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Die Globalisierung und ihre Einflüsse auf die Arbeitswelt

Hausarbeit 2000 33 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Allgemeine Auswirkungen der Globalisierung
2.1 Charakterisierung der wirtschaftlichen Globalisierung und ihre Entstehung
2.2 Kulturelle Auswirkungen
2.3 Ökologische Auswirkungen
2.4 Gesellschaftliche Auswirkungen
2.5 Politische Auswirkungen
2.5.1 Die Frage nach dem Nationalstaat
2.5.2 Die Triadisierung und ihre Folgen
2.5.3 Abnahme des staatlichen Einflusses
2.6 Wirtschaftliche/ökonomische Auswirkungen
2.6.1 Weltwirtschaftliche Auswirkungen
2.6.2 Shareholdervalue und Globalisierung

3. Einfluß der Globalisierung auf die Arbeitswelt
3.1 Informationstechnologien
3.2 Nomadentum in der Arbeitswelt
3.3 Brain-Shopping
3.4 Friktionelle Arbeitslosigkeit
3.5 Die kulturelle Dimension
3.5.1 Machtdistanz
3.5.2 Maskulinität
3.5.3 Unsicherheitsvermeidung
3.5.4 Zeitvorstellungen
3.5.5 Kontextualität
3.5.6 Kognitive Prozesse
3.5.7 Religiöse Vorstellungen
3.6 Sozialsystem

4. Weltkonzernbetriebrat der Volkswagen AG
4.1 Geschichte und Entstehungsgründe
4.2 Aufbau des WKBR
4.3 Bewertung

5. Zusammenfassung und Ausblick

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die Globalisierung beherrscht den Wirtschaftstrend der neunziger Jahre und ist mehr als der klassische Welthandel, der den Austausch von Gütern, Dienstleistungen und Kapital zwischen einzelnen Volkswirtschaften oder Regionen bezeichnet. Globalisierung der Wirtschaft bedeutet zum einen, daß Unternehmen weltweit Standorte für Forschung, Produktion und Vertrieb aufbauen. Zum anderen bedeutet sie, daß Märkte über nationale Grenzen hinweg zusammenwachsen und sich Unternehmen weltweit stark miteinander verflechten. Dieses kommt sehr deutlich durch Direktinvestitionen im Ausland und durch die transnationalen Megafusionen (z.B. Daimler Chrysler) der letzten Jahre zum Ausdruck.

Als wichtigste Ursachen der Globalisierung, die sich seit der Beseitigung des „Eisernen Vorhangs“ 1989 sehr verstärkt hat, sind zu nennen:

a) Die hohen Bevölkerungszahlen in Asien (Indien und China stellen mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung) und die wachsende wirtschaftliche und techno-logische Leistungsfähigkeit südostasiatischer Volkswirtschaften (z.B. Bangalore/ Indien als „Softwareschmiede“ und Taiwan) erhöhen sowohl die Kaufkraft als auch die Exportfähigkeit dieser Regionen.
Leistungsstarke Wettbewerber und aufnahmefähige Märkte mit stark überdurch-schnittlichen Wachstumsraten sind im Entstehen bzw. sind entstanden.
b) Die marktwirtschaftliche Transformation Osteuropas führt zu erhöhter Nachfrage und zum Entstehen neuer Industrien. Auch in der bisher kaum beachteten Wirtschaftsregion Südamerika tut sich einiges. So werden hier Handelshemmnisse und bürokratische Restriktionen abgebaut und es wird für Unternehmen zunehmend interessanter in diese Region zu investieren und dort Standorte zu errichten.
c) Unterstützt werden diese Prozesse durch das Entstehen neuer Kommunikations-technologien und Transportkapazitäten. Sie erhöhen die globale Verfügbarkeit von Gütern, die Transparenz der Preise und führen zu einer Angleichung von Kundenwünschen.

Das Ergebnis dieser Entwicklungen war und ist, daß sich die chancenreichen Wachstumsmärkte von der klassischen Triade Nordamerika, Westeuropa und Japan weg nach Südostasien und Südamerika verschieben.

Um auf diesen neuen Märkten erfolgreich bestehen zu können, reagieren viele Unternehmen damit, in diesen Wachstumsmärkten Anlagen mit hohen Kapazitäten zu errichten, um vor Ort kostengünstig zu produzieren und auf den entsprechenden Märkten vor Ort präsent zu sein.

Diese Sachverhalte verursachen wirtschaftliche, ökonomische, ökologische, kultur-elle, gesellschaftliche und politische Veränderungen.

Der Schwerpunkt dieser Hausarbeit wird die durch die Globalisierung verursachten Veränderungen in der Arbeitswelt untersuchen und am Beispiel des VW-Weltbe-triebsrates eine mögliche Reaktion auf die veränderten Umweltbedingungen vor-stellen.

2. Allgemeine Auswirkungen der Globalisierung

Dieses Kapitel möchten der Verfasser dazu nutzen, die Auswirkungen der Globalisierung kurz darzustellen, die sich außerhalb der Arbeitswelt vollziehen.

Es ist anzumerken, daß sich die einzelnen Bereiche sowohl untereinander als auch in bezug auf die Arbeitswelt interdependent verhalten, so daß eine Veränderung im Bereich der Arbeitswelt beispielsweise auch eine Veränderung in der Gesellschaft nach sich ziehen kann.

2.1 Charakterisierung der wirtschaftlichen Globalisierung und ihre Entstehung

Die wirtschaftliche Globalisierung läßt sich am Besten in Kurzform durch folgende Eigenschaften charakterisieren:

- Aufhebung von Distanzen (durch verbesserte Informations- und Kommunika-tionstechnologien)
- Starke Nutzung der modernen Informations- und Kommunikationstechnologie
- Hohe Leistungsfähigkeit der Verkehrssysteme
- Deregulierung
- Kurzfristige Renditebetrachtung
- Schnelle Anpassung an veränderte Bedingungen
- Veränderungen der sozialen, ökonomischen, kulturellen und ökologischen Umweltbedingungen.

„Die Welt ist ein Dorf“ - diese Aussage wird zunehmend zur Realität der Wirtschaft. Es ist sehr beeindruckend, wenn man die Entwicklung der Globalisierung zurück-verfolgt.
Die „Entstehung“ der Globalisierung läßt sich so erklären: Der Mensch strebt danach, Unbekanntes zu ergründen, sein Wissen zu erweitern und vorhandene Grenzen zu überschreiten. Durch dieses, im Wesen des Menschen angelegte Bestreben, treten Weltanschauungen, Kulturen und Technologien miteinander in Wettbewerb. Es gibt also seit Menschengedenken Tendenzen der Globalisierung[1].

Die Globalisierung - laut Duden das Synonym für weltweite Ausrichtung - hat viele Gesichter. Als politisches Beispiel läßt sich Roosevelts Konzept der "Einen Welt“ anführen, aus dem die Gründung der UNO als Resultat eines globalisierten Friedensdenkens hervorging. Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Globalisierung kein neuer Prozeß, sondern die Intensivierung des internationalen Handelns.
Bereits im 16. Jahrhundert gab es einen ausgeprägten internationalen Handel, beispielsweise der Handelshäuser Fugger und Welser mit Italien und Südamerika. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts entdeckten immer mehr Unternehmen die Auslandsmärkte für sich. So hatte zum Beispiel die Deutsche Bank bereits zwei Jahre nach ihrer Gründung im Jahr 1872 Filialen in Shanghai und Yokohama. Und auch Siemens beschäftigte 1890 bereits 2000 von 4500 Mitarbeitern außerhalb der Grenzen des damaligen Deutschen Reichs[2].

Die Globalisierung ist ein fortschreitender Prozeß. War in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts der Kauf ausländischer Produkte noch als unpatriotisch verachtet, so ist für den heutigen Konsumenten der schrankenlose Welthandel eine Selbstverständlichkeit. Denn mit dem Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs zu Beginn der 90er Jahre hat die Globalisierung der Wirtschaft einen weiteren Schub erfahren.

Der Prozeß der Globalisierung an sich, das heißt „(...) die Zunahme internationaler Wirtschaftsbeziehungen und Zusammenwachsen von Märkten für Güter und Dienstleistungen über die Grenzen einzelner Staaten hinaus (...)“[3], hat sich nicht gewandelt. Was sich geändert hat, sind das Ausmaß und das Tempo.

2.2 Kulturelle Auswirkungen

Unter Zugrundelegung einer Definition aus dem Volksbrockhaus[4] wird unter Kultur „die Gesamtheit der Lebensäußerungen der menschlichen Gesellschaft in Sprache, Religion, Wissenschaft u.a.“ verstanden.

Nun, die Globalisierung hat unserer Meinung nach durchaus Einflüsse auf die „Gesamtheit der Lebensäußerungen der menschlichen Gesellschaft“. Dies beginnt damit, daß unser Bildungssystem zunehmend schon in den ersten Schuljahren auf eine (mindestens) bilinguale Sprachausbildung setzt, um die Kinder so früh wie möglich an eine andere Sprache zu gewöhnen. Diese, sicherlich nicht allzu neue Entwicklung, ist vor dem Hintergrund eines wirtschaftlich wie anderweitig auch immer weiter zusammenwachsenden Europas zu sehen, in dem eine Fremdsprache fast schon nicht mehr ausreichend ist, um sich für qualifizierte Berufe bewerben zu können.

Mit der Errichtung von Standorten in neuen Ländern, übertragen sich auch andere kulturelle Verhaltensweisen bzw. Werte einer Kultur auf den neuen Standort, wie z.B. das Rollenbild von Mann und Frau im Heimatland des Unternehmens.

Präziser wäre hier zu sagen, daß die Möglichkeit eines Einflusses besteht, denn das Rollenbild der Frau in islamischen Ländern wird sich wohl kaum grundlegend dadurch ändern, daß „Mc Donalds“ z.B. in Teheran eine Filiale errichtet.

Aber es sind wohlmöglich etwas subtilere Einflüsse zu konstatieren, wie die Übertragung des „American way of life“ nach z.B. Europa. Dies passiert natürlich nicht in der Art und Weise, daß sich alle Europäer 1:1 wie Amerikaner aufführen, sondern eher mehr und mehr (bewußt oder unbewußt) amerikanische Verhaltens-weisen an den Tag legen, wie z.B. in der Ernährung (fast food).

Es ist kein allzu neues Phänomen, daß sich Ereignisse, die sich zur Zeit in den USA abspielen mit einer gewissen Zeitverzögerung in der einen oder anderen Form auch bei uns in Europa auftreten. Um einige Beispiele zu nennen: hohe Jugend-kriminalität, Ghettobildung und in Ansätzen der Abbau des Sozialsystems, der aber noch nicht in dem Maße in der Bundesrepublik Deutschland in Erscheinung tritt wie in den USA.

2.3 Ökologische Auswirkungen

Wohl am besten zu beobachten sind ökologische Auswirkungen der Globalisierung.

Global Players verlegen ihre Produktionsniederlassungen in „Billiglohnländer“ und somit unter anderem auch in die „Dritte Welt“ oder in „Schwellenländer“.

Dies hat für die Unternehmen einerseits den Vorteil, daß die Arbeitskräfte im Verhältnis zu z.B. Westeuropa z.Zt. unverhältnismäßig günstiger sind - und es auf lange Sicht wohl auch bleiben werden -, und andererseits auch noch den Vorteil, daß die jeweiligen nationalen Regierungen im Sinne der wirtschaftlichen Entwicklung ihres Landes auf dem Umweltschutzauge ziemlich wenig sehen, besser: blind sind und zusätzlich bedeutend geringere Umweltstandards vorhanden sind.

Es sind keine Tendenzen auszumachen, daß sich Industrie und Regierungen an die Knappheit der weltweit verfügbaren Ressourcen anzupassen versuchen. Hier wird z.B. weiterhin, ohne Rücksicht auf Verluste, der Regenwald abgeholzt.

Ebenfalls wird mit den vorhandenen Ressourcen zu verschwenderisch umgegangen.

Das eher nüchterne Resümee von Fritz Vorholtz[5] „Gerechtigkeit und Natur-verträglichkeit sind, (...) prinzipiell marktfremde Kategorien“ 10 Jahre nach der Umweltkonferenz von Rio, bringt dies gut zum Ausdruck.

Weitere Erläuterungen von Vorholtz, wie, daß die Umweltpolitik auch globalisiert werden solle und dem Naturverbrauch Preise zu verpassen seien, um dem verschwenderischen Umgang mit Naturressourcen marktkonform Einhalt zu gebieten, seien hier auch noch zu erwähnen, um dem Leser zu zeigen, daß es mit dem bloßen Abhalten eines Erdgipfels (der vielleicht auch nur eine Alibi-veranstaltung ist) nicht getan ist, sondern daß sich auch die entsprechenden Verhaltensweisen – wenn nötig auch durch staatliche Eingriffe (Anmerkung der Verfasser) – darstellen müssen.

2.4 Gesellschaftliche Auswirkungen

Auswirkungen der Globalisierung auf die Gesellschaft sind im Zusammenhang mit Veränderungen in der Arbeitswelt zu sehen. So wird sich eine Gesellschaft, die der Arbeit einen hohen Stellenwert beimißt und in der sich ihre Individuen über ihre Arbeit definieren, zwangsläufig in der einen oder anderen Art und Weise verändern, wenn durch Globalisierung/Internationalisierung sich die Arbeitswelt (grundlegend) wandelt (siehe Kapitel 3).

Als grobe Tendenz sei hier die Vergrößerung der sozialen Schere angegeben. Prognosen/Visionen wie die der „20-80 Gesellschaft“[6], in der 20% der arbeitsfähigen Bevölkerung im nächsten Jahrhundert ausreichen würden, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten, zeichnen ein düsteres Bild der Zukunft.

Wenn dem so wäre, so entstünde ein hoher Grad an sozialem Sprengstoff, eine krasse Teilung der Gesellschaft in „Du wirst zum Arbeiten gebraucht“ und „Du kannst zu Hause bleiben“.

Dieses kann nicht das Ziel sein und wird wohl auch nicht lange funktionieren, wenn nur wenige Personen über Kaufkraft verfügen, denn: Autos kaufen keine Autos.

Es stellt sich hier die Frage, wenn nicht mehr Arbeitskraft benötigt wird, was dann die 80% der Weltbevölkerung machen, die nicht zum Produzieren, Verdienen und nur sporadisch zum Konsumieren gebraucht werden. Die Autoren Hans-Peter Martin und Harald Schumann führen in ihrem Buch „Die Globalisierungsfalle“ unter Berufung auf Zbigniew Brzezinski (Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter) ein Modell an, das sehr stark an das Konzept von „Brot und Spiele“ aus dem alten Rom erinnert.

Sie nennen es „tittytainment“[7]: „Mit einer Mischung aus betäubender Unterhaltung und ausreichender Ernährung könne die frustrierte Bevölkerung der Welt schon bei Laune gehalten werden.“

Durch das veränderte Anforderungsprofil von Unternehmen, die erheblich mehr Flexibilität ihrer Mitarbeiter erwarten, werden auch völlig neue Anforderungen an Familien gestellt.

So ist zu erwarten, daß Familien künftig häufiger umziehen müssen, beziehungs-weise Familien Werktags räumlich getrennt werden.

So werden die Bildung des Einzelnen und seine Fähigkeit, in seinem Berufsleben mehrere Berufe zu erlernen - mit zeitweiligen Phasen der Arbeitslosigkeit – zum entscheidenden Faktor im Kampf um gut bezahlte Arbeitsplätze.

Andererseits besteht die Chance Kinderarbeit in allen Staaten zu verbieten, da z.B. von Kindern erzeugte Produkte (z.B.: Textilien und Teppiche aus Indien, der stark gesundheitsgefährdende Goldabbau in Brasilien) in wirtschaftlich entwickelten Ländern geächtet sein sollten. Hier besteht nach Auffassung des Verfassers allerdings noch erheblicher Handlungsbedarf.

[...]


[1] Biskup, Reinhold, Globalisierung und Wettbewerb, Bern, 1996, S. 13

[2] o. V., o. T., Siemens Standpunkt, 11. Jahrgang, Februar 1998, S. 5

[3] Informedia GmbH, Fischer Weltalmanach, Stuttgart, 1998 (CD- Rom)

[4] Volksbrockhaus, fünfzehnte neu bearbeitete Auflage, Wiesbaden, 1978

[5] Vorholtz, Fritz, Fünf Jahre nach Rio: Auch die Umweltpolitik sollte globalisiert werden!, 1997, Die Zeit, Nr. 26 und http://www.archiv.zeit.de/zeit-archiv/daten/pages/erdgipfe.txt.19970620.html

[6] Martin, Hans-Peter und Schumann, Harald, Die Globalisierungsfalle, Hamburg, 1996, S. 12

[7] Martin, Hans-Peter und Schumann, Harald, Die Globalisierungsfalle, Hamburg, 1996, S. 13

Details

Seiten
33
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638107976
ISBN (Buch)
9783638690782
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v1264
Institution / Hochschule
Fachhochschule Flensburg – Fachbereich Betriebswirtschaft
Note
gut
Schlagworte
Globalisierung Einflüsse Arbeitswelt Vertiefungsfach Internationales Management

Autor

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Titel: Die Globalisierung und ihre Einflüsse auf die Arbeitswelt