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Pharmakologisches Neuroenhancement. Eine moralisch-philosophische Betrachtung

©2022 Seminararbeit 26 Seiten

Zusammenfassung

Die kognitive Leistungssteigerung durch pharmakologische Substanzen ist auch Gegenstand bioethischer Auseinandersetzungen. Zum pharmakologischen Neuroenhancement werden dabei, sowohl aus medizinischer als auch aus (neuro-) ethischer Sicht, kontroverse Diskussionen geführt. Im Fokus der Diskussionen steht dabei die Frage, ob das Betreiben von pharmakologischem Neuroenhancement, legitim resp. moralisch vertretbar ist. Dieser Fragestellung wird sich im weiteren Verlauf der Hausarbeit angeschlossen und dabei die deontologische Ethik nach Immanuel Kant und die konsequenzialistische Ethik nach Julian Savulescu gegenübergestellt und das Neuroenhancement mithilfe dieser Modelle ethisch bewertet.

Die Einnahme psychoaktiver Substanzen zur Erweiterung der Bewusstseinszustände und zur Überwindung natürlicher Grenzen ist seit Anbeginn der Menschheit Bestandteil aller Kulturen und Epochen. Omnipräsent ist in der heutigen Zeit allerdings die Motivlage des Menschen, die hinter dem Konsum von psychoaktiven Substanzen steckt. Demzufolge werden psychoaktive
Substanzen vermehrt zur kognitiven Leistungssteigerung und zur Verbesserung des Wohlbefindens eingesetzt. Als Grund dafür werden u.a. die steigenden Leistungsanforderungen in der Gesellschaft diskutiert. So fühlen sich bspw. Schüler, Studierende und Arbeitnehmer einem immer größeren Druck ausgesetzt, den aktuellen Leistungsanforderungen gerecht zu
werden. Folglich besteht ein immer stärkeres Verlangen, diesen Druck zu kompensieren und die kognitive Leistungsfähigkeit zu steigern, um diesen steigenden Anforderungen besser begegnen zu können.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Gender-Erklarung

1 Einleitung

2 Material und Methoden

3 Neuroenhancement
3.1 Definition und Ziele des Neuroenhancements
3.2 Arten und Substanzen des Neuroenhancements
3.3 Motive und Ursachen des Konsums
3.4 Konsequenzen des Neuroenehancements

4 Gesetzliche Regelungen des Neuroenhancements in Deutschland

5 Ethische Aspekte des Neuroenhancements
5.1 Deontologische Ethik - Immanuel Kant
5.1.1 Grundsatzliches
5.1.2 Die Menschenwurde nach Immanuel Kant
5.1.3 Instrumentalisierungsverbot
5.1.4 Autonomie
5.1.5 Der kategorische Imperativ
5.2 Konsequenzialistische Ethik - Julian Savulescu
5.2.1 Grundsatzliches
5.2.2 Bewertung des Neuroenhancements nach Julian Savulescu

6 Diskussion und Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tab 1: Potenzielle Konsequenzen von Neuroenhancement auf individueller Basis

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gender-Erklarung

Die in der Hausarbeit gewahlte mannliche Form bezieht sich immer zugleich auf weibliche und mannliche Personen. In dieser Arbeit wird aus Grunden der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet.

1 Einleitung

Die Einnahme psychoaktiver Substanzen zur Erweiterung der Bewusstseinszustande und zur Uberwindung naturlicher Grenzen, ist seit Anbeginn der Menschheit, Bestandteil aller Kulturen und Epochen. Omniprasent ist in der heutigen Zeit allerdings die Motivlage des Menschen, die hinter dem Konsum von psychoaktiven Substanzen steckt. Demzufolge werden psychoaktive Substanzen vermehrt zur kognitiven Leistungssteigerung und zur Verbesserung des Wohlbefindens eingesetzt. Als Grund dafur werden u.a. die steigenden Leistungsanforderungen in der Gesellschaft diskutiert. So fuhlen sich bspw. Schuler, Studierende und Arbeitnehmer, einem immer groBeren Druck ausgesetzt, den aktuellen Leistungsanforderungen gerecht zu werden. Folglich besteht ein immer starkeres Verlangen, diesen Druck zu kompensieren und die kognitive Leistungsfahigkeit zu steigern, um diesen steigenden Anforderungen besser begegnen zu konnen (DAK-Gesundheit, 2020, Moesgen und Klein, 2015, S. 12).

Weit verbreitet ist diese Art der kognitiven Leistungssteigerung vor allem in der Arbeitswelt. Demzufolge nehmen laut einer reprasentativen Studie der DAK-Gesundheit aus dem Jahr 2020, 1,8% der deutschen Arbeitnehmer, regelmaBig leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente. Hochgerechnet auf die erwerbstatige Bevolkerung sind dies ca. 700.000 Beschaftigte. Von diesen Arbeitnehmern, „dopt“ sich jeder Zweite, damit berufliche Ziele besser erreicht werden konnen (DAK-Gesundheit, 2020, Moesgen und Klein, 2015, S. 12).

Die kognitive Leistungssteigerung durch pharmakologische Substanzen, ist auch Gegenstand bioethischer Auseinandersetzungen. Zum pharmakologischen Neuroenhancement werden dabei sowohl aus medizinischer als auch aus (neuro-) ethischer Sicht, kontroverse Diskussionen gefuhrt. Im Fokus der Diskussionen steht dabei die Frage, ob das Betreiben von pharmakologischem Neuroenhancement, legitim resp. moralisch vertretbar ist. Dieser Fragestellung wird sich im weiteren Verlauf der Hausarbeit angeschlossen und dabei in Kap. 5, die deontologische Ethik nach Immanuel Kant und die konsequenzialistische Ethik nach Julian Savulescu, gegenubergestellt und das Neuroenhancement mithilfe dieser Modelle, ethisch bewertet (Wagner, 2019, S. 342).

2 Material und Methoden

Im Folgenden wird eine Beschreibung der angewandten Methodik vorgenommen. Dies soll dazu dienen, die Nachvollziehbarkeit der weiteren Vorgehensweise zu starken und den wissenschaftlichen Anspruch der Arbeit zu festigen. Dabei wird zunachst auf die Untersuchungsform eingegangen und im Anschluss daran, die einzelnen Schritte der Vorgehensweise beschrieben.

Als Untersuchungsform wurde eine Literaturrecherche durchgefuhrt. Diese orientierte sich an folgenden Forschungsfragen:

„Wie ist Neuroenhancement zur kognitiven Leistungssteigerung anhand der deontologischen Ethik nach Immanuel Kant ethisch zu bewerten?“

„Wie ist Neuroenhancement zur kognitiven Leistungssteigerung anhand der konsequenzialistischen Ethik nach Julian Savulescu zu bewerten?“

Bei der Literaturauswahl diente entsprechende Fachliteratur als Orientierung. Als Basis ethischer Argumentation dient insbesondere das Werk „Enhancing Human Capacities“ (2011) von Julian Savulescu. Daruber hinaus wurde auf Literatur mithilfe des Datenbank- Informationssystem der Hochschule Rhein-Waal (insbesondere der Springer-Link), als auch auf weitere Datenbanken wie GoogleScolar zugegriffen. AnschlieBend erfolgte eine Filterung und Gliederung des themenrelevanten Materials. In dieser Arbeit wurden die verschiedenen Arten des Neuroenhancements, auch bezuglich der Literaturrecherche b erucksichtigt, der Fokus dieser Arbeit und vor allem in der ethischen Diskussion liegt allerdings beim pharmakologischen Neuroenhancement.

Nachfolgend werden zunachst die Grundlagen des Neuroenhancements thematisiert und die gesetzlichen Regelungen in Deutschland dargestellt. Im Anschluss daran werden die beiden ausgewahlten ethischen Modelle der Hausarbeit vorgestellt. Dazu gehort die deontologische Ethik nach Immanuel Kant und die konsequenzialistische Ethik am Beispiel von Julian Savulescu. AbschlieBend wird Neuroenhancement auf Grundlage dieser Modelle ethisch diskutiert und ein Fazit sowie eine Stellungnahme des Autors, der vorliegenden Arbeit gegeben.

3 Neuroenhancement

Im folgenden Kapitel wird zunachst der Begriff Neuroenhancement definiert sowie die Ziele dessen verdeutlicht. AnschlieBend wird auf die Arten des Neuro enhancements sowie die Motive und Ursachen des Konsums eingegangen. AbschlieBend werden die Konsequenzen bzw. Folgen, die mit Neuroenhancement in Verbindung stehen, erlautert.

3.1 Definition und Ziele des Neuroenhancements

Damit im weiteren Verlauf naher auf Neuroenhancement eingegangen werden kann, sollte zunachst einmal der Begriff definiert werden. Die fur diese Arbeit relevanten Begrifflichkeiten werden zum besseren Verstandnis, nachfolgend naher abgegrenzt.

Enhancement bezeichnet MaBnahmen, die medizinisch nicht notwendig sind und auf die Verbesserung von Fahigkeiten und Eigenschaften abzielen. Davon abgegrenzt wird das kognitive Enhancement. Dieses steht fur die gezielte Verbesserung der kognitiven Leistungsfahigkeit, unabhangig von der jeweiligen Methode, die zur Beeinflussung der Leistungsfahigkeit eingesetzt wird. Darunter fallen z.B. Neurotechnologien , die transkranielle Magnetstimulation sowie Neurochips (Wagner, 2019, S. 342).

Noch vielfaltiger ist der Begriff Neuroenhancement, denn dieser schlieBt neben kognitiven Veranderungen, auch sensorische und motorische ein. Ziele des Neuroenhancements sind dabei die positive Veranderung affektiver Zustande, die Verbesserung der Aufmerksamkeit und Konzentration sowie die Steigerung und das Schaffen, neuer sensorischer und kognitiver Eigenschaften. Im Kontext des Neuroenhancements steht zudem der Begriff des pharmakologischen Neuroenhancements. Dieser beschreibt die spezifische Nutzung von psychoaktiven Substanzen von Gesunden zur Steigerung der ko gnitiven Leistungsfahigkeit, Verbesserung der Stimmung und/ oder dem Abbau von Angst und Nervositat. Verwendet werden dabei verschreibungspflichtige Medikamente, die ohne medizinische Indikation konsumiert werden. Als Synonym zum pharmakologischen Neuroenhancement, wird haufig der Begriff „Hirndoping“ verwendet. Hierbei handelt es sich um eine Analogie zum Doping im Sportbereich und soll den Konsum von „verbotenen“ Substanzen verdeutlichen. Zum Teil wird der Konsum von pharmakologischen Substanzen auch dem „Mood Enhancement“ zugeordnet, wenn diese primar zur Stimmungsverbesserung und zum Abbau von Schuchternheit und Unsicherheit eingesetzt werden. Neben dem pharmakologischen Neuroenhancement und dem zuvor erwahnten kognitiv technischen Enhancement, gibt es noch das pflanzliche Enhancement. Darunter fallt bspw. der Konsum von Ginkgo biloba-Praparaten oder Huperzin A-Extrakt, die genauso wie das pharmakologische Enhancement, auf kognitive Leistungssteigerung abzielen sollen (Bayerisches Landesamt fur Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, 2019, Borger, 2017,S.3 f., Deutsches Referenzzentrum fur Ethik in den Biowissenschaften (DRZE), o. J.).

3.2 Arten und Substanzen des Neuroenhancements

Hinsichtlich des Neuroenhancements werden das pharmakologische bzw. chemische Enhancement, das pflanzliche Enhancement sowie das kognitiv technische Enhancement voneinander abgegrenzt. Als Neuroenhancer werden dabei insbesondere rezeptpflichtige Psychostimulanzien verwendet. Diese lassen sich dem pharmakologischen Enhancement zuordnen. Haufige Substanzen, die im Rahmen des pharmakologischen Enhancements konsumiert werden, sind vor allem Stimulanzien wie Amphetaminpraparate, aber auch Stimulanz-ahnliche Substanzen wie bspw. Modafinil werden konsumiert (Wagner, 2019, S. 342).

Amphetaminpraparate werden ublicherweise bei der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten eingesetzt, aber u.a. auch bei Narkolepsie oder beim Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitatssyndrom (ADHS). Amphetaminpraparate haben eine stimulierende Wirkung auf das zentrale Nervensystem (ZNS) zur Folge. Zudem sorgen diese fur eine Erhohung der Konzentration der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin im Gehirn. Alle amphetaminhaltigen Arzneimittel wie z.B. Methylphenidat sind rezeptpflichtig und mussen in Form des Betaubungsmittelgesetzes (BtMG) verordnet werden. Methylphenidat, eher bekannt unter dem Handelsnamen Ritalin®, Concerta@ oder Medikinet@, wird insbesondere bei ADHS-Kindern eingesetzt und soll die Konzentrationsfahigkeit verbessern. Zu den Nebenwirkungen von Methylphenidat bei medizinisch nicht erforderlichem Gebrauch gehoren jedoch u.a. Schlafstorungen und Herzrhythmusstorungen. Methylphenidat steigert zwar aus kognitiver Sicht die Konzentration, wirkt sich allerdings bei monotonen und repetitiven Aufgaben kontraproduktiv aus (Deutsche Hauptstelle fur Suchtfragen (DHS) e. V., 2022, Schafer, 2018, S. 48 ff.).

Wie zuvor erwahnt, werden neben Stimulanzien, auch Stimulanz-ahnliche Substanzen im Zuge des Neuroenhancements genutzt. Zur Anwendung kommt dabei bspw. der Wirkstoff Modafinil, der nicht euphorisierend wirken soll. Besser bekannt ist Modafinil unter dem Medikamentennamen Vigil® und Provigil® und wird ublicherweise zur Behandlung von Narkolepsie eingesetzt sowie beim Schlafapnoe- und Schichtarbeitersyndrom appliziert. Modafinil ist fur Kinder und Jugendliche nicht zugelassen und gehort laut der Welt-Doping- Agentur fur Leistungssportler zu den verbotenen Substanzen. Aus kognitiver Sicht fuhrt dieser Wirkstoff zu einer objektiven Verbesserung des Kurzzeitgedachtnisses und des logischen Denkens sowie zu einer Stimmungsaufhellung. Zu den Nebenwirkungen von Modafinil gehoren jedoch u.a. Kopfschmerzen, Nervositat, Verdauungsstorungen und Depressionen. Neben diesen pharmakologischen Praparaten gibt es noch viele Weitere wie bspw. Antidemtiva, die aber nicht naher beschrieben werden. Zudem werden im Rahmen des Neuroenhenacements auch pflanzliche Praparate wie bspw. Ginkgo biloba-Praparate oder Huperzin A-Extrakt eingesetzt oder kognitiv technische Verfahren wie z.B. transkraniale Magnetstimulation angewandt. In dieser Arbeit liegt der Fokus allerdings auf dem pharmakologischen Enhancement und daher werden die zuletzt genannten Verfahren nicht naher beschrieben (Deutsche Hauptstelle fur Suchtfragen (DHS) e. V., 2022, Schafer, 2018, S. 48 ff., Wagner, 2019, S. 342 f.).

3.3 Motive und Ursachen des Konsums

Nachfolgend wird naher darauf eingegangen, aus welchem Grund, Menschen uberhaupt Neuroenhancement ausuben und wieso dies fur einige so erstrebenswert erscheint. Hinweise auf diese Fragen liefern einige Studien, die sich mit der Motivlage von Neuroenhancement beschaftigt haben. Diese kommen in erster Linie zu dem Schluss, dass Neuroenhancement- Praparate, in erster Linie zur Verbesserung der geistigen Leistungsfahigkeit eingesetzt werden. Darunter fallen u.a. Faktoren wie Konzentration, Aufmerksamkeit sowie Erinnerungsvermogen. Dabei wird Neuroenhancement vor allem punktuell eingesetzt, etwa wahrend einer Prufungsphase bei Studierenden. Andere Motive, die jedoch im Vergleich dazu weniger ins Gewicht fallen, betreffen z.B. Freizeitaktivitaten. Dazu gehoren u.a. Aspekte wie Experimentierfreude, Gewichtsverlust, Erholungszwecke, aber auch der Wunsch, langer wach zu bleiben oder high zu werden, um langer trinken und feiern zu konnen.

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Details

Seiten
26
Jahr
2022
ISBN (PDF)
9783346700162
ISBN (Paperback)
9783346700179
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Hochschule Rhein-Waal
Erscheinungsdatum
2022 (August)
Note
1,3
Schlagworte
pharmakologisches neuroenhancement eine betrachtung
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Titel: Pharmakologisches Neuroenhancement. Eine moralisch-philosophische Betrachtung