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Alte und neue Familiennamen

eine Bestandsaufnahme über die Entwicklung der letzten 50 Jahre in Mellenbach - Glasbach

Seminararbeit 2008 16 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeines zu den Dialekten in Mellenbach und Umgebung

3. Einwohner und ihre Necknamen rund um Mellenbach
3.1 Mellenbach
3.2 Unterweißbach
3.3 Oberweißbach
3.4 Katzhütte
3.5 Meuselbach
3.6 Allersdorf
3.7 Neuhaus
3.8 Barigau
3.9 Dörnfeld
3.10 Garsitz

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Mellenbach liegt inmitten des Thüringer Waldes und gehört zum Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. In seiner Umgebung befinden sich Orte die dem gleichen Landkreis angehören, wie zum Beispiel Unterweißbach, Dörnfeld und Meuselbach, aber auch einige, die zum Ilm-Kreis zählen, wie Allersdorf. In diesem Gebiet des Thüringer Waldes treffen die Grenzen der beiden Kreise aufeinander, deshalb werden in dieser Arbeit die Orte nicht nach Kreisen unterschieden, da man aufgrund der nahen Lage zueinander keine kreisbedingten Unterschiede feststellen kann. Auf den Fotos im Anhang der Arbeit kann man gut erkennen, wie die Orte zueinander liegen.

Um genügend und vor allem authentisches Material für diese Arbeit zu sammeln, war es wichtig sich mit den Menschen in den Dörfern zu unterhalten und sie zu befragen. Man findet kaum bis kein schriftliches Material zu diesem Thema, was sehr schade ist. Es war sehr interessant, diese Namen und Geschichten herauszufinden, wenn auch nicht immer einfach und auf den ersten Blick verständlich. Denn aufgefallen ist noch, was ebenfalls sehr schade ist, dass die Dialekte aussterben. Es war teilweise sehr schwierig, die älteren Leute, die befragt wurden, zu verstehen. Vor allem in Dörfern, mit denen man vorher kaum in Kontakt gekommen ist, wie zum Beispiel Herschdorf. Doch auch in bekannten Dörfern war es teilweise schwierig, die älteren Menschen dort zu verstehen. Deshalb wurde als ebenfalls wichtig empfunden, die Aussprache und ihre Besonderheiten in Mellenbach und Umgebung mit aufzuführen, da sie wesentlich zum Verständnis beitragen.

2. Allgemeines zu den Dialekten in Mellenbach und Umgebung

Um Mellenbach und die Orte in der Umgebung etwas besser zu verstehen, soll im ersten Teil der Arbeit erst einmal in groben Zügen die Aussprache der Dörfer behandelt werden.

Wenn man sich die Aussprache einiger Wörter und Buchstaben in Mellenbach und Umgebung ansieht, so ist es immer wieder verblüffend, welche Unterschiede sich doch ergeben, obwohl die Dörfer teilweise nicht mehr als 5 Kilometer voneinander entfernt sind. Um dies eindeutiger zu beleuchten und etwas zu vereinfachen, werden die Dialekte von Mellenbach, Herschdorf und Dörnfeld genauer betrachtet und Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten herausgefunden. Weiterhin wird dargestellt werden, wie unterschiedlich auch die Bezeichnung einiger Gegenstände ist.

In Mellenbach ist es auffällig, dass hier statt ein „g“ am Anfang eines Wortes immer ein „j“ ausgesprochen wird und dass die Aussprache hier noch mehr ins sächsische geht, als in den anderen beiden Orten. Um dies deutlicher darstellen zu können, wird eine Gegenüberstellung von der Aussprache in Mellenbach und dem Hochdeutschen vorgenommen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Dörnfeld spricht man ähnlich, jedoch geht die Aussprache hier schon eher zum Hochdeutschen hin. Außerdem wird das „g“ hier auch als „g“ ausgesprochen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ganz auffällig hingegen ist Herschdorf. Obwohl dies nicht weit von Dörnfeld und Mellenbach entfernt ist, ist die Aussprache hier grundsätzlich verschieden. Hier wird vor allem viel mit „i“ ausgesprochen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein Grund für diese großen Unterschiede könnte die geografische Lage von Herschdorf sein. Da es ziemlich weit oben liegt, gibt es in Herschdorf „bis heute noch die stärksten Winter in der Gegend überhaupt.“[1] Dies ist natürlich eine schlechte Vorraussetzung um eine gute Infrastruktur aufzubauen und den Ort an öffentliche Verkehrsmittel anzubinden. Vor allem in früheren Jahren war dies ein Problem und Herschdorf meist von den anderen Orten abgeschnitten. Deshalb hat sich wahrscheinlich dort sowohl ein ganz eigener Dialekt, als auch eigene Traditionen und Feste herausgebildet.

Wie schon erwähnt sind die Bezeichnungen einiger Gegenstände ebenfalls unterschiedlich. Hier ist aber auffällig, dass diese Unterschiede eher zwischen Tal und Hochfläche liegen. In Mellenbach, Unterweißbach und Umgebung heißt beispielweise das letzte Stück vom Brot „Ziepe“ in Dörnfeld, Herschdorf und Umgebung aber „Fieze“. In Mellenbach wird das Fahrrad „Filitzebê“ benannt, in Herschdorf ganz normal „Fahrrad“. In Dörnfeld und Umgebung heißt die Schubkarre „Radeberre“ in Mellenbach und Unterweißbach wiederum einfach nur „Schubkarre“.

Es gibt noch zahlreiche solcher Beispiele, jedoch wird schon hieraus ersichtlich, wir groß die Unterschiede zwischen den Orten sein können, obwohl sie nur ein paar Kilometer voneinander entfernt sind. Vor allem aber ist diese Erkenntnis wichtig für das Verständnis der Aussprache einiger Necknamen.

3. Einwohner und ihre Necknamen rund um Mellenbach

3.1 Mellenbach

Mellenbach-Glasbach liegt mitten im thüringer Wald, entlang der Schwarza (siehe Abbildung 2). „Es erstreckt sich circa fünf Kilometer über das Schwarzatal, die Berge rechts und links von Mellenbach steigen bis auf 600m Höhe an“.[2] Der Großteil der Hänge rund um Mellenbach ist bewaldet, nur die Hochflächen sind unbewaldet. Insgesamt besteht der Ort aus fünf Ortsteilen, die bis 1923 noch eigenständige Gemeinden waren: Zirkel, Blumenau, Mellenbach, Glasbach, Obstfelderschmiede.

Da in Mellenbach vor allem in früheren Jahren die Ziegenzucht sehr beliebt war, nennt man sie heute noch „Ziegenbeinchen“ oder „Ziggenbinnchen“. Speziell sollen die Mellenbacher sehr gerne die Beine der kleinen Ziegen gegessen haben und sich deswegen jede Menge dieser Tiere gehalten haben.

3.2 Unterweißbach

Unterweißbach erstreckt sich circa drei Kilometer im Lichtetal (siehe Abbildung 3). Hier mündet der von Oberweißbach kommende Weißbach in die Lichte. In Unterweißbach „steht die drittgrößte Talsperre Leibis-Lichte, die sich im Süden der Gemeinde befindet“.[3] Wie auch Mellenbach befindet sich Unterweißbach in einem Tal, dass mit stark bewaldeten Bergen umgeben ist. Das Dorf wurde 1394 erstmals erwähnt und ist vor allem durch seine Porzellankunst sehr bekannt.

In Unterweißbach war es schon immer Tradition, dass vor allem die älteren Leute des Dorfes Besen binden, deshalb nennen die umliegenden Dörfer die Unterweißbacher auch „Besenbinder“ oder „Baasenbinger“. Damit verdienten in früheren Jahren die Menschen ihr Geld, verkauften ihre gebundenden Besen auf Märkten oder liefen in den umliegenden Dörfern umher, um zu verkaufen und versuchten so etwas Geld einzutreiben. Heute wird die Tradition vorgesetzt, indem jedes Jahr die „Baasenbingerkörmse“ gefeiert wird. Hier lassen die Unterweißbacher ihre alten Traditionen nochmals aufleben, worauf sie sehr stolz sind.

3.3 Oberweißbach

Oberweißbach liegt oberhalb von Mellenbach und Unterweißbach, zwischen dem Rennsteig und dem Schwarzatal. Der Ort erstreckt sich circa zwei Kilometer entlang dem Weißbachtal und wurde 1370 erstmals urkundlich erwähnt. „Die Stadt zählt ungefähr 1800 Einwohner und ist sehr bekannt durch oberweißbacher Bergbahn, die steilste Seilbahn der Welt“.[4] Oberweißbach liegt 570 bis 700m über Normalnull und ist aus diesem Grund eher weniger von Waldhängen umgeben. Jedoch gibt es auch hier sehr viele bewaldete Flächen und überwiegend Felder, die zum Anbau von Weizen oder Tierfutter genutzt werden (siehe Abbildung 4).

Die Oberweißbach tragen gleich zwei Necknamen. Einmal werden sie „Vorhemdchen“ oder „Virhemmchen“ genannt und zwar aus dem Grund, weil die Männer in Oberweißbach früher sehr gerne ihre Kleidung mit kleinen Vorhemdchen schmückten. Friedrich Fröbel, der das Wahrzeichen der Stadt ist, trug, so sagt man sich, ebenfalls sehr gerne dieses Accessoire.

Ein anderer Name für die Oberweißbacher ist „Mehlsuppenstörer“ oder „Malsuppenstierer“. Man sagt sich, dass die Oberweißbach flunkern, wenn es um ihr Essen geht. Fragte man sie früher, was sie zu Mittag gegessen hatten, so antworteten sie meist, dass sie ein gutes Stück Fleisch gebraten und vertilgt hatten. Schaute man dann aber genauer in ihre Küchen, so sah man, dass sie doch nur Mehlsuppe kochten. Heute wird den Oberweißbachern nachgesagt, dass sie gern nach außen hin besser erscheinen wollen, als sie eigentlich sind.

3.4 Katzhütte

Katzhütte liegt zentral im Schwarzatal hinter Mellenbach. Wie auch sein Nachbardorf, erstreckt sich Katzhütte entlang der Schwarza und ist mit hohen, dicht bewaldeten Berghängen umgeben (siehe Abbildung 6). 1950 wurde Oelze, damals eine eigenständige Gemeinde, in Katzhütte eingegliedert. „Darum gilt Katzhütte neben Meuselbach-Schwarzmühle und Oberweißbach zum größten Ort im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt“.[5] Obwohl Katzhütte und Oelze seit 1950 als eine Gemeinde erachtet werden, haben beide Ortsteile getrennte Kirchen und gehen sich auch in anderen Dingen des täglichen Lebens aus dem Weg.

[...]


[1] Hoppe, Karl-Heinz: Königsee. Bilder aus vergangenen Tagen. Horb am Neckar: Geiger-Verlag 1992.

[2] Bernd Wurlitzer und Kerstin Sucher: Marco Polo Reiseführer. Thüringen. Ostfildern: Mairdumont 2007. Seite 48.

[3] Siegfried Zander und Elvira Grudzielski: Rund um den Fröbelturm. Bilder aus vergangenen Zeiten. Mellenbach, Unterweißbach, u.a..Tübingen: Geiger-Verlag 2001. Seite 23.

[4] Bernd Wurlitzer und Kerstin Sucher: Marco Polo Reiseführer. Thüringen. Ostfildern: Mairdumont 2007. Seite 54.

[5] Siegfried Zander und Elvira Grudzielski: Rund um den Fröbelturm. Bilder aus vergangenen Zeiten. Mellenbach, Unterweißbach, u.a..Tübingen: Geiger-Verlag 2001. Seite 30.

Details

Seiten
16
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640322992
ISBN (Buch)
9783640321087
Dateigröße
785 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126301
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut der germanistischen Sprachwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Alte Familiennamen Bestandsaufnahme Entwicklung Jahre Mellenbach Glasbach

Autor

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Titel: Alte und neue Familiennamen