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Die geschichtliche Entwicklung der studentischen Selbstverwaltung

Referat (Ausarbeitung) 2003 10 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Ansätze

3.) Studentenschaft in der Weimarer Republik

4.) Studentenschaft im Nationalsozialismus

5.) Studentenvertretungen der Nachkriegszeit

6.) Selbstverwaltung in der BRD

7.) Fazit

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ergänzend zu meinem am 21.11.2002 gehaltenen Referat im Rahmen des Seminars zur Einführung in die politische Bildung, möchte ich in dieser Arbeit einen Abriss über die geschichtliche Entwicklung der studentischen Selbstverwaltung geben und der Frage nachgehen, welche Probleme die Studentenschaften im Laufe der Zeit zu bewältigen hatten um die Gestalt anzunehmen, die uns allen heute noch an unserer Universität ein Mitspracherecht gewährt. An einigen Stellen werde ich hierbei besonders auf die Situation an der Universität zu Gießen eingehen.

2. Ansätze

Die Anfänge der studentischen Selbstverwaltung liegen im 17. Jahrhundert. Schon damals gab es Zusammenschlüsse von Studenten, sogenannte Landsmannschaften. Ab dem 18. Jahrhundert verbündeten sich die adligen Studenten in „Corps“. Von 1815 bis zum Scheitern der bürgerlichen Revolution waren Studenten schließlich in Burschenschaften mit ausdrücklicher politischer Zielsetzung und Forderung der studentischen Selbstverwaltung organisiert, welche zuvor demokratische Positionen vertraten, jedoch schon in Ansätzen Antisemitismus und Fremdenhass erkennen ließen. Ihre Versuche, ein Studierendenparlament zu gründen, scheiterten.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde von der „Tendenzwende der akademischen Jugend“ (Keller, 2000 S.59) bestimmt. Dadurch, dass die Corps die Burschenschaften ablösten, ging die vorher liberale, demokratische Einstellung in konservative, und später antisemitistische, nationalistische über (Beispiel für Studentenverbände auf antisemitistischer Basis: Kyffhäuserverband (gegr. 1881) und Akademischer Turnerbund (gegr. 1883)) (vgl. Frontabschnitt Hochschule 1982 S.48).

Ab dem 20. Jahrhundert bildeten sich neue, von Korporationen bestimmte Studentenvertretungen (Verband deutscher Hochschulen).

Im Jahre 1906 wurde auf dem Freistudententag eine erste Forderung nach einer Verfassung laut, welche eine selbständige Studentenschaft mit gesetzlich festgelegter Verfassung, sowie ein Ausschuss als allgemeine Studentenvertretung vorsah (dieser Tag ist heute als historische Wurzel des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) zu sehen). Diese wurde 1913 in einen ersten Gesetzentwurf umgesetzt, welcher die Bildung von allgemeinen Studentenausschüssen mit Vertretungs-/Mitwirkungsfunktion und Weiterleitung von Wünschen der Studenten an Behörden, sowie die Mitwirkung bei der Verwaltung studentischer Einrichtungen vorsah. Außerdem kam ihm ein kultureller Auftrag, wie z.B. die Organisation studentischer Veranstaltungen zu. Die Deckung der Kosten sollte durch Einzug von Beiträgen vorgenommen werden.

3. Studentenschaft in der Weimarer Republik:

Zur Zeit der Novemberrevolution wurden sowohl auf allen Gebieten der Politik wie auch an der Universität Räte und Interessenvertretungen gebildet. Die neuen Studentenvertretungen streben von nun an nach „Willensbildung und Mitentscheidung für Studenten“ (Keller, S.64). Die ebenfalls neu gegründeten Studentenausschüsse errichteten eigenverwaltete studentische Selbsthilfeeinrichtungen wie Mensen und Wohnungsämter (schon damals nicht nur von Studenten, sondern auch Lehrern und Förderern kontrolliert), woraus später die Studentenwerke hervor gegangen sind.

Auf dem ersten allgemeinen Studententag deutscher Hochschulen im Jahre 1919 wurde die Deutsche Studentenschaft (DSt) als Organisation der Studenten deutscher Abstammung und Muttersprache der Hochschulen des deutschen Sprachgebiets ins Leben gerufen, welche den Ausschluss Nichtarischer Studenten zugunsten der Arischen forderte. Es bildeten sich weiterhin Studentenausschüsse (hervorgegangen aus allgemeiner gleicher Wahl aller Studenten) als Vertretungen der Studentenschaft, und Senate als solche der Dozentenschaft. Nachdem kurz darauf die Studentenvertretungen als verfasste Studentenschaften anerkannt wurden, erschien am 18.09.1920 die erste Verordnung über die Bildung von Studentenschaften an den preußischen Hochschulen:

„Der Zusammenschluss zu einer Studentenschaft erfolgt zur Erreichung folgender Zwe>a) Vertretung der Gesamtheit der Studierenden;

b) Wahrnehmung der studentischen Selbstverwaltung, vor allem auf dem Gebiete allgemeiner sozialer Fürsorge für die Studentenschaft;
c) Teilnahme an der Verwaltung der Hochschule in studentischen Angelegenheiten und an der akademischen Disziplin. Im Rahmen dieser Zuständigkeit kann die Hochschule der Studentenschaft bestimmte einzelne Aufgaben oder Gruppen von Aufgaben übertragen. Die dauernde Übertragung solcher Aufgaben oder Rücknahme erteilter Befugnisse bedarf der Genehmigung des Ministers;
d) Einigung über die Parteien hinaus zur Mitarbeit am kulturellen und wirtschaftlichen Aufbau Deutschlands;
e) Pflege des geistigen und geselligen Lebens zur Förderung der Gemeinschaft aller Hochschulangehörigen;
f) Pflege der Leibesübungen seitens der Studierenden.

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638184601
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v12621
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Politikwissenschaften
Schlagworte
Entwicklung Selbstverwaltung Einführung Bildung

Autor

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