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Die Personifizierung von Objekten in Film und Fernsehen anhand des Raumschiffs Enterprise

Diplomarbeit 2007 39 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Star Trek und die Enterprise
2.1 Die Geschichte von Star Trek
2.2 Inhaltliches zur Enterprise

3. Die Figur bei Aristoteles
3.1 Die Figur als Schlüssel zum Vergnügen
3.2 Aufbau einer Figur
3.3 Die moderne, figurenbezogene Anwendung der Poetik

4. Beispiele nicht-menschlicher Figuren in der modernen Erzählung
4.1 Allgemein
4.2 K.I.T.T
4.3 Herbie
4.4 HAL 9000

5. Das Schiff als vermenschlichte Figur
5.1 Begriffserklärung
5.2 Episoden im Detail
5.2.1 „Computer M5“: Inhaltsangabe
5.2.2 „Computer M5“: Analyse
5.2.3 „Neue Intelligenz“: Inhaltsangabe
5.2.4 „Neue Intelligenz“: Analyse
5.3 Weitere Beispiele

6. Schlussfolgerung

7. Zusammenfassung

8. Literaturverzeichnis

9. Filmverzeichnis

1. Einleitung

Als großer Star Trek Fan ist mir beim Ansehen der Filme und Serien schon vor einiger Zeit aufgefallen, dass das Raumschiff Enterprise, das zweifellos ein Objekt darstellt, oft innerhalb der Geschichte nicht als Solches behandelt wird. Mehr und mehr habe ich den Eindruck gewonnen, dass es bisweilen hochgradig personifiziert und vermenschlicht wird. Meiner Meinung nach geht das manchmal sogar so weit, dass es die Funktion eines eigenständigen Charakters einnimmt. Um diese, meine Theorie nun durch wissenschaftliche Herangehensweise auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu untersuchen, habe ich sie zum Thema meiner Facharbeit gemacht.

Ich habe vor dabei folgendermaßen vorzugehen:

Beginnen werde ich mit einer kurzen Einführung in das Star Trek-Universum, das sowohl die Grundlage für alles rund um die Enterprise, als auch für diese Facharbeit an sich bildet. Darauf hin werde ich mit der Charakterauffassung des Aristoteles, entnommen seiner weltberühmten Poetik, fortfahren. Anschließend setze ich mich damit auseinander wie diese, über 2300 Jahre nach ihrer Entstehung, selbst heute immer noch Anwendung findet. Danach widme ich meine Aufmerksamkeit nicht-menschlichen Figuren in modernen Erzählungen, abseits von Star Trek. Im Anschluss daran werde ich konkrete Beispiele anführen warum meiner Auffassung nach auch die Enterprise zu diesen Figuren zählt. Ist das geschehen sollte ich in der Lage sein meine Theorie in einer Schlussfolgerung entweder zu bestätigen oder zu widerlegen. Abschließend arbeite ich dann meine Erkenntnisse in einer Zusammenfassung auf, der im Idealfall die Kriterien zu entnehmen sind, die es zu befolgen gilt, um ein Objekt als Charakter zu etablieren.

2. Star Trek und die Enterprise

2.1 Die Geschichte von Star Trek

Das Raumschiff mit dem Namen Enterprise ist wohl das Bekannteste der Welt. Es entstammt der von Gene Roddenberry geschaffenen, US-amerikanischen Science-Fiction Serie „Star Trek“ (deutscher Titel: „Raumschiff Enterprise“), die dort ab 1966 für drei Jahre über die Fernsehbildschirme flimmerte. Obwohl Star Trek wegen zu geringer Einschaltquoten schon nach den ersten beiden Staffeln die Absetzung drohte, gelang es den Fans, durch mehrere Briefkampagnen, NBC davon zu überzeugen weitere Staffeln in Auftrag zu geben1. Eine ähnliche Briefaktion, mit mehreren 100.000 Einsendungen, veranlasste übrigens 1976 die US-Weltraumbehörde N.A.S.A. (National Aeronautics and Space Administration) ihren ersten Spaceshuttle Prototypen ebenfalls „Enterprise“ zu taufen2. Nach der dritten und letzten Staffel, die nicht zuletzt wegen ihres schlechten Sendeplatzes nicht die gewünschten Zuschauerzahlen erbrachte, wurde die Serie 1969 aber endgültig eingestellt. Richtig erfolgreich wurde Star Trek, heute auch kurz „TOS“ (eine gängige Abkürzung für „The Original Series“) genannt, dann erst in der Syndikation, als es von mehreren Privatsendern, zu besseren Sendezeiten, überall in der USA wiederholt wurde. Von da an dauerte es nicht lange bis der Star Trek-Funke auch auf den Rest der Welt übersprang und Star Trek zu einem globalen Phänomen wurde. - Der Grundstein für eines der bis heute erfolgreichsten Franchise der Geschichte war also gelegt.

Trotzdem blieben weitere Produktionen, abgesehen von einer kurzlebigen Zeichentrickserie (1973 - 1974) namens „Star Trek: The Animated Series“ (deutscher Titel: „Die Enterprise“) - kurz „TAS“, die direkt an die Original-Serie anknüpfte, aus. Erst 1979, 10 Jahre nach der Absetzung von Star Trek wurden die Abenteuer der Enterprise und ihrer Besatzung in „Star Trek: The Motion Picture“ (deutscher Titel: „Star Trek: Der Film“) im Kino fortgesetzt3. Drei weitere Filme „Star Trek II: The Wrath of Khan“ (deutscher Titel: „Star Trek II: Der Zorn des Khan“) - 1982, „Star Trek III: The Search for Spock“ (deutscher Titel: „Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock“) - 1984 und „Star Trek IV: The Voyage Home“ (deutscher Titel: „Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart“) - 1986, folgten. Ab 1987 bereicherte dann mit „Star Trek: The Next Generation“ (deutscher Titel: „Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert“) - kurz „TNG“, eine zweite Star Trek-Serie die Fernsehlandschaft. Etwa 100 Jahre nach „TOS“ auf einer neuen Enterprise, mit einer neuen Crew angesiedelt, gelang es „TNG“ den Erfolg seines Vorgängers zu wiederholen. Ganze sieben Staffeln wurden bis 1994 gedreht. Parallel dazu kamen mit „Star Trek V: The Final Frontier“ (deutscher Titel: „Star Trek V: Am Rande des Universums“) - 1989 und „Star Trek VI: The Undiscovered Country“ (deutscher Titel: „Star Trek VI: Das unentdeckte Land“) - 1991, zwei weitere Spielfilme, die hingegen noch auf der Original-Serie basierten, ins Kino. Außerdem schickte man ab 1993 mit „Star Trek: Deep Space Nine“ (deutscher Titel ebenfalls: „Star Trek: Deep Space Nine“) - kurz „DS9“, einen dritten Fernsehableger ins Rennen um die Gunst der Zuschauer. Die Handlung spielte zwar zur selben Zeit wie auch schon die von „TNG“ aber, anders als in allen bisherigen Star Trek-Auskopplungen, anstatt auf einem Raumschiff, auf einer Raumstation. Trotzdem schaffte es auch „DS9“ sein Publikum über sieben Staffeln, bis hin ins Jahr 1999 zu begeistern. Kurz nach dem Start von „DS9“ und nach dem Ende von „TNG“ trat der Cast der Klassik-Serie in „Star Trek: Generations“ (deutscher Titel: „Star Trek VII: Treffen der Generationen“) - 1994 endgültig ab. Gleichzeitig stellte der Film aber, wie der Name schon erahnen lässt, das Kinodebüt der „Next Generation“-Besatzung dar. Wenig später, 1995, startete „Star Trek: Voyager“ (deutscher Titel: „Star Trek: Raumschiff Voyager“) - kurz „VOY“. Auch die bereits vierte Star Trek-Fernsehserie schaffte es bis 2001 über die vollen sieben Staffeln. In der Zwischenzeit waren mit „Star Trek: First Contact“ (deutscher Titel: „Star Trek VIII: Der Erste Kontakt“) - 1996 und „Star Trek: Insurrection“ (deutscher Titel: „Star Trek IX: Der Aufstand“) - 1998, zwei weitere Kinoabenteuer der aus „TNG“ bekannten Figuren zu bestaunen. Noch im selben Jahr, 2001, indem auch „VOY“ endete schloss sich mit „Star Trek: Enterprise“ (deutscher Titel ebenfalls: „Star Trek: Enterprise“) - kurz „ENT“, die vorerst letzte Serie dem Star Trek-Universum an4. Als Prequel das rund 100 Jahre vor den Begebenheiten der aller ersten Star Trek-Serie ansetzte5, blieb „ENT“ jedoch der Erfolg seiner Vorgänger verwehrt. Aufgrund der schwachen Quoten zog man bei Paramount schon nach den ersten drei Staffel eine Absetzung in Erwägung. Wieder waren es die zahlreichen Star Trek-Anhänger die durch ihre Proteste das Studio davon überzeugen konnten eine weitere Staffel zu produzieren. Doch obwohl dieser 2005 veröffentlichten vierten Staffel sowohl von den Fans als auch von den Kritikern ein deutlicher Qualitätsanstieg zugesprochen wurde, sollte es dennoch die Letzte bleiben. Dem 2002 veröffentlichten zehnten Kinofilm „Star Trek: Nemesis“ (deutscher Titel ebenfalls: „Star Trek X: Nemesis“), der einmal mehr die „TNG“ - Mannschaft in den Mittelpunkt rückte, erging es nicht besser. Er floppte an den Kinokassen und konnte erst mit den DVD-Verkäufen seine Produktionskosten einspielen.

Seither war es ruhig um Star Trek, bis 2007 ein elfter Kinofilm mit dem einfachen Namen Star Trek angekündigt wurde6. Als Prequel zu allen bisherigen Produktionen, mit Ausnahme von „Star Trek: Enterprise“, soll dieser neue Film, die aus „TOS“ bekannten Charaktere wieder aufgreifen und ihre erste gemeinsame Mission auf der Enterprise zeigen. Das größte Budget der Star Trek-Geschichte, über 160 Millionen US-Dollar, soll dabei sicher stellen, dass neben den alten Figuren auch der Erfolg von damals wieder zurückkehrt.

Als Grund für diesen Erfolg wird oft die Mischung aus sozialen, politischen und philosophischen Themen mit spannenden, anspruchsvollen aber auch massentauglich aufbereiteten Geschichten genannt, die als Spiegelbild ihrer Zeit fungieren. Besonders „TOS“ ging dabei an die Grenzen des damals vorherrschenden „guten Tons“. So zeichnete die Serie zum Beispiel, als eine der ersten im amerikanischen Fernsehen, ein gleichberechtigtes Frauenbild indem sie den weiblichen Kommunikations-Offizier „Nyota Uhura“ (abgeleitet von Uhuru, dem Swahili-Wort für „Freiheit“7 ) als vollwertiges Mitglied der Brückencrew der Enterprise präsentierte. Ähnlich mutig war es 1967, mitten im kalten Krieg, den Stammcast um Pavel Chekov, einem Charakter russischer Herkunft, zu erweitern8. Auch die Episode „Plato's Stepchildren“ (deutscher Titel: „Platons Stiefkinder“) gilt heute als kleiner Meilenstein der Fernsehgeschichte, da sie das erste Mal in den Vereinigten Staaten einen Kuss einer Schwarzen (Nichelle Nichols als Nyota Uhura) und eines Weißen (William Shatner als James T. Kirk) zeigte9. Wie sehr das den damaligen Moralvorstellungen der Amerikaner widersprach, kann man an der Tatsache ablesen, dass viele US-Bundesstaaten die Ausstrahlung dieser Folge gänzlich untersagten oder die betreffende Szene einfach herausschneiden ließen. Ein ähnliches Schicksal erlitt die Episode „Rejoined“ (deutscher Titel: „Wiedervereinigt“) aus der Serie „Star Trek: Deep Space Nine“ in der sich zwei weibliche Figuren küssten10.

Aber trotz oder vielleicht sogar wegen solcher Widrigkeit hat es Star Trek geschafft sich, nunmehr über 40 Jahre auf den Fernsehschirmen den Kinoleinwänden und in den Herzen der Millionen Fans weltweit, zu halten.

2.2 Inhaltliches zur Enterprise

Den Kern von Star Trek bildet eine utopische Zukunftsvision in der die Menschheit Probleme wie Armut, Intoleranz, soziale Ungerechtigkeit und Krieg hinter sich gelassen hat. In einer Art interstellaren UNO (United Nations Organization), „United Federation of Planets“ (zu deutsch: Vereinte Föderation der Planeten) - kurz „UFP“ genannt, leben die Menschen mit sich selbst und mit teils völlig unterschiedlichen außerirdischen Völkern in Harmonie und Einklang. Einziges Ziel, neben der Steigerung der allgemeinen Lebensqualität aller, ist es dabei, anstatt Reichtum oder Macht, immer mehr Wissen anzuhäufen. So versuchen sich die Mitglieder der „Föderation“ stetig weiter zu verbessern. Obgleich die „UFP“ mit „Starfleet“ (zu deutsch: „Sternenflotte“) eine militärisch strukturierte Organisation unterhält, zu deren Aufgaben auch der Schutz vor aggressiv-expandierenden Mächten zählt, ist ihr erster Zweck dennoch die Erforschung von Orten die noch kein Mensch, die noch niemand zuvor gesehen hat11.

Dieser so genannten „Sternenflotte“ gehörte auch ein Raumschiff namens U.S.S. (Abkürzung für „United Star Ship“) Enterprise an. Unter dem Kommando von Kapitän James Tiberius Kirk gelangte dieses, mit der Registriernummer NCC-1701 versehene Schiff, zu großer Berühmtheit (zu sehen in „TOS“ und den ersten drei Kinofilmen)12. Obwohl es das erste Schiff der „Föderation“ war, das diesen Namen trug, sollte es nicht das Letzte bleiben. Fünf weitere folgten. Einzigartig in der Geschichte der „Sternenflotte“ blieb jedoch die Tatsache, dass auch alle Nachfolgemodelle die selbe Registriernummer tragen sollten. Lediglich ein zusätzlicher Buchstabe am Ende der Nummer war für die Unterscheidung der einzelnen Versionen verantwortlich. Das erste Modell bei dem dieses Prinzip angewendet wurde, war die ebenfalls von Captain Kirk kommandierte NCC-1701-A (zu sehen in Star Trek IV, V und VI). Der Nachfolger war unter der Nummer NCC-1701-B (zu sehen in Star Trek VII) registriert13. Das vierte Föderationsschiff mit dem Namen Enterprise war die Enterprise C, die wenig überraschend die Bezeichnung NCC-1701-C erhielt (zu sehen in der „TNG“-Episode „Yesterday's Enterprise“, deutscher Titel „Die alte Enterprise“)14. Die NCC 1701-D stand unter dem Befehl von Captain Jean-Luc Picard und stellte das Flaggschiff der „Föderation“ dar (zu sehen in „TNG“ und Star Trek VII). Das vorerst letzte Schiff mit dem alt-ehrwürdigen Namen Enterprise war die NCC-1701-E, die ebenfalls von Captain Picard befehligt wurde (zu sehen in Star Trek VIII, IX und X)15. Ein weiterer berühmter Vertreter dieses Namens war die Enterprise mit der Nummer NX-01. Ihre Indienststellung lange vor der Gründung der Föderation erklärt dabei die Abweichung der Registriernummer zu ihren Namensvettern (zu sehen in „Star Trek: Enterprise“)16.

3. Der Charakter bei Aristoteles

3.1 Die Figur als Schlüssel zum Vergnügen

Der griechische Philosoph Aristoteles hat vor mehr als zwei Jahrtausenden mit seiner Poetik ein Standardwerk der Dramaturgie verfasst. Dabei setzte er sich zwangsläufig auch mit den Charakteren an sich, ohne die keine Erzählung auskommt, näher auseinander. Am Anfang seiner Überlegungen stand dabei die Erkenntnis, dass Schauspieler immer handelnde Menschen, oder was Star Trek anbelangt, zumindest menschenähnliche Wesen, nachahmen. Da er die Auffassung vertrat, dass jeder Mensch entweder gut oder schlecht sei, was auch zutrifft, wenn man diese Begriffe nur weit genug fächert, musste das zwangsläufig auch für die dargestellten Figuren gelten17. Welche Gesinnung eine Figur nun, allen voran die des Protagonisten, vertrat, war in Zusammenhang mit der jeweiligen Erzählung, seiner Ansicht nach, essentiell für eine gute Geschichte. Seine Definition von gut verlangte dabei nach einer Hauptfigur, mit der sich das Publikum identifizieren könne. Anders wäre es nämlich nicht möglich beim geneigten Zuschauer, Jammern - Mitleid für den Helden und Schaudern - Furcht um sein Wohlbefinden auszulösen18. Dies sei jedoch unumgänglich um Vergnügen, an dessen Ausmaß Aristoteles die Qualität einer Geschichte abzulesen pflegte, beim Rezibienten hervorzurufen. Denn nur durch die „Katharsis“, der Reinigung von eben jenen Gefühlen, könne sich dieses Vergnügen einstellen19.

Um also die Identifikation mit dem Helden zu gewährleisten, die zweifellos den Schlüssel zum erfolgreichen Erzählen von Geschichten darstellt, ersonn er einen kurzen, dreiteiligen Leitfaden, der die Do's und Don'ts zusammenfasste.

Dieser sah wie folgt aus:

Punkt Eins besagt, dass man nicht zeigen dürfe wie ein guter Protagonist ohne Fehl und Tadel vom Glück ins Unglück gestürzt wird, da ein Solcher, aufgrund seiner Güte, so ein Schicksal nicht verdient. Darum würde, so Aristoteles weiter, eine solche Begebenheit auch nur Abscheu anstatt Jammern und Schaudern hervorrufen20.

Noch schlechter wäre, wie er in Punkt Zwei fortfährt, aber der umgekehrte Fall, in dem der Antagonist, also der Bösewicht, einen Umschwung vom Unglück ins Glück erlebt. Da dieser Fall ebenso unverdient wäre, wie jener aus Punkt Eins, würde er demzufolge genauso wenig Jammern, Schaudern oder auch Menschenfreundlichkeit aufweisen21.

Diese Menschenfreundlichkeit bzw. Gerechtigkeit spricht er dem Modell aus Punkt Drei, das für den so genannten ganz Schlechten eine Abkehr vom Glück hin ins Unglück beschreibt, zwar zu, Jammern und Schaudern könne ihm jedoch ebenfalls nicht entspringen22. Grund dafür ist, wie schon in den beiden Beispielen zuvor, die mangelnde Identifikation.

Denn obwohl manchen von uns die Selbsterkenntnis fehlt, die nötig wäre um zu bemerken, dass sie eher dem Bösewicht aus Modell zwei entsprechen, bringen hingegen doch die Meisten zumindest so viel davon auf, um einzusehen, dass sie nicht der perfekte Held aus Modell eins sind. Ganz zu Schweigen davon, dass den ganz Schlechten aus Modell drei ohnehin niemand in sich selbst sieht.

Daraus ergibt sich sowohl für Aristoteles, als auch für uns, dass der ideale Protagonist irgendwo zwischen den genannten Extremen zu finden sein muss. So definiert er ihn als eine Person, die wegen eines Fehlers, einer Fehleinschätzung oder eines Versagens, was er unter dem Begriff „Hamartia“ zusammenfasste, vom Glück ins unverdiente Unglück gerissen wird und nicht seiner Schlechtigkeit oder trotz seiner Vollkommenheit wegen23. Dies erleichtert die besagte Identifikation mit dieser Art Held insofern als, dass er einerseits von gutem Charakter sein kann, aber trotzdem eine nachvollziehbare Erklärung für seinen Fall gegeben ist, die ihn darüber hinaus auch noch menschlicher und bisweilen sogar sympathischer erscheinen lässt.

3.2 Aufbau einer Figur

Was es bei der Ausarbeitung einer Figur zu beachten gilt, greift Aristoteles an anderer Stelle seiner Poetik auf. Grundsätzlich geht er davon aus, dass sich der Charakter einer Figur, der sie erst zu einer Solchen macht, in ihren Neigungen und deren Beschaffenheit, widerspiegelt24. Diese Neigungen könne man wiederum an den Aussagen und Handlungen der betreffenden Figur festmachen. Auch die Erkenntnisfähigkeit einer Figur, die man aufgrund ihrer Reaktionen auf allgemeine Begebenheiten beurteilen kann, spielt eine wichtige Rolle bei einer gelungenen Charakterzeichnung25. Darüber hinaus beschreibt er vier weitere Merkmale, die eine Solche ebenfalls aufweisen sollte.

[...]


1 (Vgl.) Sonderegger, Evi: Star Trek: „Mythos“ und „Realität“ (1996/1997), Online im WWW unter URL: http://www.aurora-magazin.at/wissenschaft/sonderegger.htm#2.%20Die%20Geschichte%20der%20Star %20Trek%20Originalserie: [24.6.2008]

2 URL: http://www.nasa.gov/vision/earth/everydaylife/nasm_enterprise.html [23.6.2008]

3 (Vgl.) Sonderegger, Evi: Star Trek: „Mythos“ und „Realität“ (1996/1997), Online im WWW unter URL: http://www.aurora-magazin.at/wissenschaft/sonderegger.htm#2.%20Die%20Geschichte%20der%20Star %20Trek%20Originalserie: [24.6.2008]

4 URL: http://www.imdb.com/find?s=all&q=star+trek [24.6.2008]

5 URL: http://www.treknews.de/enterprisezone/enterprise_fakten.php [24.6.2008]

6 URL: http://www.treknews.de/treknews/newspro-treknews/static/119443836352467.php [24.6.2008]

7 Vgl. Asherman, 1998, S. 36.

8 (Vgl.) Sonderegger, Evi: Star Trek: „Mythos“ und „Realität“ (1996/1997), Online im WWW unter URL: http://www.aurora-magazin.at/wissenschaft/sonderegger.htm#2.%20Die%20Geschichte%20der%20Star %20Trek%20Originalserie: [24.6.2008]

9 Vgl. Asherman, 1998, S. 129.

10 URL: http://www.trekkiesworld.de/women/index.php [24.6.2008]

11 (Vgl.) Sonderegger, Evi: Star Trek: „Mythos“ und „Realität“ (1996/1997), Online im WWW unter URL: http://www.aurora-magazin.at/wissenschaft/sonderegger.htm#4.%20Mythos%20 “Föderation“: [7.7.2008]

12 Vgl. Star Trek I, II, III (1979, 1982, 1984)

13 Vgl. Star Trek IV, V, VI, VII (USA 1986, 1989, 1991, 1994)

14 Vgl. Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert – Die alte Enterprise (Yesterday's Enterprise, USA 1990)

15 Vgl. Star Trek VII, VIII, IX, X (USA 1994, 1996, 1998, 2002)

16 Vgl. Star Trek: Enterprise (USA 2001-2005)

17 Vgl. Fuhrmann, 1982, S. 7.

18 Vgl. Ebd. S. 39.

19 Vgl. Hiltunen, 2001, S. 46.

20 Vgl. Fuhrmann, 1982, S. 39.

21 Vgl. Fuhrmann, 1982, S. 39.

22 Vgl. Ebd. S. 39.

23 Vgl. Ebd. S. 39.

24 Vgl. Ebd. S. 23.

25 Vgl. Ebd. S. 21.

Details

Seiten
39
Jahr
2007
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126016
Institution / Hochschule
SAE Institute Frankfurt am Main
Note
90%
Schlagworte
Personifizierung Objekten Film Fernsehen Raumschiffs Enterprise

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