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Das Burnout-Syndrom als latente Gefahr für Mitarbeiter und Organisation

Hausarbeit 2009 29 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

AbbildungsvInharzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Psychische Krankheiten und Burnout auf dem Vormarsch

2 Der Burnout-Begriff
2.1 Burnout – schwer zu fassen
2.2 Verbale (qualitative) Definitionsansätze für Burnout
2.2.1. Burnout als Zustand
2.2.2 Burnout als Prozess
2.2.3. Synopse
2.3 Quantitative Definitionsansätze
2.3.1 Maslach-Burnout-Inventory und Tedium-Measure
2.3.2 Fragebogen und Selbsttests

3 Symptomatologie des Burnout-Syndroms..

4 Wo liegen die Ursachen für Burnout? - Ätiologie..

5 Von „100 auf 0“ in nur vier Jahren – Der Praxisfall
5.1 Unternehmen
5.2 Geschäftsleitung
5.3 Mitarbeiter
5.4 Chronologie der Ereignisse

6 Warum kam es zum Burnout? - Ursachen.
6.1 Das Klischee vom Brennen vor dem Ausbrennen
6.2 Die Qualität von Zielen
6.3 Feedback
6.4 Autonomie
6.5 Rollenkonflikte und Überbelastung
6.6 Mangel an Belohnung
6.7 Stress und Burnout

7 Ausblick.

Abbildungsverzeichnis

Abb.1 AU Tage nach Ursache in v.Hdt

Quelle: Eig. Darst. in Anlehnung an DAK 2008:27

Abb.2 Zwiebelschalenmodell

Quelle: Carroll, White 1982:

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Psychische Krankheiten und Burnout auf dem Vormarsch

In den Medien wird der Burnout-Begriff inzwischen inflationär verwendet. Gibt man den Begriff „Burnout“ in die Suchmaschine „Google“ ein, so erhält man 22.000.000 Treffer (vgl. Google 2009). Gibt man hingegen „Influenza“ ein, also ebenfalls eine weltweit verwendete Krankheitsdiagnose, so erhält man lediglich 18.100.000 Treffer (vgl. Google 2009a). Dies ist ein Indiz dafür, welche Bedeutung dem „Burnout-Begriff“ derzeit zugestanden wird. Die Zusammenhänge, in denen der Begriff verwendet wird, sind sehr unterschiedlich. So spricht man schnell einmal vom Burnout und meint eigentlich nur eine vorübergehende Arbeitsüberlastung oder, dass es derzeit auf der Arbeit einfach „stressig“ ist. Dies wird dem wahren Gehalt des Themas jedoch bei Weitem nicht gerecht, wie der Verfasser im Folgenden darstellen wird. Die Bedeutung psychischer Erkrankungen insgesamt im Arbeitsumfeld unterstreicht nicht zuletzt auch der aktuelle DAK-Gesundheitsbericht aus dem Jahr 2008. Hierin wird festgestellt, dass insgesamt 10,2 v.Hdt. der krankheitsbedingten Fehltage auf psychische Krankheiten zurückzuführen sind (s. Abb.1). Damit stehen psychische Erkrankungen an Platz vier der Statistik (vgl. DAK 2008). Wahrscheinlich ist zudem, dass die vielfältigen Symptome des Burnout-Syndroms (z.B. Störungen des Verdauungstrakts, Ulzera im Magen etc.) teilweise unter anderen Gesundheitsstörungen subsumiert werden und diese somit in der Statistik nicht unter den psychischen Störungen eingeordnet sind. Der Grund hierfür dürfte der im Folgenden noch zu diskutierende begriffliche „Morast“ im Zusammenhang mit dem Burnout-Syndrom sein. Es gibt bis heute keine konsensfähige Begriffsdefinition. Aus einer Veröffentlichung des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen geht hervor, dass der Anteil psychischer Störungen an allen Arbeitsunfähigkeitstagen in den letzten Jahren immer weiter gestiegen ist. Der Verband rechnet sogar damit, dass die depressiven Verstimmungen im Jahr 2020 an Platz zwei der Arbeitsunfähigkeitsstatistik stehen werden (vgl. BDP 2008). Man kann deshalb wohl für die Zukunft von einer Intensivierung der Thematik ausgehen. Im Folgenden wird der Verfasser zunächst die Entwicklung des Begriffs „Burnout“ skizzieren, um im Anschluss daran ausgewählte Definitionen des Burnout-Syndroms darzustellen. Der Vollständigkeit halber wird auch eine quantitative Analysemethode kurz dargestellt. Um das Syndrom etwas greifbarer zu machen, wird der Verfasser die Burnout-Symptomatologie nach Burisch vorstellen. Hierbei wird auch deutlich, wie gefährlich Burnout für alle Beteiligten sein kann. Anhand des Zwiebelschalenmodells wird diskutiert, in welchen Lebens- und Arbeitsbereichen Ursachen für Burnout zu finden sind. Nachdem die theoretischen Grundlagen gelegt sind, wird der Praxisfall aus dem Arbeitsumfeld des Verfassers beschrieben. Unter Bezugnahme auf die konsensfähige organisationsbezogene Ätiologie verschiedener Autoren, wird offensichtlich, welche Faktoren im konkreten Fall dem Burnout Vorschub geleistet haben könnten. Analog werden Ansatzpunkte aufgezeigt, wie aus organisationaler Sicht die Burnout-Risiken minimiert werden können. Es wird aber auch begründet, warum es einen hundertprozentigen Schutz vor Burnout nicht geben kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 AU Tage nach Ursache in v.Hdt

Quelle: Eig. Darst. in Anlehnung an DAK 2008:27

2 Der Burnout-Begriff

Der Burnout-Begriff wurde erstmals von Freudenberger (1974) in den psychologischen Diskurs eingebracht. Zuvor wurde der Begriff eher im physikalischen und technischen Kontext in Verbindung mit Raketentriebwerken verwendet. Der Begriff war damals im psychologischen Bereich also neu. Herbert J. Freudenberger und ab 1976 Christina Maslach sowie Ayala Pines in Kalifornien, haben das Phänomen zunächst bei Sozialberufen beschrieben; schließlich gerieten auch ganz andere Berufsgruppen und schließlich der private Lebensbereich ins Blickfeld der Betrachtungen (vgl. Burisch 2006: 6).

2.1 Burnout – schwer zu fassen

Eine der Schwierigkeiten bei der Erforschung des Burnout-Syndroms und der Arbeit mit ihm, ist die Tatsache, dass eine allgemeingültige verbale Definition des Begriffs bislang nicht gelungen ist.

„Alle einschlägigen Versuche [eine handhabbare verbale Definition zu finden] sind bis heute entweder zu umfassend oder zu spezifisch...“ (Burisch 2006: 14).

Man versuchte, nicht zuletzt um diese Problematik zu umgehen, das Burnout-Syndrom durch Messinstrumente zu fassen. Verwendung fanden vor Allem das Maslach-Burnout-Inventory (MBI) und das Tedium-Measure (TM) von Ayala Pines. Die Instrumente waren im Wesentlichen Fragebögen. Über ein Punktesystem sollte dann gemessen werden, wie „ausgebrannt“ der Befragte war. Bis heute existieren beide Zugänge, also zum einen derjenige über eine verbale, an Fällen orientierte Definition des Burnout-Syndroms und der eher quantitative Zugang über Messinstrumente, nebeneinander. Beide haben ihre Schwächen, die vor Allem in den sogenannten randunscharfen Bereichen der Menge aller (Burnout) Fälle gesehen werden. Auf das Burnout-Syndrom übertragen, gibt es demnach typische und atypische Fälle. Also solche, bei denen sich die Experten über den Befund „Burnout-Syndrom“ einig wären und andere, bei denen die Abgrenzung zur normalen Depression oder etwa zur Überarbeitung schwierig ist (vgl. Burisch 2006: 15f.).

2.2 Verbale (qualitative) Definitionsansätze für Burnout

Die Vielzahl kursierender Burnout-Definitionen macht es erforderlich, hier nur eine Auswahl der gängigsten aufzuführen. Um einen ersten Einblick zu erhalten, was Burnout eigentlich ist, werden eine prozess- und zwei zustandsorientierte Definitionen dargestellt. Da der Verfasser sich vorliegend mit einem Fall aus dem „Nicht-Helfenden“ Bereich befasst, muss insofern eine Einschränkung vorgenommen werden, denn insbesondere die älteren Definitionen aus der Zeit der Burnout-Pioniere, nehmen starken Bezug auf die helfenden oder beratenden Berufe und werden deshalb im Folgenden nicht dargestellt.

2.2.1 Burnout als Zustand

Übersetzt man das Verb „to burn-out“ wörtlich, so bedeutet dies so viel wie „durchbrennen“. Ganz so, wie eine Sicherung oder eine Glühbirne durchbrennt. Bildlich gesprochen, hat die Glühbirne so lange gebrannt, bis sie schließlich auf einmal durchbrennt. Burnout ist dann der Zustand des „Durchgebrannt-Seins“, der zuvor abgelaufene Prozess muss hinzugedacht werden.

„Überdruß [sic!] und Ausbrennen sind Zustände körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung. Die Betroffenen fühlen sich körperlich verausgabt, hilflos, hoffnungslos und erschöpft. Sie entwickeln negative Einstellungen zum Selbst, zu ihrem Beruf, zu anderen Menschen und zum Leben ganz allgemein“ (Pines et al. 2000: 25, Herv. d. Verf.).

Bei Ayala Pines wird Überdruss (Tedium) für Betroffene in „nicht helfenden Berufen“ verwendet. Freudenberger definiert den Burnout als „... ein[en] Energieverschleiß, eine Erschöpfung aufgrund von Überforderungen, die von innen oder von außen - durch Familie, Arbeit, Freunde, Liebhaber, Wertesysteme oder die Gesellschaft - kommen kann und einer Person Energie, Bewältigungsmechanismen und innere Kraft raubt. Burnout ist ein Gefühls zustand, der begleitet ist von übermäßigem Stress, und der schließlich persönliche Motivationen, Einstellungen und Verhalten beeinträchtigt“ (Freudenberger, North 1994: 27, Herv. d. Verf.).

2.2.2 Burnout als Prozess

Burnout an sich bedeutet aber auch „Ausbrennen“. Steht also selbst für einen

Vorgang, einen Prozess. So wie ein Lagerfeuer, das langsam ausbrennt und schließlich erlischt. „...a progressive loss of idealism, energy, and purpose experienced...as a result of the conditions of their work” (Edelwich 1980: 14, Herv. d. Verf.).

2.2.3 Synopse

Burnout wird also entweder als Zustand, in den der betroffene (allmählich) geraten ist und der dann im Sinne eines „Durchgebrannt-Seins“ plötzlich vorhanden ist oder als ein Prozess, der durchlaufen wird, definiert. In einzelnen Definitionen sind neben Symptomen auch bereits Ursachen enthalten. Auffallend ist auch, dass z.B. Edelwich die Ursache einseitig bei den Arbeitsbedingungen vermutet. Wohingegen Freudenberger mögliche Ursachen sowohl „innen“ als auch „außen“ sieht. So kann nach seiner Definition das eigene Wertesystem genau wie auch etwa die Familie oder der Liebhaber (bzw. die Liebhaberin) und etwa die Gesellschaft zu Burnout führen.

2.3 Quantitative Definitionsansätze

Parallel zu den qualitativen existieren die quantitativen Ansätze, Burnout zu diagnostizieren. Nachfolgend werden die quantitativen Ansätze nicht im Detail ausgeführt, da auf sie später nicht mehr Bezug genommen wird. Sie sollen nur der Vollständigkeit und ihrer großen Bedeutung für die psychologische Praxis wegen erwähnt werden.

2.3.1 Maslach-Burnout-Inventory und Tedium-Measure

Im quantitativen Sinne findet vor Allem das MBI Verwendung. Das MBI war ursprünglich auf den helfenden Bereich fokussiert und wurde von Christina Maslach konzipiert. Man unterschied drei Dimensionen von Burnout: Erschöpfung, Depersonalisierung und berufliche Leistungsfähigkeit. Insbesondere die Depersonalisierung ist auf Empfänger von Dienstleistungen (z.B. Patienten) bezogen. Die Zielgruppe des klassischen MBI sind daher die helfenden Berufe.

In der neuesten Form, dem MBI-GS wurden die Dimensionen „Depersonalisierung“ durch „Zynismus“ und die „reduzierte berufliche Leistungsfähigkeit“ durch „berufliche Wirksamkeit“ ersetzt. Das MBI-GS soll damit für alle Berufsgruppen Verwendung finden. Anhand von Fragen zu den einzelnen Dimensionen und deren anschließende Gewichtung soll im Ergebnis ermittelt werden, wie ausgebrannt die betroffene Person ist. Neben dem MBI existieren noch andere quantitative Zugänge, wie z.B. das von Pines, Aronson und Kafry entwickelte Tedium-Measure. Hierbei sollen 21 Fragen in sieben Ausprägungen (von 1=niemals bis 7=immer) beantwortet werden (vgl. Burisch 2006: 15 u. 34ff; Pines et al. 2000: 236ff.).

2.3.2 Fragebogen und Selbsttests

Der Zugang zu Burnout über Fragebögen und „Selbsttests“ erfreut sich, auch in der Selbsthilfe-Literatur, zunehmender Beliebtheit. So ist der Verfasser im Internet auf zahlreiche kostenlose Tests im Sinne von „bin ich Burnout gefährdet“ gestoßen. Auch hier sollen Fragen beantwortet werden. Der Verfasser fragt sich allerdings, ob solche Selbsttests zielführend sind, da sie letztlich einer subjektiven Selbstbeurteilung entsprechen. Wenn man bereits voreingenommen an den Selbsttest herangeht, besteht die Gefahr, dass man die Fragen (unbewusst) genau so beantwortet, dass das bereits vorgefasste Ergebnis bestätigt wird. Denn die Fragen lassen direkt erkennen, welchen Einfluss (in Richtung Burnout oder eben nicht) ihre Beantwortung auf den errechneten „Befund“ hat. Solche Fragen können beispielsweise wie folgt aussehen.

„Denken Sie häufig, doch nichts bewirken zu können? [und] Fühlen Sie sich depressiv und resigniert?“ (Palverlag 2008).

3 Symptomatologie des Burnout-Syndroms

Ein anderer Zugang zu der Burnout Thematik erschließt sich über deren Ablauf und Symptomatologie. Hierbei steht die Frage im Vordergrund, ob sich für Burnout ein bestimmter (typischer) Verlauf attestieren lässt und welche Symptome in den einzelnen Stadien auftreten. Burisch bietet als Zusammenfassung einer Vielzahl von Ansätzen und eigenen Überlegungen eine umfassende Symptomatologie an. Der Verlauf wird in sieben Stadien eingeteilt. Innerhalb der einzelnen Stadien beschreibt er eine Vielzahl an Symptomen. Er weist allerdings auch darauf hin, dass „...die Listen nicht so zu verstehen sind, dass in einem Burnout-Fall alle Symptome vorhanden sein müssten“ (Burisch 2006: 27).

Insofern werden an dieser Stelle lediglich die Hauptstadien beschrieben, die in den meisten Fällen durchlaufen werden.

[...]

Details

Seiten
29
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640325023
ISBN (Buch)
9783640325870
Dateigröße
923 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126178
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,0
Schlagworte
Burnout-Syndrom Gefahr Mitarbeiter Organisation

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Titel: Das Burnout-Syndrom als latente Gefahr für Mitarbeiter und Organisation