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Ist Tugend lehrbar? Eine philosophische Betrachtung

©2022 Essay 10 Seiten

Zusammenfassung

Diese Arbeit untersucht folgende Fragen: Welche Fähigkeiten sind wertvoll? Was ist gut? Was ist gerecht? Was ist richtig? Kardinaltugenden, wie Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung. Christliche Tugenden – die Zehn Gebote. Bürgerliche Tugenden: Ordentlichkeit, Sparsamkeit, Fleiß, Reinlichkeit und Pünktlichkeit. Gesellschaften leben im Wandel und somit verändern sich auch die Bedeutungen der verschiedenen Tugenden, dennoch ist es unumstritten, dass Tugenden, Werte und Umgangsformen in einer Gesellschaft unabdingbar sind.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einordnung des Dialogs

3. Tugenden im Menon
3.1 Die Definition von Tugend
3.2 Die Erkenntnistheorie
3.3 Aufstellung von Hypothesen

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Brockhaus (2021) definiert das Wort Tugend, welches aus dem althochdeut­schen kommt und mit „Tauglichkeit“ oder „Kraft“ übersetzt wird, als eine „Be­zeichnung für die Lebenshaltung, die das sittlich Gute erstrebt und die der Mensch in Freiheit durch permanente Übung erwirbt“. Eine Tugend ist eine „menschliche Fähigkeit auf geistigem und seelischem Gebiet, das Vermögen, Leistungen zu voll­bringen, die man als wertvoll anerkennt“ (Brockhaus, 2021).

Aber welche Fähigkeiten sind wertvoll? Was ist gut? Was ist gerecht? Was ist rich­tig? Kardinaltugenden, wie Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung. Christliche Tugenden - die zehn Gebote. Bürgerliche Tugenden: Ordentlichkeit, Sparsamkeit, Fleiß, Reinlichkeit und Pünktlichkeit. Gesellschaften leben im Wan­del und somit verändern sich auch die Bedeutungen der verschiedenen Tugenden, dennoch ist es unumstritten, dass Tugenden, Werte und Umgangsformen in einer Gesellschaft unabdingbar sind.

Tugenden beschäftigen die Gesellschaft seit tausenden von Jahren. Jeder Mensch hat wohl seine ganz eigene Rangfolge von Tugenden, die er als wichtig betitelt. Das Umsetzen der ein oder anderen Tugend fällt einem sicherlich leichter, weil man angeboren oder durch Prägung besonders empathisch oder reinlich ist, andere Werte umzusetzen fordern uns mehr heraus. Jemand, der sich in der Antike intensiv mit Moral und Ethik beschäftigte, war der Philosoph Sokrates. In diesem Essay geht es um Sokrates Definition der Tugend und die Erkenntnistheorie, ebenso wie das Aufstellen von Hypothesen, welche sich aus seinem Definitionsversuch von Tu­gend ergeben.

2. Einordnung des Dialogs

Das Werk Menon des Philosophen Platon ist ein Dialog zwischen Platons Lehrer Sokrates und dem Thessalier Menon von Pharsalos. Zeitlich wird der Diaglog etwa um das Jahr 400 v. Chr., nach dem Werk Gorgias eingeordnet und gehört somit zu den Frühdialogen, die sich inhaltlich mit der Sophistik und Rhetorik beschäftigen. Dieser Dialog in der Art der Aporie zeigt sich durch ein ergebnisloses Ende der Diskussion, ebenso wie durch eine Erklärweise mit mythischen Erzählungen (Ebert, 1974, S. 30; Vering, 1029, S. 74).

Abweichend von anderen Dialogen Platons gibt es im Menon keine Einführung der Personen, des Ortes oder der Zeit. Dennoch werden durch den Redeanteil Sokrates eine Vielzahl an Informationen über Menon überliefert. So erfährt der Leser, dass Menon aus Thessalien stammt und eine hohe soziale Stellung innehat. Der etwa 20­jährige junge Mann aus einem großen Herrschaftsgeschlecht hat eine Beziehung, die auch auf sexueller Ebene zu sein scheint, zu Aristippos, der eine „führende Per­son der Aleuaden“ (70b) ist. Man erfährt, dass Menon Schüler des sizilischen Rhe­tors Gorgias ist und dass Menon und Sokrates sich schon am Vortag in Athen, wo er sich für einen kurzen Aufenthalt befindet, unterhalten haben (76e). Er ist Gast von Anytos (90b) und wird von einer großen Dienerschaft begleitet (76e) (Ebert, 2018, S. 46f; Ebert, 1974, S. 75).

Dieser Dialog ist in drei Themenabschnitte gegliedert. Zunächst geht es um Tugen­den - „Sokrates, kannst du mir sagen, ob die Tugend lehrbar ist?“ (70a). Mit dieser Frage fordert Menon Sokrates auf, zu erläutern, ob Tugenden erlernbar, einübbar oder angeboren sind. Darauf folgend beschäftigen Sokrates und Menon sich mit der Unsterblichkeit der Seele und abschließend versuchen sie die Frage des Dialogbe­ginns mit Hilfe von Hypothesen zu beantworten.

3. Tugenden im Menon

3.1 Die Definition von Tugend

Zunächst einmal wird deutlich, dass der Philosoph Platon und der Schüler Menon unterschiedliche Ansichten von Tugend haben. Die Leitfrage des Dialogs ist, ob Tugenden lehrbar seien. Während Menon mit Tugenden vor allem das Streben nach Macht, Vergeltung (70e) und Reichtum (78c) verbindet und somit Tugenden als funktional darstellt, beschäftigt sich Sokrates mit dem Wesen der Tugend, denn bevor er die Frage beantworten kann, ob Tugenden lehrbar seien, möchte er heraus­finden, was Tugenden an sich sind. Menon unterscheidet zu Beginn des Gesprächs zwischen Tugenden des Mannes, der Frau, des Alten und des Kindes (71e; 72a), daraufhin versucht Platon ihm durch das Bild einen Bienenschwarmes (72b) zu ver­deutlichen, dass Tugenden alle zu derselben „Gestalt“ gehören und somit für alle gleichermaßen gelten (72d). Mit dieser Darstellung gelingt es Sokrates die funkti­onale Bedeutung von Tugend, wie Menon sie schildert, zu einer moralischen Be­deutung überzuleiten - neben der genannten Gerechtigkeit, gibt es nach Sokrates Aussage noch weitere Tugenden, die sie „auf der Suche nach der einen Tugend“ gefunden haben und die sich von den aufgezählten Menons unterscheiden (74a), wie z.B. Besonnenheit (78d).

Sokrates drängt Menon stetig dazu Tugenden zu definieren, ist jedoch mit keiner seiner Versuche einverstanden, da Menon die Tugenden zerstückelt: „[...] da ich dich gebeten habe, die Tugenden als Ganzes zu bestimmen, du aber weit davon entfernt bist [...]“ (79b). Durch die ständigen Gegenfragen Sokrates, widerlegt er die anfängliche, funktionale Definition der Tugenden Menons, stellt jedoch auch selbst keine eindeutige Definition auf, womit der erste Teil des Dialoges aporetisch endet.

3.2 Die Erkenntnistheorie

Nach einer Anschuldigung Menons, der sagt, dass Sokrates ihn „behext“, „bezau­bert“ und „betört“ (80a), erzählt Sokrates ihm von Worten, die er bei Priestern gehört hat, die behaupten, dass die Seele unsterblich sei (81b). Dem zu Folge kann die Seele, die unsterblich ist, sich an alles erinnern, was sie auch schon früher wusste (81c). Diese Erkenntnistheorie von Sokrates wird als Anamnesis bezeichnet und ist einer der Schlüsselmomente in dem Dialog. Die Seele, die schon mehrmals wiedergeboren, also unsterblich ist, kann sich an alles erinnern, was sie während der Zeit auf der Erde und im Hades gelernt hat. Jedoch geht dieses Wissen mit der Wiedergeburt verloren, kann jedoch wieder abgerufen werden: „Denn das Suchen und das Lernen ist ganz und gar ein Wiedererinnern“ (81d).

Diese Anamnesis möchte Sokrates mit einem Sklaven demonstrieren, der nach Me­nons Aussage keine mathematischen Vorkenntnisse hat. Dieser hat nun die Auf­gabe den Flächeninhalt eines Quadrates zu verdoppeln (82b). Mit Hilfe von Thesen, die Sokrates aufstellt, leitet er den Sklaven zu der Beantwortung der Frage (82c), wobei er wiederholt darauf aufmerksam macht, dass er den Sklaven nichts lehrt: „Siehst du, Menon, dass ich ihn nichts lehre, sondern alles nur erfrage?“ (82e). Der Sklave beteuert, dass er die Antwort nicht kennt, was für Sokrates die Vorausset­zung für eine Beantwortung ist (84b) - das Schlüsselwort ist auch hier wieder die Aporie. Aus der korrekten Beantwortung der Frage, leitet Sokrates ab, dass alle Meinungen, die der Sklave geäußert hat, in ihm stecken und sie durch die stetige Befragung, wie in einem Traum aufgedämmert und hervorgeholt worden sind (85c). Und so beendet er diesen Teil des Gesprächs mit den Worten: „Wenn also die Wahrheit des Seienden immer schon in unserer Seele wohnt, dann muss doch wohl die Seele unsterblich sein, so dass du getrost versuchen solltest, das zu suchen und dir ins Gedächtnis zu rufen, was du jetzt gerade nicht weißt, das heißt, woran du dich nicht erinnerst?“ (86b).

Sokrates bringt Menon den Glauben an die Anamnesis, die Unsterblichkeit der Seele nahe und erklärt mit Hilfe der Geometrieaufgabe, dass Lernen Wiedererinne­rung ist.

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2022
ISBN (PDF)
9783346703767
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Erscheinungsdatum
2022 (August)
Note
1,3
Schlagworte
tugend eine betrachtung
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