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Die Bekämpfung der Katharer durch Innozenz III. in Südfrankreich

Seminararbeit 2007 21 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ausbreitung der Katharer in Südfrankreich
2.1 Verbindung von Innozenz III. und Philipp II

3 Maßnahmen Innozenz´ III. zur Bekämpfung der Katharer
3.1 Die Ketzerpolitik Innozenz´ III
3.1.1 Reintegration der Humilaten und Waldenser in die Kirche
3.1.2 Humilaten
3.1.3 Waldenser
3.2 Die Bulle Vergentis in senium
3.3 Das IV. Laterankonzil
3.3.1 Kanon 1, Der katholische Glaube
3.3.2 Kanon 3, Vorgehen gegen Häretiker
3.3.3 Kanon 10, Einsetzung von Predigern
3.3.4 Kanon 13, Verbot neuer Ordensgemeinschaften

4 Schlussteil

5 Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1 Quellen
5.2 Literatur

1 Einleitung

Das Mittelalter kannte eine Fülle von Häresien, wobei das Katharertum als größte Bedrohung der katholischen Kirche galt.[1] Sobald man sich nun näher mit dem Thema der Katharer beschäftigt, wird der Blickwinkel sofort nach Südfrankreich gelenkt. Im Süden Frankreichs befand sich das Zentrum der Katharerbewegung, die sich von Toulouse aus verbreitete.[2] Jedoch stellt sich hierbei die Frage, wieso sich gerade dort ihr Hauptsitz befand und vor allem, ob keinerlei Maßnahmen gegen diese religiöse Abspaltung seitens der Kirche ergriffen wurden. Natürlich wurden Maßnahmen gegen die Katharer in Angriff genommen, die von dem damaligen Papst, Innozenz III. ausgeübt wurden. Aber mit welchen Mitteln versuchte das Oberhaupt der Geistlichkeit die Katharer zu vernichten? Um der enormen katharischen Ausbreitung in südfranzösischen Regionen auf den Grund zu gehen und gleichzeitig einen Überblick über die päpstlichen Gegenmaßnahmen zu gewinnen, beschäftigt sich diese Ausarbeitung mit den Gründen für die Begünstigung der Katharer in der besagten Region und Innozenz´ politischen Maßnahmen, um seinen Kampf gegen die häretischen Bewegungen voranzutreiben.

Um zunächst die Gründe für die territorial gebundene Ausdehnung zu erörtern, wird die Beziehung von Innozenz und dem zur gleichen Zeit amtierenden König Philipp August II. analysiert. Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern der König die Vorhaben des Papstes bezüglich der Katharerangelegenheit unterstützt hat. Des Weiteren wird die Ketzerpolitik Innozenz´ anhand einiger Beispiele dargestellt. Der erste Aspekt ist die Reintegration der Humilaten und Waldenser in die katholische Kirche, die Innozenz nutzte, um seine Bekämpfung der Ketzer voranzutreiben. Fortgefahren wird mit der Bulle v ergentis in senium, die ein weiterer Schritt des Papstes war, um die Unterstützung der Katharer zu unterbinden. Zum Schluss wird das IV. Laterankonzil vorgestellt, dass die wichtigste Maßnahme des Papstes, die in dieser Arbeit behandelt wird, darstellt. Aus den Beschlüssen des IV. Laterankonzils wurden vier ausgewählt, die die Politik Innozenz´widerspiegeln.

Dem Ziel der Arbeit entspricht zum einen, die Gründe aufzuführen, die die Katharerausbreitung in Südfrankreich begünstigen konnten und andererseits an ausgewählten Beispielen einen Überblick über Innozenz´ Ketzerpolitik zu verschaffen.

In der Forschungsgeschichte der Neuzeit nehmen die Katharer, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Aufmerksamkeit der Forschung auf sich zogen, einen wichtigen Platz ein.[3] Die vorliegende Arbeit stützt sich bezüglich der Ausbreitung der Katharer im Besonderen auf die zentralen Werke von Arno Borst, Hans-Georg Deggau und Herbert Grundmann sowie auf Malcolm Lamberts „Geschichte der Katharer“. A. Borst, der mit seinem Werk „Die Katharer“[4] die wissenschaftlichste und gleichzeitig ausführlichste Darstellung zu diesem Themengebiet im deutschen Sprachraum bietet,[5] und Malcolm Lambert[6] geben dem Leser eine gute Einführung in die Geschichte der Katharer. 1935 machte sich Herbert Grundmann zur Aufgabe, die Ketzer in seiner Darstellung „Religiöse Bewegungen im Mittelalter“[7] in das mittelalterliche Geistesleben einzuordnen.[8] Hans-Georg Deggau verschafft hingegen in seinem Werk „Befreite Seelen“[9] einen Gesamtüberblick über die Ausbreitung des Katharismus´ in Südfrankreich.

Bezüglich Innozenz´ Ketzerpolitik berufe ich mich hauptsächlich auf die Werke von Frank Werner und Markus Hirte sowie auf Malcolm Lambert „Medieval Heresy“. M. Hirtes „Papst Innozenz III.“[10] und F. Werners „Papst Innozenz III. (1198-1216) und die häretische Armutsbewegung“[11] bieten eine genaue Darstellung der politischen Maßnahmen des Papstes gegen die Katharer, wobei sich Hirte intensiver mit dem IV. Laterankonzil beschäftigt. M. Lambert beschäftigt sich außerdem auch mit der Reintegration der Waldenser und Humilaten und bietet mit „Medieval Heresy“[12] einen Querschnitt durch die gesamten mittelalterlichen häretischen Bewegungen.

Um den Quellenbestand bezüglich der Katharer erfassen zu können, muss man zunächst zwischen den von den Katharern selbst verfassten Dokumenten und denen, ihrer katholischen Gegner, unterscheiden.[13] Zu den wenigen erhaltenen katharischen Quellen gehören das provencalische Rituel de Lyon und das lateinische Rituel de Florence, in denen die katharischen Riten sowie Glaubenskonzeptionen beschrieben werden. Das lateinische Rituel de Florence war einem Selbstzeugnis der Katharer beigefügt, dem von Johannes von Lugio verfassten Liber de duobus pricipiis.[14] Diese, um 1280 entstandene Quelle gilt als das bedeutendste Zeugnis des katharischen Glaubens. Hierbei ist anzumerken, dass die nüchternen Darstellungen der Katharer, weitaus wertvoller für die Forschung sind als die von Vorurteilen durchzogenen Schriften ihrer katholischen Gegner.[15] Im Gegensatz zu den katharischen Dokumenten, gibt es eine große Anzahl der Quellen, die von der katholischen Seite über die Katharer berichten. Das bekannteste Werk gegen die Katharer ist die Summa quadrapartita, in der der Zisterzienser Mönch Alanus ab Insulis ihnen vorwirft, die Bibel falsch interpretiert zu haben.[16]

2 Ausbreitung der Katharer in Südfrankreich

Die ersten Spuren der katharischen Lehre, die im Laufe der Zeit tiefere Wurzeln schlug, lassen sich Ende des 10. Jahrhunderts im südlichen Teil Frankreichs finden.[17] Da in Toulouse, von wo aus sich der Katharismus schließlich ausbreitete, seine meisten Mitglieder wohnten, befand sich dort der Hauptsitz dieser Glaubensbewegung. Von dort aus wurden Missionare in die benachbarten spanischen Provinzen Aragon, Katalonien und Leon geschickt, um auch dort zahlreiche Anhänger zu werben.[18]

Das Zusammenwirken verschiedener Faktoren begünstigte die Verbreitung der Katharer, zu denen vor allem angesehene Bürger gehörten. Besonders im zwölften Jahrhundert trugen die politischen, geistlichen sowie sittlichen Zustände der südlichen Region zur Ausdehnung des Katharismus´ bei. Durch den Zusammenschluss des Adels mit der Katharerbewegung gewann diese vor allem in Südfrankreich eine besondere politische Bedeutung.[19] Seit dem von dem Legaten Kardinal Heinrich von Albano angeführten Kreuzzug gegen die Katharer im Jahre 1181 gab es vorerst keine weiteren öffentlichen Maßnahmen gegen den Katharismus in Südfrankreich. Die Sekte konnte offiziell und ungehindert neben der katholischen Kirche bestehen und wurde somit nicht nur im Süden Frankreichs, sondern auch in Oberitalien zu einer ernstzunehmenden Bedrohung der katholischen Kirche.[20]

Der Verfall der Sitten sowie die Missbräuche der Geistlichen in Südfrankreich ist eine der Hauptursachen, die die Katharsimusverbreitung förderte.[21] Die Geistlichkeit verlor dadurch, dass sie ihre Strenge und Zucht vor allem in den südfranzösischen Regionen nicht mehr nachging, ihr Ansehen und wurde letztlich sogar vom Volk verachtet. In Folge dessen waren die Gottesdienste kaum besucht und die Kirchen standen meist leer und verfielen.[22] Die sittliche Reinheit der Katharer hingegen hinterließ einen tiefen Eindruck bei dem Volk. Ihr Leben stellte die enthaltsame Tugend dar, an die sich die römische Geistlichkeit in den südfranzösischen Gebieten zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr hielt.[23] Die Anzahl derer, die sich dem kirchlichen Glauben widersetzten und sich den Katharern anschlossen, wurde immer größer, sodass sie sich im ganzen Languedoc, in der Provence, der Guyenne und in Teilen der Gascogne ausbreiteten.[24] Die Erzdiözesen Narbonne, Bordeaux und Bourges wurden dadurch ernsthaft von den Katharern bedroht.[25] Der ansteigende Wohlstand in den Städten verstärkte das Verlangen nach Freiheit der Bewohner immer mehr. Um ihr Ziel, die in diesen Regionen vorherrschende bürgerliche und politische Unabhängigkeit zu verteidigen, zu erreichen, suchte das Volk nach Lehren, die dem Christentum widersprachen.[26] Folglich war der Katharismus dem Volk sehr willkommen, wobei neben der katholischen sowie der katharischen Kirche auch noch die Waldenser, die ebenfalls eine große Anhängerschaft gefunden hatten, bestanden.[27]

Der Katharismus sprach alle sozialen Schichten an, nicht nur den eben genannte Adel, sondern auch Ritter, Gebildete und sogar Priester und Mönche folgten dem katharischen Glauben und wollten ihr Bedürfnis nach kirchlicher Unabhängigkeit stillen. Häufige Predigten seitens der Katharer festigten Volk und Adel in dem Widerstand gegen Rom und in der Anhänglichkeit an die Sekte, wobei die im Süden verbreitete ungestörte Freiheit des Geistes und die Unabhängigkeit der religiösen Ansichten verstärkt dazu beisteuerten.[28] Nicht nur unter den Landsherren, sondern auch bei hohen Geistlichen fanden ketzerische Meinungen der Katharer eine hohe Toleranz,[29] die dem Freiheitsdrang der stark individualistischen Bürger in Südfrankreich entsprang.[30] Zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert hatten sich sämtliche Barone Südfrankreichs dem Katharismus angeschlossen und gewährten seinen Lehrern und Oberhäuptern öffentlichen sowie wirksamen Schutz.[31]

[...]


[1] Malcolm Lambert, Ketzerei im Mittelalter. Häresien von Bogumil bis Hus, München 1977, S.165.

[2] Carl Schmidt, Die Katharer in Südfrankreich in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts (Beiträge zu den theologischen Wissenschaften I) Jena 1847, S.98.

[3] Arno Borst, Neue Funde und Forschungen zur Geschichte der Katharer, in: Historische Zeitschrift 174 (1952) S.17.

[4] Arno Borst, Die Katharer, Freiburg im Breisgau ²1991.

[5] Gerhard Rottenwöhrer, Der Katharismus. Quellen zum Katharismus, Bd.I/1, Bad Honnef 1982, S.XIII.

[6] Malcolm Lambert, Geschichte der Katharer. Aufstieg und Fall der großen Ketzerbewegung, Darmstadt 2001.

[7] Herbert Grundmann, Religiöse Bewegungen im Mittelalter. Untersuchungen über die geschichtlichen Zusammenhänge zwischen der Ketzerei, den Bettelorden und der religiösen Frauenbewegung im 12. und 13. Jahrhundert und über die geschichtlichen Grundlagen der deutschen Mystik, Reinheim ²1961.

[8] Arno Borst, Neue Funde und Forschungen zur Geschichte der Katharer, in: Historische Zeitschrift 174 (1952) S.25.

[9] Georg Deggau, Befreite Seelen. Die Katharer in Südfrankreich, Köln 1995.

[10] Markus Hirte, Papst Innozenz III., das IV. Lateranum und die Strafverfahren gegen Kleriker. Eine registerstützende Untersuchung zur Entwicklung der Verfahrensarten zwischen 1198 bis 1216 (Rothenburger Gespräche zur Strafgeschichte 5) Tübingen 2005.

[11] Frank Werner, Papst Innozenz III. (1198-1216) und die häretische Armutsbewegung. Wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung des Diploms in katholischer Theologie an der Theologischen Fakultät Trier, Trier 1993

[12] Malcolm Lambert, Medieval Heresy. Popular movements from the Gregorian Reform to the Reformation, Cambridge ²1992.

[13] Michael Hanssler, Katharismus in Südfrankreich. Struktur der Sekte und inquisitorische Verfolgung in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, Aachen 1997, S.28.

[14] Ebd., S.29.

[15] Ebd., S.29.

[16] Ebd., S.31.

[17] Carl Schmidt, S.85.

[18] Ebd., S.98.

[19] Herbert Grundmann, S.53.

[20] Ebd., S.53.

[21] Michael Hanssler, S.20.

[22] Carl Schmidt, S.90.

[23] Ebd., S.92.

[24] Ebd., S.93.

[25] Arno Borst, Die Katharer, S.85.

[26] Carl Schmidt, S.87.

[27] Ebd., S.86.

[28] Ebd., S.111.

[29] Ebd., S.112.

[30] Eugen Roll, Die Katharer, Stuttgart 1979, S.34.

[31] Carl Schmidt, S.93.

Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640324279
ISBN (Buch)
9783640326068
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v126516
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Katharer Innozenz III. Mittelalter

Autor

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