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Entstehung und Entwicklung der hochdeutschen Sprache

Seminararbeit 2002 21 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kürzer Überblick über die Entstehung und Geschichte der hochdeutschen Sprache

3. Geschichtliche Entwicklung dreier Beispielswörter des Neuhochdeutschen
3.1. Sonne
3.2 Haus
3.3 Feuer

4. Schluß

5. Literaturverzeichnis
5.1. Literatur zur deutschen Sprachgeschichte
5.2. Wörterbücher

1. Einleitung

Deutsch ist die Muttersprache von rund 100 Millionen Menschen und damit in etwa die sechstgrößte Sprachgruppe der Welt. Es wird in Deutschland, Österreich, Lichtenstein, einigen Teilen Italiens und der Schweiz gesprochen. In anderen Ländern finden sich noch einige Tausend Muttersprachler des Deutschen.

Eigentlich besteht die deutsche Sprache aus zwei großen Dialektgruppen. Die erste ist das Hochdeutsche, zu der auch die gegenwärtige Schriftsprache Deutsch gehört. Das Niederdeutsche ist eine Sammlung verschiedener regionaler Dialekte. Einige dieser Dialekte können größtenteils von einem Sprecher des Hochdeutschen nicht verstanden werden und manchmal nicht einmal vom Sprecher eines anderes niederdeutschen Dialektes.

In der folgenden Arbeit soll deshalb hauptsächlich die Geschichte des Hochdeutschen behandelt werden. Eine geschichtliche Betrachtung des Deutschen einschließlich der verschiedenen Dialekte, wurde bei einer schriftlichen Arbeit dieses Umfangs zu ausufernd sein.

Zuerst soll ein allgemeiner, kürzer Überblick über die Entstehung und Entwicklung des Hochdeutschen aus dem Indogermanischen und Germanischen gegeben werden. Dabei sollen die wichtigsten Veränderungen der sprachlichen Struktur in jeder historischen Sprachstufe, einschließlich des gegenwärtigen Neuhochdeutschen, berücksichtigt werden. Da die früheste Stufe des Hochdeutschen, das Althochdeutsche, auch nur eine Sammlung von Dialekten war, soll der Hauptschwerpunkt die Entwicklung einer einheitlichen Schriftsprache sein. Auch soll die Vereinheitlichung der mündlichen Sprache, sofern das möglich ist, dargestellt werden.

Im zweiten Teil der Arbeit sollen die Entstehung und Entwicklung des Hochdeutschen exemplarisch an der Geschichte ausgewählter neuhochdeutscher Wortbeispiele dargestellt werden. Im ersten Schritt soll, anhand etymologischer Wörterbücher, die Entstehungsgeschichte des jeweiligen Wortes aus dem Indogermanischen und (West)Germanischen erarbeitet werden und auf eventuelle, aus gleicher Wurzel stammende, gleichbedeutende Wörter in anderen Sprachen verwiesen werden. Im zweiten Schritt sollen, anhand je eines alt-, mittelhochdeutschen und frühneuhochdeutschen Wörterbuches, die Entwicklungen des Wortes und seiner Schreibform in verschiedenen historischen Sprachstufen betrachtet werden. Dabei soll ein besonderer Schwerpunkt auf die Veränderungen der Bedeutungen und der Verwendungsarten gelegt werden, so daß, wenn möglich, sofort Parallelen zum gegenwärtigen Gebrauch des Wortes gezogen werden können. Auffällige Veränderungen in grammatikalischen Bereich werden ebenfalls angegeben und falls möglich erklärt.

Im dritten Schritt werden, mit Hilfe eines aktuelles neuhochdeutschen Wörterbuchs, die noch nicht erwähnten gegenwärtigen Bedeutungen des jeweiligen Wortes angegeben, sowie eventuelle Veränderungen in der Schreibform und dem grammatikalischen Bereich. Da sich das gegenwärtige Neuhochdeutsch ziemlich von dem Neuhochdeutschen voriger Jahrhunderte unterscheidet wird zum Vergleich auch ein Wörterbuch aus dem Anfang des 19. Jh. herangezogen. Zum besseren Verständnis der Wortentwicklungen in allen Sprachstufen wird das Grimmsche Wörterbuch benutzt.

Bei der Auswahl der Beispielwörter muß beachtet werden, daß viele Wörter des Neuhochdeutschen Entlehnungen sind, also nicht zu einer Zurückverfolgung dieser Art geeignet. Deshalb sollen Wörter gewählt werden, die existentielle Dinge des Alltags bezeichnen und den Urvölkern bestimmt bekannt waren. So z.B. ‚Haus’, denn es liegt in der Natur des Menschen sich unter einer Abdeckung und wenn möglich in geschlossenen Raum vor den Elementen und oft auch vor anderen Mitmenschen zu verbergen. Des weiteren ‚Sonne’, ohne die kein Lebewesen existieren könnte und das von unseren Urahnen als Gottheit angebetet wurden. Als letztes Beispiel wurde das Feuer gewählt, denn es wird angenommen das die Entdeckung des Feuers soziale Lebensformen gefördert hatte und gerade in diesen neuentstanden Gemeinschaften konnte sich die Sprache am besten entwickeln.

2. Kürzer Überblick über die Entstehung und Geschichte der hochdeutschen Sprache

Die deutsche Sprache hat ihren Ursprung im Indogermanischen. Dabei muß beachtet werden, daß das Indogermanische keine gemeinsame ‚Ursprache’ ist. Der Begriff bezeichnet vielmehr eine rein hypothetische, aus urverwandten Sprachen rekonstruiertre Ausgangsprache einiger (vorder)asiatischer und fast aller europäischer Sprachen, mit Ausnahme des Ungarischen und Finnischen. Indogermanisch ist eine Gruppe lexikalisch und morphologisch verwandter Sprachen, von denen angenommen wird daß sie von verschiedenen Völkern mit ähnlichen Kulturen gesprochen wurden.

Einige Sprachen der indogermanischen Völker wie z.b. das Phrygische und Illyrische sind ausgestorben, sie können keiner lebenden Sprachen der Gegenwart zugeordnet werden. Die anderen historischen Stufen lebender indogermanischer Sprachen lassen sich in zehn Gruppen zusammenfassen: Indisch, Iranisch, Armenisch, Griechisch, Albanisch, Italisch (Romanisch), Keltisch, Baltisch, Slawisch und Germanisch. Aus der nordgermanischen Sprachgruppe haben sich das Isländische, Norwegische, Schwedische, Färöische und Dänische entwickelt, aus der westgermanischen das Niederländische, Englische, Friesische und das Deutsche.

Die Entstehung und Entwicklung der deutschen Sprache wurde zu einem großen Teil von Lautverschiebungen beeinflußt. Nach den Erkenntnissen der heutigen Sprachwissenschaft fanden zwei große Lautverschiebungen statt. Bei der ersten, die auch die germanische Lautverschiebung genannt wird, wurde das Germanische von anderen indogermanischen Sprachen abgetrennt. Die indogermanischen Konsonanten p, t ,k verschoben sich zu germanischen f, th, h,

sowie b, d, g zu p, t, k, und bh , dh, gh zu b, d, g. Es gibt auch weitere Besonderheiten die mit der germanischen Lautverschiebung einher gingen wie das Betonen eines Wortes auf der Stammsilbe statt des freien Wortakzents im Indogermanischen. Des weiteren kam es zu einer Vereinfachung der Grammatik und Beschränkung auf nur zwei Tempora, das Präsens und Präteritum. Die schwachen Verbform sind wahrscheinlich auch damals entstanden. Über die Zeit in der die erste Lautverschiebung stattfand können keine genauen Angaben gemacht werden, aber es wird angenommen, daß sie in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts v. u. Z. bereits abgeschlossen war, da die lateinischen Lehnwörter im Germanischen von ihr nicht betroffen sind.[1]

Erst nach der zweiten, (alt)hochdeutschen Lautverschiebung beginnt die eigentliche Geschichte der deutschen Sprache. Diese Verschiebung fand in etwa zwischen den Jahren 500 und 800 statt . Während dieser Zeit wurde der Konsonant p am Wortanfang, nach Konsonanten und bei Verdoppelung zu pf der f. Unter gleichen Bedingungen wurde t zu z (ts) oder ss. K wurde nach Vokalen zu ch. Diese Lautverschiebung trennte das (Alt)Hochdeutsche von anderen germanischen Sprachen ab. Deshalb wurden erst in der Zeit Karls des Großen um 800 die ersten Schriften in (alt)hochdeutscher Sprache verfaßt.

Althochdeutsch war keine einheitliche Sprache, sondern eine Gruppe damals gesprochener Dialekte, die unter diesem Begriff zusammenfaßt werden, um sie von de niederdeutschen Dialekten, die nicht von der zweiten Lautverschiebung betroffen wurden, zu unterscheiden. Die geographische Grenze zwischen dem Hoch – und Niederdeutschen wird als ‚Benrather Linie“ bezeichnet. Sie verläuft östlich von Aachen und südlich von Düsseldorf. Dialekte die nördlich dieser Linie gesprochen wurden sind niederdeutsch. Auch die hochdeutschen Dialekte wurden nicht gleichermaßen von der zweiten Lautverschiebung betroffen, denn nur im Süden kam es zu vollkommener Verschiebung, nach Norden hin aber nur lückenhaft. Sie lassen sich in zwei weitere größere Gruppen aufteilen, das Oberdeutsche, das auf dem Territorium der heutigen Schweiz, Österreichs und Süddeutschland gesprochen wurde und das Mitteldeutsche in heutigen Luxemburg und mittleren Teil Deutschlands.

Das Althochdeutsche wurde in etwa, ausgehend von den wenigen schriftlichen Überlieferungen, ab dem 8. Jh. bis zur Mitte des 11. Jh. gesprochen und hatte keine einheitliche Schriftsprache. Der Begriff diutisch (deutsch) wird, nach dem Stand der heute erhaltenen Überlieferungen, erstmals um 1100 im „Annolied“ auf Sprache, Menschen und Land angewandt.[2]

Von ahd. zum mhd. hin findet eine Änderung der lautlichen Struktur statt. Besonders auffallend ist Umlautung der Vokale der Tonsilben vor dem Konsonant ‚ i ’, wie z.B. in der Änderung des ahd. ‚mahtig’ zum mhd. ‚mähtec’. Vokale in Nebensilben werden zu ‚ e ’ abgeschwächt, so z.B. in ahd. ‚geban’ zu mhd. ‚geben’. Im Bereich der Konsonanten werden die stimmhaften Verschlußlaute im Auslaut verhärtet, so daß z.B. das die Genitivform von ‚leit’ ‚leides’ lautet.

Das Mittelhochdeutsche, das in etwa ab der Mitte des 11. bis zur Mitte des 14. Jh. gesprochen wurde war auch noch keine Standardsprache. Doch zeigte das ‚klassische Mittelhochdeutsch“, das am Anfang des 12. Jh. in höfischen Kreisen entstand, zumindest Tendenzen zur überlandschaftlichen Gemeinsamkeiten in Wortschatz und Lautung, wobei letzteres anhand der Reimverhältnisse in schriftlichen Überlieferungen angenommen wird. Aus dieser höfischen „Umgangssprache“ ging eine Literatursprache hervor, die neben dem Dichtertum auch von Klostern und Schreibschulen gepflegt und benutzt wurde. Als „Kunstsprache“, denn künstlich war ihre Entstehung und zum erstellen dichterischer Kunst wurde sie verwendet, stand sie über den Dialekten. Im Spätmittelalter steigt dann auch die überregionale Kommunikation rege an und führt zur Herausbildung einiger überregionaler Schreibsprachen. In der Übergangszeit zwischen der spätmittel- und frühneuhochdeutschen Sprachperiode löst die Volkssprache nach und nach das Lateinische als Amts- und Kanzleisprache ab.

Doch erst frühen Neuzeit ist mit der Entdeckung des Buchdrucks um 1450 eine feste Grundlage einer einheitlichen Schriftsprache gegeben. Die Möglichkeit der Verbreitung des geschriebenen Wortes in der Form von Büchern und Flugblättern führte nach einiger Zeit zwangsläufig zur Verringerung regionaler Dialektunterschiede und Tendenzen zu einer einheitlichen Schriftsprache, da es zu aufwendig war jedes Schriftstück in mehreren Dialekten zu drucken. Einen großen Anteil an der Vereinheitlichung der Frühneuhochdeutschen Sprache hatte auch die Reformation. Es war zu einem großen Teil Luthers Übersetzung der Bibel und seine in deutscher Sprache geschriebenen Flugblättern, Katechismen und Kirchenlieder, die die hochdeutsche Sprache des Osten Deutschlands über das ganze Territorium des heutigen Deutschlands verbreitete.

Für diese fnhd. Sprachperiode sind auch einige Veränderungen der sprachlichen Struktur bezeichnend. Am auffälligsten sind die häufigen Mono- und Diphthongierungen, wie z.B. in ‚gout’, das zu ‚gut’ wird, oder in ‚min’ das zu ‚mein’ wird. In grammatikalischen Bereich beginnt schon damals das „Aussterben“ des Genitivs zu Gunsten präpositionaler Fügungen.

In der nhd. Sprachperiode kommt ein neues Sprachbewußtein auf. So entstehen im 17. Jh. sogenannte „Sprachgesellschaften“, dessen Mitglieder sich stark für eine einheitliche Sprach- und Schreibform einsetzten. Sie lehnten sich auch gegen die „Überfremdung der deutschen Sprache“[3] auf, denn das Hochdeutsch der mittleren Neuzeit wurde, wie auch schon das Deutsche früherer Zeiten, stark von Französischen und weniger auch von anderen Sprachen beeinflußt. Im „Kampf“ gegen diese Einflüsse wurden Fremdwörter ‚verdeutscht’ , sogar die traditionellen lateinischen Termini der Grammatik.[4] Des weiteren setzten sich auch berühmte Dichter und Philosophen für eine einheitliche hochdeutsche Sprache und Grammatik ein. Dadurch wurden das Französische und Lateinische als Wissenschaftssprachen endgültig von dem Hochdeutschen verdrängt. Auch die Aufklärung trug ihren Teil dazu bei. Durch das Interesse ihrer Verfechter an der Vergangenheit der deutschen Länder, wurden alte deutsche Wörter wieder belebt. Die Aufklärer führten auch neue, meist patriotische Wortzusammensetzungen ein. Zu Anfang der jüngeren Neuzeit war die hochdeutsche Standardsprache durch all diese Bemühungen und die Werke der großen Dichter der Klassik und Romantik weitgehend gefestigt, wenn auch zum größten Teil nur in den oberen Gesellschaftsklassen. Aber da im 18. Jh. die Alphabetisierung der breiteren Volksmassen anfing und im 19. Jh. auch stark anstieg, wurde zumindest die einheitliche Schriftsprache weiter verbreitet. Auch das Streben nach einem nationalen deutschen Staat förderte die Standardisierung der deutschen Sprache.

Zu dieser Zeit fingen auch die ‚ersten Germanisten’, Gebrüder Grimm, mit ihrer sprachwissenschaftlichen Arbeit an. Sie trugen einen entscheidenden Teil zu der Erforschung und Systematisierung der deutschen Sprache bei, insbesondere Jacob Grimms „Deutsche Grammatik“ und das von ihm und seinen Bruder Wilhelm begonnene Deutsche Wörterbuch, das die erste Sammlung des neuhochdeutschen Wortschatzes war.

Die Sprache gewann auch in dem jungen deutschen Staat an Bedeutung, besonders im politischen und nationalen Sinne. Sie wurde zur Waffe der Politik und verschiedener Ideologien, insbesondere in Zeiten der großen gesellschaftlichen Umschwunge, Revolutionen und Kriegen. Diese Funktion ist ihr auch noch heute erhalten geblieben, was besonders in Bundestagdebatten und Wahlkampagnen deutlich wird.

Anfang des 20.Jh. entstand durch neue Medien wie überregionale Zeitungen und Radio eine absolute Notwendigkeit zur Sprachvereinheitlichung, sowohl im geschriebenen als auch gesprochenen Bereich. Mit der Einführung der Schulpflicht wurde die einheitliche Sprache auch in allen sozialen Schichten gefestigt.

Heutzutage ist Hochdeutsch eine Standardsprache mit einheitlicher Grammatik, die von meisten Menschen in beruflichen und öffentlichen Leben benutzt wird. Nur für die Aussprache gibt es keine Standardregeln, sie kann in diversen deutschsprachigen Gebieten stark variieren. Die Rechtschreibung ist weitgehend einheitlich, abgesehen davon daß zur Zeit auch zwischen alter und neuer Rechtschreibung gewählt werden darf. Doch selbst in der Gegenwart verändert sich das Hochdeutsche, insbesondere durch immer neue Fachbegriffe aus den Bereichen der Technik und Wissenschaft , die Aufnahme sinniger und unsinniger Anglizismen und zweifelhafte ‚Bereicherung’ durch moderne ‚Sondersprachen’ z.B. die sogenannte Jugendsprache, dessen Vokabular mit der Zeit teilweise in das Hochdeutsche aufgenommen wurde.

In grammatikalischen Bereich tendiert die nhd. Sprache der Gegenwart zu Vereinfachungen, von denen manche meiner Meinung nach ziemlich zweifelhaft sind. So wird z.B. der Dativ immer öfter durch Akkusativ und Präpositionsgefüge ersetzt, während der Genitiv aus dem gemeinsprachlichen Gebrauch zu verschwunden sein scheint. Auch wird heutzutage jedes Verb sehr gern versubstantiviert. Neue Verben werden ausnahmslos schwach gebildet.

[...]


[1] Schmidt. S. 46

[2] Schmidt. S. 82

[3] Ausdruck nach Schmidt.

[4] Schmidt. S.117

Details

Seiten
21
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783640314942
ISBN (Buch)
9783640318391
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126104
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Lehrstuhl für Ältere Deutsche Literatur / Lehrstuhl für deutsche Philologie
Note
2,3
Schlagworte
Entstehung Entwicklung Sprache

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