders. : Analysis , S.24

[4] ders. : Framework , S.120, 159f.

[5] Easton : Analysis, S.57.

[6] ders. : Analysis, S.88.

[7] ders. : Analysis, S.32 ,366.

[8] Easton : Analysis , S.87f.,93.

Details

Seiten
17
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783640312924
ISBN (Buch)
9783640316786
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v125684
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Politikwissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
David Easton Gatekeeper Politische Theorie DDR

Autor

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